Auf was muss man beim Kauf eines Teleskops achten?

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3 Antworten

Hallo,

zunächst solltest Du wissen, daß auch das beste Teleskop nichts leisten kann, wenn der, der es bedient, keine Ahnung davon hat, was sich am gestirnten Himmel tut. Laien sehen oft großflächige und farbenfrohe Aufnahmen von weit entfernten Galaxien oder Nebeln oder von Saturn mit seinem eindrucksvollen Ringsystem und erwarten, daß sie so etwas live sehen können, wenn sie ein Teleskop erwerben und damit erwartungsvoll in der ersten klaren Nacht auf die Terrasse gehen.

Das funktioniert nicht. Die Aufnahmen, die astronomische Poster zieren, sind von Profis mit Instrumenten in Preisklassen gemacht, die einem Amateur normalerweise vorenthalten bleiben. 

Auf der anderen Seite kannst Du schon mit Amateurinstrumenten Dinge sehen, die keine noch so tolle Aufnahme bieten kann.

Es gibt im Sternbild Perseus zwei offene Sternhaufen, die dicht nebeneinander stehen und die Bezeichnungen h und chi Persei tragen. Ich habe sie auf keinem Foto jemals so schön gesehen wie durch das Teleskop einer Privatsternwarte, die mir eine Zeitlang zur Verfügung stand. Die vielen hundert Sterne, die sich da zusammendrängten, wirkten wie funkelnde Brillanten auf schwarzem Samt. Dazu hat es kein Teleskop mit einem 5-Meter-Spiegel gebraucht. Keine Aufnahme kann auch das Erlebnis vermitteln, wenn man einfach nur mit einem Feldstecher einen lichtschwachen Planetoiden zwischen lichtschwachen Fixsternen identifiziert oder mal wieder Merkur 'erwischt', der sich immer in der Nähe zur Sonne aufhält und längst noch nicht auf- bzw. schon untergegangen ist, wenn der Himmel sich verdunkelt. Du kannst die Bahn eines Planeten/ Planetoiden/ Kometen zwischen den Fixsternen über einen längeren Zeitraum verfolgen; Du kannst sehen, wie bei Halbmond in den noch schwarzen Kratern die Spitzen der Zentralberge hell leuchten; Du kannst verfolgen, wie die vier größten Jupitermonde ihren Planeten umkreisen oder welche Phasen die Venus zeigt. Für all dies brauchst Du gar keine so teure Ausrüstung, sondern eher Interesse, Hintergrundwissen und Stehvermögen in langen und kalten Nächten.

Bei den Instrumenten gibt es vier Grundrichtungen:

Es gibt den astronomischen Feldstecher, der größer und schwerer und leistungsstärker als ein normales Fernglas ist: Seine Vorteile sind:

Er ist transportabel, praktisch sofort einsatzbereit, leicht zu bedienen und sehr lichtstark. Weil er ein relativ großes Gesichtsfeld abdeckt, nimmt man ihn auch gerne, um Kometen u.ä. aufzuspüren.

Ein Nachteil ist, daß er keine allzu starke Vergrößerung besitzt; 20 oder 25fach reichen für die Saturnringe oder für Einzelheiten in der Jupiteratmosphäre nicht wirklich.

Wer eine stärkere Vergrößerung bei ähnlich einfacher Bedienung und immer noch hoher Lichtstärke haben möchte, sollte über den Kauf eines Spektivs nachdenken. Sie haben oft auch ein praktisches Zoom-Objektiv und sind recht handlich. Sie sehen aus wie ein halbes Fernglas.

Dann gibt es den klassischen Refraktor, das Linsenteleskop, das auch Vergrößerungen um die 30 bis 80/90 gut schafft und hervorragend geeignet ist, um den Mond und die Planeten zu beobachten. iermit lassen sich auch schon Einzelheiten in den Saturnringen wie die Cassini-Teilung, der Große Rote Fleck oder Wolkenbänder auf Jupiter, Polkappen auf dem Mars, Einzelheiten auf der Mondoberfläche beobachten. Der Nachteil ist die nicht allzu große Lichtstärke, was bei Objekten wie dem Mond oder den Planeten kein Problem ist - die sind hell genug und bieten auch bei stärkeren Vergrößerungen noch ein ordentliches Bild.

Die vierte Gruppe sind die Reflektoren oder Spiegelteleskope, die ein großes Lichtsammelvermögen bieten zu bezahlbaren Preisen und sich so hervorragend eignen, um Objekte zu beobachten, die sich nur schwach vom Hintergrund abheben wie fremde Galaxien, Nebel, Kugelsternhaufen etc.

Bei all diesen Instrumenten ist eine stabile Montierung erforderlich. Während es bei Feldstecher und Spektiv auch azimutale Montierungen nach Art eines schweren Fotostativs tun, benötigst Du für die Teleskope doch eine parallaktische Montierung, deren Hauptachse parallel zur Erdachse ausgerichtet ist. Mit Hilfe einer solchen Montierung ist es möglich, ein Himmelsobjekt nach Koordinaten einzustellen und dem Lauf eines Fixsterns oder eines Planeten oder Mondes zu folgen, indem Du das Instrument nur über eine Achse nachführst, was dann auch ein Motor (computergesteuert) für Dich erledigen kann. Für Amateure sind unter den Spiegelteleskopen besonders solche geeignet, die man Schmidt-Cassegrain nennt. Der Lichtstrahl wird im Inneren zweimal reflektiert, so daß sich eine relativ lange Brennweite bei ziemlich kurzer und handlicher Bauweise erreichen läßt.

Der Nachteil bei Teleskopen ist, daß Du zunächst die Montierung exakt ausrichten mußt, bevor Du loslegen kannst. Zudem ist es durch das relativ kleine Gesichtsfeld schwieriger, ein bestimmtes Objekt zu finden. Hier sollte man sich auf jeden Fall damit auskennen, was Koordinatenangaben wie Deklination und Rektaszension bedeuten und wie man aus der Rektaszension und der Uhrzeit den sogenannten Stundenwinkel berechnet.

Auf jeden Fall sollte man nirgends bei der Montierung sparen. Ein zu leichtes und wackliges Stativ macht auch das teuerste Instrument unbrauchbar. 

Und: Besser ein hochwertiges Fernglas als ein schlechtes Teleskop.
Mindere Qualität kann einem die Freude an diesem schönen Hobby vergällen.

Finger weg, wenn ein Instrument mit dem Hinweis auf eine besonders starke Vergrößerung beworben wird. Die Vergrößerung ist das Uninteressanteste von allem. 

Informiere Dich über die Vorgänge am Himmel. Ein erfahrener Sternenbeobachter erkennt mit einem Feldstecher mehr und interessantere Objekte als ein Neuling mit einem noch so teuren Teleskop.

Viel Freude,

Willy

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Hallo,

die optimale Teleskopempfehlung kann man hier nicht aussprechen. Man müsste erst mal wissen wie es mit deiner Mobilität aussieht. Besteht die Möglichkeit, dass du dem Lichtsumpf entfliehen kannst oder bist du an einen Standort gebunden?

Dann wäre auch gut zu wissen was du denn beobachten willst. Willst du dich auf unser Sonnensystem (Planeten, Mond, Sonne) beschränken oder willst du auch Deepsky-Objekte beobachten? Das sind alle Objekte die sich außerhalb unseres Sonnensystems befinden.

Und natürlich ist auch deine Preisvorstellung nicht ganz uninteressant. Es bringt dir ja nichts wenn du max. 150,- Euro ausgeben möchtest und ich dir ein Gerät für 500,- Euro empfehle :-)

Wenn du nur mal in die Astronomie reinschnuppern möchtest, dann würde ich dir zu einem Bresser Skylux 70/700 raten. Dieses Teleskop ist auch unter dem Namen "Lidl-Scope" bekannt. Hierbei handelt es sich um einen Refraktor mit 70 mm Öffnung und 700 mm Brennweite. Die bekommst du bei eBay schon für 50,- Euro.

Hast du dann Blut geleckt und willst größere Geräte haben, dann lässt sich das Lidl-Scope eigentlich ohne Verlust wieder verkaufen - Teleskope sind recht wertstabil.

Ganz interessant könnte auch das Heritage von Skywatcher sein. Das ist ein Spiegelteleskop mit 130 mm Öffnung - das zeigt dir also schon mehr als das Bresser. Dieses Gerät kostet um die 200,- Euro neu.

Noch ein wenig besser wäre ein 150/750 Newton. Der kostet um die 250,- Euro neu, ist aber ohne Montierung. Die müsste dann noch dazu gekauft werden.

Wenn du das Teleskop nur für Planeten und den Mond nutzen willst, wäre vielleicht ein kleiner Maksutov 90/1250 nicht verkehrt. Diese Geräte verfügen an der Unterseite über einen normalen Anschluss für Fotostative. Da würde die teure Montierung wegfallen.

Wenn du jetzt aber sagst, dass du definitiv bei der Astronomie bleiben willst und dafür auch gerne ein paar Euro mehr ausgeben würdest, dann rate ich dir zu einem Dobson 8". Der zeigt dir wirklich eine Menge an Deepsky-Objekten und macht auch am Mond/ an den Planeten richtig Spaß. Der schlägt dann aber schon mit 400,- Euro zu Buche.

Gerade als Anfänger hat man jedoch nicht die Kosten für weiteres Zubehör nicht im Blick. Diese solltest du dir immer wieder vor Augen halten. Man benötigt für verschiedene Vergrößerung Okulare mit verschiedenen Brennweiten und Justierzubehör ist auch notwendig. Teleskope erreichen ihre maximale Leistung nur wenn sie gut justiert sind. Aufsuchkarten gibt es massig im Internet. Das Geld kannst du dir sparen :-)

Google einfach mal nach den fettgedruckten Teleskopen, belies dich ein wenig und bei Rückfragen kannst du dich natürlich gerne nochmal melden.

Die Okulare - das ist mindestens nochmal genauso eine Wissenschaft wie die Suche nach einem Teleskop. Beim Kauf von Okularen sollte beachtet werden ob du Brillenträger bist oder nicht. Hygens oder Keller bieten dir bei kurzer Brennweite einen sehr geringen Augenabstand, nämlich ca. 2/3 der Brennweite. Beispiel: Du hast ein 4 mm Okular, dann  beträgt der Abstand Pupille-Okular gerade mal knapp über 3 mm. Hier kannst du dich nach den sog. Gold-Kanten von Skywatcher umsehen oder die HR-Planetarys. Die Goldkanten kosten neu so um die 45,- Euro, die Planetarys um die 60,- Euro. Bei eBay werden die aber auch oft genug angeboten und kosten dort zwischen 20,- und 30,- Euro. Ich habe von beiden Typen mehrere Okulare und bin sehr zufrieden damit. Die haben eine umklappbare Augenmuschel und der Augenabstand ist sehr angenehm. Außerdem liefern sie dir ein klares Bild und was auch wichtig ist - die haben beide ein Eigengesichtsfeld von 66°. Je mehr Gesichtsfeld ein Okular hat, desto mehr Himmel zeigt es dir. Es gibt schöne Okulare welche mit Stickstoff gefüllt sind und ein Egf von 120° haben, kosten aber auch mal locker 1.200,- Euro ;-)

Hast du ein schnelles System beim Teleskop, kommt es bei günstigen Okularen zu Koma. 

Auch sehr ratsam ist es, wenn du mal nach Gleichgesinnten in deiner Umgebung schaust (Sternwarten, Hobby-Vereine). Dort kannst du auch mal durch die Teleskope schauen und man kann dir Fragen direkt vor Ort beantworten. Nicht schüchtern sein - Hobby-Astronomen sind sehr gesellige Leute und man freut sich immer über Neueinsteiger die Interesse an diesem Hobby haben :-)

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Vor allem darauf, wofür du das Teleskop einsetzen möchtest. Mond und Planeten beobachten? Deep Sky Observationen? Astro-Fotos?

Sodann auch, wo du das Teleskop einsetzt. In der Stadt? Viel Lichtverschmurtzung, schlecht für Beobachtungen. Auf dem Land? Wenig Lichtverschmutzung, gut für Beobachtungen.

Und dein Budget.

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