Bei den Griechen gab es Kleidung, die nur eine Schulter bedeckte. Bei den Römern auch?

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Nein!

Das gab es weder bei den Römern noch bei den Griechen, wobei der privaten Kleiderordnung auf Partys, auf manchen kultischen Veranstaltungen, und im Schlafzimmer damals so wenig Grenzen gesetzt waren wie heute. (Der Sport wurde nackt betrieben. Deshalb waren in den Stadien auch keine Frauen zugelassen.)

Allerdings waren die Spartanerinnen als einzige für ihre lockere Moral bekannt  - die Athener rümpften die Nase über die "Schenkelschlitzerinnen". Die Spartanerinnen waren auch die einzigen Griechinnen, die Sport betrieben.

Was bei den Römern eventuell zu der irrigen Ansicht einer freien Schulter führen könnte, ist die Toga, ein spezielles und sehr umständliches römisches Kleidungsstück, das bis zu vier Metern lang war und so geschlungen wurde, dass eine Schulter davon frei blieb. Die war aber von der Tunika bedeckt, die immer darunter getragen wurde.

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Danke für das Sternchen :-))

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Bislang hatte ich mir über so etwas gar keine Gedanken gemacht. Aber wie man sieht, denken manche auch über "schulterfrei" bei RömerInnen nach.

Ich musste da wirklich erst einmal ins Internet gucken. Und siehe da, auch dazu gibt es Informationen:

http://www.forumtraiani.de/kleidung-der-roemer/

Interessant ist, dass es auch schon Unterwäsche gab. Denn wie ich bislang hörte, ist diese erst von vornehmen, französischen Damen der beginnenden Neuzeit (möglicherweise wieder) erfunden worden, weil es ihnen bei Besteigen der Pferde zum Ausritt zu zugig geworden war. (Geniert hat sich damals keineR.)

Aber auch im alten Rom war es wohl eher eine Frage, ob man sich solche Wäsche leisten konnte oder nicht.

Wie weit die einseitige Schulterfreiheit bei den Amazonen ging, die es ja gegeben haben soll, kann jedoch auch als Darstellung einer künstlerischen Freiheit gesehen werden, deren Bedeutung eher in der erotischen Ausstrahlung einer unbedeckten Brust gelegen hat.

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Volens, die Amazonen (Brustlosen!) sind Sagengestalten. So ging keine Frau einkaufen - weder in Rom noch in Athen. Zudem deckte auch in der Antike die bildende Kunst eine  breite Palette von Bedürfnissen ab, die von der Pornographie über das Ideal der "Kalokagathia" bis zur alles verbindenden Urkraft der Erotik reichte, die göttlich war. Die Kleidung anhand der Kunst zu beurteilen, ist etwas schwierig. Vor allem, wenn sie Bordellwände verzierte.

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@Wurzelstock

Habe ich irgendwo irgendetwas von Einkaufen geschrieben?
Das wäre ohnhin keine Aufgabe für die domina gewesen. Dass die Amazonen sagenhaft waren, kann man durchaus aus meinem Nebensatz schließen.

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@Volens

Sicher, Volens. Ich gehe davon aus, dass das Bild der Antike bei einem klassischen Philologen nicht aussieht, wie bei einem Nippeshersteller von 1910 oder einem Hollywoodproduzenten von heute.

Aber bei seinen Schülern sieht das so aus, was man ja allein schon an der Frage ermessen kann. Ich vermisse aber doch ein bisschen die Konsequenz, mit der die schwülen Phantasien der Lateinschüler  in die wahrscheinlicheren Bahnen gelenkt werden - die Welt eines Cato, Cicero, Vespasian oder Sulla ("Hütet euch vor dem schlecht gekleideten Jüngling!")

Nicht zuletzt auch in die Gedankengänge des August, der naserümpfend Vergil zitierte: "Sieh da - 'Das togagewandete Volk der Römer!'" Sie waren zu seinem Ärger nämlich alle im praktischen Mantel gekommen statt in der Toga.

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@Wurzelstock

Nun ja, die Phantasien der Pennäler.
Wir guckten noch in die Bibel (Hohelied Salomos).
Und ein Drittel der Klasse fiel auf die Nase, da bei "manu, ventre, pene" das letzte Wort ausgelassen war, weil wir die garantiert gereinigte Schulausgabe von Sallusts Catilina hatten, in der Pliete aber die korrekte Übersetzung aufgeführt war.
Heute ist das anders.

Und es ist doch wirklich alles halb so schlimm.
Ceterum censeo linguam Latinam esse servandam.

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@Volens

Ceterum censeo linguam Latinam esse servandam.

Sic! Allerdings ist mir der Tonfall in den Historienschinken ein Graus. So hat nicht einmal ein Cicero seine Reden gehalten, geschweige denn ein Gladiumschwingender Komisskopp ;-)
Mit dem Griechisch steht es seit dem Erasmus noch schlimmer. Er hat uns das eingebrockt, dass die heutigen Griechen meinen, ihre Sprache sei viel zu schwer für uns Humanisten. Seit aber die Warn- und Sicherheitshinweise für Senftubenverschlüsse und Klobürstenhalter dem Endverbraucher auch auf Griechisch zur Kenntnisnahme vor der Anwendung dringlichst angedienert werden, weiß ich das besser ;-)))

Und unsere Anregungen holten wir in der Tertia weniger aus dem Lied Salomos, als aus dem Buch Hesekiel. Der ist so schön vulgär.

Qidquid id est - die Antike war nur halb so verkommen, wie wir das heute als Entschuldigung benötigen.

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Nur bei den Römerinnen wenn der Gatte zu viel Wein getrunken hat.

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