Bauzeichnerin Ausbildung - was muss ich mir darunter vorstellen?

...komplette Frage anzeigen

3 Antworten

Hallo jolionhart,

ich habe eine Bauzeichner-Ausbildung gemacht, vor meinem Architektur-Studium. Das ist zwar schon fast zwanzig Jahre her, aber ich kann Dir trotzdem ein paar Dinge über die Ausbildung erzählen. Wir haben in unserem Büro ja auch ab und zu Azubis...

"Damals" (also zu meiner Ausbildungszeit) mussten wir noch mit Reißbrett, Lineal, Bleistift und Tuschestift arbeiten. Man lernte zum Beispiel das Erstellen von Plänen und Freihandzeichnungen. Der Architekt machte Skizzen und der Bauzeichner fertigte dann auf dieser Grundlage Grundrisse, Schnitte und Ansichten an, die man dann dem Bauamt vorlegte. Im nächsten Schnitt wurden dann aus dem sogenannten "Baueingabeplänen" die "Ausführungspläne" erstellt. Freihandzeichnen musste man deswegen können, weil die Pläne mit Hecken, Sträuchern, Bäumen, Menschen, Fahrzeugen, etc. versehen wurden. Manche Büros benutzen dafür Klebefolien, aber in unserem Büro war das alles Handarbeit.

Heute lernt der Bauzeichner alles am Computer. Freihand ist so gut wie passee. In der Ausbildung bringt man dir bei, wie Du mit dem CAD-Programm umgehst. Es gibt eine Menge Zeichenprogramme, speziell für Architekten und Ingenieure, der Oberbegriff dafür ist CAD (Computer-Aided Design).

Du lernst wie Du Grundrisse erstellst und daraus dann Schnitte und Ansichten entwickelst. Und Du lernst, wie man Grundriss und Schnitte richtig vermaßt. Außerdem lernst Du, die Grundrisse in unterschiedlichen Maßstäben darzustellen. Was muss in einem Plan im Maßstab 1:100 gezeigt werden? Was im Maßstab 1:50? Und so weiter. Du lernst, Detailschnitte in größeren Maßstäben wie 1:10 oder 1:5 zu erstellen.

Auch wirst Du Berechnungen machen müssen (Wohnflächen, Rauminhalte, Regenmengen, Massenermittlungen, etc.).

Du wirst zudem während der Bauzeichner-Ausbildung ein mehrwöchiges Praktikum auf einer oder mehreren Baustellen absolvieren müssen. Das ist wichtig, wenn Du musst ja wissen, was Du da auf dem Papier fabrizierst. Diese Pläne gehen schließlich später auf die Baustelle und werden gebaut! Ich war zum Beispiel bei den Maurern. Das war sehr interessant und ich habe dort eine Menge gelernt, auch über Betonarbeiten. Wenn man die Abläufe auf einer Baustelle einmal mitgemacht hat, versteht man viel besser, was man da überhaupt zeichnet ;-)

In der Berufsschule wirst Du eine Menge über die Herstellung verschiedener Baustoffe lernen. Sowas wird einem im Büro nicht beigebracht, ist aber auch wichtig zu wissen. Außerdem lernst Du auch einiges über Gesetzte, wie die (Landes-) Bauordnung, die Bau- und Nutzungsverordnung, die DIN-Normen, etc.

Du solltest, wenn Du Bauzeichner werden willst, gut mit dem Computer umgehen können. CAD musst Du natürlich noch nicht können, denn Du weißt ja nicht, welches dieser Programm Dein Ausbildungsbetrieb verwendet. Aber es wäre super, wenn Du Word und Excel schon kannst, evtl. ein Bildbearbeitungsprogramm wäre auch super. Du solltest ein 3-dimensionales Vorstellungsvermögen haben (manche Menschen können tatsächlich nicht 3D sehen!). Du solltest außerdem ein wenig Mathematik beherrschen und Du solltest keine Angst vor Bauarbeitern haben ;-)

Ich hoffe, das hat Dir ernst mal genug Stoff zum Nachdenken gegeben? Mir hat die Bauzeichner-Ausbildung jedenfalls sehr viel Spaß gemacht. Wie bei jedem Beruf muss man halt mit Leidenschaft dabei sein... Der Beruf des Bauzeicherns ist ein verantwortungsvoller, denn Fehler können teuer werden... Dessen muss man sich immer bewusst sein.

Hast du dich dafür entschieden? Hat es dir gefallen? Ich besuche im Moment die 9. Klasse der Realschule, und interessiere mich auch für diesen Beruf, vielleicht könntest du mir so sagen, (falls du den beruf gewählt hast), ob es dir gefallen hat, und was du so machen musstest.

Danke schonmal im Voraus! :)

Was möchtest Du wissen?