Benötige Hilfe beim Boxenbau

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo Maths,

Ich habe früher professionell Lautsprecher im High-End-Bereich entwickelt und bin Fachmann auf diesem Gebiet. Ich habe ebenfalls als Schüler begonnen und bin sehr schnell zu der Einsicht gekommen, dass ohne Verständnis für die entsprechenden Grundlagen der Physik und der Lautsprecher- und Frequenzweichentechnik zufriedenstellende Ergebnisse eher ein Zufall sind.

Zu meiner Zeit gab es nur wenig Literatur und nach dem Studium dessen, was ich auftreiben konnte, ging es langsam Aufwärts.

Ich finde deine Eigeninitiative gut und versuche dir zu helfen, wobei mir bewusst ist, dass dein Fachwissen eigentlich noch nicht ausreicht, um die komplizierten Zusammenhänge zu verstehen, deshalb versuche ich es allgemein verständlich, ich hoffe, dass es mir gelingt.

  • Da du nur wenig Geld investieren kannst, kann ich deine Auswahl verstehen, obwohl sie nicht optimal ist. Der TT ist brauchbar (laut Daten und Frequenzgang), der Konushochtöner klingt für den Preis ordentlich (war schon in meinem Labor und habe ich auch gehört), der Mitteltöner gefällt mir nicht. Erster Grund ist die geschlossene Konstruktion mit einem geringen Luftvolumen, dass die Resonanzfrequenz sehr nach oben verschiebt (500Hz). Außerdem hat der MT bei ca. 5000Hz eine Unregelmäßigkeit von fast 10 dB, die du mit keiner Frequenzweiche kompensieren kannst. Besser wäre ein offener Konus-MT, dem du beim Einbau ein separates und deutlich größeres geschlossenes Volumen mit guter Bedämpfung spendierst.
  • Ob geschlossen oder Bassreflex hängt ab von den sogenannten Thiele-Small-Parametern und einigen konstruktiven Details, dazu gehört bei Bassreflex ein TT, der einen sehr großen Hub machen kann, ohne das der Schwingspulenträger gegen die hintere Polplatte schlagen kann. Da du nicht messen kannst, hast du nur die Möglichkeit, empirisch vorzugehen. Zuerst rechnerisch das Volumen bestimmen und dann ein geschlossenes Gehäuse bauen, dass etwas größer als errechnet ist. Dann kannst du mit mehr oder weniger Dämmateriel sowie Verkleinerung des Volumens in kleineren Schritten (einlegen und befestigen von Holzplatten) das klangliche Optimum herausfinden. Dein Ohr ist ein hervorragendes Messinstrument und sollte den Ausschlag geben!!. Wenn du in diesem Testgehäuse die Frontwand verschraubbar machst, kannst du sie im nächsten Test gegen eine Front mit Bassreflexöffnung austauschen. Wenn du eine Oberfräse einsetzen kannst, kann die Öffnung ein paar 10tel mm größer gefräst werden als in Frage kommende Kunststoffrohre, die du im Baumarkt bekommst. Dann viele Kleinere Rohrstücke abschneiden, mit einem kurzen beginnen, bei Bedarf Ringe ansetzen und mit Klebeband befestigen. Dazu gehört wieder Probe hören und, falls du ein NF-Millivoltmeter, einen Tongenerator und einen 100 Ohm-Widerstand hast, eine sehr einfache Methode, die richtige Rohrlänge auszumessen (beschreibe ich dir, wenn du auch die Voraussetzung hast).
  • Wenn du dich an die vorgeschlagene Übergangsfrequenz und Flankensteilheit von Visaton orientierst, könntest du mathematisch korrekt die entsprechenden Tiefpass- Bandpass-Hochpassfilter in 12 dB/Okt. errechnen, leider liegt das meistens deutlich neben dem Ergebnis, dass man messtechnisch und durch intensives Hören ermittelt. Dir jetzt einen genauen Vorschlag zur exakten Dimensionierung zu machen, wäre stümperhaft und darf ich dir als Fachmann nicht geben, da es immer nur eine Annäherung an ein Optimum sein könnte, was für mich keinen Sinn macht.

Regeln, die ich immer eingehalten habe:

  • keine Tonfrequenzelektrolythkondensatoren verwenden, nur gute Folienkondensatoren.
  • Im Signalweg keine Induktivitäten mit Ferritkern, sondern nur Luftspulen (am besten generell von Ferritdrosseln die Finger lassen).
  • Dämmaterial: Damit stehende Wellen (Resonanzen) im Gehäuse nicht hörbar werden, verwende ich Dämmaterial da, wo Schwingungsbäuche auftreten, Schwingungsknoten sind immer an der Gehäuseaußenwand, da benötige ich kein Dämmaterial bzw. dort angebrachtes Dämmaterial bewirkt fast nichts, da da nichts gedämmt werden kann. Erst die ins Innere hineinragende Dämmschichten entwickeln ihre Wirkung, indem sie Luftteilchen in den Schwingungbäuchen kinetische Energie entziehen. Ansonsten gilt auch hier: hören, hören und nochmal hören.
  • Klemmen sind schlecht, schraubbare Anschlüsse sind besser, z.B. Polklemmen. Die teuren vergoldeten Anschlussets bringen dir nichts, stecke dein Geld lieber in gutes Weichenmaterial und vielleicht bessere Chassis.

Den Rest schreibe ich in einem Nachtrag, ich habe die maximale Zeichenzahl fast erreicht.

Grüße dalko

Nachtrag:

Wichtig: Das Gehäuse so konstruieren, dass es nicht in Schwingung versetzt wird. Die Lautsprecher sollen schwingen, sonst nichts. Also kein dünnes Gehäusematerial, sondern MDF-Platten oder auch Spanplatten nicht unter 22mm Wandstärke. Stehende Wellen vermeidet man übrigens, wenn keine Wand zur anderen parallel ist. Das setzt aber viel Können in der Holzbearbeitung voraus, deshalb sind die meisten Klangtrümmer Kisten mit rechten Winkeln....schade.

Kein Witz:Traust du dich an Beton ran? Ein tolles Material...

Ansonsten gäbe es noch sehr viel zu beachten, dann bin ich aber in 3 Tagen noch nicht fertig...grins.

Grüße dalko

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@dalko

Wow vielen Dank!

Kennen sie einen Bausatz für Boxen? Also, dass man Chassis mit einer passenden Frequenzweiche kaufen kann. (Also ich hab zwar auch schon welche gefunden, aber wie oben beschrieben, waren die Bewertungen irreführend) Ich denke, das wäre zum Anfang besser oder? Ich habe auch vor, mir Fachliteratur zum Thema Tontechnik zu kaufen, falls sie Empfehlungen haben würde ich mich freuen, ansonsten nehme ich die schon ausgesuchten Bücher.

Grüße Maths

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@Maths

Ich schau mal nach, was der Markt so hergibt und mache dir dann einen oder mehrere Vorschläge mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Eventuell orientiere ich mich an kompletten Bausätzen, tausche aber minderwertige Komponenten direkt gegen bessere aus, was nicht unbedingt teurer werden muss.

Vielleicht kannst du mir noch mitteilen, wie groß die Lautsprecher sein dürfen und wo du sie aufstellen kannst (Raumecke oder in der Mitte einer Wand, direkt an einer Wand oder im Abstand von..?? m. Der Aufstellungsort hat nämlich großen Einfluss auf die Basswiedergabe. Und ebenfalls wichtig, wieviel möchtest du ausgeben?

So, jetzt hätte ich beinahe noch was vergessen...wir quatschen uns hier alle mit "du" an, das wäre sonst zuviel der Ehre, und davon kriegt man dann nen dicken Hals... ;-)

Ich melde mich morgen, für heute gute Nacht.

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@dalko

Hallo Maths,

Hier ein Link zu einer Seite mit einer guten Litaraturauswahl zum Thema Lautsprecher:

http://www.winboxsimu.de/reload.html?Lit_Info.html

oben links unter "historische Bücher" findest du ein Buch von H.H.Klinger, der im Franzis-Verlag diverse Bücher veröffentlicht hat. Seine Bücher findest du nur noch gebraucht bei Ebay, im modernen Antiquariat und in Bibliotheken, und obwohl sie die neueste Technik nicht behandeln, sind die darin behandelten Grundlagen auch heute noch gültig und ermöglichen dir einen hervorragenden Einstieg.

Alle anderen Bücher sind weiterführende Literatur und beleuchten das Thema jeweils aus einem anderen Blickwinkel.

Kannst du mitteilen, welche Literatur du bereits ausgewählt hast?

Moderne Literatur, die sich mit digitaler Messtechnik auf der Grundlage der FFT (Fast Fourier Transformation) beschäftigt, schiebe ich später nach, da für den Einstieg nicht geeignet. Wenn du aber dieses Hobby intensivieren möchtest, kommst du bald nicht mehr um diese digitale Messtechnik herum, denn

  • sie ist verhältnismäßig preiswert, da normale PC-Technik als Grundlage dient
  • brauchbare Messmikrofone mit Frequenzgangschrieb erschwinglich geworden sind
  • preiswerte und hervorragende Software erhältlich ist
  • du kannst in Foren viele hochspezialisierte Mitglieder finden, die sich bereits eingearbeitet haben und sehr gutes Fachwissen besitzen, die dir diese Messtechnik gut erklären können. Mache dir schon mal klar, dass auch dein Schädel rauchen wird ;-)

Ich habe schon angefangen, Lautsprecherbausätze zu sichten, kann mich aber noch nicht entscheiden, was ich dir empfehlen soll, ich brauche noch Antworten auf meine Fragen.

Du hast übrigens von irreführenden Bewertungen gesprochen, was genau meinst du damit? Kannst du ein Beispiel bringen?

Generell würde ich mit einem 2-Wege-Lautsptecher beginnen. Das Ergebnis, wenn richtig gemacht, kann absolut hochwertig sein, man benötigt nicht unbedingt x-Wege-Konstruktionen, da das Erzielen eines guten Ergebnisses immer schwieriger wird und die Kosten deutlich höher sind.

Es wird wahrscheinlich auch eine Bassreflex-Konstruktion werden, denn die Basswiedergabe wird etwas druckvoller und lebendiger, auch wenn sie im extremen Tiefbass schwächer ausfällt als bei einem geschlossenen Gehäuse. Da dieser Tiefbass aber im Musikmaterial eher untergeordnet ist und sinnvoll erst in einer ganz anderen Preisklasse abgebildet werden kann, verzichte ich gern auf ein paar Hertz, wenn dafür der Bereich darüber intensiver ist.

Grüße dalko

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Hallo Maths,

ich habe früher selbst sehr viele Boxen in allen Formen und Varianten gebaut weil es einfach Spaß gemacht hat.

Nun zu deinen Fragen:

1) Klingt von der Zusammenstellung nicht schlecht - kann man nehmen.

2) Geschlossene Gehäuse bringen einen guten Klang, jedoch hast du da nicht viel "Druck" hinter. Geht es dir hauptsächlich um ordentlich Bass, wäre ein Bandpass die richtige Wahl. Bassreflex ist so ein Mittelding kann man sagen. Es ist drauf zu achten, dass auch das Bassreflex-Rohr ordentlich berechnet wird sonst kommt entweder der Bass nicht richtig rüber oder es gibt störende schnurrende Geräusche.

3) Spontan 60l zu sagen ist schwer möglich. Das Gehäuse sollte für jeden Subwoofer einzeln berechnet werden.

4) Eigentlich nur drauf achten, dass die richtig angeschlossen wird ;-)

5) Kann man auch separat ausrechnen. Ich habe immer im Gehäuse ringsrum eine ca. 2 Zentimeter starke Schicht ganz normalen Schaumstoff eingeklebt und das hat immer vollkommen ausgereicht.

6) Hier würde ich Anschlüsse wählen bei denen das Kabel verschraubt wird und nicht die Klemmdinger. Du bekommst einfach mehr Halt.

7) Die Lautsprecher schön festschrauben, ebenso das Gehäuse. Sauber arbeiten beim Sägen der einzelnen Wände. Die Wände verleimen und fest verschrauben - Löcher vorbohren! Später mit Acryl abdichten - ist billiger als Silikon und wirkt genauso gut. Die Sägespäne vom Sägen aufheben und mit Holzleim verrühen - kann man später wunderbar auf die Schrauben schmieren damit man diese später nicht mehr sieht sofern man das Gehäuse nicht verkleiden möchte.

Hi Startails,

vielen Dank für die schnelle und vor allem hilfreiche Antwort :) .

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Diese Frage vielleicht im hififorum stellen ...

Hi,

gute Idee, aber ist jetzt ja nicht mehr nötig :) .

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Nun habe ich hier zwei Blaupunkt GT Series ... 145 Watt bei 4 Ohm Lautsprecher in einem gemeinsamen Gehäuse mit Trennwand drin. Und zusätzlich einen Doppelschwingspulen-Subwoofer mit jeweils 70 Watt und 4 Ohm Diese kann ich in Reihe oder Parallel schalten. Wenn ich die aber jetzt Parallel schalte sind wir bei 2 Ohm. Ist das für ein Uralt Teil ein Problem? (einen Lüfter könnte ich einbauen an den Plattenspieleranschluss mit 12 Volt)

Wenn ich das jetzt in Reihe schalte, kann es sein dass der Subwoofer zu stark belastet wird: Rockwood, 16cm , norm. 30 Watt , max 70 Watt (alles x2 wegen Doppelschwingspule) Und die Blaupunkt kommen mit norm. 45 Watt und max. 145 Watt an den Start.

Ausgangsleistung der Anlage ist 100 Watt und 6 Ohm.

Das brachte mir nicht viel : http://www.nubert.de/downloads/ts_impedanz.pdf

Wenn ich die Parallel schalte bekommt der Doppelschwingspulensubwoofer nur die Hälfte und ist mit 2x 50 Watt auch zufrieden. Oder würde das genauso sein wenn ich die Chassis in Reihe schalte ?

Wenn ihr mir helft bin ich glücklich :)

Ach ja: 2x 100 Watt sollte man nicht voll aufdrehen, weil sonst klingelt es an der Tür.

Nur im Auto bitte xD

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