Athrose bei Pferden, was tun?

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8 Antworten

Aufgrund des Alters hat leider kein Pferd Arthrose. Arthrose ist eine Verschleißerkrankung. Da war zu viel Last auf dem Gelenk und deshalb hat sich das entwickelt. Wir sprechen nun über die beiden Vorderbeine. Da kann zu viel Last sein:

... beim reiten, wenn die Längsbalance nicht wirklich stimmt.

... beim Longieren, wenn es nicht so beherrscht wird, dass das Pferd entsprechend der Linie, auf der es arbeitet, die Biegung einnimmt und den Rumpf entsprechend rotiert.

... im Alltag durch Stellungsfehler in den Gliedmaßen, durch unnötiges Tragen von Beschlag, ... und vieles mehr.

Wenn man nun mit einer Arthrose konfrontiert ist, ist das allerwichtigste, die Ursache rauszufinden. Ist zwar leider zu spät, um das Problem rückgängig zu machen, doch kann man das Fortschreiten einbremsen oder komplett aufhalten.

Ist die Ursache abgestellt, sollte man mithilfe von Röntgenuntersuchungen und einem auf manuelle Therapien spezialisierten Tierarzt feststellen, wo die Arthrose genau sitzt (nicht nur, in welchem Gelenk, sondern auch, wo in diesem Gelenk), was demzufolge an Bewegung dem Pferd hilft (z.B. tägliches sanftes Beugen des betroffenen Gelenks, vom manuellen Therapeuten zeigen lassen) und was es eher zusätzlich belastet. Das ist mal das, was man dem Pferd mit den wenigsten Nebenwirkungen helfen kann.

Dann gibt es noch die Möglichkeit, etwas zuzufüttern. Teufelskralle alleine hilft selten wirklich, Ingwer ist ein guter natürlicher Entzündungshemmer, der den Magen zwar nicht so belastet wie ein Medikament, doch ganz störungsfrei rutscht der Ingwer auch nicht durch und das alles ist eher etwas, um ein akutes Entzündungsgeschehen einzudämmen. Aber eigentlich wollten wir mit Abstellen der Ursache und hilfreicher Gymnastik dafür sorgen, dass es keine weiteren Entzündungsgeschehen gibt. Entsprechend hoffe ich, dass man zu dieser Maßnahme nicht greifen muss.

Was dem arthrotischen, aber nicht akut entzündeten Gelenk sehr gut hilft, sind Hagebutten. Man kann sie frisch und getrocknet verfüttern und da man sie kaum in den benötigten Mengen selbst ernten und trocknen kann, gibt es sie auch getrocknet zu kaufen. Die Frucht enthält Galaktolipide, die den Gelenkknorpel schützen und damit den Schmerz eindämmt. Die Wirkung ist auch entzündungshemmend. Hagebutten sind magenfreundlicher als Inger und Teufelskralle und wirken quasi "alleine", nicht wie Grünlippmuschel nur gemeinsam mit anderem. Unsere Pferde haben ja auch schon eine Vorgeschichte, die ich gar nicht so genau wissen will und laufen sehr freudig, seit ich täglich ein paar, an feuchtkalten Tagen (trockene Kälte bis minus 20 Grad macht ihnen überhaupt nichts, aber dieses Nebelfeuchte vertragen sie nicht gut) bis zu 40 Gramm täglich von den Hagebutten verfüttere - wieviel es gibt, entscheide ich einfach nach Befindlichkeit, ich seh sie ja täglich zumindest aus dem Stall gehen, bis ich ihnen ihr Mineralfutter gebe und da gebe ich einfach dazu, was sie aktuell brauchen.

Wenn das alles nicht hilft, was man so "harmloses" zufüttern kann, gibt es noch den Medizinschrank des Tierarztes, der halt leider auch ein paar Nebenwirkungen hat.

Ganz wichtig für ein gutes Leben mit der Arthrose ist, wie beim Menschen auch, ständig in Bewegung bleiben und keinesfalls zu eng wenden - also scheidet Boxenhaltung grade für einen Arthrosepatienten aus. Auch zu tiefe Böden sollte so ein Pferd meiden, weil die Gelenke die Mehranstrengung auch mit tragen müssen, obwohl man im ersten Moment denkt, das sei schön weich. Zudem sollte man die Stoßwellen des Auftretens mit Beschlag ganz einfach verhindern, indem man sie auf gutem, ihrem Bewegungsbild gerecht werdenden Barhuf (Huforthopäden können sowas herstellen) laufen lässt.

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Kommentar von Sallyvita
09.02.2017, 11:37

Der Rat mit den Hagebutten ist super. Meiner mittlerweile leider verstorbenen alten Stute haben gemahlene Hagebutten deutlich mehr geholfen als Ingwer, Teufelskralle, Muschelkram, Arthrosyn oder was auch immer alternativ.

Generell - von mir einen dicken Daumen hoch für diese Antwort.

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Ich kann mich Urlewas nur anschließen, allerdings: Teufelskralle ja, aber bitte vorsichtig anfüttern und immer bedenken, das geht ordentlich auf den Magen, nicht alle Pferde vertragen das.

Hab sehr gute Erfahrungen mit dem Arthrose-Futter von Iwest gemacht, allerdings teuer. Für genug Bewegung sorgen im Schritt, auch möglichst täglich Hufe geben lassen, nur das Traben (oder schneller) eher sein lassen, vor allem, wenn dein Pferd auch nach einer längeren Aufwärmphase noch lahmt. 

Bin ja sonst nicht für Bandagen/Gamaschen, hab aber im Arthrosefall gute Erfahrungen mit den Back on Track gemacht.

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Was auch gut bei Arthrose hilft:

  • harter Untergrund auch auf der Koppel oder beim Spazierengehen
  • unwegiges Gelände also bergauf, bergab und sprichwörtlich über Stock und Stein oder durch den Wald. Das alles regt die Gelenke zur Produktion der Gelenkschmiere an.
  • keine langen Standzeiten in der Box, lieber Offenstall. Die stete und langsame Bewegung ist ideal für Arthrosepatienten
  • keine Beschläge und einen vom DifHo o.ä kommen lassen. Eisen betäuben in dem Sinne nur und durch den Rückstoß wird das Gelenk 3-fach belastet, darum barhuf stellen.
  • Vorsicht beim Reiten: keine engen Wendungen, keine Levaden o.ä.
  • kein übermäßiges Rennen und Springen, geht voll auf die Gelenke
  • Kneipp-Kur, also zuerst kaltes und dann warmes Wasser immer abwechselnd, das recgt die Arterien an. Auch waten durch einen Bach kann Linderung schaffen.
  • Selbst auch heraus finden, was dem Pferd gut tut: Infrarotlampen auf die betroffenen Gelenke wirken manchmal Wunder
  • Selbst hab ich sehr gute Erfahrungen mit Grünlipp-Muschelgritt gemacht, auch, wenn´s Skeptiker geben mag (Pferde sind keine Vegetarier, sie fressen auch Insekten mit, wenn sie grasen= omnivor)
  • Ganz wichtig: eine sorgfältige Futterauswahl. Lieber nur hochwertiges, mageres Heu (lange Halme, erster Schnitt) und gutes Stroh (dafür den ganzen Tag zugänglich oder in Intervallen) füttern und Schnullikram alá Müsli, Rübenpressschnitzel und massig Äpfel, Süßkram etc.weglassen. 

Bewege dein Pferd so oft es nur geht im Schritt, mach langsam und überstürze nichts, sie hat Schmerzen, welche denen von menschlichen Rheumapatienten gleichkommt. Heißt auf deutsch, sie hat Flüssigkeit in den Gelenken (weißt du sicher, sieht man auf´m Ultraschallbild) und diese drückt extremst u.a. auf die Hufkrone, auf das Gelenk und sie ist im kompletten Bewegungsapparat eingeschränkt und das zieht oftmals einen Rattenschwanz nach sich: Fehlstellung, Muskelfehlbildungen und/oder Schonhaltung mit schlechter Heilungschance.


Bespreche dich auch unbedingt mit deinem Tierarzt, wenns sein muss auch einem zweiten, was er von der (fortschreitenden) Krankheit hält. Die Veterinärmedizin ist heute durchaus in der Lage, auch eine Cortisoninjektion in das oder die betroffenen Gelenke (örtl. Beteubung) zu spritzen, so dass die Entzündung heilen kann.

Bleib dran und mach, was eben möglich ist für dich.

Alles Gute für deine Stute und Durchhaltevermögen für dich.

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Kommentar von Buddhishi
11.02.2017, 14:57

Was hälst Du von Tellington Touches?

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Wenn dein Pferd keine Schmerzmittel bekommt, dann lass von einer Tierheilpraktikerin Blutegel ansetzen. Im Winter muß man die allerdings in einen mit warmen Wasser gefüllten Angussverband setzen.

Diese nützlichen Tierchen sondern u.a. entzündungshemmende, blutverdünnende und schmerzstillende Substanzen ab.

Wenn dein Pferd beschlagen ist, kann der Hufschmied eine stoßdämpfende Masse plus Kunststoffplatte unter die Eisen geben.

Bitte bedenke auch, dass der Trab eine Gangart ist, wo die Gelenke am meisten belastet werden. Auch longieren oder Volten reiten würde ich mit einem Arthrosepferd nicht mehr.

Die Schmerzen bzw. Lahmheit deuten darauf hin, dass sich eine Entzündung im Gelenk befindet. Diese muß schnellstens wieder abklingen, denn jede Entzündung zerstört im Endeffekt den Gelenk-Knorpel noch mehr..

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Teufelskralle füttern, leicht bewegen- je nach befinden nur Schritt, aber lange und ausgiebig. Enge Wendungen meiden.

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Hallo,
Wir haben ebenfalls zwei Pferde mit Arthrose am Stall. Was im Winter total hilft ist eine Fütterungskur dagegen. Dafür gibt es ein bestimmtes Pulver, das über eine bestimmte Zeit verfüttert werden muss. Ich habe leider gerade keinen Namen im Kopf, aber eventuell findest du ja etwas im Internet, wenn nicht, kann ich den genauen Namen nochmal nachsehen. Ist zwar etwas teurer, aber sein Geld absolut wert!!

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Eine heisse Hufkrone kann auch Indiz für eine Huflederhautentzündung sein. Tierarzt oder evtl auch ein Hufschmied könnten dies diagnostisch abklären.

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Kommentar von Baroque
08.02.2017, 20:58

Ja, Indiz kann es so ziemlich für alles sein, was unterhalb des Kronsaums nicht passt. Da ist eine Lederhautentzündung nur einer von x möglichen Befunden.

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Das Pferd meiner Reitlehrerin ist mittlerweile 18 jahre alt und hat schon  seit ich ihn kenne Athrose. Aber seit er dauerhaft einen Heilstein am Halfter hat, geht es ihm super. (Er hat ihn jetzt schon ca. 4 jahre)

Er läuft jeden Tag im Schulbetrieb mit und hatte schon seit diesen jahren keinen einzigen Schub mehr. Ich finde einen versuch ist es auf jeden fall wert egal ob man daran glaubt oder nicht. :)

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