Aufenthalt in einer Klinik!

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2 Antworten

Hallo Ninachu, als Erstes: keine Angst!! Du machst dir sicher ernstzunehmende Gedanken, jedoch wirst du sicher angenehm überrascht sein was du, wenn du wirklich willst, für dich erreichen kannst. Ich habe mich selbst aus ähnlichen Gründen vor ca 2 Jahren in die Psychosomatik begeben und kann sagen, daß sich meine Lebensqualität enorm gesteigert hat. Mir war wichtig, mich abgeschirmt von meinem "normalen" Umfeld, in einen Raum zu begeben, wo ich vorbehaltlos über alles reden konnte was mich bewegt. Dazu ist es wichtig, daß das Leute sind, mit denen ich keine andere Beziehung habe als die, mir auf der Suche nach mir selbst behilflich zu sein. Es wird ein paar Tage dauern, bis du dort angekommen sein wirst; mir ging es jedenfals nicht schnell genug bis sich was tat. "Das Gras wächst nicht schneller wenn auch man dran zieht". Aber die 12 Wochen, welche ich dort war, haben mir sehr viel gebracht. Nun zum prakmatischen Teil: Der erste Besuch in der Klinik sollte sowieso erst mal der Sondierung dienen. Du schaust dir die Räumlichkeiten an und die Leute die da arbeiten. Wenns dir zusagt machst du einen Termin für die Einweisung. Du kannst immer sagen: "Hier nicht". Pack dein Köfferchen so, als ob du für 2 oder 3Wochen in eine Jugendherberge ziehst. Wenn du dich aklimatisiert hast, darfst du dann übers Wochenende nach hause. Bei mir war es so, daß es Zeiten fürs surfen gab, sogar mit wlan. Handy auch jederzeit. Mein Rat: du solltest möglichst wenig Ablenkung zulassen. Die Zeit vergeht schneller als du denkst. Viel Erfolg, Galedon

Ich möchte dich mit meiner Antwort nicht auf andere Gedanken bringen oder umstimmen aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein Klinikaufenthalt eine Herausforderung für sich ist. Ich war wegen eines Suizidversuches da. Dazu muss man aber sagen, dass ich erst 17 bin, und ich nicht weiß, wie es auf einer Erwachsenen-Station abläuft. Ich hatte ebenfalls eine Überweisung und musste sofort da bleiben. Auf der Jugendstation lief es so ab: Man muss sein Handy und andere technischen Geräte abgeben, ebenso wie Rasierer, Glasflaschen etc., eben alles mit dem man sich verletze könnte. Wenn man ein Notfall ist, kommt man zunächst in ein Überwachungszimmer, sonst teilt man sich das Zimmer mit einer oder mehreren fremden Person. Mein erster Tag begann mit dem Wecken um halb 7 Uhr morgens, dann ging es ins Gemeinschaftsbad und dann zum Frühstück. Die Mahlzeiten wurden immer gemeinsam eingenommen. Es gab verschiedene Dienste, wie Tischdienst, bei denen man sich Ausgang verdienen konnte. Besucherzeiten waren nur zweimal in der Woche, jeweils 2 Stunden lang. Das Schlimmste am Aufenthalt ist mit Abstand die Langeweile und die Hilflosigkeit. Die erste Woche kam bei mir niemand, kein Arzt, kein Therapeut, nur verständnislose Pfleger. Von halb 7 Uhr morgens bis 21 Uhr abends saß ich im Aufenthaltsraum, und führte ab und zu mal einen Small-Talk mit meinen Mit-Insassen. Glücklicherweise hatten wir eine Stunde am Tag Handyzeiten, unser einziger Kontakt zu unseren Liebsten. So lief das jeden Tag ab, bis endlich meine Therapie startete - das einzige, womit ich bei meinem Aufenthalt zufrieden war. Somit konnte ich schon nach gut 2 Wochen raus, da ich nun endlich jemanden überzeugen konnte, dass mir die Augen in Bezug auf Suizid geöffnet wurden - ich wollte dieses Thema aus meinem Leben verbannen und neu anfangen, hatte jedoch keine Chance, da ich regelrecht gefangen war. Ich kann heute mit Fug und Recht behaupten, dass diese, wenn auch kurze Zeit, die schlimmste meines Lebens war - mein Leben jedoch auch geändert hat, da ich seitdem nun wirklich keinen Gedanken mehr an Suizid verschwende.

Ich hoffe ich konnte dir einen Überblick verschaffen und entschuldige mich, falls alles etwas durcheinander ist, aber ich wusste nicht wo ich anfangen soll. Auch wenn es eine schwere Zeit wird, rate ich dir, einen Klinikaufenthalt wahrzunehmen - es lohnt sich.

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