Ausbildung zur Krankenschwester? Vorurteile / Arbeitserfahrung?

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4 Antworten

Meine Schwester (38) macht den Job jetzt schon sehr lange. Vor 2 Jahren hat sie die Fachweiterbildung Intensivmedizin gemacht. Sie arbeitet seit vielen Jahren schon im Bereich Intensivstation, Anästhesie, OP.

Hart ist gar kein Ausdruck für das, was sie da mitmacht. Die Arbeitsbedingungen sind unter aller Würde und auch sehr häufig gegen die Arbeitszeitgesetze. Es ist keine Zeit vorhanden, Zeit mit den Patienten zu verbringen. Es reicht gerade aus, um die Zeit am Patienten zu verbringen.

Interessant ist der Job zwar allemal, vielfältig, spannend. Ihr Kollegium samt Ärzten ist passabel.

Dennoch ist sie jetzt schon körperlich so kaputt, daß sie keine Ahnung hat, was sie mit Anfang 50 machen soll. Diese Dienste dann sicherlich nicht mehr.

Unter den Einsparungen der Krankenhausträger leiden ja nicht nur die Patienten, sondern auch sämtliches, medizinisches Personal. Krankenschwestern, Ärzte, Laboranten, Assistenten, etc.

Es benötigt eine sehr große Portion Idealismus, um diesen Job gut und gerne machen zu können. Es ist unzweifelhaft einer der wichtigsten Jobs, aber er verlangt immens viel. Körperlich, seelisch, moralisch, zeitlich.

Mach doch mal ein Praktikum, dann kannst du in diesen harten Alltag hineinschnuppern und dir selbst ein Bild machen.

Meine Schwester macht ihren Job wirklich gerne, sie leidet aber auch sehr unter den Arbeitsbedingungen.

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Ich bin seit 16 Jahren Krankenschwester und ich mache es immer noch gerne - aber es gibt natürlich Schattenseiten.

Ich würde mich auf gar keinen Fall als Handlangerin von Medizinern betrachten. Natürlich kenne die sich in medizinischen Dingen besser aus, aber mein Berufsfeld ist auch nicht die Medizin, sondern die Pflege.

Schattenseiten sind die Schichtarbeit, die Bezahlung und vor allem die Verdichtung der Arbeit in den letzten Jahren. Patienten bleiben immer kürzer im Krankenhaus, alles muss schnell gehen - alle Untersuchungen am besten gleichzeitig, sofort OP, dann schnell Entlassung. Dazu kommt, das viele Stellen abgebaut wurden und eine Pflegekraft heute mehr Patienten betreuen muss als früher. Für Dinge wie Beratung, Prävention, etc. bleibt nur wenig Zeit - gerade diese Punkte werden aber mit der neuen Ausbildung verstärkt gefordert.

Unangenehme Tätigkeiten - an vieles gewöhnt man sich. Gerade was den Umgang mit Ausscheidungen und Blut angeht. ;) Und den Patienten ist es meistens viel peinlicher! Schön ist es natürlich, wenn man sieht, das es Patienten wieder besser geht. Belastend sind natürlich Dinge wie schwierige Patienten, denen man einfach nichts recht machen kann, der Umgang mit Schwerkranken, der Umgang mit Sterbenden.

Ich arbeite inzwischen auf einer Palliativstation. Dort ist der Personalschlüssel wesentlich besser als auf einer Normalstation, ich betreue nur 3-4 Patienten. Aber die sind dafür auch todkrank, etwa die Hälfte verstirbt während des Aufenthaltes. Mein "Erfolg" ist es also, wenn jemand "gut" sterben kann - die körperliche Belastung mag nicht so hoch sein wie auf einer anderen Station, die psychische ist es umso mehr...

Mit der Ausbildung in der Hand hat man unendliche viele Möglichkeiten: Station, Hospiz, ambulante Pflege, Psychiatrie, Intensiv, OP... man kann Pflegemanagment, -wissenschaften, -pädagogik studieren, man kann z.b. als Wundexpertin arbeiten, in der Hygiene, beim MDK und vieles mehr. In manchen Bereichen entgeht man so auch dem Schichtdienst.

Trotzdem würde ich niemanden die Ausbildung einfach so empfehlen, sondern immer erst zu einem Praktikum raten - erst dann kann man sehen, ob einem der Beruf liegt.

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Hallo, ich kann dir nur aus zweiter Hand berichten es sind aber Tatsachenberichte. Nachdem du dein Diplom erreicht hast steht dir Tür und Tor offen. Du kannst die verschiedensten Sachen machen und hast auch Aufstiegsmöglichkeiten. Fest steht das die Ausbildung mit sehr viel lernen zu tun hat, besser du lernst gerne und das du Freude an der Arbeit mit Menschen haben musst, dass wären einmal Grundbedingungen. Einstecken muss man in den Lehr - Jahren immer und überall. Die nötige Reife sollte mitgebracht werden. Natürlich ist es richtig das du auch zu Sachen herangezogen wirst die nicht so toll sind, da wäre zum Beispiel Blut, solltest du besser sehen können und wunden auch reinigen und Verbinden können und dann ist da noch das saubermachen von Patienten wenn ein „Ups“ geschehen ist. Aber Glaube mir, es ist den Patienten unangenehmer als dir jemals grausen könnte davor. Ich als oft und langer Patient hatte viel Spaß mit den Schwestern und den Pflegern. Habe mich sehr viel unterhalten können mit ihnen, am leichtesten hatten es diejenigen die nicht alles soo schwer nahmen. Aber das muss ich schon Sagen an manchen Tagen gab es Stress pur. Denn bei all dem lustig sein kann es sehr schnell gehen und die ganze Station steht unter Strom und hat Alarmstufe Rot. Da passt aber dann jeder Handgriff, sollte es einen dennoch einen fehlgriff, geben war der nächste so schnell da und war behilflich sodass es eigentlich keine merkbaren Fehler zu sehen gab. Die meisten von den Schwestern liebten ihren Beruf und jeder Patient konnte das spüren. Das hilft und trägt der Genesung jedes einzelnen genauso viel bei, wie der Beruf des Arztes. SMIEKY

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vorurteile werden genährt von den zunehmend schlechteren arbeitsbedingungen. da krankenschwestern aus sog. effizienz- und kostengründen zunehmend randbereiche abdecken müssen, wird das langsam aber sicher belastender und hat nicht mehr allzuviel mit dem ursprungsberufsbild zu tun.

übrigens, in meinem bekanntenkreis würde keine ihren beruf weiterempfehlen sondern weisen darauf hin, daß man da schon ein recht dickes fell haben muß.

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