Beim Schwarzfahren erwischt. Andere bzw. falsche Fahrkarte vorgezeigt. Ermittlung wegen Urkundenfälschung, Betrug und Erschleichung von Leistungen. Was tun?

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6 Antworten

Die gezahlten 60,00 Euro sind lediglich das erhöhte Beförderungsentgelt - mit einer strafrechtlichen Verfolgung hat das erstmal nichts zu tun ...

die Polizei hat den Vorgang aufgenommen und führt jetzt ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts mehrerer Straftaten ... in dem Ermittlungsverfahren muss Dir die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben werden, falls Du das noch nicht gemacht haben solltest...

Wenn die Polizei die Ermittlungen abgeschlossen hat, geht die Akte zur Entscheidung an die zuständige Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann wie weiter verfahren wird - grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten:

- Anklage (Anmerkung: wenn Du strafrechtlich noch nie in Erscheinung getreten bist, ist das eher unwahrscheinlich)

- Strafbefehl (x Tagessätze zu je x Euro) - auch eher unwahrscheinlich

- Einstellung gegen Auflage nach § 153a StPO - möglich gegen Geld- oder Arbeitsauflage

- Einstellung nach § 153 StPO bzw. § 170 StPO - möglich, wenn die Staatsanwaltschaft von den Ermittlungen der Polizei nicht überzeugt wäre - eher unwahrscheinlich

Da Du erst 19 Jahre alt bist (also Heranwachsender bist), kommt vermutlich sogar Jugendstrafrecht in Betracht, auch hier käme eine Auflage in Betracht ...

Ob Du in der Sache einen Anwalt brauchst, musst Du selbst entscheiden, es hilft aber auf jeden Fall geständig zu sein und zu den Fehlern die man geamcht hat zu stehen ..

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Kommentar von Besfort
13.07.2016, 17:40

Vielen Dank für diese sehr hilfreiche Antwort! Ich hätte nur noch ein paar Fragen, und zwar was kann ich tun außer reue zu zeigen bei dem Termin bei der Polizei, damit ich da ohne Eintrag ins Zentralregister raus komme. Außerdem Frage ich mich, was heißt es für, dass Jugendstrafrecht in Betracht kommt, eher positiv oder negativ?

Danke im vorraus

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Kommentar von Sirius66
13.07.2016, 17:43

Mich stört immer immens, daß solche Menschen Unrecht/Ungerechtigkeiten nur dann wahrnehmen, wenn sie befürchten, ihnen zum Opfer zu fallen. Sie selbst zu begehen, macht ihnen nicht das Geringste aus.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß Mutti ihm geraten hat, es so zu machen. Aber erklaut mal eben ihre Dokumente. Man macht das, weil man cool ist, man ist ja schon groß. Man bescheiß* ganz unverfroren und zwar ohne Gewissen so lange, bis es schiefgeht.

Dann wird man erwischt und schlüpft unter Muttis Rockzipfel, braucht einen Anwalt und schreit nach Jugendstrafrecht, weil man ja noch klein ist.

Da brauch ich MCP Tropfen - ehrlich ...

Gruß S.

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Die erstinstanzliche Verteidiung kostet bei einem Rechtsanwalt mit Grund- und Verfahrensgebühr (ohne Terminsgebühr) 765,- €.

Was erwartet mich?

Kommt drauf an ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht Anwendung findet.

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Was du tun solltest? Konsequenzen tragen. Du hast noch dazu mit Vorsatz gehandelt. Das kann ja nicht straffrei bleiben. Ob die Geldstrafe genug ist, wird ein Richter entscheiden. Stell dich dem, hattest ja auch beim Betrügen große Klappe.

Gruß S.

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Nicht zur Vorladung erscheinen (dazu bist du nicht verpflichtet) da du da nichts sagen kannst was dir hilft.

Such dir nen Anwalt und lass dich vertreten. Und wenn die Jugendgerichtshilfe auf dich zukommt bloß nicht Vertrauen, die helfen dir nicht!

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du musst doch abhauen, bevor die bullen kommen!

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Erwischt beim unabsichtlichen Schwarzfahren mit unbewusst genutzter gefälschter Monatskarte. Was passiert?!

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Kommentar von Guteantwort2012
06.12.2016, 15:56

Genau das ist mir passiert:
Erwischt beim unabsichtlichen Schwarzfahren mit unbewusst genutzter gefälschter Monatskarte.

Vor ca. einem halben Jahr hatte ich eine Anzeige bei Ebay-Kleinanzeigen entdeckt, auf der eine Person eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin anbot. Ich rief diese Person an, fragte ob die Monatskarte echt ist (der Monat hatte bereits begonnen, der Preis war natürlich günstiger als der Originalpreis) und warum er diese abgibt. Er meinte er brauch Sie nicht mehr da er wegfährt.
Am selben Tag, am Abend haben wir uns verabredet. Ein freundlicher, junger Mann mit südländischen Wurzeln und perfekten Aktzentfreiem Deutsch in Wort und Schrift kam pünktlich zum vereinbarten Termin. Ich begutachtete die Monatskarte, das Hologramm und Papier schien mir alles Original zu sein.
Bar bezahlt und der Kauf war abgeschlossen. Nochmals fragte ich den Verkäufer ob alles ok ist mit der Monatskarte. Er meinte ja natürlich!
Ca. 1 Woche später kam eine Ticketkontrolle in die Bahn.
Wie üblich zeigte ich meine erworbene Monatskarte dem Kontrolleur.
Er begutachtete die Monatskarte etwas genauer. Er fragte woher ich diese habe, woraufhin ich antwortete dass ich diese Monatskarte über ebay-Kleinanzeigen gekauft habe.
Der Kontrolleur meinte es ist eine Fälschung und bat mich auszusteigen.
Ich war total unter Schock. Es war  absolut nicht meine Absicht Schwarz zu fahren. Die Strafe in Höhe von 60€ für das Schwarzfahren, d.h. das Benutzen und Fahren von öffentlichen Verkehrsmitteln ohne gültigen Ausweis hatte ich sofort ausgehändigt bekommen. Zusätzlich meinte der Kontrolleur das eine Strafanzeige gegen mich erhoben wird wegen Urkundenfälschung und Betrug.
Woraufhin ich nachfragte wie teuer denn solch eine Strafe werden könnte. Er meinte er hat schon Fälle erlebt, in denen über 2000€ Strafe verlangt worden sind.
Ich war total unter Schock!
Nie hatte ich die böse Absicht jemanden zu betrügen oder eine Straftat zu begehen.
Die Geldstrafe in Höhe von 60€ wegen Schwarzfahrens bezahlte ich sofort.
Nach ca. 1 Monat erhielt ich dann einen Brief von der Polizei zu einer Vorladung zu diesem Fall. Nachdem ich mich informiert hatte und mich dafür entschloss die Sache ohne Anwalt zu klären, entschloss ich mich diesen Termin wahrzunehmen und dort bei der Polizei die Sache genauso zu schildern wie es passiert ist und zu verdeutlichen dass es meinerseits keine böse Absicht war die Bahngesellschaft zu betrügen.
Ich war kein Täter sondern ein Opfer.
Neben meine detaillierten Aussage, habe ich auch eine Anzeige gegen die Person erstattet die mich betrogen hat.
Außerdem hatte ich einen weiteren Termin bei der Polizei, bei der ich Täterfotos am Rechner durchsuchen musste um die Person wiederzufinden.
Erst hinterher habe ich erfahren dass die vom Täter benutzte Telefonnummer eine Prepaid-Nummer war, die natürlich nicht mehr funktioniert. Außerdem hatte er keine Mailadresse hinterlassen. Und die Monatskarte die mir der vermeintliche Verkäufer bzw. Täter verkauft hatte, war eine sehr gute Fälschung. Das Papier, das Hologramm und die Monatskarte an sich waren echt. Nur der Aufdruck wurde hinterher manuell illegal aufgedruckt. Die echte Blanko-Monatskarte stammt aus einer Serie die irgendwo an einem Bahnfahrkarten-Automaten rausgeklaut worden waren.
Nachdem ich über ein halbes Jahr auf die Entscheidung der Staatsanwaltschaft gewartet hatte, wurde nun der Fall glücklicherweise fallen gelassen. Glück im Unglück!
Obwohl ich mit der günstigeren Monatskarte einfach etwas Geld sparen wollte, hatte ich am Ende viel mehr Ausgaben, Stress und Sorgen.
Es gab finanzielle Ausgaben für die gefälschte Monatskarte, die Strafe für das Schwarzfahren und natürlich die Kosten für eine ganz neue Monatskarte. Im Grunde hatte ich für eine Monatskarte das Dreifache ausgegeben und hatte nur Stress und Sorgen.
Natürlich ist das Erwerben von Monatskarten über ebay-kleinanzeigen oder anderen online-Portalen nicht verboten, aber ich kann jeden nur davon abraten. Persönlich werde ich nie wieder eine Monatskarte über Ebay-Kleinanzeigen kaufen!

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