Basiert unser Grundgesetzt auf christlichen Werten?

20 Antworten

Hallo Titan222,

die kurze Antwort wäre: ein Bisschen.

Seit wann gibt es christliche Werte?

Geschichtlich gesehen wäre es eher angemessen nach christlichen Tugenden zu fragen, anstatt nach christlichen Werten. Wert-Ethiken (also der Versuch die Moral auf Werte zu Gründen) scheinen mir eher ein modernes Phänomen zu sein.

Die traditionelle Ethik des Christentums orientierte sich eher am Prinzip der Tugendethik, obgleich sich auch deontologische Elemente feststellen lassen. Es gibt bestimmte Tugenden, die sich ein Christ oder eine Christin angewöhnen soll - z.B. Frömmigkeit, Nächstenliebe, Weisheit (im profanen Sinne), Erkenntnis (im religösen Sinne), Keuschheit... Daneben stehen bestimmte Laster, die man sich abgewöhnen soll - z.B. Hass, Geiz, Selbstsucht, Fauhleit... Eine deontologische Ethik fragt danach, ob eine bestimmte Handlung grundsätzlich erlaubt sei oder nicht. Beispielsweise ist das Töten von Menschen grundsätzlich verboten (jedoch mit Ausnahmen, wie Todesstrafe, Selbstverteidigung, gerechtfertigter Krieg...). Das Ausleben von Sexualität wurde regelrecht tabuisiert (Ausnahme: Bestimmte "erlaubte" sexuelle innerhalb einer Ehe).

Werte im Grundgesetz?

Das Grundgesetz kennt zwar bestimmte Prinzipien, die man vielleicht auch als Werte bezeichnen könnte...

  • Meinungsfreiheit, Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit
  • Gewaltenteilung
  • Presse- und Kunstfreiheit
  • Rechtstaatlichkeit
  • Volkssouveränität
  • Diskriminierungsverbot / Allgemeine Gleichbehandlung

...aber was haben diese Prinzipien (von der Religionsfreiheit abgesehen) mit Religion zu tun? Diese Ideen stammen aus der Rechtsphilosophie der Aufklärung. Im Fall des Grundgesetzes wurden vor allem die Entwürfe von Immanuel Kant und G. W. F. Hegel aufgegriffen. Einigen dieser Prinzipien stand das Christentum sogar zeitweise zum Teil recht ablehnend gegenüber.

Auch der Förderalismus, der im GG ausdrücklich festgeschrieben ist, kann der Religion völlig egal sein.

Wo das Grundgesetz vielleicht christlich ist...

  • Menschenwürde: Die Idee, dass dem Menschen aufgrund seiner Vernunft eine bestimmte Würde zukommt, findet sich bereits bei katholischen Theologen des Mittelalters - ist in der christlichen Tradition eigentlich schon lange bekannt gewesen (zumindest in der Theorie). Dennoch muss man deutlich sagen, dass dieser Gedanke vor der Aufklärung in christlichen Kirchen und Gemeinschaften wenig beachtet worden ist.
  • Schutz der Ehe: Das GG fordert einen besonderen gesetzlichen Schutz der (Hetero-)Ehe. Das wurde 1946 von den christlichen Kirchen und Gemeinschaften definitiv als christlicher Wert angesehen.
  • Schutz der Feiertage: Das GG schützt Sonn- Feiertage, die zur "Erholung und seelischen Erhebung" dienen. Dies dürfte auf die christliche Tradition zurückzuführen sein. Auch jetzt sind es neben Gewerkschaften vor allem die christlichen Kirchen und Gemeinschaften, die dafür eintreten.
  • Sozialstaatlichkeit: Die Armenfürsorge und Krankenpflege wurde Jahrhunderte lang vor allem von Mönchen und Nonnen übernommen. Almosengeben gilt in der Bibel und im Katholizismus als gutes Werk. Die lutherische Reformation forderte erstmals eine öffentlich-organisierte Armenfürsorge. In sofern knüpft dieser Gedanke schon an die christliche Tradition an. Im 19. und 20. Jh. waren es neben Kommunisten, Sozialisten und Sozialliberalen eben vor allem Vertreter der katholischen Soziallehre, die dafür eintraten. Der Protestantismus war hierzu jener Zeit etwas reaktionärer eingestellt, obgleich es auch dort einige Ausnahmen gab.

Was 1949 noch nicht christlich war...

Das Grundgesetz fordert die Gleichstellung von Mann und Frau. Dieser Gedanke wurde 1949 im Christentum noch mehrheitlich abgelehnt.

Das ist eine von Christen häufig und hartnäckig verbreitete Lüge. Der Humanismus geht letztlich auf die griechische Philosophie zurück, die die humanistischen Ideen lang vor der Entstehung des Christentums entwickelte. Auch die mosaischen Vorstellungen haben absolut nichts mit Humanismus zu tun, sondern stehen sogar in direktem Gegensatz dazu.

Die Ideen der Aufklärung haben sich im erklärten Gegensatz zu den religiösen Vorstellungen entwickelt und speziell dadurch, dass sich die Humanisten und Aufklärer dezidiert von den religiösen Vorstellungen der Kirche distanziert haben.

Noch heute verweigert der Vatikan den Beitritt zur Menschenrechtskovention der UNO, zusammen mit einigen weiteren wenigen Schurkenstaaten, mit der Begründung, dass die religiösen Dogmen der Kirche mit den Menschenrechten nicht vereinbar seien.

Letztlich mussten die Menschenrechte in einem langen Kampf gegen die Kirchenvertreter erstritten werden.

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Ja klar. Im christlich abendländischem Kulturkreis hat das Christentum sicherlich gar keinen Einfluß auf irgendwas.

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@Sniffys

Das Christentum hatte mal einen maßgebenden Einfluss auf die Gesellschaft und zwar in der Art, dass das einfache Volk dumm und ungebildet gehalten wurde, damit es Adel und Klerus besser ausbeuten konnten. Als die Christen noch politische Macht hatten, gabs auch keine Meinungs- und Religionsfreiheit, sondern stattdessen Folter und Scheiterhaufen für freie Meinungsäußerung oder häretische Umtriebe.

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@Hamburger02

Hatte einen maßgebenden Einfluß.... Mehr wollte ich nicht hören. Danke.

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@Sniffys

Hatte einen maßgebenden Einfluß

Das kann kaum bestritten werden. Es kann aber sehr wohl bestritten werden, dass das ein guter Einfluss war. Und auf die Entwicklung der Aufklärung, der Menschenrechte und des Grundgesetzes hatte es gar keinen Einfluss.

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@Sniffys
Mehr wollte ich nicht hören

Offensichtlich hast du deshalb ab dieser Stelle auch nicht weitergelesen.

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@Meatwad

Hat jemand die Null gewählt oder warum meldest du dich?

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Perfekte Antwort, da kann ich mir einen eigenen Beitrag sparen.

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Schliesse mich Andrastor an: Die Antwort beinhaltet alles, was es braucht.

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Im Wesentlichen schon, einfach weil es auch Werte des gesellschaftlichen Konsenses sind, seit Jahrtausenden eigentlich.

Die andere Frage wäre, ob das Christentum auf gesellschaftlichen Werten basiert. Ja, genau so ist es im Wesentlichen.

Wobei die Werte sich immer auch anpassen. Und die Religionen nicht immer hinterher kommen oder sogar teilweise im Mittelalter stecken bleiben.

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Im Wesentlichen schon, einfach weil es auch Werte des gesellschaftlichen Konsenses sind, seit Jahrtausenden eigentlich.

Werte des gesellschaftlichen Konsens wie "Du sollst nicht töten!"? Die hat das Christentum nicht erfunden. Und unzählige dieser Werte hat uns nicht das Christentum gebracht. Wer im Jahre 1800 auf offener Straße sein Kind verprügelte, hat nicht mit Empörung, sonden mit zustimmenden Kopfnicken rechnen können. "So ists recht!" hätte da der Herr Pfarrer beim Vorbeigehen gesagt.

Wobei die Werte sich immer auch anpassen. Und die Religionen nicht immer hinterher kommen oder sogar teilweise im Mittelalter stecken bleiben.

Genau. Unser freiheitliches Weltbild haben wir nicht dem Christentum zu verdanken, wir haben es denen zu verdanken, die dem Christentum die Stirn geboten haben.

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Für wen gilt das Grundgesetzt?

Für wen gilt das Grundgesetzt der Bundesrepublik Deutschland? Und gegen wen, sind die Grundrechte nur gegen den Staat einklagbar? Wird dort nur beschrieben, was der Staat den Menschen nicht antun darf?

Für Opfer schwerer Verbrechen gelten nachgewiesenermaßen die Grundrechte in der BRD NICHT: Die Grundrechte und Menschenrechte gelten AUSDRÜCKLICH nicht für die Opfer von Straftaten ind er BRD und nicht gegen die Täter. Das Opfer hat weder ein Recht auf die Einhaltung der Menschenrechte noch auf die Grundrechte.

Nicht gilt etwa: ARTIKEL (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Gegenüber Verbrechern gilt das nicht und der Staat sieht KEINERLEI Notwendigkeit das zu garantieren.

Für wen gelten die Grundrechte? Für Opfer von Verbrechen gelten sie nicht. WARUM?

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