Beim Abbiegen einen Fußgänger angefahren.. Bin ich Schuld?

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4 Antworten

Hallo,

wenn Du beim abbiegen eine Fußgängerin angefahren hast, bist Du auch an dem Unfall schuld.

Was auf jeden Fall auf Dich zu kommt ist ein Bußgeldbescheid, der wie folgt aussehen wird.


Tatbestandsnummer 109625

Tatvorwurf: Sie bogen ab, ohne auf Fußgänger besondere Rücksicht zu nehmen. Es kam zum Unfall.

Verstoß gegen § 9 Abs. 3, § 1 Abs. 2, § 49 StVO;

Bußgeld: 85,00 Euro zuzüglich 23,50 Verwaltungsgebühren und 2 Punkte in Flensburg


Dann hat die Polizei eine Strafanzeige wegen Fahrlässiger Körperverletzung gestellt. Die Fahrlässige Körperverletzung ist aber ein Antragsdelikt, dass heißt, wenn die Frau auf einen Strafantrag verzichtet, stellt in der Regel die Staatsanwaltschaft das verfahren gegen Dich ein.

Ich würde die Frau mal im Krankenhaus besuchen, ihr einen kleinen Blumenstrauß mitbringen und Dich bei Ihr entschuldigen. Vielleicht verzichtet sie dann ja auf einen Strafantrag oder wenn sie diesen schon gestellt hat zieht sie ihn ja zurück.

Auf Fahrlässige Körperverletzung gem. § 229 StGB steht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe. Ich denke aber mal, dass wenn die Frau auf den Strafantrag besteht, dass nicht mehr als ein bis zwei Monatsgehälter Geldstrafe herauskommt. Ins Gefängnis wird für so was in der Regel niemand geschickt.

Dann schreibst Du:

Es geht um viel Geld, da die arme Frau mit Brüchen im Krankenhaus liegt. :/>

Was das Geld für die Verletzungen angeht, brauchst Du Dir keine Gedanken machen. Alle Kosten die mit der Behandlung, Reha und anderen Folgemaßnahmen verbunden sind werden genauso wie das Schmerzensgeld von Deiner Haftpflichtversicherung übernommen. Auf Dich selbst kommen diesbezüglich also keinerlei Kosten auf Dich drauf zu.

Schöne Grüße
TheGrow

Nochmal Ergänzend zu meinem Kommentar.

Damit die Frau zu ihrem Schmerzensgeld kommt, muss sie keinen Strafantrag stellen. Die Strafverfolgung ist völlig unabhängig von der Schmerzensgeldforderung zu sehen.

Für die Strafverfolgung gibt es immer ein Strafrechtliches Verfahren.

Für die Schmerzensgeldforderung muss es gar kein Gerichtsverfahren geben. Die Frau kann zu Ihrem Rechtsanwalt gehen, der sich mit der Forderung des Schmerzensgeldes und evtl. anderer Kosten wie durch den Unfall beschädigte Kleidung, Verdienstausfall, Taxifahrten zum Arzt für die Nachkontrollen usw. usw. an Deine Versicherung wendet.

Meist läuft das ganze recht unproblematisch ab, da die Rechtsanwälte wissen, für welche Verletzungen welche Höhe des Schmerzensgeldes angesetzt werden kann und die Versicherungen zahlen meist problemlos. Selbst wenn es keine Einigung gibt, hast Du damit recht wenig zu tun. Damit setzen sich die Versicherungen mit den Rechtsanwälten auseinander.

Du bekommst Du irgendwann ein Schreiben von Deiner Versicherung, dass der Schadensfall mit der Zahlung an die Geschädigte Person abgeschlossen wird. Oft wird Dir nicht einmal mitgeteilt, wie viel Deine Versicherung gezahlt hat..

Hoffe die Antwort nimmt Dir ein wenig die Angst vor dem, was auf Dich zu kommt.

Schöne Grüße
TheGrow

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Tolle Aufstellung, gleich mal einen DH geben.

Aber eine Kleinigkeit. Auch vorsätzliche Körperverletzung ist ein Antragsdelikt, kann also straffrei bleiben. Jedoch muß nicht der Verletzte den Strafantrag stellen, dass kann nach §230 StGB auch die Strafverfolgungsbehörde. Da hilft es dann wenig, wenn die Geschädigte den Antrag zurück zieht oder erst gar nicht gestellt hat.

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Ich habe es so gelernt, dass man beim Abbiegen grundsätzlich anhalten muss, wenn ein Fußgänger die Fahrbahn überquert - unabhängig davon, ob dort eine Fußgängerüberquerungshilfe ist oder nicht. Fährt man gerade aus, hat das Fahrzeug Vorrang - außer der Fußgänger überquert die Fahrbahn an einer besonders dafür gekennzeichneten Stelle (z. B. Zebrastreifen). Beim Abbiegen hat immer der Fußgänger Vorrang, wenn er die Straße überquert, in die ich einbiegen will.

Allerdings muss sich auch ein Fußgänger richtig verhalten und darf nicht einfach die Straße überqueren, ohne sich umzuschauen. Das lernt jedes Kind schon in der Grundschule. Leider vergessen Viele das wieder und rennen gedankenlos 2m vor dem Auto noch über die Straße und wenn sie dann angefahren werden, ist allein der böse Autofahrer schuld.

Zumindest bekommst Du eine Teilschuld, weil Du ja "vorausschauend fahren" sollst, was in so einem Fall aber nicht viel bringt. Wenn es dann auch noch keine Zeugen gab, wird es schwierig. Du solltest Dir aber auf jeden Fall einen Anwalt nehmen und bei gleichen Sichtverhältnissen einen Ortstermin vereinbaren, um das genau zu prüfen.

dass man beim Abbiegen grundsätzlich anhalten muss, wenn ein Fußgänger die Fahrbahn überquert

Vollkommen richtig!

Zumindest bekommst Du eine Teilschuld

Nein, die volle Schuld. Es ist ein eherner Grundsatz, dass querende Fußgänger Vorrang haben.

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@baindl

Nein, die volle Schuld. Es ist ein eherner Grundsatz, dass querende Fußgänger Vorrang haben.>

In dem vom Fragesteller angeführten Fall hast Du wahrscheinlich recht und er wird die volle Schuld bekommen, aber Es ist ein eherner Grundsatz, dass querende Fußgänger Vorrang haben stimmt so nicht. Wenn sie sich komplett Regelwidrig verhalten, bekommen sie durchaus eine Mitschuld, wenn nicht sogar die alleinige Schuld. Dieses ist insbesondere dann der Fall, wenn Fußgänger das Rotlicht an der Fußgängerampel missachten und es deshalb zu einem Unfall kommt. Auch Fußgänger haben keine Narrenfreiheit im Straßenverkehr

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Hat jemand eine Ahnung ob die Recht damit haben oder ob ich irgendwie wieder aus dieser Sache raus komme?

nee also ich denke das wars, warte erst mal was kommt obwohl - ich denke das du ohne Anwalt für dich wenig reißen kannst...

Vielen Dank schonmal für die Antworten :)

Ich habe die Frau direkt am nächsten Tag im Krankenhaus besucht und sie war total lieb zu mir. Sie hat sogar gemeint das ich ihr total Leid tue und sie nicht böse auf mich ist.

Dann hoffe ich mal das beste und das es nicht all zu teuer wird, da ich noch in der Ausbildung bin.

Hab Dir eben noch etwas zu den Forderungen geschrieben. Wünsche Dir sehr, dass es nur bei dem Bußgeld bleibt. Dann kommst Du mit den 108,50 Euro noch recht günstig davon.

Du schreibst:

da ich noch in der Ausbildung bin.>

Dann gehe ich mal davon aus, dass Du noch unter 21 Jahre alt bist.

Bist Du unter 18, wirst Du auf jeden Fall nach Jugendrecht und bist Du zwischen 18 und 21 kannst Du nach Jugendrecht verurteilt werden.

Ist das der Fall, sieht dass Jugendgerichtsgesetz für Dich weder eine Freiheitstrafe, sondern nur erzieherische Maßnahmen vor. Die würden dann aller Wahrscheinlichkeit nach in Form von Sozialstunden verhängt.

Übrigens, wirst Du wegen der Straftat verurteilt, tritt das Bußgeld zurück und Du brauchst nicht einmal dieses zu bezahlen. Ist wenigstens ein kleiner Wehrmutstropfen, wobei man natürlich immer mit einem Bußgeld besser dran ist, als mit einer gerichtlichen Verurteilung.

Schöne Grüße
TheGrow

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@TheGrow

Achso was ich vergessen hab zu schreiben.. das ich noch in der Probezeit bin (noch 2 Monate -.-) und dann wahrscheinlich ein Aufbauseminar machen muss.. und das wird das teuerste wahrscheinlich an der Geschichte..

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