Baum bei Sturm auf unser Auto gefallen - muss der Nachbar zahlen?

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11 Antworten

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Auch dem Inhaber eines Grundstückes mit Bäumen obliegt hinsichtlich dieser Bäume eine Verkehrssicherungspflicht. Ein Grenzbaum oder ein grenznah stehender Baum stellt stets eine mögliche Gefahrenquelle für ein Nachbargrundstück dar. Diese Gefahr ist um so größer, je näher ein Baum an der Grundstücksgrenze steht, je größer und älter er ist und je stärker er durch Krankheit oder Umwelteinflüsse vorgeschädigt wurde.
Dementsprechend erhöht sich auch die Pflicht eines Grundstücksinhabers, ausreichende Gefahrenvorsorge zu treffen, indem er den grenznah stehenden Baum regelmäßig beobachtet und kontrolliert (OLG Schleswig, MDR 1995, 148).
Kommt der Baumeigentümer seinen solchermaßen bestehenden Verkehrssicherungspflichten nach und handelt es sich um einen Baum, der den herkömmlicherweise auftretenden Naturgewalten standhält, so haftet er nicht, wenn der Baum in Folge eines ungewöhnlich heftigen Sturmes einen Schaden verursacht. Da er seiner Verkehrssicherungspflicht entsprochen hat, ist er nicht Störer im Sinne von § 1004 Abs. 1 BGB, und es trifft ihn auch kein Verschulden nach § 823 Abs. 1 BGB. 

https://www.kanzlei.de/archiv/sturm-htm

Wie stark war denn der Sturm? Nur, wenn er außergewöhnlich war, gäbe es keine Haftung, ansonsten muss der Nachbar zahlen.

Haftung setzt stets ein Verschulden voraus - was hier zu beweisen wäre. Sofern der Eigentümer des Nachbargebäudes seiner Sorgfalts- und Sicherungspflicht nachgekommen respektive der Sturm Stärke 8 oder mehr erreicht hat, haftet genau niemand. Dann bleibt ihr auf dem Schaden sitzen.

Das ist ein Typischer Fall für das Gericht.

Der Sturm lässt sich per Daten vom Wetterdienst nachweisen. Was nicht unbedingt dein Vorteil ist.

Ein Baum braucht auch kein regelmäßiges Gutachten, ob der Baum Verkehrssicher war, lässt sich auch im Nachhinein beurteilen.

Alles in allem, sehe ich schon, das Du auf dem Schaden sitzen bleibst.

lieber ascivit, ...ich denke auch, am besten in diesem speziellen Fall einen Rechtsanwalt befragen und wenn die Aussicht auf Erfolg ist, auch mit den zivilrechtlichen Ansprüchen, die iihr gegen den Nachbaran habt, beauftragen; für den Fall seht ma nach, ob ihr rechtsschutzversichert seid; dann erst recht !...solltet ihr keine RS haben, schaut ma nach, ob ihr beim ADAC ...die Plus-Mitgliedschaft habt, dann seid ihr wenigstens für die Beratung beim RA kostenmäßig abgesichert;

...des weiteren: gehen wir von aus, daß ihr Rechtschutz habt/bekommt, dann muß die Höhe des Schadens an eurem PKW durch einen Sachverständigen -  auch TÜV, Dekra machen das - festgestellt werden; ebenso falls weitere Schäden an eurem Grundstück entstanden sind (auch da stellt wieder ein SV den Schaden fest); welche Windstärke an dem betreffenden Tag herrschte, könnt ihr ja noch selber feststellen; alles andere laßt den RA machen; dazu ist er ja als Fachmann für euch da; viel Erfolg, alles Gute aus Köln

ps: die §§, die der Experte hier vorher schon nannte, könnt ihr ja mal dem RA auch vorlegen, zur Vorabinfo

Nein, es zahlt gar keiner! Es sein denn, der Nachbar hat grob fahrlässig gehandelt.( zum Beispiel einen offensichtlich umsturzgefährdeten Baum nicht gefällt)

Unwahrscheinlich, dass der Nachbar haftet, aber nicht unmöglich. Er sollte den Schaden seiner Haftpflichtversicherung melden. Ich vermute stark, dass diese die Haftung erstmal zurückweisen und nicht regulieren wird.

Haften müsste der Nachbar nur, wenn der Baum in einem solch desolaten Zustand war, dass dies den Schaden herbeigeführt hat. Aber auch wenn der Baum in schlechtem Zustand war, wenn der Wind so stark war, dass auch ein einwandfreier gesunder Baum umgekippt wäre, haftet der Nachbar wieder nicht. 

Unterm Strich sehe ich geringe Chancen auf Haftung des Nachbarn. Im übrigen ist er in der Beweispflicht seine Unschuld darzulegen, nicht umgekehrt. Wobei ihn dabei seine Haftpflicht unterstützen wird. 

Meines Wissens fällt das unter "höhere Gewalt". 

Kleine Frage am Rande - wie habt ihr denn das Auto auf den Hof bekommen, wenn es nicht angemeldet/versichert ist? Huckepack auf dem Trainer? 

Der Verkäufer hat es hingebracht

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Der soll das seiner Haftpflicht melden, die wird dann genau erklären warum Sie nicht zahlen muss. Danach kann man immer nich zum Anwalt

Am besten einen Rechtsanwalt einschalten.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Nachbar ueber seine Haftpflicht zahlen MUSS.. Entscheidend sind aber die Wetterdaten.

Weder muss der Nachbar überhaupt eine Haftpflicht haben, noch muss er grundsätzlich zahlen. In den meisten Fällen muss er das nicht.

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Meine Erfahrungen sind anders. Wenn Sie meinen..... Ich hab meinen Schaden reguliert bekommen und das zählt. Versichert muss ein Hausbesitzer in jedem Falle sein

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@Doktorfruehling

Versichert muss ein Hausbesitzer in jedem Falle sein

Also das wär mir neu. Ein Kreditgeber verlangt vielleicht eine (Feuer) Gebäudeversicherung aber eine Privathaftpflichtversicherung oder Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. 

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@Doktorfruehling

Sofern den Eigentümer des Baumes ein Verschulden traf, wurde das natürlich über die PHV reguliert; in bestimmten Fällen auch über die WGV (aber nur bei Altverträgen). Aber ohne Verschulden keine Haftung.


Versichert muss ein Hausbesitzer in jedem Falle sein 

Sollte, ja. Muss, nein.

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@Doktorfruehling

Dein Fall ist dann aber eben nicht der grundsätzliche sondern der Sonderfall. Rechtsfragen sollte man im Allgemeinen auf Basis des Gesetzes und nicht auf Basis persönlicher Erfahrungen beantworten.

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ok ich muss mich präzisieren.. Bei finanzierten Immobilien

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@Doktorfruehling

Nein, meiner Sparkasse war es vollkommen egal, ob ich eine PHV habe, als mir mein Haus finanziert haben.

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@Doktorfruehling

Bei finanzierten Immobilien

...wird, wie von mir beschrieben, lediglich der Nachweis einer Gebäudeversicherung verlangt. Niemals einer Privathaftpflicht. 

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Ich würde sagen ja, das ist ein Haftpflichtschaden. Dazu muss auch gar kein Verschulden vorliegen, aber der Schaden ging vom Nachbarsgrundstück aus. Dafür hat man als Hausbesitzer normalerweise eine Haushaftpflichtversicherung.

Na dann hoffen wir mal, dass der Sturm haftpflichtversichert war...

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Dazu muss auch gar kein Verschulden vorliegen

Ähm, doch. Wie kommst du darauf?

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@NamenSindSchwer

Es geht hier ums Zivilrecht, also BGB.

Im BGB gilt betreffs Haftpflicht aber nicht das Schuldprinzip sondern das Verursacherprinzip. Demnach haftet der Verursacher eines Schadens unabhängig davon, ob ihm eine strafrechtliche Schuld nachgewiesen werden kann oder nicht.

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@Hamburger02

Aber alleine das Eigentum an einem Baum macht den Eigantümer nicht zum Verusacher des Schadens. Dazu muss er schon irgendeine Verfehlung begangen haben.

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@AalFred2

z.B. dass er seiner Verkehrssicherungspflich nicht nachgekommen ist. Der Verdacht liegt aber nahe, wenns den Baum bei einem üblichen Sturm umgeschmissen hat. Zur Beweissicherung wären daher detallierte Fotos der Bruchstelle gut, denn daran kann ein Experte sofort sehen, ob der Baum evtl. geschädigt und geschwächt war. Dann hätte er vom Besitzer gefällt werden müssen.

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@Hamburger02

Die Verkehrssicherungspflicht verlangt aber nur, dass der Baum ab und an kontrolliert wird. Dabei hätte dann eine solche Beschädigung erkennbar sein müssen. Man muss als Baumbesitzer nicht jedes Quartal ein Sachverständigengutachten einholen.

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@Hamburger02

Im BGB gilt betreffs Haftpflicht aber nicht das Schuldprinzip sondern das Verursacherprinzip. 

Das ist zwar korrekt, aber du interpretierst es falsch. Auch für das Verursachen eines Schadens muss eine deliktische Handlung vorliegen, die dem Beklagten nachgewiesen werden kann. Hat der Eigentümer jedoch sich ganz offensichtlich an seine Sicherungspflicht gehalten (z.B. durch regelmäßige Begutachtung etc.), dann trifft ihn keinerlei Verschulden an dem Schadensereignis, ergo wird seine PHV für ihn die Ansprüche des Geschädigten auch vor Gericht zurückweisen.

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@Hamburger02

Von strafrechtlicher Schuld redet auch keiner. Dennoch muss ein Verschulden vorliegen, damit jemand haftet. Im vorliegenden Fall greift keine Gefährdungshaftung (wie z.B. beim Auto) bei der auch ohne Verschulden eine Haftung vorliegt. 

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@Hamburger02

z.B. dass er seiner Verkehrssicherungspflich nicht nachgekommen ist

Und das wäre durch den Kläger zu beweisen - woran derartige Verfahren regelmäßig scheitern, weil selbst mit Gutachten nicht auszuschließen ist, dass ein Baum mal umfällt. Sofern die mangelnde Stabilität respektive Gesundheit des Baumes nicht offenkundig war, geht so ein Anspruch ins Leere.

Der Verdacht liegt aber nahe, wenns den Baum bei einem üblichen Sturm umgeschmissen hat.

Nein.

Zur Beweissicherung wären daher detallierte Fotos der Bruchstelle gut,

Das dürfte nun wohl offenkundig sein :-)

denn daran kann ein Experte sofort sehen, ob der Baum evtl. geschädigt und geschwächt war

Nein. Dazu wäre ein statisches Gutachten und eine fachliche Bewertung des Baumes notwendig. Und selbst ein Baumgutachten am lebenden Objekt ermöglicht keine sichere Aussage darüber, ob das Innere des Baumes 100% gesund ist. Das sieht man immer erst beim Fällen. Eine non-invasive Methode zur Prüfung des Baumstammes gibt es nicht.

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@FordPrefect

So, hier steige ich aus, sonst bringe ich mich mit meinem juristischen Halbwissen noch in Teufels Küche. ;-)

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