Aus welchem Grund, wird die Leistungsbilanzüberschuss Deutschland so häufig inner-deutsch kritisiert?

...komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Ein temporärer Leistungsbilanzüberschuß wäre nicht weiter schlimm.

Wenn jedoch ein dauerhafter Leistungsbilanzüberschuss existiert, muss man schon mal hinterfragen was das konkret bedeutet.

Für von Deutschland gelieferte Güter bezahlen andere Länder mit Geld, welches in der Regel schuldenfinanziert ist.

Bereits jetzt sind die in Deutschland vorhandenen Euros zu 75 % aus den Südstaaten (Schuldenstaaten) der Eurozone.


Wir liefern werthaltige Dinge (Sachwerte) und bekommen dafür einen Zettel (Geld), der so lange nichts wert ist, wie wir nicht zu einem späteren Zeitpunkt für diesen Zettel wieder Waren aus diesen Ländern bekommen.

Zu einem Warenaustausch in umgekehrter Richtung kann es aber nur kommen, wenn die Schuldenstaaten wieder wettbewerbfähig sind (Lohn-Stück-Kosten). Das ist das eigentliche Problem.

Durch den BREXIT sind in Europa äußerst ungünstige Mehrheitsverhältnisse zwischen den Nord- und den Südstaaten entstanden, was eine sachgerechte Geldpolitik auf europäischer Ebene erheblich erschwert bis unmöglich macht.

Es besteht das Risiko, dass so der Euro gegend die Wand gefahren wird.

Günter


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Wenn die Party vorbei sein wird, wird es negativ = sehr unschön werden.

Das Problem an dem Leistungsüberschuß nennt sich Handelsungleichgewicht. Eine Abweichung vom schnöden Ideal.
Denn der Leistungsbilanzüberschuss der Deutschen sind die Schulden der anderen.
Dieses macht Deutschland zum Störenfried.

Denn, "Deutschland ist der Gewinner des Euro" Kanzlerin Merkel (CDU), läßt die Frage aufkommen, wer wohl die Verlierer wären und warum die das bleiben wollen sollten?
Ebeno auffällig ist, dass Deutschland vielleicht der Gewinner ist, nur kommt davon bei den Bürgern nichts an, kein Euro und kein Cent.
Womit sich, bei zunehmender Armut in Deutschland, die Bürger Deutschlands zu den Verlierern des Euro gesellen.

Geschichte jedoch ist nicht statisch, sondern ein dynamischer Prozess.
Woher also die Annahme, dass die Party so weitergehen wird?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Aus deutscher Sicht ist der Leistungsbilanzüberschuss ausschliesslich positiv zu sehen. 

Dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen und gesichert. Es kommt Geld ins Land. 

Lediglich die Länder, die im Handel mit Deutschland ein Defizit aufweisen, haben damit ein Problem. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
  • Verhaßtheit im Ausland

  • Schwächung der Binnennachfrage einschließlich Lohnstagnation
Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Weil es keinen Überschuss auf der einen Seite geben kann, ohne ein entsprechendes Defizit auf der anderen Seite. Was wir (vor allem Deutschland, Österreich und die Niederlande) mehr exportieren, haben andere Länder weniger an Binnennachfrage und mehr an Arbeitslosigkeit und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Länder (vor allem Irland, Portugal, Griechenland, Spanien und Italien) aus diesem Spiel aussteigen. In diesen Ländern bilden sich gerade politische Verbindungen von ganz rechts bis ganz links mit dem einzigen Ziel, aus dem Euro auszusteigen. Unsere exportierten Sachwerte werden verbraucht und es gibt kaum Aussicht, dass die importierenden Länder ihre Schulden jemals werden bezahlen können. Wir finanzieren also letzten Endes unseren Export und die Verlierer sind die Arbeitnehmer in Deutschland, deren Löhne und Gehälter seit Jahren deshalb nicht mehr real steigen, damit die Lohnstückkosten nicht steigen und wir weiter exportieren können. Deutschland hält sich nicht an die Vereinbarung (Maastricht-Vertrag), die Löhne an die eigene Produktivität anzupassen, damit am Ende 2% Inflation herauskommt und die anderen Länder werden das nicht endlos hinnehmen (und dann wird die Arbeitslosigkeit in Deutschland erheblich steigen).

Die Gewinner sind nur die Grosskapitalisten, die ihre (trotz Krise immer noch) steigenden Profite durch Staatsschulden in Importländern und (weil wir die Bürgen und Gläubiger sind) unsere eigenen Staatsschulden finanzieren.

Auch das ist nur ein Teil des grossen Umverteilungsprogrammes von Arbeitnehmern zu den Reichen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von calvinsimon
20.04.2017, 22:29

Noch vergessen: Deutschland hat die Regel (Maastricht-Vertrag) durchgesetzt, dass Länder höchstens 6% Überschuss bzw. 4% Defizit haben dürfen; doch selbst gegen diese selbstdurchgesetzte asymmetrische Regel verstösst Deutschland seit Jahren und da wir in der EU so mächtig sind, sorgen wir auch dafür, dass die anderen sich an die Regeln halten oder bestraft werden und wir für unsere Verstösse nicht bestraft werden.

Was aus einer solchen Gemeinschaft wird, wo die Mächtigen die Regeln durchsetzen und sich dann selbst nicht daran halten, ist abzusehen....

0

Dadurch wird Deutschland wohlhabender und andere Staaten ärmer. Das kann eigentlich nicht im Sinne der CDU/CSU sein, wenn sie nicht ihr C verlieren wollen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Er wird nicht innerdeutsch kritisiert, sondern von den Ländern, die gegenüber Deutschland ein Handelsbilanzdefizit haben, wie die USA und Frankreich.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Greensi
20.04.2017, 20:20

Stimmt nicht! Marcel Fratzscher beispielsweise, einer der renomiertesten Kritiker, Präsident des Ifo Instituts, kritisiert diesen Überschuss deutlich negativ.

1

Ich dachte immer der wird vorwiegend außer-deutsch kritisiert?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?