Bachblüten Lüge?

 - (Gesundheit, Medizin, Heilung)

11 Antworten

Hallo LuCA1112,

Ich war der Meinung, Bachblüten haben keinerlei Wirkung und die Patienten bilden sich die Besserung der Symptome nur ein -> Placebo. Sie jedoch, war fest davon überzeugt, dass Bachblüten eine Wirkung haben, konnte mir aber keinen dafür verantwortlichen Inhaltstoff auflisten.

Aus wissenschaftlicher Sicht liegt Ihr beide nicht ganz richtig.

Du hast Recht, dass Bachblüten Placebos sind.

Es ist aber Deinerseits eine vollkommen falsche Darstellung des Placeboeffektes, dass dieser darin bestünde, dass sich Patienten Besserungen nur einbilden würden.

Deine Freundin liegt dagegen falsch in der Darstellung, dass Bachblüten eine gezielte, mittelabhängige Wirksamkeit besitzen.

Erstaunlich allerdings, dass sie die keine enthaltenen Stoffe aufzählen konnte: Denn es ist auch nicht korrekt, dass Bachblüten wirkstoffrei wären.

Das würde ich gerne erwas ausführlicher erklären:

Fangen wir mit der Wirkstofffreiheit an, weil Du danach ganz explizit fragst:

Hergestellt werden die Bach-Blüten, indem man sie in Wasser einlegt und ein paar Stunden der Sonne aussetzt. Manchmal werden auch auch Äste und Blätter gekocht. Der so hergestellte Sud soll eine nicht näher quantifizierbare “Blütenenergie“? enthalten. Worin diese "Energie" bestehen soll, darüber schweigt sich das Verfahren bis heute, etwa 80 Jahre nach seiner Entstehung, aus. Das Ganze wird zuletzt noch deutlich verdünnt, meist im Verhältnis 1:240.

Daraus ergibt sich:

1) Selbst das Verfahren selbst behauptet nicht, dass eine angenommene Wirksamkeit von den enthaltenen Inhaltsstoffen ausgeht, sondern eben von den behaupteten Blüten-Energien oder Blüten-Schwingungen.

2) Diese Blüten-Energien oder Blüten-Schwingungen sind wissenschaftlich nicht haltbar... ein wichtiges Argument für den Placebo-Charakter der Mittel (siehe unten)

3) Frei von Inhaltsstoffen der jeweils verwendeten Pflänzchen sind die Mittel nicht, denn der gekochte oder in der Sonne gezogene Sud wird eben nicht wie in der Homöopathie zigfach schrittweise verdünnt, sondern nur - je nach Variante - ein oder zweimal im Verhältnis 1:240. Das ist sehr weit unter der Avogadrogrenze.

Es ist deshalb eine falsche Beschreibung der Mittel, zu behaupten, sie würden keinerlei Stoffe enthalten. Richtig ist aber, dass

1) selbst unverdünnt nicht die beschriebenen Wirkungen zu erwarten wären (weil Bach seinerzeit keineswegs mit Heilpflanzen bekannter Heilwirkungen gearbeitet hat; die Pflanzen wurden anhand seiner esoterisch geprägten Naturdeutung ausgewählt und besitzen eben bereits unverdünnt nicht die ihnen zugesprochenen Effekte

2) die Mittel die pflanzlichen Stoffe oft unterhalb einer pharmakologisch notwendigen Dosis enthalten.

Damit kommen wir zum Punkt 2: Ja, Bach-Blüten sind Placebos, also Scheinmedikamente. Damit haben sie keine mittelabhängige Wirksamkeit. In dem Punkt liegst Du ganz richtig.

Das ergibt sich eben einerseits aus der wissenschaftlichen Nichthaltbarkeit der behaupteten Wirkmechanismen (was soll da schwingen, welches Organ im Körper soll auf die Schwingung reagieren, welche Messgeräte weisen die Schwingung nach, etc.) oder aus der Auswahl der Pflanzen von vornherein.

Dies bestätigt sich aber eben auch umfangreich in allen Untersuchungen des Verfahrens in klinischen Studien, bei denen man die Effekte nach der Einnahme der Bach-Blüten verglichen hat mit denen anderer Placebos:

Hier nachzulesen: http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Bach-Blütentherapie#Wissenschaftliche_Einordnung

Ich zitiere:

Eine Übersichtsstudie der Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie wertete insgesamt vier Studien zum Einsatz von Bach-Blüten bei Prüfungsangst und ADHS aus und kam zu dem Ergebnis, dass eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus nicht festgestellt werden konnte (...) In einer Aktualisierungsrecherche des IGeL-Monitors werden vier Übersichtsarbeiten aufgelistet. Keine konnte eine Wirkung der Bach-Blütenessenzen nachweisen, die über den Placebo-Effekt hinaus geht.

Die Links in die Originalliteratur findest Du auf der verlinkten Webseite.

Es gibt also keinen rational begründbaren Zweifel an der Tatsache, dass Bach-Blüten Placebos sind.

Womit wir beim dritten Punkt sind: Placebo ist nicht gleichzusetzen mit Einbildung

Ich bin selber erstaunt, wie weit verbreitet diese falsche Vorstellung über den Placeboeffekt ist, selbst unter Leuten, die eigentlich sehr gut wissen, dass Homöopathika, Bachblüten & Co nur Placebos sind.

Ich verlinke mal allgemein diesen Artikel dazu:

http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Oft_gehörte_Argumente_-_Verbreitete_Vorstellungen_über_den_Placebo-Effekt

Aber kurz in eigenen Worten:

1) Placeboeffekte setzen sich aus bewussten und unbewussten Anteilen zusammen. Gewiss spielt also die Erwartungshaltung, das Wissen "zu behandeln" eine Rolle... aber auch offene Placebos können nachweislich Placeboeffekte auslösen. Die Wegnahme der bewussten Anteile verhindert also keineswegs das Auftreten von Placeboeffekten.

Zudem ist nachgewiesen, dass nach der Einnahme von Placebos im Gehirn Endorphine, die die Schmerzempfindlichkeit herabsetzen können, gebildet werden (können). Das Absinken von Schmerzen oder anderen Beschwerden nach der Einnahme von Placebos ist also keineswegs "Einbildung".

Ebenso falsch wäre es übrigens zu behaupten, die Beschwerden wären von vornherein nur eingebildet gewesen, wenn nach der Einnahme von Placebos Besserungen auftreten.

2) Der wesentliche Punkt ist aber, dass eben nicht alle Besserungen, die NACH der Einnahme von Placebos auftreten, überhaupt auf Placebo-Effekten beruhen.

Der Plecaboeffekt und die echte Mittelwirkung sind eben nicht die einzigen Dinge, die NACH der Einnahme der Mittel passieren können.

Die allermeisten Besserungen nach der Einnahme nutzloser Mittel beruhen auf dem "get better anyway"-Effekt: Der natürlichen Genesung. Hausmittelchen wie Homöopathika und Bachblüten werden von den allermeisten Anwendern nur bei leichten und deshalb vorübergehenden Beschwerden angewendet. Da sind Verbesserungen nach der Mittelgabe nicht erstaunlich, sondern unvermeidbar.

Natürliche Genesungen, Regression zur Mitte, Effekte anderer Behandlungen, Effekte von Änderungen im Lebensstiel wie Schonen, Diät, Vermeidung,... rufen Besserungen hervor, die weder mit Mittelwirkung noch mit Placeboeffekt etwas zu tun haben, in der Praxis aber von medizinischen Laien halt als Wirksamkeit des Mittels gedeutet werden.

Weil die erlebten Besserungen für die Betroffenen real sind, sollte man sich davor hüten, sie als "Einbildung" abzukanzeln. Das ist eben nicht nur falsch, sondern macht jede weitere Diskussion danach nur schwerer. Daran, dass die Bach-Blüten nur Placebos sind, ändert das nichts.

Grüße

Ach ja: P.S.: In der Apotheke stehen diese Mittelchen über die gesetzlichen Regelungen der "besonderen Therapierichtungen". Diese gesetzliche Sonderregelung befreit die Mittel von einem Wirksamkeitsnachweis. Der Gedanke war, dass wenigstens der Apotheker den Patienten sieht, um ihn sinnvoll zu beraten. In der Praxis läuft das leider schief: Nicht wenige Apotheken bewerben das Zeugs sogar, um ihr Geschäft aufzubessern. Und ja: Das ist traurig. Der Gesetzgeber schreibt nämlich an anderer Stelle durchaus, dass der Patient ein evidenzbasiertes Beratungsgespräch in der Apotheke erwarten darf. Da besteht Nachbesserungsbedarf!

  1. Bachblüten besitzen "Stoffe". Diese wirken aber nicht in der Form, wie unterstellt wird. Die versprochene Wirkung ist von den gegebenen Stoffen unabhängig.
  2. Bachblüten sind als Placebos eingestuft
  3. Placebos haben nicht immer "keine Wirkung"
  4. Placebos sind potentielle Autosuggestionstrigger, welche eine psychologische Wirkung haben und sich dadurch möglicherweise auch physisch auswirken.
  5. Die Wirkung ist aber nur "potentiell" und fordert "Autosuggestion", also überzeugte Einbildung.

Beispiel: Du stehst unter Stress und knirscht mit den Zähnen. Wenn dir jetzt jemand Bachblüten gibt, und du nicht wüsstest, dass es Placebos wären, dann könnte dich jemand von der beruhigenden Wirkung überzeugen. Und in einer bestimmten Erwartungshaltung kann dich das beruhigen, weil du ja ds Problem vermeintlich angegangen bist und du hörst auf mit den Zähnen zu knirschen. Gleiches gilt aber z.B. auch für homöopathische Mittel.

Es kann aber auch sein, dass das nicht funktioniert. Es liegt an dir.

Wie so oft in der Natur kannst du manchmal lange suchen, WAS GENAU da WIE wirkt - auch wenn es wirkt.

Meinst du, eine menschengemachte Wissenschaft wäre in der Lage dazu, diese Frage zu beantworten? Selbst tapetenlange Sermone zeigen doch bloß die vorherrschende Hilflosigkeit.

Deine Freundin wird die Wirkung am eigenen Leib gespürt und erlebt haben - und für jemanden, der Heilung sucht, ist es ausreichend, sie bekommen zu haben. Was willst du mehr? Mit dem Fuß aufstampfen, weil es gewirkt hat? Na dann mach mal. Ansonsten bist du ja frei, die Segnungen der Pharmaindustrie in all ihrer Fülle auf dich wirken zu lassen!

PS. Besserwissertum, Dickköpfigkeit und die dazugehörigen Symptome sind mit den entsprechenden Bachblüten übrigens auch wunderbar behandel- und heilbar!

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Will hier jemand wieder kraeftig jodeln?

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Super Spielwiesen ! Du bringst es auf den Punkt !

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Wie steht die Halbwertszeit in Verbindung mit der Wirkung?

Hallo, ich stelle nun eine Frage die mich als Pharmazielaie schon länger beschäftigt.

Mefenaminsäure, der Wirkstoff in Parkemed (Schmerzmittel) hat eine Halbwertszeit von 2h. Nach 10h spüre ich aber immernoch eine Wirkung obwohl von der 500mg Tablette nurnoch 31,25mg vorhanden sind. Gut, wenn das übertrieben ist und dem Placebo zuzuschreiben ist dann nehmen wir 6 Stunden, das wären 125mg. Wieso wirken also 125mg genauso wie 500mg bei Kopfschmerzen?

Bei Diazepam ist es genau umgekehrt, die HWZ beträgt 48-96h (96h nur bei Älteren Personen soweit ich das verstanden habe). Die Wirkzeit jedoch ist deutlich kürzer, ich würde sie mit 30m - 1h angeben. Wie kann das sein, das komplette Gegenteil zum ersten Beispiel.

Ich hoffe ihr habt meine Frage verstanden. In welchem Zusammenhang steht die Wirkung zur Halbwertszeit? Denn theoretisch, nach meinem Laienverständnis müsste die Hälfte der aktiven Stoffe im Blut (HWZ) die Hälfte der Wirkung ergeben, tut es aber in beiden Beispielen nicht.

Wieso darf ich nach dem "Gebrauch" von Valium nich schon nach 12h wieder Autofahren wenn die Wirkung schon seit 10-11h verschwunden ist.

Möchte anmerken das dies nur Beispiele sind. Ich nehme kein Valium (es hat nur eine lange HWZ deswegen als Bsp.). Parkemed jedoch schon öfter und da hab ich nicht nach 6h wieder Kopfschmerzen obwohl ich wenn ich so eine Tablette nehme langwierige Kopfschmerzen habe (24-72h) welche Wetterbedingt sind. Habe also im Selbstversuch schon oft gemerkt das Parkemed mehr als 2h-6h helfen. Bei mir würde ich die Wirkzeit mit glatten 12h einstufen. Die Frage interessiert mich einfach und da ich keinen kenne der Pharmazie studiert oder sich in diesem Bereich auskennt und das Internet nichts ausspuckt würde ich gerne euch dazu befragen.

!!!Bitte nur ernsthafte Antworten und keine wie: "Valium ist doch viel stärker als Parkemed..."!!! (Und falls dies wirklich die richtige Antwort sein sollte, warum auch immer wäre eine ordentliche Begründung nett)

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