Benutzt ihr in eurem Bekannten-/Freundeskreis Präteritum, Konjunktiv I, II oder Futur II?

8 Antworten

Alle Verbformen haben ihre Bedeutung und ihren Platz in der Sprache und können nicht beliebig gegeneinander ausgetauscht werden.

Hinweis: Das Präteritum ist ein Sammelbegriff für alle Vergangenheitsformen. Manchmal wird dieser Begriff aber irrtümlich verwendet, wenn das Imperfekt gemeint ist.

"Ich habe mir einen Döner gekauft" ist eine abgeschlossenen Handlung, also Perfekt. Perfekt heißt fertig, zuende, abgeschlossen, vollständig.

"Ich kaufte mir gerade einen Döner, als mir einfiel . . ." Die Handlung ist noch nicht abgeschlossen, also Imperfekt. Das Imperfekt wird regelmäßig bei Erzählungen verwendet, auch wenn ich vom Ablauf des gestrigen Tages berichte. "Erst kaufte ich einen Döner, dann . . ."

"Ich hatte mir gerade einen Döner gekauft, als mir Tante Emma begegnete."  Plusquamperfekt, längst abgeschlossene Handlung. Hier eigentlich nur eine Zeit- oder Umstandsbestimmung, die mit der eigentlichen Aussage des Satzes (Tante Emma . . .) nichts zu tun hat.

Daneben gibt es im Süden das doppelte Perfekt, das aber in keiner Grammatik steht. "Ich habe . . . gekauft gehabt" und dessen Sinn ich nicht verstehe.

Das Futur II verwende ich vielleicht mal, aber dann nicht bewußt.

Auch mit dem Konjunktiv ist das so eine Sache. Zumal Konjunktiv Präsens häufig mit dem Indikativ Präsens identisch ist . ". . . wenn ich die Flasche leersaufe" = Indikativ = Konjunktiv. Anders in der 3. Person: "Er behauptet, er saufe regelmäßig . . ."

Ich habe mir einen Döner gekauft" ist eine abgeschlossenen Handlung, also Perfekt. Perfekt heißt fertig, zuende, abgeschlossen, vollständig.

"Ich kaufte mir gerade einen Döner, als mir einfiel . . ." Die Handlung ist noch nicht abgeschlossen, also Imperfekt. Das Imperfekt wird regelmäßig bei Erzählungen verwendet, auch wenn ich vom Ablauf des gestrigen Tages berichte. "Erst kaufte ich einen Döner, dann . .

Ich denke in der deutschen Sprache ist es umgekehrt:

"Ich habe gekauft" ist Präsens, das schon vorbei, aber noch nicht abgeschlossen ist (Perfekt). Du hast deine Ware immer noch in der Hand oder in einer Einkaufstasche.

"Ich kaufte" ist abgeschlossene Vergangenheit (Historisches Perfekt). Die Ware ist bereits im Schrank verstaut, bzw. die Esswaren sind schon verspeist.

"Früher **kaufte ich*** immer*" ist wiederholende Vergangenheit (Imperfekt).

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@Peti1966

Du sagst, du denkst, aber du glaubst. Ich weiß.

Ein Präsens, das vorbei ist, ist kein Präsens mehr. Sobald der Kaufvorgang abgeschlossen ist, gelten Imperfekt oder Perfekt oder Plusquamperfekt, je nachdem, was ich sagen will.

Wenn ich bezahlt habe, dann ist der Kaufvorgang abgeschlossen, dann habe ich gekauft, egal ob der Verkäufer mir die Ware gerade herüberreicht, ob ich sie schon oder noch in der Hand halte oder sie in die Einkaufstasche gelegt oder schon zuhause im Schrank verstaut habe.

In den Absätzen 3 und 4 widersprichst Du Dir.

"Ich kaufte" ist und bleibt Imperfekt, denn es beschreibt eine nicht abgeschlossene Handlung (lat. perfectus = vollständig, imperfectus = nicht vollständig, unvollständig). Das Imperfekt wird auch benutzt bei wiederholten gleichartigen Handlungen: früher kaufte ich regelmäßig oder immer bei XYZ.

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@Rudolf36

Ein Präsens, das vorbei ist, ist kein Präsens mehr. Sobald der Kaufvorgang abgeschlossen ist, gelten Imperfekt oder Perfekt oder Plusquamperfekt, je nachdem, was ich sagen will.>

Ich habe doch Perfekt in Klammern hingeschrieben.

"Ich kaufte" ist und bleibt Imperfekt, denn es beschreibt eine nicht abgeschlossene Handlung (lat. perfectus = vollständig, imperfectus = nicht vollständig, unvollständig). Das Imperfekt wird auch benutzt bei wiederholten gleichartigen Handlungen: früher kaufte ich regelmäßig oder immer bei XYZ.>

Wie ich auch geschrieben habe, sind "Imperfekt" und "Perfekt" auf die lateinische Sprache bezogen. In der deutschen Sprache ist die Anwendung bzw. Bedeutung gerade umgekehrt. Deshalb sagt man jetzt Präteritum I und Präteritum II (Vorvergangenheit).

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Es ist grundsätzlich so, dass es zwei Vergangenheitsformen im Deutschen gibt: Perfekt wird gesprochen(Sprechsprache), Präteritum ist die (Schrift)Sprache, die man in offiziellen Zusammenhängen: Radio, TV oder auch Literatur trifft.

Es gibt einige Ausnahmeverben, die man auch in der gesprochenen Alltagssprache im Prät. benutzt:(sein und haben) war/hatte und Modalverben wie musste, sollte, konnte... alles andere klingt gestelzt.

 

Konjunktiv II wird meist umgangen, indem das Verb mit würde umschrieben wird: ich würde gehen.

Aber auch hier ne Ausnahme..wieder haben und sein: ich wäre und ich hätte. und Modalverben: ich müsste, sollte, könnte..

 

So wird es auch in Deutsch als Fremdsprache unterrichtet.

Hoffe, ich habe geholfen, die Beobachtungen deines Freundes treffen also zu und das hier war die Erklärung :)

Interessante Frage! Also, im Rheinland, namentlich in Köln, wird der Konjunktiv noch recht häufig benutzt, etwa in Sätzen wie "Hätte ich doch damals..." oder "Wenn mir nicht die Krankheit dazwischen gekommen wäre..." Ich glaube, ein Kabarettist hat das mal den "Kölschen Konjunktiv" genannt.

Aus meiner Kindheit, die allerdings in den 1960er Jahren stattfand, ist ein Ausruf von mir überliefert: "Wenn da aber hohes Gras gewesen wäre...!" (Ich hatte zuvor ein Spielzeugauto verloren und deshalb gejammert und geschrien. Meine Großeltern hatten es gleich wiedergefunden.)

Ich selbst benutze den Konjunktiv Präsens manchmal in Floskeln wie "So sei es". In Alltagssätzen meist den Konjunktiv Präteritum.

Das Präteritum oder Imperfekt benutze ich ebenfalls bei den schon genannten Verben oder in der Form "Ich war hundemüde" oder "Da war es richtig nett".

Das Futur I benutze ich manchmal in zeitlichen Abfolgen wie: "Wenn ich mit X fertig bin, werde ich mich an Y ransetzen." Aber eher selten, meist nehme ich das Präsens zusammen mit Adverbien wie "bestimmt" oder "wahrscheinlich".

Das Futur II benutzt man in der gesprochenen Sprache so gut wie nie, höchstens als Karikatur. Weder früher noch heute. Da ist es aber auch nicht schade drum, finde ich.

Ich halte es übrigens für eine Unsitte, dass die Zeitungen in ihren Überschriften nur noch das Präsens benutzen - egal ob etwas vor zwei Jahren passiert ist oder gestern oder noch gar nicht. Damit untergraben sie die Glaubwürdigkeit ihrer Meldungen. In der Umgangssprache erzählt man fiktive Geschichten (z. B. Filme) im Präsens und das, was einem wirklich passiert ist, im Perfekt oder Präteritum.

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