Ausnahmen beim skandieren von lateinischen Texten.

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3 Antworten

noch einige Ergänzung zur Verschleifung zu Miraculix sehr guter Übersicht:

Normale Verschleifungen findest du

a) nach Vokalen (magna ira = magn‿ira)

b) nach auslautendem m; s. Punkt 1)

c) vor anlautendem h; s. zu Punkt 2)

d) bei auslautendem m und anlautendem h; siehe Punkt 2)

1) nicht nur wenn 2 Vokale aufeinandertreffen, wird der Vokal des ersten Wortes "rausgeschmissen", auch wenn ein Wort, das auf "m" endet, auf ein Wort trifft, das mit einem Vokal beginnt, wird die ganze Endsilbe des 1. Wortes "rausgeschmissen":

Beispiel: dicam horrida bella

2) hier findest du nämlich die Besonderheit, dass es eine Verschleifung gibt, weil das anlautende "h" als Hauchlaut nicht als Konsonant zählt sondern "untergeht" und durch das auslautenden "m" die komplette Endsilbe "-am" verschliffen wird.

Man spricht: dic‿(h)orrida bella


zu2) weitere Beispiele für anlautendes "h" = commissamque hiemem = commissamqu‿iemem


3) auch wenn Vokal auf Vokal trifft, gilt die Ausnahme, dass wenn es sich bei dem 2. Wort um "est" oder "es" handelt, wird das "e" verschmolzen und nicht der Vokal des 1. Wortes.

Beispiel: interea est = interea‿st

oder

simili est = simili‿st

4) und einige Autoren verschleifen auch

auslautendes -us und -is

mit "est" oder "es"

Beispiel:

forunatus es = fortunatus‿s = fortunatu‿‿s ** = fortunatus

hier haben wir zusätzlich noch die Elision des auslautenden "s" siehe 5)

oder

corporis est = corporis‿st = corpori‿‿st = corporist

5) Elision (Verschleifung) des auslautenden schwachen "s" (nach kurzen Vokalen), wenn 2x "s" aufeinander trifft oder zur Vermeidung von Doppelkonsonanten, damit die Silbe kurz gemessen werden kann (teilweise Catull, oft bei Lukrez)

Beispiel Plautus: genu(s) ferratile (‿‿ ⚊⚊‿‿)

oder

omnis sit = omni‿sit (⚊‿‿)


und eine allgemeine Ergänzung: die Betonung von Namen, besonders die der griechischen, folgt nicht immer den Regeln der Metrik, sondern sie passt sich mitunter den Erfordernissen des Versmaßes an

rhenusanser 27.06.2013, 13:40

da du nach dem

"q"

gefragt hast,

die Buchstaben x und z gelten als 2 Konsonanten und bewirken eine Positionslänge

qu, obwohl es wie 2 Konsonanten gesprochen wird (k+w), entspricht dagegen nur 1 Konsonaten!!! und bewirkt KEINE Positionslänge

auch das "i" in Verbindung mit anderen Vokalen kann als Konsonant gelten, wenn es als „j“ gesprochen wird (iungere, iacere)

willst du alles noch mal nachlesen hier der Link dazu, dort findest du auch den Link zum Elegischen-Distichon-Tipp und dort weitere zu verschiedenen Versmaßen mit Beispielen. http://www.gutefrage.net/tipp/latein-daktylischer-hexameter

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Deine Beschreibung zum Pentameter enthält eine kleine Ungenauigkeit:

Der zweite Teil des Pentameters ist unveränderlich, aber beim "gespiegelten" ersten Teil darf anstelle der beiden Kürzen auch immer eine Länge stehen.


Sonstige Regeln:

  • Wenn an einer Wortgrenze zwei Vokale auf einander treffen, wird der erste elidiert (rausgeschmissen). Man nennt das auch eine Verschleifung: Beispiel: magna ecclisia => magnecclesia. (So wird es aber nur im Versmaß gekennzeichnet und vorgelesen. Im Text steht trotzdem noch magna ecclesia).

  • Sonderfall Wenn -um und est aufeinander treffen, fällt das "e" weg. Beispiel: cogitandum est => cogitandumst. (So wird es aber nur im Versmaß gekennzeichnet und vorgelesen. Im Text steht trotzdem noch cogitandum est).

  • vocalis ante vocalem corripitur: Wenn zwei Vokale direkt auf einander treffen, ist mindestens der erste der beiden kurz. (Der zweite ist es häufig auch). Bei ecclesia wäre das "i" also auf jeden Fall kurz.

  • Positionslänge: Wenn ein Vokal von zwei Konsonanten gefolgt wird, ist er lang. Beispiel: servus. Das "e" ist auf jeden Fall lang, weil zwei Konsonanten (r+v) folgen.

  • muta cum liquida: Die obige Regel (Positionslänge) muss nicht gelten, wenn der erste der beiden Konsonanten ein b,c,t,b,g oder d ist (muta) und der zweite Konsonant gleichzeitig in l,m oder r (liquida) ist. In diesem Fall darf der Vokal vorher auch kurz sein. Beispiel: oblivisci. Das "o" müsste zwar lang sein, weil zwei Konsonanten folgen, aber weil der erste Konsonant (b) eine muta ist und der zweite (l) eine liquida dürfte das "o" auch kurz sein.

  • Naturlängen: Hier musst du auf dein Sprachgefühl vertrauen oder im Wörterbuch nachschauen. Naturlängen (gekennzeichnet durch einen Strich über dem Vokal) sind immer lang. Beispiel: Das "a" von dare. Du wirst merken, dass es sich komisch anhören würde, wenn du das "a" kurz aussprechen würdest. Dann müsstest du nämlich darre sagen.

LG

MCX

Miraculix84 26.06.2013, 20:15

PS: Mehr gibts eigentlich nicht. Wenn du das konsequent und korrkt anwendest, kannst du eigentlich jeden Vers knacken.

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