Austausch mit geschädigten aber Anzeige durch zeugen?

9 Antworten

Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum hier jeder mit so einem Maß an Selbstverständlichkeit schreibt, dass es keine Unfallflucht wäre.

Es handelt sich um ein Offizialdelikt. Auch wenn ihr die besten Freunde wärt, hat der Unfallgegner kein Mitspracherecht, ob es zu Ermittlungen kommt oder nicht. Es geht nicht darum, dass ihr euch nachträglich irgenwie einig geworden seit, sondern dass aus Sicht von eventuellen Zeugen da jemand in ein Auto fährt und flüchtet und somit der ganze Ermittlungsapparat in Gang gesetzt wird, obwohl es eigentlich völlig unnötig wäre.

Die Voraussetzungen des §142 StGB sind ohne jeden Zweifel erfüllt:

(1) Ein Unfallbeteiligter, der sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er
1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder
2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne daß jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Du warst ein Unfallbeteiligter, es gab einen Unfall im Straßenverkehr, du hast dich vom Unfallort entfernt.
Somit war auch nicht durch deine Anwesenheit die Möglichkeit gegeben, direkt vor Ort Angaben zu deiner Beteiligung zu machen, etwa wenn spontan die Polizei oder der Fahrzeughalter erschienen wären.
Du hast auch nicht eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet, ob deine Kollegin nicht etwa unerwartet früher zum Fahrzeug zurückommt und überrschat die Polizei ruft.

Somit ist jede einzelne Voraussetzung des Tatbestands vollumfänglich erfüllt.

Wenn du eine angemessene Zeit gewartet hättest, wäre dein Verhalten hingegen völlig korrekt und richtig gewesen, denn dann hättest du dich berechtigt vom Unfallort entfernt und die Feststellungen nachträglich ermöglicht. Bestraft wird nur, wer sich berechtigt entfernt, aber keine Feststellungen ermöglicht:

(2) Nach Absatz 1 wird auch ein Unfallbeteiligter bestraft, der sich
1. nach Ablauf der Wartefrist (Absatz 1 Nr. 2) oder
2. berechtigt oder entschuldigt
vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht.

Wenn ein Zeuge den Vorfall beobachtet hat, können Ermittlungen eingeleitet werden. Es ist dabei egal, wie gut du dich mit dem Unfallgegner verstehst.

  • Ihr seit keine Sachverständigen und könnt die Schadenshöhe nicht einschätzen. Wenn ein kleines Plastikhalterchen hinter der Stoßstange gebrochen ist, müsste das Fahrzeug theoretisch in eine Werkstatt, es käme zu einem Nutzungsausfall usw usf. Nur weil der Unfallgegner die Kosten nicht erstattet haben will, heißt es nicht, dass kein Schaden entstanden ist.
  • Wenn ein Zeuge die Polizei ruft, weil er sieht, wie irgendwer gegen irgendein Auto fährt und seiner Ansicht nach abhaut, trifft selbige dort die Fahrzeuge ohne Unfallverursacher an und kann erstmal keinerlei Feststellungen treffen. Es läuft ein Einsatz und Ermittlungsverfahren an, nur weil du nicht gewartet hast und den Beamten erklärt hast, dass du nun (mit ihnen zusammen) zum zwei Minuten entfernten Unfallgegner gehst und den Vorfall aus der Welt schaffst.
  • Du hast den Unfallort auf gut Glück verlassen, in der Annahme, dass du hoffentlich die Geschädigte am vermuteten Ort antreffen wirst, du hast gehofft, dass dich niemand beobachtet hat, du hast gehofft, dass in der Zwischenzeit niemand zum Unfallort kommt und hier und jetzt die Personalien des Unfallverursachers haben will. Eine Garantie hattest du dafür nicht.

Da die Polizei allem Anschein nicht gerufen wurde und niemand eine Anzeige erstattet hat, würde man das Verfahren mangels öffentlichen Interesse einstellen. Du hast also einfach nur Glück gehabt. Das heißt nicht, dass dein Verhalten erlaubt war. Hätte dich jemand beobachtet, wäre die Polizei angerückt, hätte ermittelt, es wären Berichte geschrieben worden, man hätte euch offiziell vernommen, Aussagen protokolliert, die Staatsanwaltschaft hätte sich damit beschäftigen müssen, zig Leute hätten Arbeitszeit mit dem Vorfall verbracht - und das hätte dann der Staat bezahlen sollen?

Meinst du, dass deine Antwort etwas mit dem gemein hat, was der Gesetzgeber mit dem § 142 StGB regeln wollte?

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"es wären Berichte geschrieben worden, man hätte euch offiziell vernommen, Aussagen protokolliert, die Staatsanwaltschaft hätte sich damit beschäftigen müssen, zig Leute hätten Arbeitszeit mit dem Vorfall verbracht - und das hätte dann der Staat bezahlen sollen?" so ist das nun mal in einem rechtsstaat. Der kostet die Gesellschaft Geld. Es gibt Ermittlungen die für die Katze waren und deren kosten den Staatskasse trägt. Deal with it.

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@ThisIsJustMeHH

Die Geschädigte wird ja wohl kaum Anzeige erstatten und sie ist schließlich die erste Anlaufadresse, wenn es um Unfallflucht geht.

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Dann würde eine Ermittlung wegen Fahrerflucht anlaufen. Du, die Geschädigte und die Zeugen würden befragt. Dann würde sich die Sache aufklären und das Verfahren eingestellt.

Mir stellen sich allerdings 2 Fragen:

  • Wie bist du zur Kollegin gelangt? Zu Fuß?
  • Wie hast du ihr die Schäden "gezeigt"? Fotos?

Gruß S.

Zu Fuss und wir sind dann zusammen zu ihrem Auto gefahren

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@MiniPerry

Dann hast du alles richtig gemacht!

Falls dich also wirklich ein unbeteiligter Dritter anzeigen sollte, wird zwar ermittelt, aber mit euren Aussagen wäre dann schnell alles vom Tisch!

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wenn es sich um minimale bagatellschäden handelt und zudem konsens zwischen schädiger und geschädigtem herrscht, können herrscharen von zeugen unbegrenzt viele anzeigen erstatten, es wird nichts nützen. kein polizist, kein staatsanwalt wird deswegen einen finger krumm machen ;-)

Vom Konsens weiß die Polizei ja nichts. Also würde schon erstmal mit Verdacht auf Fahrerflucht ermittelt, bis das offensichtlich wird. Dazu muss man aber erstmal befragen.

"Keinen Finger krumm machen" stimmt also definitiv nicht. Fahrerflucht ist kein Kavaliersdelikt.

Die FS darf unter den geschilderten Umständen mit einer Einstellung des Verfahrens rechnen - sofern überhaupt eine Anzeige erfolgt.

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Da du die Schadensregulierung mit der Halterin geklärt hast,  ist es keine Unfallflucht.

Hast du doch schon mal gefragt. Und auch dieses Mal wirst du keine anderen oder richtigeren Antworten bekommen wie beim letzten Mal.

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