Bemerkt denn keiner diese Ungerechtigkeit?

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14 Antworten

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Bemerkt denn keiner diese Ungerechtigkeit?

Finde ich eher ne große Herausforderung, als ne Ungerechtigkeit.
Betroffene sollten sich intensiv damit auseinandersetzen, weiter ihre Kräfte für ihre Werte mutig und geschickt einsetzen.
Vielleicht sogar mal nach eigenem gesunden Menschenverstand handeln.
Oder auch mal das eigene Gewissen befragen.

Ich glaube nicht, dass jemand dabei (deine Erzählung) ein Leben lang mitmachen muss.
Jeder wie er will und kann.

Freiheit ist nicht die Abwesenheit von Beschränkung und Begrenzung. Sie besteht vielmehr in einer schöpferischen, erfinderischen Art des Reagierens auf diese Beschränkung, in der wir unsere Selbstheit finden. C.G.Jung


Ich persönlich sehe da keine Ungerechtigkeit, denn mein von Dir zitierter Satz 

Mit KEINER - wenn er darauf allerdings "aus Glaubensgründen" verzichtet, dann kann er in unseren Breiten hauptsächlich mit dem Gespött der Menschen rechnen, die sich ihr Leben nicht von tausend Jahren alten Märchenbüchern diktieren lassen.

gilt genauso für ein Mädchen!

Meiner Erfahrung nach ist diese Ungleichbehandlung im wesentlichen in den von Dir geschilderten Kulturen der Fall, moderne Menschen machen hier keinen Unterschied!

Jungfräulichkeit wird oft völlig überbewertet. In ferner Vergangenheit war eine jungfräuliche Braut die Gewähr dafür, dass der frischgebackene Ehemann nicht versehentlich die Nachkommen eines Konkurrenten großzieht bzw. eine ledige Mutter ohne Versorger mittellos zurückbleibt. Daher haben praktisch alle Religionsstifter den vorehelichen Verkehr zur "Sünde" erklärt und entsprechend sanktioniert - was ja auch durchaus gut gemeint und mangels Alternativen der einzig mögliche Weg war.

Leider gibt es immer noch Kulturen, welche diese (und andere - ich sag nur "Ernährungsvorschriften") gut gemeinten jahrhundertealten Regeln bitterernst nehmen ohne diese in den Kontext der heutigen Zeit zu setzen - bis hin zum ("Ehren-")Mord, da die "Ehre" der ganzen Familie an der Jungfräulichkeit der Tochter gemessen wird... .

Dank Geburtenkontrolle, Safer Sex und Vaterschaftstest sind die eigentlichen Beweggründe für die Forderung nach Jungfräulichkeit längst obsolet. Jetzt geht es nur noch um diesen obskuren Begriff der "Ehre" - wobei meiner Meinung nach der wichtigste Beweggrund die Angst vor dem Vergleich ist ("Was ist, wenn meine Frau/mein Mann mit einem meiner Vorgänger mehr Spaß hatte...?"). Für Männer mit schwachem Selbstbewusstsein ist dies natürlich ein "Brocken" an dem sie erst mal kauen müssen... .

Interessant ist, dass dieses Ideal dann allerdings oft mit allerlei Doppeldeutigkeiten umgangen wird. So ist es manchen Muslimen gestattet eine Zeitehe einzugehen - d.h. ein Mann kann eine Frau (Prostituierte) für eine Stunde "heiraten" und verstößt so nicht gegen heilige Gebote. Viele Gläubige - auch in der christlich-amerikanischen "Purity-Bewegung" haben einfach bis zur Ehe ausschliesslich Oral- und Analverkehr und bleiben so "rein" und "jungfräulich" bis zur Ehe... .  Die Männer hat das Keuschheitsgebot ohnehin noch nie interessiert, weswegen sie es völlig in Ordnung finden "sich die Hörner abzustoßen", gleichzeitig aber mal eine Jungfrau heiraten möchten. Sex ist ja etwas, was den Partner nicht "abnutzt" oder "entweiht" - warum also das ganze Bohei?

Ob man also sein modernes Leben nach den Buchstaben uralter Schriften richten muss und ein schlechtes Gewissen haben muss, weil man nicht mehr lebt wie vor tausend und mehr Jahren, muss jeder für sich entscheiden bzw. sich überlegen, ob er sich von anderen Menschen (Pfarrer, Imam, Rabbi oder sonstwem) sein Leben diktieren lassen möchte. Moralische Vorgaben ändern sich mit der Zeit - vor ein paar Jahrzehnten war auch in Deutschland ein unverheiratet zusammenlebendes Paar, eine ledige Mutter oder eine Scheidung noch etwas, worüber man sich öffentlich aufregen durfte - heute interessiert das fast niemanden mehr.

Menschen mit gesundem Selbstbewusstsein begrüßen es, wenn die Frau/der Mann auch noch andere Erfahrungen hatte, denn sonst fragen sich viele erst später, wie es denn mit einem anderen Partner wäre... .

Da Sex auch ein wichtiger Faktor in einer Beziehung ist (auch wenn einige Moralapostel dies immer wieder bestreiten), sollte man sich auch im Bett verstehen. Hier den Partner erst zu heiraten und dann herauszufinden, ob man die gleichen Vorstellungen von gutem Sex hat, ist als würde man an der Schiessbude versuchen einen Treffer zum Hauptgewinn zu landen - blind und mit nur einem Schuss. Viel Glück dabei... .

Da das "erste Mal" ja nichts "magisches" ist, was eine bessere oder glücklichere Partnerschaft garantiert, sollte man sich davon nicht abhängig machen und glauben man "müsse" nun den/die "Erste(n)" unbedingt heiraten... . 


Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Gemäß deiner Beschreibung ist es das, aber beide müssen in gleicherweise mit Konsequenzen rechnen, es ist für beide eine Sünde.

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