Ass-Diagnose: Wie geht Ihr damit um;Wie sieht Euer Alltag aus;Was haltet Ihr von der Welt; Eure Obzession;Was haltet Ihr vom Mond?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Ganz schön viele Fragen ...

Die Diagnose war für mich einerseits eine Erleichterung, einen Namen dafür zu haben, was an mir anders ist, dass ich nicht völlig anders bin, sondern es tatsächlich auch andere Leute gibt, die ähnliche Probleme haben, wie ich. Und als ich erfuhr, dass man Asperger auf Englisch auch als "Wrong-Planet" oder "Little Professor" - Syndrom bezeichnet, war mir auch klar, dass es im Grunde nur eine Bestätigung von dem war, was ich ohnehin schon immer irgendwie über mich gewusst hatte.

Mein Alltag ist ... naja, mein Alltag eben. Durch mein Studium hat sich jedes Semester der Studenplan geändert, und jetzt, in der Masterarbeit ist sowieso ein wenig Chaos angesagt - deshalb habe ich Zuhause meine festen Routinen, und ein paar Dinge, die meinem Uni-Alltag ein Skelett geben, an dem ich mich festhalten kann. Auch wenn sich immer wieder Pläne verändern, und mein Tag dann doch anders aussieht, als ich ihn geplant hatte, geben mir meine kleinen Routinen halt, damit klar zu kommen. Und zum Glück sind in der Uni auch alle Recht verständnisvoll, und gehen super damit um.

Als Teenager hatte ich eine ziemlich klare Ansicht über die Welt - steht ungefähr in jedem zweiten Tagebucheintrag, seit ich 13 war, und bis ich mit 18 mein Abi gemacht habe:
Die ganze Welt hasst mich - also hasse ich sie zurück!
Inzwischen sehe ich das nicht mehr so, aber damals war das ein sehr reales Gefühl für mich. Und noch heute bin ich der Meinung, dass Menschen im Allgemeinen ein Problem sind, und die, bei denen das anders ist, sind die löbliche Ausnahme - aber ich habe es geschafft, mich mit eben diesen Ausnahmen zu umgeben.
Ich beschäftige mich selten mit großen, politischen Themen, und wenn ich an solche Sachen wie den Klimawandel denke, spüre ich gleich meinen Magen rumoren - und ich hatte schon genug Schleimhautentzündungen, um zu dem Schluss gekommen zu sein, dass ich persönlich mich nicht bei dem Versuch, alle Probleme der Welt zu lösen kaputt machen werde. Ich habe mir EIN Ziel gesteckt, wie ich die Welt auf meine Art ein bisschen besser machen möchte, und ich habe oft das Gefühl, das ist schon mehr, als die meisten Menschen tun.

Spezialinteressen sind bei mir nicht so sehr ausgeprägt, und über die möchte ich auch gerade nicht schreiben (ganz schön verrückt, und überhaupt nicht Autismus-Klischee, aber so ist das eben!)

Der Mond? Ist das vielleicht dein Spezialinteresse?
Gar keine so einfache Frage, finde ich.
Einerseits ist es ein Gesteinsbrocken, auf dem schonmal Menschen waren, was ich ziemlich beeindruckend finde. Zu schade, dass nicht öfter Leute hinfliegen. Aber dadurch wird er auch zum Symbol. Im lebensfeindlichen Weltraum fliegt er so herum, und als das erste Mal jemand draufgestanden hat, war es kein großer Schritt für Amerika, oder für die kapitalistische Weltordnung, oder so, sondern für die MENSCHEN.
Ich finde das All überhaupt faszinierend, aber den leeren Raum selbst, der ist so überhaupt nicht greifbar, nur die Objekte darin - und davon ist der Mond eben das Nächste.
Andererseits ist der Mond aber auch in meiner Religion ein Symbol der Göttin, und gerade wenn ich zum Vollmond hochsehe, ist das eigentlich das Erste, woran ich so denke - und ich finde überhaupt nicht, dass sich diese beiden Sichtweisen ausschließen müssen - denn auch wenn man aus zwei völlig verschiedenen Blickrichtungen drauf schaut - Wissenschaft und Religion - bleibt doch das Symbol irgendwie sehr ähnlich.
Ich hoffe, das ergibt jetzt noch irgendeinen Sinn für jemanden, der es ließt, ich fand diesen Gedanken sehr schwer in Worte zu fassen.

Ob dir das jetzt aber irgendwie helfen kann, den Alltag zu bestehen? Wer weiß? Mir haben konkrete Fragen und Hilfestellungen für meine Probleme mehr geholfen. Das große Ganze muss letzten Endes meiner Meinung nach jeder für sich selbst entdecken ...

Viele Grüße
Die Pramidenzelle

Die Diagnose war eine große Erleichterung. Endlich wusste in den Grund für meine Probleme und Bedürfnisse.

Danach begann ich zu reflektieren (mein Therapeut half mir dabei) und vieles für mich zu hinterfragen. Ich wollte mich wohler und ausgeglichener fühlen und dafür musste ich wieder etwas mehr "ich" etwas mehr "Aspie" werden. Wenn man im Erwachsenenalter diagnostiziert wird, hat man sich vieles antrainiert um in die Gesellschaft zu passen und einigermaßen akzeptiert zu werden (dabei kann das Selbst auf der strecke bleiben). Doch was bringt es einem Aspie, wenn man vermeidlich angepasst ist, aber innerlich leidet?

In der Öffentlichkeit war ich zuvor immer stark verkrampft und habe immer im Kopf behalten, was andere über mein Verhalten denken. Jetzt gehe ich das selbstbewusster an. Meine autistischen Verhaltensweisen schaden niemanden, also warum muss ich sie unterdrücken, wenn sie für mich stresslindernd sind?

Hände klatschen/reiben, leichtes Wippen, summen, schnüffeln, wippend gehend, Dinge berühren uvm. tut niemanden weh und wenn sie gucken? Na und?! Mir geht es prima.

Autismus ist den Leuten selten wirklich anzusehen und ich darf mir oft auch Sprüche anhören wie, "Du bist doch viel zu intelligent um Autismus zu haben." oder "Du kannst dich sprachlich, doch super ausdrücken.", aber Laien sind selten mit der Tiefe von Autismus und ihren vielen Formen vertraut, aber bitte fragt, statt irgendwelche absurden Vorstellungen zu haben (einer sagte mal zu mir: "Ah, Autismus! Sind das nicht die Menschen die keine Gefühle haben?")

Ich habe mittlerweile neue Freunde gefunden (Aspergerstammtisch gegründet durch das Autismuszentrum vor Ort), die ich regelmäßig treffe und es funktioniert ausgezeichnet. Mit diesen Leuten bin ich auf einer Ebene und wir führen immer viele tolle Gespräche und machen kleinere Unternehmungen. Ich verspüre keine Barriere zwischen ihnen und mir!

Wenn ich ein gutes Sachbuch zum Thema Autismus finde, dann verschlinge ich es auch weiterhin, denn manchmal finde ich dort ganz neue Aspekte meiner Selbst oder neue Tipps. Außerdem versuche ich mich bei Veranstaltungen zu beteiligen z.B. Filmabende oder Fachtagungen.

Die Ordnung kommt nicht von heute auf morgen, aber ich arbeite seit einem Jahr daran und ich bin fast an dem Punkt angekommen, das ich sagen kann: "Ja, ich bin im Leben angekommen und zufrieden."


Mein Alltag sieht im Moment noch wie folgt aus:

Frühstücken, mit Hunden spazieren, eine Runde Fahrrad fahren (Pokemon Go spielen), Mittagessen, Fitnessstudio, Buch lesen, Abend essen und den Abend mit einem Videospiel ausklingen lassen

Im Herbst darf ich endlich eine Umschulung beginnen.


Den Mond mochte ich schon immer, er sieht einfach schön aus und seine Muster sind immer wieder faszinierend anzusehen. Ich liebe schöne Mondfotografien u.ä.

Der einzige Unterschied zwischen "vor der Diagnose" und "nach der Diagnose" ist, dass man nun die Ursache für eine Reihe von Problemen kennt.

Durch dieses Wissen sind die Probleme zwar nicht weniger geworden, aber nun habe ich wenigstens die Möglichkeit, spezielle Unterstützung zu bekommen und mich anderen Menschen gegenüber zu erklären. Die Diagnose hat für mich also mehr positive als negative Aspekte. Ich hätte mir sogar gewünscht, sie schon früher bekommen zu haben, dann hätte ich mich vllt. nicht durch eine normale Schule quälen müssen.

Trotzdem; wenn mir ein Nicht-Autist anbieten würde, mit mir zu tauschen, ich würde das Angebot ohne zu zögern annehmen. Denn ich bin ehrlich: ich finde es ungerecht, mich mit mehr Schwierigkeiten durchschlagen zu müssen als Menschen, die keinen Autismus haben und es ist mein oberstes Ziel, mich zu 100% an die Gesellschaft anzupassen.

Mein Tagesablauf ist momentan etwas unstrkturiert. Ich fange jedoch bald eine Berufsausbildung an und hoffe, dass dadurch wieder mehr Ordnung in meinen Alltag einkehrt.

Die Frage, was ich von der Welt halte, ist ein bisschen zu inkonkret für meinen Geschmack. Könntest du das ein bisschen spezifizieren? Der Mond interessiert mich nicht.

Falls mit Obsession das Spezialinteresse gemeint ist: bei mir ist es die Kynologie (Hundewissenschaft).

Tantalus4ever 10.07.2017, 20:21

Erst einmal ein Danke für deine Antwort! Wie siehst Du die Menschen und ihr Bestreben. Das Weltkarma wenn Du so willst. Oder anders gefragt, kotzt die Gesellschaft und ihre Normen Dich an?

0
Revic 10.07.2017, 20:52
@Tantalus4ever

Ob die Gesellschaft mich ankotzt? Auf jeden Fall. Aber ich lebe nun mal in dieser Welt und muss mich den geltenden Normen fügen.

0
Tantalus4ever 10.07.2017, 20:24

Vielleicht ein Tipp für Dich. Vielleicht hast Du schon mitbekommen das ein bestimmter Bakterienstamm in Verdacht steht Autismus auszulösen. Ich habe dann mit Wasseraufbereitungstabletten experimentiert und meine Beschwerden sind dann abgeklungen. Sind nach absetzten wieder gekommen. Aber ich dachte das Dich dies interessieren könnte.

0
Revic 10.07.2017, 20:56
@Tantalus4ever

Hab ich gehört, ja. Ich hab auch schon gehört, dass Bleichmittel trinken diese Bakterien abtöten und den Autismus dadurch heilen soll. Halte ich alles für Schwachsinn.

Achte lieber auf deine Ernährung, wenn du bestimmte Symptome lindern möchtest. Versuch mal, tierische Produkte ne Weile  wegzulassen.

0
Pinkpingu11 10.07.2017, 20:29

Hallo Tantalus, das mit den Bakterien ist mir neu...

Hast du da eine Quelle dazu?
Ich arbeite mit Autisten und habe noch nie etwas davon gehört. Da wären doch schon Eltern aufmerksam geworden...

0

Mein Alltag sah mit Diagnose nicht anders aus als vorher

Tantalus4ever 10.07.2017, 16:07

Kann ich die austehenden Antworten als Antworten deuten, oder als Zeichen dafür das nicht darüber geschrieben werden möchte?

0
Ostsee1982 10.07.2017, 16:52
@Tantalus4ever

Vermutlich kannst du es unter anderem so deuten, dass du zu viele zusammenhanglose Fragen stellst. Was wir vom Mond halten, von der Welt, was unsere Obsession ist hat nichts damit zu tun wie jeder Einzelne mit der ASS Diagnose umgeht.

0

Was möchtest Du wissen?