Baby durch Fehlgeburt verloren, heule nur noch, Leben erscheint so perspektivlos, ich weiß nicht mehr weiter :-(?

6 Antworten

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Hallo LittleMac1976,

ich sende Dir mein Mitgefühl. Das ist wahrlich nicht leicht und Du hälst Dich tapfer.

Hast Du Dich mal erkundigt, ob es in Deiner näheren Umgebung eine Trauergruppe oder Trauerbegleiter gibt? Das kann eine gute Stütze in solch schweren Zeiten sein, denn dort erfährst Du all das, was Dir gerade fehlt. Du wärest nicht mehr allein und die Menschen dort 'tragen' sich gegenseitig verständnisvoll.

Ein anderer Weg wäre eine kurze Psycho- bzw. Traumatherapie, um das Erlebte besser verarbeiten zu können. Vielleicht gibt es in Deiner Nähe auch Caritas- oder sonstige Verbände, die ebenfalls gute Hilfe leisten können.

Zum Aufbau neuer Kraft, Energie und Lebensfreude wäre vielleicht der Besuch eines Kurses in Autogenem Training, Yoga, TaiChi oder Meditation an einer Volkshochschule ratsam. Vielleicht liegt Dir auch etwas mit mehr Bewegung? Sport in allen Variationen wird in vielen Vereinen angeboten, wo Du auch neue Menschen kennenlernen kannst, um Dir einen näheren Freundeskreis aufzubauen.

Bitte achte auch wenn es gerade schwerfallen sollte auf eine gesunde Ernährung und ausreichende Trinkmenge (Wasser, Tee). Versuche Dir selbst Gutes zu tun, mache Dinge, die Dich erfreuen und Dich wieder heimisch in Dir selbst werden lassen.

Alles Liebe und Gute für Dich wünscht Dir

Buddhishi

Hallo LittleMac1976,

Deine Geschichte hat mich tief berührt! Sein Kind zu verlieren, wenn auch noch ungeboren, gehört wohl mit zu dem Schlimmsten, was einer Frau passieren kann. Dass Du jedoch auch noch nach 5 Monaten trauerst, ist durchaus verständlich und nicht ungewöhnlich. Man braucht nach einem Todesfall unter Umständen sehr viel Zeit, um diesen Schmerz verarbeiten zu können. Mir hat jemand einmal erklärt, dass jeder auf eine andere Weise trauert und es auch kein Zeitmaß für die Trauer gibt. Es ist auch immer sehr hilfreich, wenn man mit jemandem über meine Gefühle sprechen kann, der vielleicht Ähnliches erlebt hat und sich am besten in Deine Lage hineinversetzen kann. Für den Trauernden ist es nämlich schon eine große Erleichterung, jemanden zu haben, der verständnisvoll zuhört.

Was ebenfalls Erleichterung bringen kann ist, wie Du ja sicher schon gemerkt hat, zu weinen. Ja das Vergießen von Tränen der Trauer ist ein wichtiger und notwendiger Bestandteil des Heilungsprozesses. Hinterher fühlt man sich immer ein wenig erleichtert. Ich glaube, es ist gar nicht gut, wenn man irgendwie versucht, vor anderen seine Gefühle zu verbergen und stark sein zu wollen. Seinen Tränen freien Lauf zu lassen, hilft am besten bei der Trauer.

Manche, die mit einem Verlust fertig werden mussten, haben gemerkt, dass es gut ist, seine Trauer zu durchleben. Warum? Es kann den Druck erleichtern, wenn man seine Gefühle heraus lässt. Diese Gefühle jedoch zu unterdrücken, mag in körperlicher und auch in seelischer Hinsicht großen Schaden anrichten. Dazu, die Trauer zu durchleben, gehört auf jeden Fall zu reden!

Ich bin einmal auf einen Text in der Bibel gestoßen, der in diesem Zusammenhang sehr gut passt. Dieser Text ist dem Bibelbuch Hiob entnommen. Dieser Hiob sagte nach dem Tod seiner 10 Kinder, sowie einiger anderer dramatischer Erlebnisse, folgendes:"Meine Seele empfindet bestimmt Ekel vor meinem Leben. Ich will meiner Besorgnis um mich freien Lauf lassen. Ich will in der Bitterkeit meiner Seele reden!"(Hiob, Kapitel 10, Vers 1). Hiob tat also etwas sehr Wichtiges: Er behielt seine bedrückenden Gedanken nicht für sich, sondern redete mit anderen darüber und fand so Erleichterung. Etwas Ähnliches sagte auch Shakespeare in Macbeth: " Gib Worte deinem Schmerz, Gram der nicht spricht, preßt das beladene Herz, bis daß es bricht". Wenn Du also Deine Erfahrungen und Gefühle in Worte kleidest, kannst Du Dich zum einen selbst besser verstehen und findest auch ein gewisses Maß an Erleichterung. Sehr hilfreich wäre es natürlich, wenn Du jemanden zum Reden hast, der selbst einen geliebten Menschen verloren hat und den Verlust erfolgreich überwunden hat. Durch ihn könntest Du vielleicht praktische Anregungen erhalten, die Dir helfen, Deinen Kummer zu bewältigen. Es kann aber auch sein, dass es Dir überhaupt nicht danach ist, über Deine Gefühle zu sprechen. Was dann?

Manchen hilft es, das, was sie bewegt, aufzuschreiben und es später wieder zu lesen. Auch auf diesem Weg kann man seiner Trauer Ausdruck verleihen und fühlt sich hinterher besser.

Wenn Du im Moment auch völlig am Boden zerstört bist, heißt das nicht, dass das für immer so bleiben wird. Du wirst es im Laufe der Zeit sicher schaffen, mit Deiner Trauer zu leben und der im Moment noch sehr große Schmerz wird auch nachlassen. Deine momentane Situation mag einem Tunnel gleichen, dessen Ende Du im Moment noch nicht sehen kannst. Denke jedoch daran, dass irgendwann auch der längste Tunnel zu Ende ist und man wieder das Tageslicht erblickt. Vielen vor Dir ist es schon so ergangen, und so kann es auch in Deinem Fall sein!

Außer diesen praktische Hinweisen, möchte ich Dir zum Schluss auch noch einen kleinen Tipp aus der Bibel geben. Ich fand einmal einen sehr schönen Text in den Psalmen, der zeigt, dass wir uns mit unseren Sorgen und unserem inneren Schmerz jederzeit an Gott wenden können. Der Text lautet: " O Hörer des Gebets, ja zu dir werden Menschen von allem Fleisch kommen." (Psalm Kapitel 65, Vers 2) Ich selbst habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Gebete nicht einfach ins Leere gehen. Gott kann einem helfen, auch wenn er nicht durch ein Wunder all unsere Probleme beseitigt. Besonders in schweren Zeiten kann uns vor allem sein Wort, die Bibel, großen Trost und Hoffnung geben.

Ich wünsche Dir viel Kraft für die kommende Zeit und Menschen an Deiner Seite, die für Dich da sind, Dich verstehen und Dir wieder Mut machen! Alles Gute!

LG Philipp

Wenn es in deinem Wohnbereich eine Pro-Familia- Beratungsstelle gibt, kannst du dich an diese wenden. Dort kümmert man sich auch um Frauen nach einer Fehlgeburt.

Mit einem "echten Menschen" zu reden, der zudem auch weiß, wovon du sprichst, ist vermutlich hilfreicher, als virtuellen Trost zu suchen.


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