Beispiele für deutschen Sprachwandel?

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9 Antworten

Hallo,

Denglish

Anglizismen in der deutschen Sprache


Anglizismen haben zweifelsohne Einfluss auf unsere Sprache. Ich glaube auch, dass sich diese Entwicklung mit fortschreitender Globalisierung nicht aufhalten lassen wird.

Sprache ist nun mal lebendig und verändert sich.

Im Zeitalter von Chat, Blogs, Foren und sozialen Netzwerken wie fb sind auch Wortschöpfungen, wie adden, liken usw. angesagt, ob es einem gefällt, man es versteht und man diese Wortschöpfungen nutzt, ist eine andere Sache.

Einige solcher Wortschöpfungen bleiben Modeerscheinungen, andere setzen sich über einen mehr oder weniger langen Zeitraum auch durch und finden sich dann auch im Duden wieder.

Auch wenn z.B. in Frankreich Anglizismen bis März 2015 mehr als 20 Jahre lang per Gesetz verboten waren und in Deutschland alljährlich der Sprachpanscher (2007: DB) und der Sprachwahrer (2013: DB) des Jahres gekürt werden (siehe: PS),

ist die Sprach- und Wortwanderung keine Einbahnstraße und auch nicht neu.

Wir importieren nicht nur Wörter aus dem Englischen und aus anderen Sprachen – bei manchen wird die Schreibweise angepasst (dt. Keks = engl. cakes = Kuchen pl.) –

sondern exportieren genauso deutsche Wörter ins Englische – manche davon werden in der Schreibweise übernommen (kindergarten) – und in andere Sprachen.

Zu den 'ausgewanderten' deutschen Wörtern, die nach England und Amerika ausgewandert sind, gehören u.a. blitzkrieg, autobahn, kindergarten (aus der Zeit des 3. Reiches) und rucksack (ein Wort, was durch die Weltkriege in Ausland gelangte).

Aber auch: Gemütlichkeit, Zeitgeist, Wunderkind, Bauhaus, Ding an sich, Schnitzel, Pretzel, bratwurst, sauerkraut, beerfest, Doppelgänger, Schnaps, dachshund, gedankenexperiment, fahrvergnuegen usw.

Ganz interessante Artikel dazu kannst du ergoogeln unter:

- Deutsche Wörter ein Exportschlager

(bairische-sprache.at/Index/Zeitungsartikel/2009/MM/Deutsche%20Woerter%20-%20ein%20Exportschlager%20-%20MM%2013.7.2009.pdf)

- Diese deutschen Wörter werden im Ausland benutzt

(merkur-online.de/aktuelles/kultur/diese-deutschen-woerter-werden-ausland-benutzt-882170.html)

  • Denglisch für Anfänger I (fr-online.de/meinung/kolumne-denglisch-fuer-anfaenger-i,1472602,3244474.html)

- Zwiebelfisch: Weltsprache Deutsch

(spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-weltsprache-deutsch-a-356502.html)

Eine Liste mit Germanismen findest du unter folgendem Link:

spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-deutsch-als-amtssprache-der-usa-a-295157.html

Außerdem gibt es in der deutschen Sprache auch und weit mehr lateinische und griechische Wörter als englische, worüber man sich bei weitem nicht so aufregt, wie über die Anglizismen.

Wenn man wie so oft gefordert wird, sämtliche (Schein-) Anglizismen aus der deutschen Sprache verbannen würde, wie es sooft von allen möglichen Seiten gefordert wird, täte man sich schwer. Mir fallen auf Anhieb 20 'englische' Wörter ein (Job, Sweatshirt, Gangster, Computer, Hobby, Champion, Walkman, Camping, Band, Jeans, Popstar, Hit, Shorts, Steak, Toast, Clown, Popcorn, Keyboard, Disco, Cornflakes), die wir jeden Tag ganz selbstverständlich verwenden, ohne uns darüber Gedanken zu machen.


Weitere sind z.B.:

Manager, Hairstylist, Backshop, Sale, Coffee to go, coachen, checken, Cardigan, downloaden, casten, canceln, Boxershorts, Pullover, Wellness, Happy End, Shampoo, Babysitter, Chips, Service-Point, Counter, McClean, Event, Performance, Highlight, cool, Teenager, Kids, Showmaster, Quizmaster, Talkmaster, Beamer, Spleen, High Heels, Slipper, Slip, Smoking, Pudding, Oldie, Oldtimer, Evergreen, Hometrainer, Egoshooter

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Aber Achtung bei der Übersetzung, denn es können auch falsche Freunde dabei sein.

So heißt

- Mobiltelefon - mobile oder cell phone; handy aber praktisch usw.

- body bag - Leichensack und nicht Handtasche

- check - kontrollieren und nicht verstehen

- control - (an)steuern und nicht kontrollieren

usw.

Nett auch der undertaker (Leichenbestatter) als Unternehmer.

Dazu verweise ich immer wieder gerne auf folgenden Video-Clip mit Thomas Freitag.

Viel Spaß bei der Lektüre und beim Anschauen!

:-) AstridDerPu


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Kommentar von AstridDerPu
05.11.2015, 16:34

PS: Interessant auch, dass es sowohl in Frankreich als auch in Deutschland inzwischen entgegengesetzte Bestrebungen zu den o.g. gibt.

So wurde in Frankreich das o.g. Gesetz zum Verbot englischer Wörter in der französischen Sprache aufgegeben (siehe: htt p://w ww.welt.de/kultur/article138497201/Frankreich-gibt-Kampf-gegen-englische-Woerter-auf.html; die Leerschritte in der URL bitte löschen)

und ist Deutsch wieder im Kommen (siehe: angehängter Artikel aus dem Münchner Merkur vom 30.01.2015.)

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Kommentar von Vera94
05.11.2015, 16:45

Wow, vielen lieben Dank für diese ausführliche Antwort! Werde mir die Artikel auf jeden Fall mal anschauen - danke nochmal!

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Ich finde es interessant, wie deutsch sich durch das Türkische verändert hat, deutlich merkbar, dass das Verwenden von eigentlich  notwendigen Artikeln zunehmend als uncool wahrgenommen wird. 

Diese neu entstehende Sprache wird als "Parkisch" bezeichnet.

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Hei, Vera94, das ist ein breites Thema: Vom Backfisch bis zu geil, vom Hausball bis zur Party ... Vor wenigen Jahrzehnten enthielt die deutsche Sprache noch viele französische Begriffe wie Trottoir, Perron, Mannequin = Model und das immer noch geläufige Portemonnaie. Noch interessanter wird es, wenn du in das 19. Jahrhundert zurückschaust. "Ingenieure heißen ein eigenes Corps bildende wissenschaftlich gebildeten Offiziere..." (Aus: Bilder-Conversations-Lexikon für das deutsche Volk" (Leipzig 1838 bei Brockhaus erschienen). Und so. Grüße!

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Aktuelle Sprachwandelphänomene, bspw.

- Verbzweitstellung in Nebensätzen: Ich habe keinen Hunger, weil ich habe eben gerade erst gegessen.

- doppeles Perfekt (ich habe gegessen gehabt) und doppeltes Plusquamperfekt (ich hatte gegessen gehabt)

- fehlende Kasusmarkierungen (ich habe ein Typ gesehen)

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Kommentar von OlliBjoern
16.11.2015, 20:51

Dazu fällt mir auch ein: "Schantall, tu ma die Omma winken", also Hilfsverb-Ausdrücke ("tun"), wo sie eigentlich nicht nötig sind ("ich tu mich hier schminken!"). "die Omma" hat auch nicht die richtige Kasusmarkierung.

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Z.B. Anglizismen, wo Worte aus dem Englischen ins Deutsche übernommen werden. Ein Beispiel dafür wäre Event statt Fest oder "chillen"

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Wenn du noch bei der Recherche bist, bietet sich das hier (als Überblick) ganz gut an, finde ich:

http://blog.zeit.de/schueler/2010/11/11/sprache-verandert-sich-%E2%80%93-einflusse-auf-das-deutsche/

...wobei ich mir vorstellen kann, dass die allermeisten über das Thema "Anglizsmen" oder "Soziolekte" herfallen; insofern würde ich mir irgendeine kleinere Nische raussuchen, über die man nicht so ganz als allererstes stolpert.

Der Umgang mit der eigenen Mundart beispielsweise (plattdeutsch oder friesisch wären das hier im Norden) wäre ´ne Möglichkeit - hat sich doch ziemlich gewandelt, in den letzten paar Jahren...

 

 

  

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Kommentar von Vera94
05.11.2015, 16:47

Vielen Dank für diesen tollen Link, da findet sich hoffentlich etwas! :-)

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"Simsen" mit seinen Begleiterscheinungen wäre doch ein hübsches Theam, auch leidlich abgrenzbar...

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Wenn du etwas sehr Anspruchsvolles (und Beeindruckendes) suchst, versuche dich an der mittelhochdeutschen Lautverschiebung.

Hinweise zum Sprachwandel gab darüber hinaus bereits der Barockdichter Martin Opitz ---> "Buch von der teutschen Poeterey" !

pk

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meinst du damit Sprachwandel im Sinne vom Einfluss des Englisch in den deutschen Alttagsgebrauch (z.B. Public Viewing, Show, Shopping) ? Oder einfach Jugendsprache im Vergleich zu früher?

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Kommentar von atzef
05.11.2015, 16:27

Wo siehst du da einen Unterschied?

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Kommentar von Vera94
05.11.2015, 16:46

Sehe da auch wenig Unterschied :-) Ich meine Sprachwandel im Allgemeinen, kann wirklich jedes beliebige Thema aus jeder Zeitepoche sein.

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