Beinhaltet Kinderliteratur immer auch politische Ziele und Absichten?

14 Antworten

"Hatte Kinderliteratur oder allgemein Literatur immer schon politische Absichten - quasi eine manipulative Absicht?"

Literatur spiegelt immer die Sicht des Autors. Das ist durch die Kunstfreiheit gedeckt. Einen manipulativen Charakter kann ich nur dann sehen, wenn das Meinungsbild einseitig in der gesamten Literatur wieder gegeben wird. Insofern sind die Vergleiche zum 3. Reich und der DDR hier etwas irreführend.

In der DDR gab es aber auch Kinderliteratur, die keine politischen Botschaften verkündeten:

Gerhard Holtz-Baumert: Alfons Zitterbacke

Franz Fühmann: Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen

Ehm Welk. Die Heiden von Kummerow

oder

Pippi Langstrumpf

das auch in der DDR erschien.

Heute, im Alter von 57 Jahren kann ich sagen, daß mir diese Literatur die liebste war und ist. Denn sie zeichnet eine wahre Welt und echte Individuen, die "nach freier Entfaltung der Persönlichkeit streben."

Wer symbolisiert besser das Ausleben der eigenen Freiheit als Pippi Langstrumpf, "die macht was ihr gefällt." Im Gegensatz dazu Tommy und Annika, die unter der Fuchtel ihrer Erziehung durch die Eltern stehen und immer ängstlich dreingucken.

Und dann erst die Prusselliese als Repräsentantin des Jugendamtes, eine gräßliche Figur.

Es gibt natürlich auch politisch indoktrinierte Kinderliteratur. Wer kennt heute noch Sally Bleistift in Amerika? Tinko? Meine Freundin Sybille?

Auch Kindern geht die Überlagerung mit politischen Botschaften auf die Nerven.

Auch Benno Pludra: Lütt Matten und die weiße Muschel oder Die Reise nach Sundevit. Ein Kinderbuch über die Sehnsucht in ferne Länder zu reisen. Erst 40 Jahre später konnte ich feststellen, daß es Sundevit wirklich gab, ein kleiner Ort in Schweden an der Küste.

Bücher sind oft ein Spiegel ihrer Zeit. Ich kenne noch die "Zehn kleinen Negerlein" oder den "Struwwelpeter". Die waren mit Sicherheit auch nicht politisch korrekt. Vermutlich waren die Schreiber einfach gedankenlos oder unaufgeklärt.

Die Bücher können nur so gut sein, wie die Zivilisation ihrer Zeit. Vermutlich gibt es für jedes Nazibuch auch reichlich Gegenbeispiele. Jede Strömung versucht seine Theorien zu verteidigen. Das fängt halt schon im Bilderbuch an. Es ist an uns den Mist im Laden zu lassen.

Um Kinder zu manipulieren, braucht es keine politisch angehauchten Bücher - da reicht schon Erziehung.

Ich denke vielmehr, dass diese Bücher auf kindgerechte Art und Weise den Kindern, gewisse Dinge näherbringen sowie erklären sollen.

Schließlich wachsen heutzutage viele Kinder mehr oder weniger mit Geflüchteten auf.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Hobbylektorin - "unerzogen" ist eine Lebenseinstellung

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