Autohändler droht nach Finanzierungsabsage der Bank, darf er das Pkw sofort wieder zurücknehmen?

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7 Antworten

Guten Abend!

Rechtlich ist zunächst folgendes passiert: Der Autohändler hat den Vertrag wegen Irrtums (kann man vertreten) nach § 119 angefochten. Folge: Der Vertrag ist ex tunc (von Beginn an) nichtig. Daraus resultiert, dass jeder Vertragspartner so zu stellen ist, als habe er nie von dem Vertragsangebot gehört.

Im Weiteren: Nach § 122 Ist der Anfechtende Schadensersatzpflichig. Der Anfechtende ist hier natürlich, wie bereits festgestellt, der Autohändler. Ersatzfähig sind nur sog. negative Erfüllungsinteressen. Die Fahrten zum Händler, die Zulassungsgebühren und Kosten für den Mietwagen, sogar der Verdienstausfall durch das Freinehmen von der Arbeit sind solche negativen Interessen, da du Sie nur aufgrund des Vertragsangebotes getätigt hast.

Daher liegt mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit ein Anspruch auf Schadensersatz aus § 122 I vor und du bekommst dein Geld zurück.

Nochwas wegen der Drohung mit der Anzeige: Strafrechtlich gesehen ist weder der subjektive (innere, Vorsatz, Rechtswidrikeit und Schuld) noch der objektive (nach außen so erscheinende) Tatbestand eines Betruges erfüllt. Das ist bloß leeres Gerede, da wird es keine rechtlichen Konsequenzen geben.

Dein Fall ist so leicht zu beantworten, dass wahrscheinlich nichtmal ein Rechtsanwalt nötig sein wird, jedenfalls hoffe ich das - und selbst wenn, sind auch die Kosten für ihn Teil des negativen Erfüllungsinteresses und damit ersatzfähig.

Schönen Abend noch :)



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Kommentar von saxo98
05.08.2017, 21:30

Herzlichen Dank für den ausführlichen Bericht!

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Also, ich kann nicht nachvollziehen, warum die Bank wegen einer falschen Sozialver.-Nr. die Finanzierung platzen lässt.

Ansonsten sollte der Autohändler den Ball flach halten. Einen Kaufvertrag, in dem ein neuer TÜV steht, der aber nicht neu ist, kommt nicht gut.

Und dann ist der Schuld an dem Schaden, der ihn verursacht hat. Also Deine Chefin.

Insgesamt etwas verzwickt. Zum einen, weil Du nur verlieren kannst bei der Geschichte. Zum anderen, weil ich mit so einem Händler keine Geschäfte machen würde. Vor allem auch nicht den Preis bezahlen für das Auto, wenn die TÜV-Laufzeit nicht stimmt.

Das mit dem Betrug kann er sich abschminken, das würde Vorsatz bedingen. Also Quatsch. Wenn, dann liegt der Betrug bei ihm (TÜV), ok, auch hier schwer nachzuweisen. Egal.

Wenn Du also das Auto nicht anders finanzieren kannst (es gibt eine Menge Banken, die das machen) und niemanden hast, der Dir das privat finanziert (Deine Chefin?), dann musst Du wohl in den Apfel beißen und das Teil zurückgeben. Die Nutzung musst Du bezahlen, das ist klar. Deine Unkosten müsstet Du wohl bei deiner Chefin holen, aber ob das klug ist ...

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Richtigerweise kann der Hdl. bei diesem Kopplungsgeschäft Hausbankfinazierung und Autokauf gem. § 358 BGB den Kaufvertrg selbst als unwirksam erklären, wenn der Finanzierungsvertrag nicht zustande kommt.

Das Verschulden ihrer Erfüllungsgehilfen Lohnabrechnung/Chefin müssen Sie sich anrechnen lassen.

Er wäre dabei so zu stellen, wie er vor dem Vertrag war; die notwendigen Auslagen gehen zu Ihren Lasten.

G imager761


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Hallo, wie wäre es über eine andere Bank zu finanzieren? Einziges Problem dürfte nach der ersten geplatzten Finanzierung die Schufa sein. Da du in der Lage bist 400 EURO im Monat zurück zu zahlen, sollte sich doch eine Möglichkeit finden lassen. Den Verkäufer kann ich natürlich auch verstehen, dass er nicht als Kreditgeber einspringen möchte. 

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Das der Wagen in knapp 9 Monaten TÜV hat, er aber falsche Angaben gemacht hat, könntest du gegen ihn verwenden(Evtl. zur minderung des Kaufpreises).

Die Zulassungsgebühren muss er dir zurückzahlen.

Den Mitwagen, den du benötigtest, um zum Autohändler zu kommen, musst du selber zahlen.

Sollte der Wert des Autos durch das Fahren gesunken sein, musst du ihm dafür etwas zahlen.

Am Besten wäre es, wenn ihr euch irgendwie einggt.

Das Auto musst du ihm zurückgeben. Also zurückbringen.(Wenn er es so verlangt.)

An sich könntest du deine Cheffin bitten, ob sie dir netterweise hilft, die Sache zu klären, oder wenigstens die Fahrtkosten zahlt, weil schließlich ist sie ja Schuld an der Sache.(Auch rechtlich)

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.... die Patentante vielleicht, wenn denn Mami bzw. Papi keine Zeit haben.

Und Kauf ohne Bezahlung ist immer Mist. Meine Versicherung vermittelt auch Darlehen, frage also einfach auch Deinen "Berater".

Viel Glück.

Ach so, und Dein Kontoführer gibt Dir so eine kleine Summe auch nicht? Da kann dann wirklich etwas nicht stimmen.

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Mal sehen, du fährst also ein Auto das dir Laut Vertrag erst dann gehört wenn du die letzte Rate bezahlt hast. Hmm, bei der Finanzierung würde das Auto der Bank gehören da sie es von dem Händler gekauft hat, aber das hat sie nicht, also ist Aktuell der rechtmäßige Eigentümer der Verkäufer.

Das heißt du fährst gerade ein Auto das dem Händler gehört und wenn dieser dir nicht erlaubt es zu benutzen, dann darfst du das auch nicht. So gesehen hast du ihn schon Betrogen und das Recht ist auf seiner Seite. 

Versuche das Geld vollständig zu bekommen und an den Händler zu bezahlen um die Sache aus der Welt zu schaffen, der bring es zurück und Bezahle ihm die Wertminderung. 

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