Autor, wie viel Exemplare verkaufen um Leben zu können?

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4 Antworten

Das kannst du dir selbst ausrechnen, wie larry2010 schon sagte. Allerdings sind 10 - 15% eindeutig zu hoch gegriffen. Gängig sind 6 - 8% vom Nettoladenpreis.

Rechnen wir der Einfachheit halber mal 1 € pro Buch für dich. Die Auflage sei, sagen wir mal, 3000 Stück, was aber heutzutage auch nicht mehr soooo normal ist. Dann wären das also 3000 € für dich. Vor Steuern. Wie hoch die sind, hängt von deinem übrigen Einkommen ab.

Tun wir einfach mal so, als gehörten die 3000 € komplett dir. Jetzt kommt die Frage, in welchem Zeitraum diese 3000 Bücher verkauft werden. In einem Jahr? Das wäre schon richtig gut! Und dann hättest du 3000 € pro Jahr, also 250 € pro Monat.

Nächste Frage: WANN bekämst du die 3000 €? Gehen wir mal davon aus, dass ein Verlag bereits in den Startlöchern steht und dir dein Manuskript aus den Händen reißen wird, sobald du den letzten Punkt druntergesetzt hast. Nehmen wir weiter an dem Manuskript hättest du 1 Jahr gearbeitet und der Verlag würde 1 weiteres Jahr für Lektorat, Korrektorat, Druckvorbereitung, Print und Distribution brauchen - also noch 1 Jahr, bevor das Buch auf dem Ladentisch (oder bei Amazon u.ä.) liegt. Das sind jetzt schon 2 Jahre! Aber weiter: Die erste Abrechnung vom Verlag wirst du voraussichtlich erst 1 Jahr nach den Verkaufsstart erhalten. Jetzt sind es 3 Jahre. Was sagten wir? 3000 €? Durch 3 Jahre wären 1000 € pro Jahr, also 83,33 € pro Monat.

Vielleicht hast du Glück und dein Buch geht weg wie geschnitten Brot, dann wird es eventuell eine 2. oder sogar 3. und 4. Auflage geben - jeweils, nachdem eine Auflage abverkauft ist. Also rechne günstigenfalls jeweils 1 Jahr dazu. Wenn du bisher 3 Jahre gebraucht hast, bevor du 3000 € für 3000 Stück bekommen hast, bekämst du nach der 2. Auflage nach 4 Jahren 6000 €, nach 5 Jahren 9000 € (immer gesetzt den Fall, es käme sofort immer eine Auflage nach!).

Wenn dein Buch so gut läuft, wirst du sicher Lesungen abhalten. Die Gewerkschaft ver.di empfiehlt 250 - 300 € pro Lesung. Das hört sich viel an für 1 1/2 Stunden, berücksichtigt aber selten den wahren Aufwand (auch Lesen will gekonnt, bzw. gelernt werden, man muss sich auf den Stoff vorbereiten, sich überlegen, was einen die Zuhörer fragen werden usw.). Kann aber sein, dass du Lesungen für weniger oder gar umsonst machst, entweder weil sie für einen guten Zweck sind oder der Veranstaltungsort ein so gutes Renommee hat, dass das Werbung pur für dich ist. Oder beides.

Na gut, nehmen wir an, du wärest sehr fleißig und würdest jede Woche eine bezahlte Lesung halten, dann wären das noch 1000 € pro Monat dazu. Natürlich auch wieder vor Steuern. Aber kein normaler Autor hat so viele Lesungen. Sei also glücklich, wenn du 1(!) Lesung im Monat hast und wenn die auch noch bezahlt wird.

Vielleicht fängst du an zu ahnen, dass man von EINEM Buch nicht leben kann geschweige reich wird. Wenn du natürlich 10 Titel zugleich auf dem Markt hast, sieht die Rechnung schon besser aus. Dann werden auch sicher Hörbücher, Übersetzungen in andere Sprachen, vielleicht sogar Verfilmungen kommen. Aber bis dahin solltest du einen soliden Brotberuf als Basis haben.

Solltest du jetzt auf die Idee kommen, dein Buch via BoD o.ä. oder als E-Book selbst herauszubringen .... tja, dann könntest du, wenn du ein außergewöhnlich interessantes Thema sehr gut beschrieben und dazu viel Glück hast eventuell kurzzeitig bescheidene Erfolge verzeichnen. Achte bitte auf mein "kurzzeitig" und "bescheiden"! Du müsstest nämlich all die Arbeit, für die ein Verlag in 1 Jahr braucht, selbst erledigen - und die Frage ist, ob du wirklich so gute Möglichkeiten in Sachen Lektorat, Druckvorstufen, Marketing, Werbung und Vertrieb hast ...

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Kommentar von AnnJabusch
05.11.2012, 09:35

Herzlichen Dank, RorschachGray :-)

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Es ist wahrscheinlich, dass ein Autor, sodenn er es überhaupt schafft, vom Schreiben leben zu können, weit mehr als ein Buch im Rennen haben muss, um ausschließlich davon leben zu können. Das beinahe automatisch voraus, dass er einen größeren etablierten Verlag im Rücken haben muss und parallel noch an den Lizenzen für Ebook, Audiobook, Übersetzungen etc. verdient, außerdem auf Leserreise geht usw. Und ein Buch ist irgendwann auch nicht mehr aktuell, dann muss das nächste folgen. Es ist also ein harter Kampf, dorthin zu kommen, es sei denn, man landet sofort einen Knaller. Aber die Chancen sind minimal. Selbst Bestsellerautoren haben meist noch andere Verdienstquellen für den Fall, dass ihre Verkaufszahlen ins Stocken geraten.

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Richtig, hängt ganz vom Vertrag ab, sprich: Gewinnbeteiligung. Und dann natürlich vom Output. Also wie viele Bücher du schreibst. Wenn du mit einem einzigen Buch ausgesorgt haben willst, ist die Menge, die du verkaufen musst schon sehr beachtlich. Wenn du pro Jahr so drei oder vier Bücher auf den Markt wirfst, musst du natürlich weniger verkaufen. Die wenigsten Autoren können allein von dieser Arbeit leben.

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an sich bekommt man am anfang 10 bis 15 prozent pro buch.

dann rechne mal aus, wieviel bücher verkauft werden müssen, wenn ein taschenbuch 10 euro kostet.

zudem wird man dann jedes vierteljahr seinen anteil bekommen. für lesungen bekommt man meist nichts, das nimmt der vertrag ein, wenn die lesungen nicht sogar gratis sind.

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