Autoritär Erziehen?

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11 Antworten

Hallo,

eine autoritäre Erziehung schlägt aufs Selbstbewusstsein des Kindes. Wenn es nur lernt, dass es für alles Regeln gibt, und jedes unerwünschte Verhalten bestraft wird, kann es gut passieren, dass es eine gewisse Hörigkeit entwickelt und nur noch schüchtern und mit gesenktem Kopf durchs Leben geht. Ich rede jetzt bewusst nur von der autoritären Erziehung. Gewalt ist nochmal etwas anderes und kann (allerdings nur auf den ersten Blick) sogar umgekehrte Folgen haben.

Ich glaube man fährt in der Erziehung gut, wenn es bei bestimmten Dingen klare Regeln gibt, die auch nicht diskutiert werden. Zum Beispiel wenn es um Sicherheit geht. Bei anderen Dingen sollte man statt zu "klappsen" ruhig mal drüber sprechen und unwichtiges "kindliches Benehmen" auch mal ungeahndet durchgehen lassen. Mit dem alter wird es für die Entwicklung des Kindes immer wichtiger, gewisse Dinge auch mal zu auszudiskutieren.

Verloren hat man als Elternteil, wenn das Kind den Eindruck entwickelt: Was meine Eltern verbieten darf ich klipp und klar nicht tun. Egal ob das noch einen weiteren Grund hat oder nicht.

Ich hoffe, das hilft dir ein bisschen bei deiner Argumentation deinem Bekannten gegenüber. (Ach ja, wenn er es etwas wissenschaftlicher haben möchte: In Historiker- und Soziologenkreisen gilt die autoritäre Erziehung am Übergang von 19. zum 20. Jahrhundert weithin als stark mitverantwortlich für den Wilhelminismus und die spätere Toleranz der Bevölkerung gegenüber den Verbrechen des Nationalsozialismus).

Viele Grüße

Jens

Ich fände es auch nicht richtig, wenn das Kind größer wäre.

"Klapse" und "auf die Finger" sind für mich Anzeichen fehlender Alternativen sowie Einfaltslosigkeit des Vaters.

Die Mutter scheint das auch noch in Ordnung zu finden. Zumindest lese ich nicht das Gegenteil oder überhaupt etwas von ihr.

Er hat nur zum Teil Recht. Sobald er dem Kind Schaden zufügt (Klapse und auf die Finger gehören dazu), hört das "ist meine Sache" für mich auf.

Hast du ihm Möglichkeiten genannt, wie du es machen würdest?

Ich denke, er ist wohl überfordert und macht genau den gleichen Fehler, den seine Eltern bei ihm gemacht haben. Nur kann er sich daran nicht mehr erinnern.

Oft kommt es auch darauf an, wie dieses Thema angesprochen wird.

Ich weiß ja nicht, ob dein Bekannter sich auf Buchtipps jenseits der üblichen Erziehungsratgeber einlässt. Ich würde "Zeit für Kinder" von Ekkehard von Braunmühl sowie die Bücher von Alice Miller empfehlen. Beides keine Erziehungsbücher, sondern welche, die darüber (mehr oder weniger direkt) darüber schreiben, was autoritäre (und Erziehung im allgemeinen) mit den Kindern macht.

Ich habe auch Klapse bekommen als ich klein war und mir geht es gut und ich bin glücklich darüber. Solange man sein Kind nicht wirklich verletzt und nur auf dem Po ein Klaps verteilt und nicht auf den Hinterkopf ist sowieso alles im grünen Bereich. Ganz Autoritär sollte es auch nicht werden, aber ich denke das wird sich von alleien in die richtige Bahn leiten. Begreiflich kannst du es ihm nur schwer machen, da er davon fest enschlossen zu sein scheint.

Das Dir die Klapse geschadet haben, sieht man schon an Deiner Antwort! Wie kann man nur zustimmen, dass es richtig ist ein BABY zu schlagen?! Abgesehen davon sind auch Klapse in Dtl. Gott sei Dank verboten! LG, Hourriyah

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@hourriyah29

Ich sehe zwischen einen Klaps und Schlagen ein großen Unterschied... ich weiß ja nicht wie du einen Klaps verteilst, ich ball aber sicher keine Faust und hol aus...

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@Logyceck

Es geht doch sowohl beim Klapsen als auch beim Schlagen darum, das Kind zu demütigen, damit es begreift, dass es sich unterzuordnen hat. Das Kind wird aber nur bereit sein, sich unterzuordnen, wenn es a) Angst vor den Konsequenzen hat oder b) dem Elternteil vollkommen vertraut, dass diese Unterordnung bzw. Anpassung in seinem Sinne ist. Die Gefahr bei a) ist folgende: Da das Kind von Geburt an von den Eltern abhängig ist, ist dieses Urvertrauen in die Eltern nötig, damit das Kind aus sich heraus auch Selbstvertrauen entwickeln kann. Die Eltern gehen gut mir mir um, also gehe ich selber auch gut mit mir um. Ich schütze mich, aber ich traue mir auch etwas zu. Wird dieses Urvertrauen schon vor der Autonomiephase (Trotzphase) zerstört, weil das Kind noch gar keine eigenen Entscheidungen treffen und die Konsequenzen absehen kann, wird es auch kein gesundes Selbstvertrauen entwickeln können. Es kann überhaupt nicht einordnen, warum es diese Schmerzen erleiden muss. Das gleiche gilt im Übrigen auch für Liebesentzug, den viele Mütter anwenden, weil sie ja wissen, dass man Kinder nicht schlagen darf.

Das haben auch Klaps UND Faustschlag gemeinsam: Die Kinder können es nicht nachvollziehen, womit sie den Schmerz verdient haben. Und weil sie ihre Eltern dennoch lieben, werden sie die Schuld irgendwo bei sich suchen. Dabei können sie die Verantwortung für ihr Verhalten noch gar nicht tragen. Daraus folgt eine lebenslange Überforderungssituation.

Nahezu alle psychischen Erkrankungen basieren auf dieser Problematik. Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass Fehler zum Leben dazugehören. Es ist daher wichtig, dass man schon als Kleinkind lernt, damit umzugehen und aus den Fehlern lernen kann, um sich weiterzuentwickeln. Ein Kind, das überzeugt ist, dass es sowieso von Natur aus alles falsch macht, wird immer wieder gegen die gleiche Tür laufen und sich immer wieder aufs Neue eine blutige Nase holen. Der Lerneffekt, einfach mal stehen zu bleiben oder die Tür zu öffnen, bleibt aus. Es entwickelt sich eine Duldungshaltung und die Überzeugung, dass man mehr vom Leben auch nicht zu erwarten hat.

Was zu beweisen war "... mir geht es gut und ich bin glücklich darüber". Du kennst ja nur dein Leben und weißt nicht, wie es anders hätte laufen können, wenn du keine Klapse bekommen hättest.

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@sumsemann

Natürlich weiß ich wie es gewesen wäre... hör zu, kein anständiger Vater oder keine anständige Mutter gibt sein/ihrem Kind ein Klaps um sich groß und stark zu fühlen. Sie geben dem Kind ein Klaps um es vor etwas schlimmeres zu bewahren oder dem Kind etwas wichtiges beizubingen. Am Anfang versteht das Kind vielleicht nicht wieso es ein Klaps bekommen hat, aber wenn es älter wir wird es dass. Abgesehen davon rede ich hier nur über ein Klaps, ihr stellt das alle so dar als würde ich die Zange aus dem Keller holen und dem Kind die Fingernägel einzeln raus zupfen würde. Bei einem Klaps entsteht nicht ein unaushaltbarer Schmerz der lange andauert und zu schwerwiegenden Beginderungen führt (sowohl körperlich als auch seelisch), es ein kurzer Impuls, der Schreck ist größer der eigentliche ''Schmerz'' (ich will es gar nicht so nennen weil es einfach keiner ist). Geschlagen zu werden ist was anderes und gegen Schläge bin ich auch! Aber setze Schläge und ein Klaps nicht mal annährend zusammen und behaupte keine Sachen von dennen du nicht weißt ob sie so sein könnten, jeder Mensch ist was anderes und richtet sich nicht immer nach eienr allgemeinen Studie.

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Selbstmörder oder schwerst Suchtkranke Menschen werden meist Autoritär erzogen. Das ist eine komplett veraltete, negative Form der Erziehung. Zur Erklärung: die anti-autoritäre Erziehung ist die optimalste für ein Kind, dennoch werden nur wenige Kinder so erzogen. Das heißt so viel wie - ich setze meinem Kind zwar Regeln, lasse der Persönlichkeit des kleinen Menschen aber freien Lauf und vor allem wichtig - es muss auch oft mal selbst sozusagen "auf die Schnauze fallen" und nicht jede Entscheidung und Schwierigkeit soll vorweg genommen werden. Nur dadurch wird ein Kind konfliktfähig und es ist faszinierend, dass sich bereits in diesem Alter entscheidet, wie man später auf Schicksalsschläge, Tod, Trennungen und das Leben allgemein reagiert. Vielleicht solltest du das ihm versuchen mal klar zu machen. Autoritär erzogene Kinder lernen das Leben anders kennen, als antiautoritär erzogene. Und die Kindheit ist das entscheidende im Leben eines jeden Menschen.

Bin ganz deiner Meinung.

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Also waren früher bei den Kommonisten alle Selbstmörder und schwerst Suchtkranke Menschen? Ich denke nicht. Mach die Sache nicht dramatischer als sie ist.

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Naja prinzipiell stimme ich zu, hab aber so meine Vorbehalte. Zum Beispiel werden Kinder egal wie sie erzogen werden früher oder später auf Gewalt treffen, und ich sehe meine Aufgabe als Vater auch darin meinen Kindern auch diese Art von Konflikt zu "zeigen". Das bedeutet ja nicht, dass ich meine Kinder verprügle, aber ihren auch mit einem Klaps unter Umständen meine Autorität zu erzwingen.

Das ist unter anderem meine Aufgabe, sie auf das "reale" Leben vorzubereiten, und mich auch vor den unangenehmen Aufgaben nicht zu drücken.

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@petitsuisse

Naja von einem Klaps halte ich überhaupt nichts, aber solange es nicht darüber hinausgeht, ist das eure Sache.

@weiter oben: weiss nicht, was das mit den Kommus zu tun haben soll.

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Naja, es ist extrem heikel dazu was zu sagen. Erstens haben wir hier nur Deine Beschreibung, wie heftig das Kind gemassregelt wurde, was sehr subjehktiv ist und vor allem Deinem Massstab entspricht. Zum anderen legt jeder Vater und jede Mutter seinen/ihren Grenzwert fest, wie, ob und in welchem Masse ihre Kinder bestraft und gescholten werden. Wenn Du das Gefühl hast wirklich eingreifen zu müssen, dann such das Gespräch, informier Dich vielleicht bei Behörden, was genau z.B. Ungesetzlich ist. Tu was für Dich vertretbar ist, aber Schau nicht weg. Kinder verdienen unsere besondere Fürsorge, ohne selbst übergriffig zu werden. Ich weiss das ist sehr vage, aber auch sehr heikel.

Es ist wichtig einen Mittelweg zu finden. Liebe ist wichtig, aber Strenge auch. Jedes Kind braucht auch zu unterschiedlichen Zeiten etwas mehr Konsequenz oder etwas mehr Nachsicht. Sicher soll ein Kind die Welt entdecken dürfen. Aber dazu gehört auch, dass die Welt Grenzen hat. Und die Erfahrung, dass Essen nicht unbegrenzt vorhanden ist, und man sorgfältig damit umgeht, ist eine sehr wichtige Erfahrung. Ein liebevolles, konsequentes und wiederholtes Nein ist besser als ein entnervtes Nachgeben. Lernt ein kleines Kind nicht mit Grenzen und Frustration umzugehen, so kommen die Schwierigkeiten in der Schule. Das Kind fühlt sich dann abgelehnt und/oder wird aggressiv. Verwöhnen Sie Ihr Kind mit Erklärungen und Trost aber nicht mit dem Vermeiden von Regeln und Grenzen.

Dem würde ich so fast zustimmen. Allerdings sollte man als Elternteil auch die Situationen erkennen, an denen es richtig ist zu sagen: Gut, meinetwegen. Es ist falsch aber probiere es einfach mal aus. Ich denke Eltern wissen am besten, was sie ihren Kindern zutrauen können und was nicht. Mal vom Stuhl (oder zur Not auch vom Baum) zu fallen gehört zum Leben und Erfahren dazu.

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@JensBausH

Ja schon, bloß ist das Problem das viele Eltern eben nicht wissen was das besste ist...

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@Logyceck

Wissen werden gar keine Eltern was das Beste ist. Ich denke alle machen sich Gedanken und zweifeln auch mal an sich selbst. Aber das meinte ich nicht. Ich wollte sagen, dass Eltern wissen, ob ihre Kinder klettern können und sie sie deswegen hoch auf den Baum lassen oder ob sie schwimmen können und sie sie deswegen auch im Schwimmbad von der Hand lassen.

Wenn ich an meine Erziehung denke, dann haben meine Eltern mir auch Verbote und Regeln vorgesetzt, mit denen ich nicht einverstanden war und die ich für doof hielt. Auf der anderen Seite haben sie mir Freiheiten gelassen, bei denen ich hinterher gedacht habe: Hättet ihr mir da mal in den A.... getreten. Aber letztendlich bin ich froh, dass sie es genau so gemacht haben. Denn ich bin ziemlich zufrieden mit dem Resultat ;-) .

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Wo steht das dass es ihn nichts angeht? Mein Bruder ist jetzt 1.5 Jahre alt ist selbstständig und weist ein gutes Verhalten bei einer guten Erziehung auf der kleine Unterschied : Er wird nicht geschlagen wenn er etwas tut,was nicht in Ordnung ist, weil er es noch nicht versteht und damit anders umgegangen werden muss.

Leute, die so autoritär drauf sind, lassen sich nur von Autoritäten belehren. Also würde ich volles Pfund mit dem Jugendamt und dem Kinderschutzbund drohen und ihm die Gesetzesgrundlage für das Gebot von gewaltfreier Erziehung unter die Nase reiben. Sowas wird nicht demokratisch ausdiskutiert, der Mensch wird auch nicht überzeugt, sondern ebenso genötigt, wie er das mit seinem Kind tut.

Denk immer daran, jede Autorität hat auch auch immer irgendwo eine Grundlage und die musst du dir zu nutze machen. Apelliere an seine Pflicht und an seine Verantwortung, da wirds ihm schnell schwindelig werden, denn er weiß offensichtlich überhaupt nicht, was er da tut.

Ich bin mir übrigens sicher, du wirst das Jugendamt nicht brauchen.

Na serwas, der Mensch ist ja extrem unsicher und unfähig! Kinder lernen am besten und meisten durch das Beispiel ihrer Bezugspersonen; da lernt das arme kleine Kind aber viel Unsinn.

Wenn er so stur ist, wird da wohl nichts zu machen sein - oder willst du die Therapeutin für ihn spielen ?

Ein Klapps ist zu viel. Mit einem Jahr finde ich das sowieso etwas.. naja. Man muss dem Kind zwar zeigen, was geht und was nicht, aber kein Klapps.

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