Bedingungen als Paketzusteller

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4 Antworten

Hallo Pauline.

Doch, ich finde die Angaben mehr als realistisch. Ich arbeite ebenfalls im Paketdienst. 2 Jahre DPD + 1,5 Jahre FedEx. Der Lohn ist korrekt. So viel hatte ich auch. Dann kommen noch Spesen dazu, die aber nicht versteuert werden. ABER: die muss er zahlen.

Das mit der Stundenzahl ist so eine Sache. Der Arbeitgeber darf nicht mehr angeben. Diese 9 Stunden sind reine Arbeitszeit. Da sind keine Pausen oder Wartezeiten dabei. Das zum einen. Zum anderen, könnte man das als Durchschnittswert für geübte Fahrer bezeichnen. Ich war selten vor 17 Uhr im Depot zurück. Meistens gegen 18 Uhr, oder noch später. Der Fahrer, der nach mir diese Tour fuhr, stand jeden Tag um halb fünf fertig ausgeladen im Büro. Wie er das macht, frag ich mich heute noch. Aber der Gute ist erstens ein starker Mann und zweitens 15 Jahre jünger als ich. Das macht schon was aus.

Am Anfang bekommt man auf jeden Fall alles gezeigt. Man fährt einmal mit, um sich das anzuschauen und um zu entscheiden, ob man das längerfristig machen will und kann. WENN man sich entschieden hat, es zu tun, fährt ein anderer (meistens der Vorgänger oder ein Springer) öfter mal mit. Aber rechne nicht mit mehr als 2 Tagen. Dann wirst du mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen. Die meisten Unternehmer geben dem Neuen erst einmal viel weniger Gebiete mit, als wie für die Tour vorgesehen sind. Wenn sich der Neue dann eingelebt und eingearbeitet hat, kriegt er mehr Gebiete, so dass er dann irgendwann die komplette Tour allein fahren kann. Die Angabe mit der Arbeitszeit nach Kunden ist so gemeint: Der Chef weiß aus Erfahrung, wie viele Stopps auf den einzelnen Touren zu schaffen sind. Auf meiner Tour waren mehr als 80 Stopps (Kunden) nicht zu schaffen. Andere Touren fahren täglich mit 120 Stopps raus. Aber dafür hatte ich eine lange Anfahrt, viele Private und zwischen den einzelnen Gebieten wieder lange Anfahrten und die Anderen fahren 5 Minuten zum ersten Kunden, haben viele Geschäfte und fahren in der Innenstadt. Ich konnte mich also weigern; mehr als 80 Stopps mitzunehmen. Man kann durchaus was stehen lassen. Diese Pakete werden von Springern gefahren. Dafür sind die da.

Ich hoffe, ich habe deine Fragen geklärt. Aber noch etwas anderes: Ich sehe an Deinem Namen, dass Du eine Frau bist. Du solltest körperlich absolut fit sein, die Familienplanung abgeschlossen haben und ein dickes Fell besitzen. Mit DPD werden nicht nur Klamotten verschickt. Im Oktober/ November wirst Du Reifen nicht mehr sehen können. Die werden nur selten einzeln verschickt, sondern meistens im Doppelpack. Supertoll sind dann die Kompletträder. Die sind noch schwerer. Die lassen sich zwar wunderbar stapeln, aber die kippen auch sehr schnell um.... nur gut, dass die viel Platz weg nehmen. Wenn das Auto voll ist, ist es voll.... ;-) Komm nicht auf die Idee, deinem Chef zu sagen, du könntest mit Hänger fahren. Der nimmt Dich womöglich beim Wort. ;-)

Viele Schulen bestellen sich Papier. Versuch mal 2 25 Kilo Pakete in den ersten Stock hoch zu schleppen.... oder noch höher.... da geht dir auf der Hälfte die Puste aus. Und wehe, die sind mal auf die Ecke gefallen... da kann es dir leicht passieren, dass Du die Pakete wieder runter schleppen darfst.

Als Frau hast du aber auch den Vorteil, dass Du Dein "schwaches Geschlecht" ausspielen kannst. Das heißt: jeder bemitleidet Dich, sehr viele helfen... also fassen mit an, wenn es zu schwer wird. Bei Männern sieht das anders aus. Da wird höchstens gefragt, warum das so lange dauert. :-P

Also: falls Du das immer noch willst. Mach ruhig. Mir macht es Spaß.

Na ja, das ist halt die Krux bei diesen Paketzusteller-Jobs. es muss nicht unbedingt so sein, aber oft reicht die Zeit nicht, alle Kunden, die man auf der Liste hat in den 9 Stunden abzuarbeiten. Denn für die Zustellung wird nur die optimale Zeit berücksichtigt, und nicht z.B. dass man nicht vor jedem Haus optimal einen Stellplatz findet, dass man für 3 große Pakete eventuell zweimal laufen muss, auch wenns nur ein Kunde ist, dass viele Kunden tagsüber nicht zu Hause sind und man dann sämtliche Nachbarn durchklappern muss, um das Paket loszuwerden usw.

Ob das bei jeder Firma so ist, kann ich dir nicht sagen, aber bei vielen ist es nicht so einfach und viele Paketzusteller beschweren sich über zu viele unbezahlte Überstunden. Am besten mal testen, du hast ja auch Probezeit.

Du musst ganz schön keulen um dein Pensum zu schaffen.

Das sind meistens leere Versprechungen, die nicht einzuhalten sind nach meiner Meinung. Die Werte die die Firma vorgibt sind so berechnet, das es sich um den allerguenstigsten Fall handelt.

Es wird dabei nicht beruecksichtigt, das du viele Kunden nicht antriffst am Tage, weil sie arbeiten gehen. Du musst dann eine Benachrichtigung in ihren Briefkasten werfen und mitteilen das du da warst und das du wiederkommst usw. Auch musst du einen Nachbarn mit Namen vermerken, wenn du das Paket bei dem Nachbarn abgibst.

Ausserdem sind die Verkaehrsverhaeltnisse nich immer so optimal, das du sehr schnell deine Tour fahren kannst. Es gibt Verkehrstaus und du findest ja auch nicht immer direkt einen Parkplatz vor dem Haus des Kunden.

Dies sind alles Zeiten, die eventuell nicht mitberechnet wurden und werden.

Viele Zusteller sind in einem dermassen Stress, das sie es immer sehr eilig haben. Sie koennen aus Zeitgruenden nicht einmal richtig abwarten bis ein Kunde die Haustuer aufmachen kann, weil er beispielsweise im letzten Stock wohnt und er erst beim zweiten oder dritten Klingeln erst mitbekommt das er Besuch bekommt von einem Zusteller.

Du hast sicher einen Vertrag und hast auch eine Probezeit wo du das alles ausprobieren kannst.

Ferner kommt noch hinzu das man nicht direkt alle Anschriften auf Anhieb findet und erst einmal suchen muss wo das Haus ueberhaupt ist wenn man sich in dem Bezirk ueberhaupt nicht auskennt. Es gibt Haeuser die sind nicht nummeriert und an den Hauseingaengen sind auch keine Namen angebracht an den Brefkaesten, dann muss man erst einmal die Nachbarn im Hause fragen. Dies trifft nicht ueberall zu aber doch in vielen Faellen.

Ich kenne das alles aus eigener Erfahrung, weil ich frueher Tageszeitungen ausgetragen habe in verschiedenen Bezirken und spaeter fuer diese Tageszeitungen auch Briefe zugestellt habe. Der Lohn der fuer die Briefe gezahlt wurde war in keinstem Falle gerechtferigt und ausreichend fuer den Aufwand den man betreiben musste, um den Empfaenger den Breif zuzustellen.

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