Bedeutung Grundbesitz im antiken Rom?

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Grundbesitz war für einen großen Teil der Bevölkerung Grundlage für den Lebensunterhalt. Die Landwirtschaft war der weitaus größte Teilbereich der Wirtschaft.

Auf Grundbesitz beruhte Macht und Reichtum eines großen Teils der römischen Oberschicht.

Senatoren stammten gewöhnlich aus Familien mit viel Grundbesitz. Um Senator zu sein, war auch ein Mindestvermögen nötig.

Landwirtschaft wurde in Rom traditionell gelobt (Marcus Porcius Cato ist ein älteres Beispiel) und galt auch als für einen Angehörigen der Führungsschicht angemessen und ehrenhaft.

Eine wichtige Stelle dazu ist Marcus Tullius Cicero, De officiis 1, 151, wobei Cicero wohl nicht auf tatsächliche harte körperliche Strapazen abzielt (dafür wurden damals in großem Ausmaß Sklaven eingesetzt), sondern auf eine Stellung als vornehmer Großgrundbesitzer:

Omnium autem rerum, ex quibus aliquid adquiritur, nihil est agricultura melius, nihil uberius, nihil dulcius, nihil homine, nihil libero dignius.

„Von allen den Erwerbszweigen aber, aus denen irgendein Gewinn gezogen wird, ist nichts besser als die Landwirtschaft, nichts einträglicher, nichts angenehmer, nichts eines Menschen, nichts eines Freien würdiger.“

In der Frühzeit war das Ausmaß eigener Tätigkeit dabei wohl etwas größer, aber dann wurde die Arbeit auf einem Landgut in der Regel von einem Verwalter (vilicus/villicus) geleitet.

Mit der römischen Eroberung im Zuge der Ausdehnung auf ganz Italien gewannen Römer bekamen Römer Grundbesitz, in Kolonien oder als verpachtetes Staatsland (ager publicus).

Ackergesetze (leges agrariae), in denen es um Verteilung von Grundbesitz ging, konnten ein innenpolitisches Streitthema sein und von Gegnern den Vorwurf, die ganze gesellschaftliche Ordnung umstürzen zu wollen, eintragen, wie das Beispiel der Gracchen (Tiberius Sempronius Gracchus Volkstribun 133 v. Chr.; Gaius Sempronius Gracchus, Volkstribun 123 v. Chr. und 122 v. Chr.) zeigt.

In der späten Republik und zu Beginn des Prinzipats war die Versorgung von Veteranen, angedienten Soldaten, die wenig Besitz hatten, mit Land ein wichtiges Thema.

Helmuth Schneider, Landwirtschaft V. Rom. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 5: Gru – Iug. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 1998, Spalte 1116 – 1120 enthält unter anderem als Angaben:

Es gab zwei Arten von Landwirtschaft:

  • kleinbäuerliche Landwirtschaft, vorrangig auf Selbstversorgung der Familie ausgerichtet

  • Gutswirtschaft, die eine große Zahl von Arbeitskräften erforderte und dem Besitzer ein hohes Einkommen sicherte

Landverteilung an römische Bürger in neugegründeten Städten (coloniae) geschah bis etwa Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. erhielten zahlreiche Veteranen der Heere landwirtschaftliche Besitzungen.

Zusammenhängende Güterkomplexe, Latifundien (latifundia) genannt, umfaßten ganze Landschaften und wurden meistens extensiv bewirtschaftet.

Viele Angehörige der römischen Oberschicht (Senatoren, Equites, Ratsherren der Municipien) bezogen ihr ständiges Einkommen zum weitaus größten Teil aus ihren ländlichen Besitzungen.

Dominic Rathbone, Großgrundbesitz. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 4: Epo – Gro. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 1998, Spalte 1245 – 1249 enthält unter anderem als Angaben:

Einzelne Landgüter waren von nur mäßiger Größe (etwa 25 – 100 Hektar), reiche Römer besaßen gewöhnlich jedoch mehrere solcher Villenwirtschaften (villae).

1 oder 2 solcher Besitzungen konnten Römer für die Aufnahme in den Rat ihrer Stadt qualifizieren. 4 oder mehr (vgl. Marcus Tullius Cicero, Oratio pro Sexto Roscio Amerino 20) reichten für den Status eines Ritters (eques).

Im frühen Prinzipat besaß ein Senator mit durchschnittlichem Vermögen wahrscheinlich Ländereien und Immobilien im Wert von 10 – 20 Millionen HS (Sesterzen), was ungefähr 5000 bis 10000 Hektar entspricht.

Die selbe Bedeutung, die Latifundien auch heute für die Nobili haben.

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