Begrüßungen in China?

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1 Antwort

Das hängt, wie so oft, auch bei den Chinesen von der konkreten Gegebenheit ab.

Es ist z. B. unüblich, dass eine in der gesellschaftlichen Hierarchie höher stehende chinesische Person seinen Counterpart direkt in die Augen blickt. Man hat immer den Eindruck, dass dieser Chinese an einem vorbei schaut, obwohl er mit einem redet. Historisch hängt das offensichtlich damit zusammen, dass in gar nicht allzu langer Vergangenheit alle Nicht-Chinesen noch als "kulturlose Barbaren" betrachtet wurden, und der Fremde gefälligst einen Kotau vor dem "Himmelssohn" darzubringen habe und ihm keineswegs direkt ins erlauchte Antlitz blicken durfte.

Verstörend wirkt auch oft das allerorts anzutreffende Lächeln bzw. Lachen der Chinesen. Es gibt zwar einen ausgeprägten chinesischen Humor, aber das ist oft nur aufgesetzte Heiterkeit, soll äußerlich Optimismus bezeugen, soll aber auch oft nur Verlegenheit und Ratlosigkeit kaschieren.

Wenn Frauen anwesend sind, werden die meist von den Chinesen "übersehen" (wenn es nicht gerade Frau Merkel ist!). Aber das hat man auch in anderen Kulturen. 

Wenn denn mal "das Eis" gebrochen ist, also wenn die Beziehungen langfristiger, enger und vertrauenswürdiger geworden sind, dann gibt es auch herzlichere Umgangsformen. Allerdings kennt man die sehr "intimen" Gesten wie Bruderkuss, Umarmung, Naseschubbern, Wangen-Bussi, Handkuss u. ä. nicht in den chinesischen Umgangsformen. Die "intimste" und herzlichste Geste, die ich kenne, ist das beidseitige Händeschütteln, also wenn der Chinese beide Hände nimmt, um Deine Hand zu schütteln.

Die Gestik in China ist insgesamt ein wenig anders als hier im "christlichen" Abendland: wenn einer auf seine Nase zeigt, ist das das gleiche, als wenn hier jemand auf seine Brust weist und damit sich selbst (also "ich") bezeichnet. Wenn jemand die Geste "komm mal her" praktiziert, öffnet er seine Hand nicht nach oben und winkt heran, sondern nach unten. Beispiele dafür gäbe es noch sehr viele.

Wichtig hierbei, wie immer und leider wie sehr oft unter den "Abendländern" nicht begriffen bzw. in ethnischer Überheblichkeit bewusst "vergessen":

Man darf seine eigenen Vorstellungen und Erziehungstraditionen über Höflichkeit, Etikette udglm. nicht auf fremde Völker und Kulturen transferieren.

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