Auto verkaufen und neues (gebrauchtes) Auto kaufen bei Hartz IV

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Grundsatz ist, was einmal als Vermögen klassifiziert wurde, bleibt Vermögen, egal in welcher Form; allerdings können besondere Privilegierungen bze. Schutzbestimmungen wegfallen.

Wenn du dir also ein Auto für 7500 EUR (oder teurer) kaufst, und 8500 EUR (oder weniger) in Bargeldform  wieder deinem Vermögensfreibetrag nach § 12 (2) Nr. 1 SGB II zugeschlagen werden, ist das ok.

Hat das neue Auto allerdings einen Zeitwert von nur 3000 EUR, würden die restlichen 13000 diesem Freibetrag zugerechnet werden müssen und ihn mutmaßlich übersteigen. Damit müsstest du in der Tat mit einer teilweisen Anrechnung rechnen, denn was nicht geht, ist quasi der Übertrag des "nicht aufgebrauchten" Auto-Wertes (bis 7500) auf den obigen Freibetrag.

(Allerdings solltest du dir vor der Transaktion die spätere Wertung bzw. Einordnung von deinem Sachbearbeiter schriftlich bestätigen lassen, denn man kann durchaus ökonomisch sauber auch anders argumentieren, z.B. dass mit dem Verkauf die besondere Privilegierung des Auto-Wertes erlischt, weil kein Auto mehr vorhanden und wenigstens ein Zeitpunkt existiert  - zwischen Verkauf und Neukauf -, in dem du Vermögen besitzt, dass deinen Grundfreibetrag erheblich übersteigt. Aber das wäre eine ziemlich"figeliensche" Argumentation ... ;) )

Ich dachte auch, dass das mit dem "Übertrag" nicht funktioniert. Aber bisher muß es ja quasi umgekehrt funktioniert haben, sie hatten keinerlei sonstiges Vermögen, aber durfen ein Auto von 16000 haben. Komisch??

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@Anjamarie

 Insofern komisch, als der Betrag in der Tat etwas hoch erscheint; ist allerdings durchaus möglich.

Bisher ist es formal so, dass die ARGE grundsätzlich für ein Auto einen Wert von 7500 EUR als unschädlich anerkennt (kann mehr sein, wenn besondere Umstände vorliegen).

Ist das Auto mehr wert, darf (und muss ggf.) der übersteigende Teil dem Vermögensfreibetrag nach §12 Abs. 2 Nr. 1 SGB II zugeschlagen werden.

Wenn man also bspw. einen individuellen (altersabhängigen) Freibetrag von 9000 EUR und kein weiteres (anrechnungsfähiges) Vermöge hat, dürfte das Auto 16500 wert sein, ohne das angerechnet werden darf.

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@VirtualSelf

Aha. Das heißt es geht in diese Richtung schon, dass das Auto mehr als 7500 Wert sein darf, wenn man eben sonst kein anrechbares Vermögen hat, man kann den Freibertag also dafür verwenden. Aber eben nicht wie Du oben schon erklärt hast, sagen: Ich habe ja beim Auto die Höchstgrenze von 7500 nicht ereicht, dann darf ich entsprechend mehr in bar haben. Danke, auch wieder was gelernt :-)

 

 

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@Anjamarie

Exakt ... wenn du bspw. ein Auto mit einem Wert von 3000 EUR hast, erhöht sich der Freibetrag nach 12 (2) 1 nicht um zusätzliche 4500 ...

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@VirtualSelf

ich verstehe das grad nicht so ganz. heisst das jetzt, dass die arge nichts machen kann, wenn man das auto verkauft und dafür nen anderes kauft und dabei dann geld übrig bleibt? oder sollte das andere auto dann besser im wert ungefähr gleich bleiben?

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@Chrissy0882

Ob die ARGE etwas machen kann, hängt vom Verkaufspreis des alten Autos, dem Wert des neuen Autos sowie dem individuellen Vermögensfreibetrag ab (bei Partnern ggf. auch zusammen gerechnet).

Hypothetische Beispiele:

Wert und Verkaufspreis des alten: 16.0000 (7500 zulässig, 8.500 verteilt auf Vermögensfreibetrag (dieser sei dadurch voll ausgeschöpft).

1)  Wert des neuen: 3000

Rechnung:

a) 16.000 (Verkaufspreis alt) ./. 3000 (Wert neu) = 13.000

b) 13.000 ./. 8500 (angenommer Freibetrag) = 4500

=> 4500 dürften  auf Bedarf angerechnet werden.

2) Wert des neuen: 9000

a) 16.000 (VkP alt) ./. 9000 (Wert neu neu) = 7000

=> keine Anrechnung, da 1500 übersteigender Wert (9000 (Wert neu) ./: 7500 (Wert zulässig) = 1500) ebenso dem Freibetrag zugeschlagen werden, wie die restlichen 7000 (16.000 (VkP alt) ./. 9000 (Wert neu)

 

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@VirtualSelf

Hat schon mal jemand versucht einen Gebrauchtwagen für 16.000 € zu veräußern? Auch wenn er so geschätzt wurde, dürfte es schwer werden auch nur 10.000 zu erzielen. Wer 16.000 € für ein Auto ausgeben will kauft sich ein neues.

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@DerHans

Kannst ja mal z.B. auf autosout24 gehen ... da findest du massenweise Autos in dem Preissegment ...  ein neuer Lada ist halt nicht für jeden ein bedenkenswerte Alternative zu einem gebrauchten Mercedes .. ^^

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@VirtualSelf

nach vielem googlen und vielem lesen hab ich das nun auch verstanden. 

ich danke nochmal für die vielen antworten

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Der Verkaufserlös ist für den Monat, in dem er erzielt wird, Einkommen. Das bedeutet, daß das Geld komplett auf den ALG II- Anspruch angerechnet wird. Mit dem Ergebnis, daß vermutlich für den Monat kein Anspruch auf Leistungen besteht. Im Folgemonat wird das Geld zu vermögen - es gelten die Vermögensfreigrenzen des SGB II. Und es darf nur ein Fahrzeug mit einem Wert bis zu 7500,- angeschafft werden. Wird mehr Geld dafür ausgegeben, dann kann die ARGE widerum das Geld erst einmal auf den Leistungsanspruch anrechnen. Und DAS dann sogar notfalls auch über mehrere Monate verteilt.

So einfach ist es nicht.

Wenn wir davon ausgehen, dass 7500 EUR als Zeitwert des Autos für angemessen befunden wurden, dann wurden 8500 EUR dem Vermögensfreibetrag nach §12 (2) zugeschlagen. Das Auto ist also Vermögen (zum Teil besonders geschützt, zum Teil Freibetrag).

Ein Verkauf ist damit dem Grundsatz nach lediglich eine Vermögensumwandlung bzw. -realisation - von Ding in Geld -, da dem Antragstelle ja keine neuen "Werte" zufließen, sondern die alten lediglich ihre "Qualität" ändern.

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Du hast ja auch einen Freibetrag, den du nicht aufbrauchen musst. 150 € pro Lebensjahr mindestens 3.100. Aber ob du diesen wert des Wagens beim Verkauf wirklich realisieren kannst, ist eine andere Frage. 

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