Bedingungsloses Grundeinkommen möglich?

12 Antworten

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Ich habe mir in letzter Zeit einige Gedanken gemacht zu dem Thema des bedingungslosen Grundeinkommens, das ja (noch) Utopie ist. "Was spricht dafür?"

  • Mehr Selbstbestimmung: Ein Grundeinkommen ohne Bedingungen würde den Entscheidungsfreiraum für selbstgewählte Lebensabläufe erweitern. Es nimmt die Freiheit und die Selbstständigkeit des Menschen ernst.

  • Einfache Familiengründung: Es wäre leichter für Paare, sich unabhängig ihrer finanziellen Situation für die Familiengründung zu entscheiden. Auch Alleinerziehende wären abgesichert.

  • Demokratisierung der Wirtschaft: Unproduktive Industriezweige müssten nicht wegen der Arbeitsplätze subventioniert werden. Produktionen, die schädlich für Mensch und Natur sind, könnten leichter geschlossen werden.

  • Anerkennung unbezahlter Arbeit: Ehrenamtliche Tätigkeit, Hausarbeit oder private Pflege würden endlich als wichtige und wertvolle gesellschaftliche Arbeit geschätzt

  • Arbeitgeber vs. Arbeitnehmer: Mit einem Grundeinkommen im Rücken würde ie Verhandlungsposition von Lohnabhängigen gestärkt. Der Arbeitgeber könnte im Gegenzug mit motivierten Mitarbeitern rechnen.

  • Unabhängige Frauen: Frauen könnten selbstbewusster um geschlechtliche um private und berufliche Gleichbehandlung streiten. Der männlichen Rolle des Ernährers wäre endgültig jede Legitimation entzogen.

-Stärkung der Demokratie: Das Grundeinkommen denkt die Voraussetzung jeder Demokratie konsequent weiter: das Vertrauen in den einzelnen, mündigen Bürger.

  • Weniger Bürokratie: Die teilweise erniedrigenden Prüfungen der Bedürftigkeit im Fall der Arbeitslosigkeit würden entfallen, genau wie die teure Verwaltung von vielen weiteren Sozialleistungen.

  • Arbeitszeitverkürzung: Mit einem Grundeinkommen könnten die Vorteile der steigenden Produktivität allen in Form von kürzerer Arbeitszeit zugute kommen. So könnte eine neue Form der Vollbeschäftigung entstehen.

  • Abschaffung der Armut: Armut und ihre zerstörerischen Folgen für die Gesellschaft wären gebannt. Armut würde von Anfang an verhindert, statt im Nachhinein bekämpft.

"was denkt ihr wie es sich (…) negativ auswirken könnte?"

Mir fallen ehrlich gesagt keine negativen Auswirkungen eines Grundeinkommens ein; im Gegenteil – die Menschen wären nicht länger gezwungen das zu tun, was sie nicht wollen und nicht länger verantworten können. Diese ganzen Ausreden "Ich kann das nicht machen, weil ich muss ja…", "Wenn ich könnte würde ich ja, aber ich muss ja" usw. hätten endlich ein Ende. Das einzig negative am Grundeinkommen ist, dass, wie bei jeder Idee, jedem Konzept, jedem Modell, es kann missbraucht werden kann. Z.B. in dem man es zu niedrig ansetzt; dann würde weiterhin Lohndumping herrschen, weil die Menschen dann in jedem Fall auf weitere Einkommen angewiesen und erpressbar wären. (Ein wichtiger Punkt des BGEs ist, die Menschen aus ihrer Lohnabhängigkeit und somit Erpressbarkeit zu befreien.) Auch könnte man ein BGE missbrauchen, indem man es eben als solches – bedingungslos – einführt und dann doch an Bedingungen knüpft (z.B. Arbeitspflicht bzw. Arbeitszwang).

"würden die positiven Seiten überwiegen können?"

Mit großer Wahrscheinlichkeit.

"wie wäre es überhaupt umsetzbar?"

Eine Möglichkeit wäre, bei Einführung das BGE in die bestehenden Einkommen einfließen zu lassen. Z. B. könnte es durch eine Konsumsteuer finanziert werden; d. h. die Einkommens- und Ertragsbesteuerung wird schrittweise gesenkt und im gleichen Maße wird die Konsumbesteuerung erhöht. Das würde die Unternehmen und somit auch den Arbeitsmarkt entlasten, gleichzeitg würden die Preise stabil bleiben; als Konsumsteuerrückvergütung würde an jeden Bürger ein Grundeinkommen bedingungslos ausgezahlt. Tipp: Schau dir mal den Film "Grundeinkommen: Ein Kulturimpuls" von Daniel Häni und Enno Schmidt an und oder lies das Buch „Einkommen für alle“ von Prof. Götz Werner. Sowohl im Film als auch im Buch wird anschaulich erklärt, wie sich ein BGE – finanziert durch eine Konsumsteuer – umsetzen ließe.

"Ist es in Deutschland de fakto möglich, so etwas umzusetzen? sagen wir ein Grundeinkommen von 999 Euro pro Nase?"

Theoretisch wäre es möglich, von heute auf morgen ein BGE für jeden Bürger von 1000€ pro Monat zu generieren. Schließlich konnten wir noch nie so viel Güter produzieren wie heute, und wir leben ja nicht vom Geld, sondern von den Gütern. Und Geld ist (eigentlich) der Gegenwert dieser Güter. Aber dann hätten wir m. E. eine Inflation, wenn von heute auf morgen jeder 1000€ auf sein bestehendes Einkommen oben drauf bekäme. Deshalb sollte es in der Höhe schrittweise eingeführt werden und in die bestehenden Einkommen einfließen. Prinzipiell sind aber bei einem BGE weitere Einkommen anrechnungsfrei möglich.

Hier mal so in die Runde – wer meint, Einkommen müsse erst durch (menschl.) Arbeit erwirtschaftet werden, der lebt m. E. hinterm Mond. Denn Fakt ist: Deutschland produziert immer mehr mit immer weniger Menschen. Und unser Land hat diesbezüglich noch nicht mal seine Kapazitäten voll ausgeschöpft: Es wurde vor ein paar Jahren bereits ausgerechnet, dass, würde überall, wo es geht, automatisiert und rationalisiert werden, wir bereits jetzt eine Arbeitslosenquote von 38% hätten.

Heute bereits gehen nur noch 40% der Bevölkerung einer Erwerbsarbeit nach. Der Rest, 60%, leben von staatl. Transferleistungen (Rentner, Erwerbslose) oder von dem Geld Angehöriger (Kinder, Jugendliche, Ehepartner, die nicht erwerbstätig sind).

Das BGE ist die logische und gerechte Antwort auf die realen Verhältnisse: Deutschland produziert immer mehr mit immer weniger Menschen; also der Wohlstand wird zunehmend von Maschinen erwirtschaftet.

Also ist es zeitgemäß, Einkommen in dem Maße von der (Erwerbs)Arbeit zu trennen, im welchem die Produktivität von Maschinen übernommen wird. Wie das gehen soll? Ganz einfach – menschliche Arbeite steuerlich entlasten, Maschinenarbeit besteuern, Konsum höher besteuern. Dann hätten wir auch das Generationenproblem beantwortet – denn konsumieren tut (eigentlich) jeder, also trägt er bei einer hohen Konsumsteuer mit zur Gemeinschaft bei; im Gegensatz zur Ertrags- und Einkommensbesteuerung, bei der ein geringer werdender Teil der Bevölkerung (die Erwerbstätigen) einseitig und zunehmend belastet werden.

Und noch was – wer meint, keiner würde mehr arbeiten, wenn er ein BGE von ca. 1000€ bekäme, der denkt m. E. nicht von hier bis zur Haustür. Schon heute bekommen viele Menschen ein leistungsloses Einkommen in dieser Höhe oder noch darüber (z. B. durch Erträge aus Vermietung) - also sie könnten ohne weiteres davon leben - aber sie gehen trotzdem arbeiten. Warum? Weil der Mensch immer tätig sein, weiterkommen will, erfolgreich sein will. Es sei denn man zwingt ihn zu etwas, was er nicht will und bezahlt ihn dann auch noch mies (Stichwort Hartz IV, Niedriglohnsektor usw.)

Ein BGE ist m. E. der beste Anreiz zur Arbeit, den es überhaupt gibt:

  • Weitere Einkommen sind anrechnungsfrei möglich

  • es setzt die Mitarbeiter in eine weitaus bessere Verhandlungsposition zu ihrem Vorgesetzten; Lohn/ Gehalt können auf gleicher Augenhöhe verhandelt werden

  • ein BGE wir höchst wahrscheinlich Arbeitszeitverkürzung ermöglichen; (Btw - dadurch können wieder mehr Mitarbeiter eingestellt werden; die Arbeitslosigkeit wird sinken)

  • Arbeitgeber werden um Mitarbeiter werben müssen

  • Die Menschen werden nicht mehr gezwungen sein, irgend etwas zu tun, sondern sie entscheiden selbst, was und wo sie arbeiten möchten. So wie es ja eigentlich seit Langem im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht: Artikel 12 (1) "Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen."

Durch ein BGE hätten wir erstmals einen wirklichen ArbeitsMARKT.

ein toller Beitrag, vielen Dank für die ausführliche Antwort!

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einen punkt vergisst du und genau deshalb kann das nicht funktionieren:

wenn man 1000€ BGE hätte, wer würde dann noch unbeliebte und niedrig bezahlte jobs machen, wie krankenschwester oder lkw-fahrer(unbeliebt, weil man lange von der familie weg ist) und die ganzen andern jobs?

du sagst darauf, dass man denen einfach mehr bezahlen müsste, denn für 1500 (zahl ist ausgedacht, hab keine ahnung, wieviel die verdienen, ist halt nur ein beispiel) ist keiner gerne lkw-fahrer aber für 4000 würden sich schon mehr finden.

ABER: wenn der friseur jetzt nicht mehr 7€ die stunde sondern 20€ bekommt und der lkw-fahrer ebenfalls sehr viel mehr, werden auch deren güter teurer. ein friseurbesuch kostet für jungs dann nicht mehr 12€ sondern 25€.

UND DANN reichen die 1000€ BGE nicht mehr aus, da alles teurer geworden ist. und die leute müssen wieder arbeiten gehen, weil 1000 einfach nicht reichen.

das ergebnis auf sehr lange sicht ist, dass alles so bleibt wie es ist. einziger unterschied, dass alles etas teurer ist, das aber durch BGE ausgelichen wird. also ist nichts passiert

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@Eberhard91

1/2 „wenn man 1000€ BGE hätte, wer würde dann noch unbeliebte und niedrig bezahlte jobs machen, wie krankenschwester oder lkw-fahrer(unbeliebt, weil man lange von der familie weg ist) und die ganzen andern jobs?“ Wer sagt, dass der Beruf der Krankenschwester an sich unbeliebt ist? Wer sagt denn, dass der Beruf des LKW-Fahrers an sich unbeliebt ist? Du schließt offenbar von dir auf andere – weil du das vielleicht nicht machen würdest, denkst du, andere wollen das auch nicht. Aber jeder Mensch hat andere Talente, Vorlieben und Interessen. Deshalb heißt es ja auch im Grundgesetz: Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstelle frei zu wählen. Bitte sag mir mal, wieso heute bereits 22 Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich, also unbezahlt und freiwillig, arbeiten? Darunter viele Sanitäter, THW- und Feuerwehrleute.

Es ist heute bereits beobachtbar, dass gerade Arbeiten, die dem Menschen zugewendet sind, von vielen Menschen gerne gemacht werden. Also kann man davon ausgehen, gäbe es ein Grundeinkommen, dass noch mehr Leute diese Arbeiten machen würden. Und dort wo die Arbeitsbedingungen schlecht sind, werden sie sich mit einem BGE zwangsläufig verbessern (müssen).

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@Eberhard91

2/2 “ABER: wenn der friseur jetzt nicht mehr 7€ die stunde sondern 20€ bekommt und der lkw-fahrer ebenfalls sehr viel mehr, werden auch deren güter teurer. ein friseurbesuch kostet für jungs dann nicht mehr 12€ sondern 25€.“ Falsch gedacht. Durch die Entlastung der Einkommensbesteuerung einerseits und durch das BGE andererseits sinken die Lohnkosten und somit auch die Preise. Durch die Konsumbesteuerung steigen sie wieder auf ca. heutiges Niveau. Außerdem unterstellst du, keiner würde mehr oder weniger Leute würden beim Friseur arbeiten wollen, wenn es ein BGE gäbe. Dann frage ich dich – wieso wollen so viele junge Leute heute Friseur lernen? Wenn du mich fragst – es gibt viel zu viele Friseure. Von daher wäre es zu begrüßen, wenn es nicht mehr so viele Friseure gäbe. Aber ich glaube nicht dass das passieren wird. Da durch ein BGE sich wie gesagt in allen Bereichen die Arbeitsbedingungen verbessern werden müssen - und damit meine ich nicht in erster Linie die Bezahlung, sondern den Umgang mit Angestellten und bessere Arbeitszeiten – werden Friseure nicht unbedingt viel mehr als heute verdienen. Und selbst wenn – dadurch dass die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen durch das BGE gedeckt wären, würden sie auch nicht mehr so viel durch Erwerbsarbeit verdienen müssen, wie heute.

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@User2494

ach komm, du weißt was ich mein. es gibt nunmal jobs, die schlecht bezahlt werden, aber unbedingt gemacht werden müssen. z.B. auch arbeiten an weihnachten und silvester im krankenhaus. und auf solche jobs hab ich mich bezogen, vielleicht war krankenschwester oder lkw-fahrer da jetzt ein schlechtes beispiel.

und mit den höheren preisen hast du mich nicht verstanden. die besteuerung hab ich gar nicht angesprochen, ich hab nur von angebot und nachfrage der arbeit gesprochen.

ich glaube schon, dass es noch viele gibt, die friseur werden wollen, aber die werden mehr gehalt fordern oder ansonsten nur 2 oder 3 stunden am tag arbeiten. und mehr gehalt für die mitarbeiter bedeutet nunmal auch höhere preise für den friseur.

du gehst von einem idealen menschenbild aus. ähnlich wie der kommunismus. der würde auch funktionieren, wenn alle leute sich gemeinschaftlich verhalten würden. aber sobald es leute gibt, die egoistisch handeln, bricht das system zusammen und es gibt immer egoisten

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@Eberhard91

ich persönlich stelle mir einfach den Übergang sehr sehr schwer vor. Wenn alle die gleichen Möglichkeiten haben, so denke ich das erst mal alle Ärzte werden wollen, Piloten, Staatsanwälte und so weiter, und das anfangst niemand mehr als Kanalarbeiter, Straßenarbeiter, oder als Hausmeister arbeiten will. Ich denke es würde den Markt eben mit Fachkräften vollhauen, die dann zwar einen Doktortitel in irgendwas haben, mit diesem dann aber in Ausland gehen würden, weil die Fachkräfte in Deutschland nicht mehr gebraucht werden würden. Für die Arbeiten die dann eben übrig sind, Kloputzen, Müllabfuhr etc, die man eben nicht als Kindheitstraum hat, würden dann wahrscheinlich auch Kräfte aus dem Ausland kommen, die dem Arbeitgeber sagen das sie gar keine 20 € die Std haben wollen, sondern nur 7,50 €, und da wäre kein Arbeitgeber abgeneigt in dem Fall. Ich bin davon überzeugt das es die beste Lösung ist, aber das diese eben nicht umsetzbar ist, ohne im Chaos zu enden. Die Übergangszeit sehe ich wirklich als das größte Problem.

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@BridPatt

aber ich weiß das der Mensch arbeiten würde, und da schließe ich mal von mir auf andere. Ich habe bereits 2 Ausbildungen erfolgreich absolviert, war in meiner ersten Ausbildung unter den besten 100 bestandenen Prüfungen des Landes, und damit bekomme ich eigentlich jeden Job in der Branche, wenn ich mich dafür bewerbe. Meine zweite Ausbildung habe ich auch sehr gut bestanden. Das heißt ich habe die Möglichkeit gutes Geld zu verdienen, ich kann mich auch selbstständig machen und noch mehr Geld verdienen. Mir ist allerdings bewusst geworden, das mich Geld nur bis zu einem bestimmten Punkt glücklich macht, sobald meine Bedürfnisse gedeckt sind, ist jeder cent darüber schon unnötig, und macht mich nicht glücklicher. Deshalb werde ich eine dritte Ausbildung anfangen, zum Erzieher. Als Erzieher verdiene ich weitaus weniger als mit den beiden anderen Berufen die ich erlernt habe. Ich mache es trotzdem, weil mir das eben mehr Freude bereitet. was bringt mir mehr Geld, wenn meine Bedürfnisse bereits gedeckt sind? gar nichts.

So würde es auch bei jedem anderen sein. Die Menschen werden gedeckte Bedürfnisse haben, und dann die Arbeit machen, die Ihnen Spaß macht und darin voll aufgehen. Meine Meinung

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@Eberhard91

1/2 Eberhard91„ es gibt nunmal jobs, die schlecht bezahlt werden, aber unbedingt gemacht werden müssen. z.B. auch arbeiten an weihnachten und silvester im krankenhaus.“

Und du meinst also, wenn es ein BGE gibt werden diese Arbeiten, die „unbedingt“ gemacht werden müssen, nicht mehr gemacht? Komisch. Wieso gibt es dann heute so viele Menschen, die freiwillig unbezahlt auch an Feiertagen im Einsatz sind? Und nun stell dir mal vor, durch ein BGE würden sich die Arbeitsbedingungen (zwangsläufig!) verbessern – wieso sollte man Bedenken haben, dass es dann nicht mehr genügend Arbeitskräfte gibt, die an Feiertagen arbeiten?

Eberhard91„vielleicht war krankenschwester oder lkw-fahrer da jetzt ein schlechtes beispiel.“

Nein überhaupt nicht. Denn solche Leute braucht man. Die Tätigkeit einer Krankenschwester kann man schlecht wegrationalisieren. Auch LKW-Fahrer werden gebraucht. Wobei man sich in diesem Zusammenhang schon mal fragen sollte, ob es wirklich nötig ist, dass so viel produziert, transportiert, verkauft und konsumiert wird in unserem Land. Dieser Wachstumsdrang kann nicht ewig so weitergehen. Eberhard91„ich glaube schon, dass es noch viele gibt, die friseur werden wollen, aber die werden mehr gehalt fordern oder ansonsten nur 2 oder 3 stunden am tag arbeiten. und mehr gehalt für die mitarbeiter bedeutet nunmal auch höhere preise für den friseur.“ Wenn die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen durch ein BGE gedeckt sind, müssen sie weniger im Beruf verdienen als heute. Auf der anderen Seite können Mitarbeiter auf gleicher Augenhöhe mit dem Arbeitgeber den Lohn/ das Gehalt verhandeln. Demnach werden die Friseure nicht schlechter verdienen als heute. >

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@Eberhard91

2/2 Es wird aber auch nicht so sein, dass die Friseure viel mehr als heute verdienen werden. Schließlich hat der Arbeitgeber auch noch ein Wort mitzureden. Er wird ja nicht entmündigt, sondern, im Gegensatz zu heute wird man sich auf gleicher Augenhöhe begegnen. Also da wird sich etwas ausgleichen. Die Schieflage der Lohn- und Preispolitik von heute ist ja gerade dadurch entstanden dass Mitarbeiter lohnabhängig und in zunehmendem Maße erpressbar sind. Zudem darf man bei der Idee des BGEs wie gesagt nicht vergessen werden, dass die Lohnkosten nicht nur durch das BGE sinken, sondern auch (im Falle der Konsumsteuerfinanzierung) Arbeit von Steuern entlastet wird. Im gleichen Maße wird die Konsum- bzw. MwSt. erhöht. Demnach würden auch die Preise stabil steigen.

Dass die Menschen weniger Stunden als heute arbeiten werden, ist sogar wünschenswert; schließlich haben wir heute die paradoxe Situation, dass viele derer, die Arbeit haben, zu viel Arbeitsstunden haben, und auf der anderen Seite haben wir seit Jahrzehnten eine hohe Arbeitslosigkeit (die ja gerne von Politik und Medien schöngeredet und kleingerechnet wird…). Ein BGE könnte dies bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Eberhard91 „du gehst von einem idealen menschenbild aus.“

Ich gehe überhaupt nicht von einem idealen Menschenbild aus. Aber ich befürworte ideale Rahmenbedingungen – das BGE löst doch nur ein, was in unserem Grundgesetz seit Langem steht: Das Recht auf freie Berufswahl und dass niemand zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden darf. Das SGB II aber verstößt gegen diese Grundrechte.

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@User2494

@chris: was meinst du wie man diesen übergang regeln könnte? mei nst du nicht das dann einfach jeder arzt werden wollen würde?

versteh mich nicht falsch, ich denke jeder der das will, sollte die möglichkeit haben arzt werden zu können unabhängig vom sozialen stand - nur abhängig von den leistungen... aber ich denke das anfacgs wirklich alles explodieren würde, der markt wäre voll mit überqualifizierten, die dann eben wahrscheinlich ins ausland gehen würden, wo sie mit einem dr. titel mehr verdienen. die schwarzarbeit würde boomen, weil eben viele Leute aus ärmeren Ländern nach Deutschland kämen, für die Arbeit auf die man sich nicht unbedingt stürzen würde, wie Kloputzer eben. ich glaube an das Andprodukt BGE, aber nicht daran das man dieses Produkt auch produzieren kann. Dann müsste das BGE weltweit gelten, so dass auch der ärmste Mensch in Afrika genausoviel hat wie ich in Europa... dann würde das funktionieren.

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@BridPatt

1/3 @ BridPatt

Also, der erste Schritt ist erst mal, dass die Sanktionen nach § 31 SGB II abgeschafft werden. Gleichzeitig kann man das BGE im GG als verfassungsrechtliches Grundrecht verankern. Was die Einkommen angeht: Im Grunde genommen verfügt heute jeder über ein Einkommen. Wenn nicht dann lebt er von den Einkommen Angehöriger (Kinder, Jugendliche, Ehegatten ohne Erwerbseinkünfte oder ohne ALG). Die einzigen die wirklich kein Einkommen haben, sind Obdachlose. Die würden dann als erstes bei Einführung wirklich mehr haben. 200€ z.B. wären viel Geld für den Anfang. Natürlich sollten Streetworker, Obdachlosenhilfen etc. den Obdachlosen zur Seite stehen; mit einem BGE werden ohnehin die Menschen mehr Zeit haben, sich um andere in der Gesellschaft zu kümmern. Was Hartz IV betrifft: Das hängt ganz davon ab, welches Existenzminimum (oder Kulturminimum) beschlossen wird – und da zählt m. E. in einer Demokratie auch das Volk dazu, das gemeinsam zu entscheiden. Grundsätzlich sind ja bei einem BGE weitere Einkünfte angrechnungsfrei möglich; ansonsten wäre es kein BGE. Nichts desto trotz werden bei Einführung zunächst bestehende Einkommen bis zur Höhe des BGEs ersetzt werden. Beispiel: Jemand verdient heute 2000€; also bekommt er im ersten Jahr z.B. 200€ BGE + 1800€ Lohn/ Gehalt. Wird sich gesetzlich darauf geeinigt, dass das BGE-Kulturminimum bei bspw. 1200€ liegen soll, dann bekommt jemand, der heute 900€ Hartz IV (Also Wohngeld + KV + RV + Regelsatz) erhält, nicht zukünftig 200€ BGE + 700€ Hartz IV Leistungen, sondern 900€ Hartz IV + 200€ BGE. Im nächsten Jahr, wenn z. B. das BGE auf 300€ erhöhrt wird, bekäme er dann vielleicht 900€ Hartz IV + 300€ BGE (= 1200€ Kulturminimum). Und wenn im 3. Jahr das BGE auf 400€ erhöht würde, bekäme er vielleicht (nicht 900€ Hartz IV + 400€ BGE, sondern) 800€ Hartz IV + 400€ BGE (= 1200€ Kulturminimum) usw. Also so könnte die schrittweise Einführung eines BGEs aussehen.

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@BridPatt

2/3 Ich glaube nicht dass jeder dann Arzt werden wollte. Die Fähigkeiten, Interessen und Talente der Menschen sind so vielfältig und unterschiedlich. Der eine ist handwerklich begabt, der andere künstlerisch, der eine interessiert sich für Medizin, der andere für Technologien usw. Es gibt sogar Leute, die lieber putzen gehen als z. B. einem stressigen Bürojob nachzugehen. Wir machen oft den Fehler, von uns auf andere zu schließen. Also du denkst vielleicht z.B., weil du Medizin studierst/ studieren willst oder studiert hast und du darin aufgehst, dass das auch der Traumjob aller anderen oder von den meisten Menschen wäre. Aber die Interessen, Fähigkeiten und Talente der Menschen sind wie gesagt vielfältig und unterschiedlich, wie die Menschen selbst. Der Punkt ist, dass man nur gut in etwas sein kann, wenn man einen Sinn in dem, was man tut, sieht und nicht dazu gezwungen wird. Das ist seit eh und je beobachtbar.

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@BridPatt

3/3 BridPatt: „die schwarzarbeit würde boomen, weil eben viele Leute aus ärmeren Ländern nach Deutschland kämen“

Bei einem konsumsteuerfinazierten BGE gibt es in dem Sinne keine Schwarzarbeit mehr, weil Arbeit nicht mehr besteuert wird. Jeder, der einer Erwerbsarbeit nachgeht, würde sozusagen „legal schwarz“ arbeiten.

Dass jeder der nach Deutschland will, hier einreisen kann, geht heute schon nicht. Also die Befürchtung, es gäbe eine Invasion, wenn ein BGE in Deutschland als erstes eingeführt wird, halte ich für unbedründet. Abgesehen davon sollte ein BGE auch in anderen Ländern eingeführt werden.

BridPatt: „Dann müsste das BGE weltweit gelten, so dass auch der ärmste Mensch in Afrika genausoviel hat wie ich in Europa... dann würde das funktionieren“ Ein BGE ist ja keine „deutsche Idee“; d. h. ein BGE ist eine Idee, die wie gesagt auch anderswo umgesetzt werden kann und sollte. In Namibia wurde und wird es erfolgreich erprobt. Aber genauso viel BGE brauchen die Menschen gar nicht. Wenn man in der 3. Welt ein BGE in gleicher Höhe wie hier auszahlen würde, gäbe es eine Inflation. Man muss das BGE an die wirtschaftlichen Verhältnisse des jeweiligen Landes anpassen.

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@evaness

ein Einkommen hat doch sowieso jeder, das muss jetzt nur noch bedingungslos werden

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Habe gerade bei "verwandte Fragen" gelesen: "Woher eigentlich kommen die 20 Milliarden für Griechenland?" Antwort: Natürlich vom deutschen Steuerzahler. Wir müssen das von unserem Brutto abgeben! Die in Griechenland hatten zwar kein Grundeinkommen, doch immerhin haben sie mehr Einkommen verteilt als sie selbst erwirtschaftet haben. Das über Jahre und so kommen Milliardenschulden zusammen. Wer bezahlt diesen Test in "Grundeinkommen für Griechenland"? Die in Europa arbeiten gegangen sind, vor allem die Deutschen Arbeitnehmer - über die Mehrwertsteuer sogar die Harz4-Empfänger. Unsere Rentner zahlen über Krankenkassenbeiträge, Rentenkürzung und erhöhte Mehrwertsteuer wie örtliche Gebührensätze (Wasser, Müllabfuhr) dafür, dass in Griechenland Leute mit viel weniger Lebensarbeitsleitsung früher Rente bezogen haben! Hier wird das Geld zusammengekratzt, das dorthin geschaufelt wird. Wer schaufelt Geld in unser Grundeinkommen? Die Amis? Die sind doch selbst total überschuldet. Es würde funktionieren, wenn wir den weltweiten Schuldenberg verteilen. Und wem hängen wir sie an?

Ich würde vorschlagen, dass sich die Beantworter in diesem Forum erst mal kundig machen, was die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens für die Gesellschaft bedeutet (Stichworte: (Angst-) Freiheit der Gesellschaftsmitglieder, Ende der Lohnabhängigkeit, Einbringen der eigenen Talente und damit Erhöhung der Produktivität usw.) was sie für das Individuum bedeutet (Ende der existenziellen Armut, Familienförderung pur etc.), für die Wirtschaft (keine oder weniger Lohnnebenkosten) und wie es finanzierbar ist. - Komisch, wenn die Idee so absurd wäre, dann gäbe es wohl kaum so viele Anhänger und zwar durchweg durch alle Parteien (außer NPD), soviele Befürworter in Bürgerinitiativen und soviele Unterzeichner der größten Petition im Deutschen Bundestag, die im November behandelt wird. Sind das alles Phantasten? Man kann das Grundeinkommen nicht in ein paar Zeilen erklären, damit muss man sich intensiver beschäftigen, um sich eine Meinung bilden zu können. Aber Vorsicht, die Idee ist wie ein Virus, wenn man erst mal das Potenzial der Idee begriffen hat, lässt sie einen nicht mehr los. Im Übrigen findet man alles in dem Film von Daniel Häni und Enno Schmidt "Kulturimpuls Grundeinkommen" als gute Einführung sowie unter der schon genannten Adresse im Web (www.archiv-grundeinkommen.de), wobei man hier bitte scrollen muss, damit man das Reservoir an Infos überhaupt entdeckt.

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