Astromonie oder Astrophysik?

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5 Antworten

Hallo LinkE19,

streng genommen betreiben heute alle Astronomen Astrophysik, den die pure Kartographie des Himmels ist mehr oder weniger abgeschlossen. Die Astrophysik beschäftigt sich aber mit den physikalischen Prozessen, die im Universum ablaufen, also zur Physik, die zu dem Universum führt, das wir beobachten.

In aller Regel studiert man dafür allgemeine Physik. Zuerst den Bachelor, dann den Master (also mit dem ganzen Spaß: Quantenphysik, Teilchenphysik, Festkörperphysik, Elektrodynamik,...einfach weil man das hinterher alles braucht); im Masterstudiengang wählt man die Astrophysik als Wahlpflichtfach und schreibt darin die Masterarbeit. Will man danach in der Forschung tätig sein, sollte mindestens noch eine Promotion folgen.

Physik ist kein leichter Studiengang, die Abbrecherquote ist hoch. Man sollte analytisches Denkvermögen mitbringen und selbstverständlich nicht vor komplexen mathematischen Herleitungen zurückschrecken. Mathematik ist die Sprache der Physik, sie ist also keine Nebensache, sondern die Essenz. Gerade wir mit der Fachrichtung Astronomie liebäugelt, sollte auch gute Programmierkenntnisse mitbringen oder erwerben. Englisch ist wie in allen Naturwissenschaften notwendig, da Sprache der Veröffentlichungen.

Nach dem Studiengang gehen die meisten Physiker in die freie Wirtschaft, einfach deshalb, weil es an Forschungseinrichtungen lediglich Zeitstellen gibt (d.h. nicht der Wissenschaftler ist fest angestellt, sondern sein Forschungsprojekt wird über einen gewissen Zeitraum gefördert.) Läuft die Förderung aus, bleibt auch das Geld aus. Familienplanung ist auf dieser Basis nicht oder nur schwer möglich. 9 von 10 Physikern arbeiten später also nicht oder nicht dauerhaft in irgendeiner Forschungseinrichtung.

Falls man allerdings in einer landet, so sollte man ein realistisches Bild von der täglichen Arbeit dort mitbringen. Astrophysik bedeutet eben nicht, jede Nacht wie Galilei einst begeistert am Teleskop zu sitzen und den Himmel zu betrachten. Der Astrophysiker arbeitet wie die meisten von uns in aller Regel tagsüber - und zwar hinter dem Computer. Der Astrophysiker ist ein Schreibtischtäter, der in aller Regel auf einem thematisch sehr eingegrenzten Spezialgebiet am Computer Simulationen komplexer physikalischer Zusammenhänge programmiert, die Simulationen dann laufen lässt und die entstandenen Prognosen mit Beobachtungsdaten vergleicht. Diese Daten stammen aus sehr wenigen einzelnen Beobachtungsnächten und werden nicht selten von Angestellten der Beobachtungszentren durchgeführt, nicht von den Wissenschaftlern selbst.  Oft stammen sie auch von unbemannten Sonden. Das Durchführen eigener Beobachtungen ist also eher ein Randthema.

Grüße

0815DD 15.06.2017, 11:12

Dem gibt es nichts hinzuzufügen....die Antwort verdient einen Stern. Nur eine Korrektur: Die Kartografie ist selbstverständlich nicht abgeschlossen, sie findet nur nicht mehr mit dem Auge am Teleskop statt. Immerhin verändern die Sterne im Laufe der Zeit ihre Positionen und ohnehin ist nur ein maginaler Teil der Sterne der Milchstraße bisher vermessen. Siehe auch die Gaia-Mission...

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escapewoods 16.06.2017, 09:32

Sehr gute Antwort, wobei ein Aspekt nicht fehlen darf. Es gibt durchaus Astronomen, die per se nicht Astrophysiker sein müssen - das trifft insbesondere für Astrobiologen aus dem US-Raum zu (in Deutschland kaum vertreten in Universitäten, auch wenn es vereinzelt deutsche Bücher wie "Lebensraum Universum" (Springer) gibt). 

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Du musst erstmal Physik studieren und kannst dich erst im Master später spezialisieren!

Astrophysik ist eine Spezialisierung der klassischen Physik. Ich an deiner Stelle, würde normale Physik studieren, da du dann leichter auf einen anderen Zwei wechseln kannst. Auf Astrophysik spezialisieren kannst du dich dann für die Master/Doktorarbeit. Arbeiten kann man als Physiker in Einrichtungen wie CERN, NASA, ESA, DLR, aber auch zB BND oder an Universitäten oder in Unternehmen.

wie wäre es mit Astrologie🤔

uteausmuenchen 15.06.2017, 02:32

Dafür bräuchte man dann nicht mal eine Ausbildung machen, sondern nur ein chickes Schild mit der Aufschrift "Horoskop-Schwurbler" neben das Klingelschild zu hängen...

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