Auf wie viel Gehirnkapazität hat der Mensch Zugriff?

6 Antworten

Wie hier schon gesagt wurde, sind irgendwelche Versprechen von Sekten oder Esoterik-Angeboten "Nutzen sie durch Methode XY mehr als nur 10% ihres Gehirns" absolut unseriöser Quark.

Das Gehirn ist sehr komplex und allein für eine einfache Handlung wie das Zuwinken sind unterschiedliche Hirnareale für Wahrnehmung und Motorik zuständig.

Was man durch Lernen und Meditation verändern kann, sind Strukturen im Gehirn. Wenn man zB eine Sprache lernt, die der Muttersprache völlig entgegengesetzt ist, dann muss das Gehirn neue Verknüpfungen herstellen.

Diese Effekte und die Auswirkungen von Lernen und Meditation lassen sich zumindest durch Verfahren wie CT und EEG nachweisen.

Ich nehme nur mal ein Beispiel: Wahrnehmung.

In der Regel filtert das Gehirn einen großen Teil der Sinneseindrücke (ich habe mal gelesen es wären 90 Prozent). Andernfalls wären wir mit einem Informations-Overkill überfordert.

Außerdem wird unsere Wahrnehmung durch Vorgänge im Gehirn bewertet, wobei auch ozialisierung und Lebenserfahrung eine Rolle spielen - "angenehm, unangenehm...positiv, negativ....schön, hässlich..."

Durch Meditation kann Achtsamkeit trainiert werden, die eine offenere Wahrnehmung fördert - man hat das Gefühl mehr wahrzunehmen, ohne dadurch sensorisch überfordert zu werden.

Auch die Beurteilung wird zurückgefahren und man ist offener für unbewertete Wahrnehmung. Für manche Menschen sind diese Erfahrungen angenehm, manche können damit gar nichts anfangen und finden das eher banal.

Ob sich das immer per EEG oder CT nachweisen lässt, oder rein erfahrungsbasierte Wahrnehmungsbeurteilung ist...keine Ahnung.

Man wird durch Meditation nicht zu einem Gehirn-Leistungssportler, oder Intelligenz-Guru, sondern erlebt die Realität eben "anders".

Irgendeinen Gehirn-Boost mit Super-Erleuchtung wirst du aber vermutlich nicht erleben - einfach weil das Gehirn kein 386er ist, der plötzlich zum Superrechner hochgefahren wird, sondern weil es bereits ein Superrechner ist, der seine Belastungen immer gut in Areale auslagert. ;-)

Ich will nicht zu einem super Rechner, ich will eigentlich nur mein Geist kontrollieren und damit mein Körper meine Hülle kontrollieren.
Und zu meinem Vorteil benutzten.

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@AliasADSE1

Ich persönlich halte das ja für einen der großen Denkfehler mancher Philosophien und Heilslehren verschiedener Art;

Die Trennung von Geist und Körper.

Meist ist es sogar so, dass der materielle Körper als untergeordnet, oder sogar "schlecht" und "sündig" angesehen wird, während man den Geist als "übergeordnet" und näher an der "Vollkommenheit" betrachtet.

Da wir aber schon über das Gehirn reden, sollte eigentlich klar sein, dass solch eine Trennung und Beurteilung letztlich ein künstliches Konstrukt ist, das mit der Realität vermutlich wenig zu tun hat.

Ohne den Blutkreislauf würde das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt und dadurch auch das Bewusstsein des Menschen verlöschen.

Andererseits ist unser autonomes Nervensystem erforderlich, um grundlegende lebenserhaltende Funktionen, wie die Atmung, am Laufen zu lassen.

Das Gehirn (Geist) ist also nichts ohne Kreislauf (Körper) und der Körper kann nicht unabhängig vom Geist existieren.

Das Argument, mit der "Seele" existiere eine Form von Bewusstsein, die ohne das körperliche Gehirn auskommt, ist meines Wissens nach noch nicht bewiesen, sondern bleibt eine religiöse Vorstellung.

Die Vorstellung "der Geist herrscht über die Materie" beruht daher nach meiner Meinung einfach auf einer negativen Einstellung gegenüber sinnlichen Genüssen und Körperlichkeit, wie etwa Sexualität.

Das ist ein großes Problem bei konservativen Auslegungen von Religionen - obwohl der Mensch aus mentalen und körperlichen Prozessen besteht, wir die "Rechtmäßigkeit" der zweiten geleugnet und durch Regeln eingeschränkt.

Durch so genanntes "Mentaltraining" sind Sportler angeblich in der Lage eine größere körperliche Leistung zu bringen - aber auch hier ist es das Zusammenwirken von Körper und Geist und nicht etwa der Geist, der die totale Kontrolle übernimmt.

Man kann diese Wechselwirkung gut bei der Haltung während der Sitzmeditation beobachten.

Ist der Geist müde und schläfrig, sinkt auch die körperliche Haltung zusammen, der Körper verliert an Spannung und man hängt wie ein Schluck Wasser in der Kurve.

Ist der Geist zu angespannt, sitzt man wie ein Soldat in Habacht-Stellung, jeder Muskel wird kontrolliert und man sieht förmlich wie unflexibel diese Person geistig ist.

Eine gesunde, ausgeglichene Haltung fördert dagegen auch einen gesunden Geisteszustand, indem man ihn weder durch Schlaffheit zu Schläfrigkeit verleitet, noch durch zu große Anspannung stresst.

Anstatt also irgendetwas optimieren zu wollen, sollte man meiner Ansicht nach, einen natürlichen Zustand anstreben, der nicht durch Leistungsdenken geprägt ist.

Es gibt Berichte über besondere "geistige Fähigkeiten" einiger Menschen, die rational nicht erklärbar sein sollen.

Selbst wenn  diese Behauptungen stimmen - was soll das bringen?

  • Ich kann mir eine Eisenstange über den Schädel ziehen
  • Ich kann auf der Stelle levitieren (schweben)
  • Ich kann Dinge materialisieren

alles sehr nett...aber eigentlich völlig überflüssig. Warum sollte man seine Energie auf so etwas verschwenden?

Ich glaube, der Mensch tendiert ständig dazu, einen Aspekt unnötigerweise überzubewerten.

Der eine wird Sixpack-Muskelmann und der andere spiritueller Guru - und beide verpassen dabei einen interessanten Teil der menschlichen Erfahrung.

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Deutsche Übersetzung der Zusammenfassung (Abstract)
und Schaubilder des Forschungsartikels mit dem Titel:

“Increased grey matter associated
with long-term Sahaja Yoga meditation: a voxel-based morphometry study”.

Herausgegeben von der Fachzeitschrift Plos One am 3.
März 2016 DOI: 10.1371 / journal.pone.0150757

Erhöhte graue Masse im Zusammenhang
mit der langfristigen Praxis von Sahaja Yoga Meditation: Eine Studie der
Gehirnmorphometrie.

Autoren:

Sergio Elías

Hernández 1 , José Suero 2, Alfonso Barros 3, José Luis González-Mora 4, Katya
Rubia 5

1 Department of Industrial Engineering, Universität

von La Laguna, Teneriffa, Spanien, 2 Gesundheitszentrum Jasmin, Sermas, Madrid,
Spanien, 3 Institut für Psychologie, Universität Jaume I, Castellón, Spanien, 4
Institut für Physiologie, Universität La Laguna, Teneriffa, Spanien 5-Institut
für Psychiatrie, Psychologie und Neurowissenschaften, Kings College London,
London, England.

Die englische Online- Version dieses Artikels ist auf

der Website des Magazins frei verfügbar:

http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0150757

KURZE ERLÄUTERUNG DER BEDEUTUNG DES ARTIKELS

 Dieser Artikel behandelt den Vergleich des Volumens der

grauen Masse des Gehirns zwischen Sahaja Yogis und einer äquivalenten Gruppe
von Nicht-Meditierenden. Das Gehirn besteht aus drei verschiedenen Substanzen.
Eine davon ist die graue Masse: Sie beinhaltet die Kerne der Neuronen. Sie erscheint
in Magnetresonanzaufnahmen dunkelgrau.

Heute ist bekannt, dass das Volumen der grauen

Substanz mit dem Alter abnimmt. Dies kann auch viele unserer Fähigkeiten
reduzieren. Viele Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson und Depressionen sind
dem Verlust der grauen Substanz in verschiedenen Bereichen zugeordnet.

Es ist auch bekannt, dass sich die neuronale

Plastizität des Gehirns in jedem Moment verändert, abhängig davon, welche Teile
des Gehirns wir am meisten benutzen. D.h. es funktioniert wie kleine Muskeln,
die in den Gehirnbereichen wachsen, wo es eine größere neuronale Aktivität
gibt. Dies wurde bereits bei vielen Aktivitäten nachgewiesen: Musiker,
Jongleure, Mathematiker und andere Meditationen.

Das Bemerkenswerteste der jetzt veröffentlichten
Ergebnisse ist, dass Sahaja Yogis im gesamten
Gehirn
mit 7% deutlich mehr Volumen der grauen Masse hatten als die
Vergleichsgruppe.

Soweit wir wissen ist es das erste Mal, dass dies beim

Vergleich zweier Gruppen gesunder Probanden nachgewiesen wird. Andere Studien
zeigen Erweiterungen in ganz bestimmten Bereichen des Gehirns, die sich im
Zusammenhang mit spezifischen Aktivitäten entwickelten. Soweit wir wissen, hat
noch nie jemand eine statistisch signifikante Volumensdifferenz im ganzen
Gehirn gezeigt, wie in dieser Arbeit.

Dieser deutliche Unterschied im gesamten Gehirn

bedeutet auch, dass das Gehirn der untersuchten Sahaja Yogis aufgrund dieses
konkreten Aspektes (mehr Volumen der grauen Substanz) jünger war als das der
Nicht-Meditierenden, obwohl sie das gleiche Alter hatten.

Die wissenschaftliche Zeitschrift PLoS One, die den

Artikel veröffentlichte, ist eine der wenigen Zeitschriften, die alle
Disziplinen der Wissenschaft abdeckt. Sie ist das Magazin mit den meisten
wissenschaftlichen Publikationen weltweit.

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@gottesanbeterin

Vielen Dank für den Link.

Wenn ich allerdings dort lese, dass jeweils nur 23 Praktizierende des Sahaja-Yoga mit einer Vergleichsgruppe von 23 Nicht-Meditierenden verglichen wurde, dann finde ich das etwas dünn.

Ginge es um die Zulassung eines Medikaments wäre eine solche geringe Zahl an Probanden unzureichend.

Zumal die Bewegung des Sahaja-Yoga auch nicht unbedingt unumstritten ist, auch wenn die Organisation erfolgreich gegen die Bezeichnung "Sekte" durch eine belgische Behörde vorging.

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Als wenn wir den Begriff Kapazität verwenden, und wir davon ausgehen, dass eine Information im Gehirn eine Verbindung mehrerer Synapsen darstellt, und neue Information erstmal durch die Entstehung und dann durch die Verbindung anderer Synapsen entsteht, dann könnte man schlussfolgern, dass es nur eine begrenzte Anzahl an Kapazität in unserem Gehirn geben kann, da wir nur eine endliche Anzahl an Synapsen in unserem Gehirn besitzen. Wenn man aber bedenkt, dass wir jede neue Information über die Verbindung mehrerer, anderer oder neuer Synapsen herstellen können, gibt es ja nahezu unendlich viele Möglichkeiten diese Synapsen, die die Information tragen, zu verknüpfen. 

Jetzt ist die Sache aber die, dass gewisse unwichtige Informationen, mit denen wir wenig zu tun haben, automatisch vom Gehirn wieder "überschrieben" oder gelöscht werden, mal ganz einfach ausgedrückt. Das heißt, wir bekommen platz für neues. In dieser Hinsicht ist unsere Kapazität wohl unendlich groß, oder war genau das die Frage, wie viel wir bewusst in unserem kognitiven Bewusstsein zu einer Zeit abrufen können?

Zur zweiten Frage, ob durch Meditation die Kapazität gesteigert werden kann:

Nun, es ist so, dass durch Meditation auf einen größeren Bereich des Gedächtnisses zugegriffen werden kann, dadurch werden wir viel Kreativer und lernen auch viel besser. Dabei steigert sich auch die Konzentrationskraft, da wir voll uns ganz auf unser inneres gerichtet sind. Ich würde also behaupten, dass wir mehr Zugriff auf das Gehirn haben, wenn wir Meditieren, in welcher Form auch immer.

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Das gesamte Gehirn arbeitet. Es hat noch mehr Beschäftigung als nur das Denken. Es kontrolliert und organisiert eine Menge Abläufe im Körper.

So, wie du die Muskeln durch Betätigung stärkst (zum Wachstum anregst) kannst du auch das Gehirn durch Nutzen und Beanspruchen dazu bringen, dass sich mehr Synapsen verbinden und die Leistung größer wird.

Das Märchen mit "nur 10 % nutzen" ist mal zu Werbe- und Lockzwecken aufgekommen, hat aber nichts mit der Wirklichkeit zu tun.

Tatsächlich mal jemand der weis was er schreibt xD.

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