Auslands Jahr:Wohin?

6 Antworten

Hallo,

letztlich bleibt das deine ganz persönliche Entscheidung.

Ich finde nicht, dass es Sinn macht, hier danach zu fragen, ob lieber in die USA, nach England, Australien, Kanada usw.

Es werden sich immer genug Meinungen für oder gegen das eine oder das andere Land finden.

Für mich persönlich käme - aus Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte - überhaupt nur England in Frage.

Wie auch immer du dich entscheidest, der Auslandaufenthalt wird deine Selbstständigkeit fördern und eine Erfahrung sein, von der du dein Leben lang profitieren wirst.

Ich wünsche dir viel Spaß und alles Gute!

;-) AstridDerPu

 

PS: Wenn man dann wieder zurück in Deutschland ist, heißt es übrigens am Ball zu bleiben, sonst waren der ganze Spaß und die Mühe nämlich für die Katz.

Vielen Dank

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Ich würde das Auslandsjahr auf die Studienzeit verschieben.

Ein Auslandsjahr während der Schule bremst dich aus. Ja, du lernst die Sprache, aber durch das fremde Schulsystem hast du in aller Regel Probleme, daheim Anschluss an den Stoff zu finden.

Ein Auslandssemester oder zwei haben dagegen den Vorteil, dass du von anderen Arbeitsansätzen oder fachlichen Schwerpunkten der Gastuni profitieren kannst. Du bist nicht auf eine Gastfamilie angewiesen, sondern kannst dort selbstständig leben. Du lebst dann im Ausland, nicht bei einer Familie im Ausland. Klar, der Familienanschluss kann schön sein. Aber selbstständig bist du dort nicht. Und wenn du mit der Gastfamilie nicht auf einer Wellenlänge liegst, wird so ein Jahr seeeeehr lang. Der Austausch kostet dann auch die Familie kein Heidengeld, sofern er über ein Austauschprogramm läuft.

Ich denke das genau anders herum. Gerade weil man im Austausch an einer Universität selbstständiger ist, läuft es häufig darauf hinaus, dass man ein sehr deutsches Leben im Ausland lebt, weil man eben alles genau so macht und denkt und entscheidet, wie man es aus Deutschland kennt. Erst wenn man in einer Gastfamilie lebt, die einem auch mal sagt „du, hier machen/sagen/empfinden wir das aber anders“, fängt man an, das jeweilige Austauschland authentisch zu erleben.

Und nicht zuletzt ist man in einer Universität in akademischer Gesellschaft, was zwar an sich nicht schlecht ist, aber einseitig.

Und nein, ein Schüleraustauschjahr bremst nicht aus, man gibt danach erst so richtig Gas.

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@warai87
Erst wenn man in einer Gastfamilie lebt, die einem auch mal sagt „du, hier machen/sagen/empfinden wir das aber anders“, fängt man an, das jeweilige Austauschland authentisch zu erleben

Den gleichen Effekt hast du, wenn du im Studium Freunde findest. Und wer beispielsweise in einem Wohnheim wohnt, hat auch nicht nur Kontakte zu Leuten aus seinem eigenen Fachbereich.

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@Jerne79

Freunde mit einem anders um als (Gast-)Eltern, die die Fürsorgepflicht haben. Ein Beispiel: Wenn ein chinesischer Austauschstudent an eine deutsche Uni kommt und dort den ganzen Tag Reis mit Entenfleisch essen will, wie er es aus seinem Heimatland kennt, dann kann er das ungehindert tun; seine Uni-Freunde werden das höchstens einmal kommentieren und ihn dann aber lassen. Lebt der Chinese hingegen als Austauschschüler in einer deutschen Gastfamilie, wird er gezwungen sein, deutsches Brot und allgemein typisch deutsches Essen zu essen, weil es nun einmal das ist, was die deutsche Familie selbst isst und entsprechend auch ihm vorsetzt. Das ist nur ein Beispiel für viele Dinge, die zum echten Eintauchen in eine andere Kultur gehören, denen man sich aber umso einfacher entziehen kann, je selbstständiger man lebt.

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@warai87

Du tust, als ob Leute nicht freiwillig in eine fremde Kultur eintauchen wollen können. Wer das nicht will, wird so oder so Wege finden, dem zu entgehen. Und dann frage ich mich bei Schüler und Student, warum er überhaupt im Ausland ist.

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@Jerne79

So zeigt es meine Erfahrung, und betroffen sind vor allem die unangenehmen Bestandteile einer Kultur. Ich würde den Leuten nicht per se unterstellen, dass sie gar nicht eintauchen wollen in die fremde Kultur, aber sie fokussieren nun einmal sehr auf die „schönen“ Sachen, die ihnen sowieso gefallen, und lassen die schwierigen, unangenehmen Sachen, die Überwindung kosten, weg. Seien es „eklige“ Gerichte der Landesküche, unbekannte Sitten bezüglich Körper- und Textilpflege oder Tagesabläufe, die im eigenen Land unvorstellbar sind. Eine weitere Möglichkeit ist, dass sie gar nicht bemerken, wie sie anecken. Es gibt Kulturen, in denen es verpönt ist, mit lauter Stimme zu sprechen, weil es als dominant und vorlaut empfunden wird; es gibt andere Kulturen, die eine klare, laute Stimme als aufrichtig und sympathisch empfinden. An manchen Orten der Welt ist es üblich, Kollegen ein schönes Wochenende zu wünschen; woanders gilt das schnell als zu privat. Menschen in bestimmten Kulturkreisen erwarten auf die Frage „Hast du Lust auf Pizza?“ ein Ja oder ein Nein; Menschen aus anderen Kulturkreisen möchten lieber grundsätzlich antworten „ich weiß nicht so recht“, weil sie ansonsten das Gefühl haben, den anderen zu zwingen, sich der eigenen Meinung anzuschließen. Solche Dinge habe ich vielfach bei mir und bei meinen jeweiligen Austauschmitstreitern beobachtet, nur an der Uni sagen die einheimischen Kommilitonen (die oftmals sowieso schon an ein internationales Umfeld gewöhnt sind) „naja, der/die kommt halt aus Land XY, was soll‘s, ist ja nicht so schlimm“, während Gastfamilien den Standpunkt vertreten „wenn du ein Jahr mit uns leben willst, musst du auch so leben wie wir“.

Einen ähnlichen Effekt gibt es nicht selten bei frisch verliebten Pärchen mit Heiratswunsch, die zum ersten Mal zusammenziehen. Solange man sich „nur“ jeden Tag 4 Stunden trifft, findet man sich uneingeschränkt interessant und attraktiv; lebt man in einem Haushalt, kommen auf einmal auch die negativen Eigenschaften des Partners zum Tragen, die man zuvor ignorieren konnte. Die Kunst besteht nun darin, auch mit diesen nicht so attraktiven Eigenschaften einen Weg zu finden, respektvoll miteinander zu leben, und sich in den richtigen Situationen selbst zurückzunehmen. Und genau darum geht es bei Schüleraustausch nämlich auch.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich bin nicht gegen Uni-Austausch, aber ich möchte sagen, dass der Anspruch ein anderer ist als bei Schüleraustausch, und ich selbst empfinde Schüleraustausch in Hinblick auf die Förderung des Verständnisses für das andere Land, seine Menschen und seine Kultur als gewinnbringender.

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@warai87

Und in diesem Umfang teile ich deine Meinung nunmal nicht.

Dafür habe ich zu viele Leute gesehen, die nach einem Schüleraustausch zurückgekommen sind und ohne nachzudenken Individualverhalten der Gasteltern (*) auf eine gesamte Kultur übertragen haben (da ist der Vergleich mit dem frisch verliebten Paar auf eine Art und Weise zutreffend, die du vmtl nicht beabsichtigt hast). Und zu viele Studenten, die im Auslandssemester wunderbar in die Landeskultur eingetaucht sind.

Ich bestreite nicht, dass ein Schüleraustausch positive Aspekte hat, nur ziehe ich die persönliche Freiheit und den fachlichen Mehrgewinn eines Auslandsaufenthaltes während des Studiums vor. Und wenn jemand schon nicht einmal weiss, wohin er gerne fahren würde...

(*) Ein schönes Beispiel wäre eine Mitschülerin, die nach einem Jahr in England permanent verbreitet hat, in England wäre das einzige Gemüse ungewürzte Erbsen, und die gäbe es jeden Tag. Aber auch wenn der sich der durchschnittliche Engländer schwertut mit dem Öffnen des Gewürzschrankes und Erbsen eine beliebte Beilage sind, ist das nunmal Blödsinn.

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@Jerne79

Es gibt auch in Deutschland lebende Deutsche, die sagen, dass Schützenvereine ein wichtiger Bestandteil der deutschen Kultur sind. Ich bin aus Berlin und habe im Alter von 22 Jahren überhaupt das erste Mal dieses Wort gehört. Ich war in Berlin auf insgesamt 5 Schulen, habe in zwei verschiedenen Bezirken gewöhnt und habe dort meine Ausbildung gemacht - ich halte mich jetzt nicht für so weltfremd... - , aber niemand aus meinen diversen Klassen, keiner meiner vielen Nachbarn, Kollegen oder Sport-/Musikvereinsfreunde, absolut niemand war in einem Schützenverein, und erst als ich nach der Ausbildung mit einer Kollegin aus einer Niederlassung in Hessen telefonierte, erfuhr ich, dass es Schützenvereine gibt, und es wohl viele Menschen in Deutschland gibt, für die sie ein zentraler sozialer Treffpunkt sind. Wer führt nun das authentischere „deutsche“ Leben, meine Kollegin oder ich? Und wer weiß besser über Großbritannien Bescheid, die Austauschschülerin, die sagt „in UK gibt es nur ungewürzte Erbsen“, oder der Austauschstudent, der sagt „in UK gibt es eine große Auswahl an Gewürzen und Gemüsesorten“? Faktisch richtig ist die zweite Aussage, aber sie impliziert, dass auch viele Briten von diesem Angebot Gebrauch machen, was die Erfahrung der Austauschschülerin ja widerlegt (und ich behaupte mal, die Wahrscheinlichkeit, dass sie in einer absoluten Ausnahmefamilie gelandet ist, ist eher gering). Von der eigenen Situation auf das ganze Land und seine Bewohner zu schließen, betrifft also nicht nur Austauschschüler, sondern Menschen jedes Alters, jeder Bildung und jeder Herkunft. Ich räume allerdings ein, dass dieses Verhalten bei zurückgekehrten Austauschschülern tendenziell stark ausgeprägt ist aufgrund ihres Alters. Wiederum ist es bei Uni-Austauschlern ebenso potentiell stark ausgeprägt, weil (ohne jetzt mein Nest beschmutzen zu wollen) Akademiker auch oft meinen, ihr aus Büchern angeeignetes Wissen sei allgemeingültig und unantastbar.

Austauschschüler können später noch einen Austausch an der Uni machen und dort ihre bis dato gesammelten Erfahrungen erweitern oder revidieren; Uni-Austauschler können dagegen nicht die Erfahrung nachholen, als Teenager als Teil einer einheimischen Familie den ganz normalen Schüleralltag zu erleben. Nie.

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@warai87

Ich sehe in dieser Diskussion ehrlich gesagt keinen Sinn. Du hast deine Meinung, fein. Ich habe meine. Ich nutze jetzt die von mir erwähnte und geschätzte Entscheidungsfreiheit und höre auf, mich im Kreis zu drehen. Und nachdem du nicht meine Gastfamilie bist, kann ich einfach gehen. ;)

Wer alt genug ist, ins Ausland zu wollen, ist hoffentlich auch alt genug zu entscheiden, welches Modell eher etwas für ihn ist. Authentische Erfahrungen können, so der Wille vorhanden ist, beide machen.

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Wie ich immer schreibe: selbst wenn es unbedingt Englisch sein soll, gibt es so viele andere, viel weniger „ausgelutschte“ Länder als immer nur USA, Australien, Irland und England. So wichtig diese Länder in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht auch sind, sie würden und werden schon von mehr als genug Austauschschülern überrannt. Dennoch ist es natürlich deine Entscheidung.

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