Asperger Syndrom Was sind eure Erfahrungen?

...komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Ich bin selbst Asperger-Autist.
Zuerst habe ich eine Verständnisfrage:

Das Bild und die Fragebögen kenne ich

Was genau meinst du damit? Also was für ein Bild? Und welche Fragebögen kennst du?

Nun zu deiner Frage:
Das Asperger-Syndrom gehört zum autistischen Spektrum. Dieses Spektrum ist groß und kaum ein Asperger-Autist hat die gleichen Probleme wie der nächste. Ich zum Beispiel gehe problemlos in Discos, andere Asperger-Autisten bekommen dort sofort einen Overload. Manche wegen der Lichter, andere wegen der Gerüche oder der vielen Menschen, die Gründe sind unterschiedlich.

Dieses Beispiel soll dir zeigen, dass die Unterschiede in der Wahrnehmung nicht bei jedem Autisten gleich stark sind und auf den gleichen Gebieten und eben auch nicht die gleichen Probleme verursachen. Da ich deinen Sohn also nicht kenne, kann ich dir nicht sagen, wie genau es sich bei ihm auswirkt.

Es kann Probleme bei allen Sinnen geben. Beispiele:
Optisch:
Licht kann Probleme machen, zu hell, flackernde Neonröhren, zu grell, falsche Farbe, zu schnelle Lichtwechsel. Aber auch andere optische Eindrücke können überfordern.
Akustisch:
Zu laute Geräusche, zu viele Geräusche (kein Filtern eines einzelnen redenden Menschen in einer Menschenmenge möglich zum Beispiel), bestimmte Tonlagen, summende Elektrogeräte (das können Geräusche sein, die ein Nicht-Autist nicht mal wahrnimmt) ...
Olfaktorisch:
Gerüche. Für mich sind 99,9 % der Parfums unerträglich, auch parfümierte Deos. Ich kann manche Nahrungsmittel allein auf Grund ihres Geruchs nicht essen.
Haptisch:
Bestimmte Stoffe nicht berühren können, andere Oberflächen fasst schon berühren müssen, auch das Gefühl von Speisen im Mund kann dazu führen, dass bestimmte Speisen nicht gegessen werden, Etiketten in der Kleidung, Nähte, Berührungen von Menschen ...
Gustatorisch:
Bestimmte Geschmacksrichtungen werden als unerträglich empfunden.

Das sind wie gesagt Beispiele. All diese Sinneseindrücke können überfordernd sein, da Autisten keine oder nicht so gute Reizfilter haben, oder anders funktionierende Reizfilter. Aber es ist nicht bei jedem Autisten gleich.
Wenn dein Sohn zum Beispiel ein bestimmtes T-Shirt partout nicht anziehen will, finde heraus, woran es liegt. Juckt das Etikett im Nacken? Ist der Stoff an sich störend? Ist die Farbe unerträglich? Riecht es stark nach einem Waschmittel, das dein Sohn nicht erträgt? Es kann viele Gründe haben. Evtl. gefällt es ihm auch einfach nicht. Denn er ist nicht nur Autist, sondern auch Mensch. ;-) Vergiss das nicht.

Kommunizier klar und deutlich mit ihm. Dann werdet ihr rausfinden, warum Probleme in bestimmten Situationen auftreten. Zwischen den Zeilen zu lesen ist für viele Autisten schwer, Sprichwörter werden evtl. wörtlich genommen, Gestik und Mimik kann er evtl. nicht oder schlecht deuten. Klare mündliche Kommunikation ist also wichtig.

Mehr informieren kannst du dich in Boards oder Chats im Internet, in denen sich Autisten austauschen. Tausche dich bitte nicht nur mit anderen Eltern aus, sie alle schauen ihren Kindern nur vor den Kopf, nicht hinein. Andere Autisten wissen besser, was in Autisten vor sich geht. Es gibt auch einige erwachsene Autisten, die bloggen. Das zu lesen, kann dir auch Einblicke geben.
Wichtig ist auch, dass du für die Diagnose eine auf Autismus spezialisierte Stelle aufsuchst. Längst nicht jeder Arzt kennt sich damit aus, auch nicht jeder Psychologe oder Psychiater. Adressenlisten kannst du in solchen Boards und Chats bekommen.

Ich kann dir gerne auch Internetadressen nennen. Schick mir dazu einen Freundschaftsantrag und eine Nachricht.

Rechercheur 25.06.2011, 10:21

Schade, dass steffi2005 nichts mehr schreibt. Zumindest das mit dem Bild hätte ich gerne verstanden.
Ich denke auch, dass ein guter Dialog helfen kann.

0
krabbeIkrabbe 14.12.2011, 18:10

das war sehr interesssant, Rechercheur, danke schön.

0

Bei meiner Tochter wurde Asperger erst im 10. Lebensjahr diagnostiziert.

Zum Kindergartenbeginn war es sehr schwer für sie, sich von mir zu trennen. Die ersten Wochen blieb ich dabei, weil es absolut nicht anders ging. Sie hätte sich am liebsten verkrochen. Die neue Umgebung - der Lärm - die vielen Kinder: das war Stress pur für sie.

Damals dachte keiner, bei dem ich zur Untersuchung war auch nur im entferntesten daran, dass sie autistisch sein könnte.

Noch heute ist sie skeptisch bei neuen Situationen und verweigert total, wenn sie etwas nicht einsieht. Mit erzieherischen Maßnahmen erreiche ich da gar nichts. Eher mit Verständnis, Erklären und meine Grenze zeigen. Wundermittel sind das nicht - aber wie gesagt - besser als "tu", "mach", "lass".

Deutlich zeigen sich die Symptome in

  • Essverhalten
  • Grobmotorik
  • Lärmempfindlichkeit
  • Skepsis neuen Situationen gegenüber
  • Beharrlichkeit - die oft in Sturheit übergeht
krabbeIkrabbe 14.12.2011, 18:12

Die erste Trennung von der Bezugsperson ist für die meisten kinder sehr, sehr schwer, je nach Ausprägung der Bindung, das ist noch nicht unbedingt ein Merkmal für Autismus.

0

Es fällt schwer, darauf eine faire Antwort zu geben. Eine Beziehung mit einem Asperger ist nicht einfach, wenn man ein empathischen Mensch ist. So lieb Asperger auf ihre Art sind und wirklich auch lobenswerte Vorzüge haben, besteht die Gefahr, dass die nichtautistischen Partner emotional verhungern und leiden, als hätten sie schweren emotionalen Missbrauch erlebt - der Unterschied ist, dass nichts mit böser oder kalkulierten Absicht geschieht. Aber das ändert an den Folgen und dem Resultat nichts. Um in einer Aspergerbeziehung glücklich zu sein und die andersartige Liebenswürdigkeit des Aspergers schätzen zu können, bedarf es bei dem Partner ein dickes Fell, einen aktiven Freundeskreis und der viel Toleranz und Humor. Asperger sind keine schlechten Menschen. Aber man muss den Herausforderungen gewachsen sein. Denn sie lieben wie kleine Kinder ihre Mutter lieben - ehrlich, aufrichtig - aber ohne Verantwortungsgefühl für sie sprich dann auch nicht für den Partner. Den Aspergern wünsche ich dementsprechend starke Partner und alle Liebe. Aber den weniger starken Menschen rate ich absolut davon ab, da hilft keine Empathie oder Reden und Erklären - die Asperger KÖNNEN sich NICHT ändern, es geht einfach nicht!!! 

Das kann man kaum sagen:

Bei manchen verläuft sich das, sprich: diese Leute merken da kaum noch was davon und die Mitmenschen auch nicht - bei diesen Leuten würde man im Leben nicht daran denken, dass sie sowas habenandere wiederum haben da stärkere Einschränkungen.

Also meiner Meinung nach gibt es da nirgends größere Schwabkungen als dort - zumal das ja auch eine recht hyopthetische Diagnose ist, sprich: insbesondere später kaum eindeutig diagnostizierbar, bzw. kämen noch andere Dinge in Frage.

Aber solche Ungereimtheiten gibt es ja bei jeder psychischen Erkrankung, aber insbesondere hier.Aber es lässt sich hier sagen: umso früher, desto genauer.

Vielleicht kann man das irgendwann mal mithilfe von MRT u.ä. wirklich präzise sagen, doch heutztage geht das leider noch nicht

Zu den Einschränkungen: Die größten EIsnchränkungen dürfte es wohl im sozailen bereich (Miik, Gestik, Beziehungen und vor allem nonvberbale Kommunikation) geben - aber ggf lernt das Kind das mit der zeit und später zeigt es sich kaum noch.

Pharmon 12.07.2011, 15:25

Hallo ich habe auch Autismus genauer gesagt Asperger Syndrom,

Bei mir fällt es so gut wie nicht auf nur manchmal reagiere ich falsch z.b wenn jemanden einen Witz macht oder es anderes meint wie ich es interpretiert habe. Beim spielen mit anderen und paar leute sitzen aussenrum un kommentieren wie ihr spielt schlecht oder sowas.

0

Mein Sohn, ebenfalls Asperger Syndrom, hat bei dem Besuch des Kindergartens und dann in der Schule die größten Probleme gezeigt. Sie bestanden in der Kommunikation, verbal wie auch nonverbal. Seine Sprache war frühzeitig sehr speziell. Oft wird es auch "gestelzt" benannt. Das heißt, er hat sich im frühen Kindesalter sehr gewählt ausgedrückt und wie ein Erwachsener angehört. Nonverbale Kommunikation gelang ihm nicht. implizite Sprache verstand er auch nicht. Bildlich gesprochenes nahm er oft wörtlich. Spielen im Kindergarten war ebenfalls ein Problem. Oft werden da Rollenspiele gespielt, wie zum Beispiel auf einem Autoteppich ein Autorennen. Er hat die Kinder sofort belehrt, weil sie sich nicht an die STVO gehalten haben.

Da er im frühen Kindergartenalter schon lesen konnte und sich mit Themen befasste, denen Gleichaltrige nicht folgen konnten (z.B. Mathematik, Astronomie, Physik u.ä.) waren die Kinder genervt von ihm, da sie ihn nicht verstehen konnten. Ein kindliches spielen war also nicht möglich. Durch diese unterschiedlichen Entwicklungsschritte hatte er erhebliche Probleme Anschluss zu gleichaltrigen Kindern zu finden und zog sich deshalb lieber zurück. Bzw unterhielt sich lieber mit Erwachsenen Personen über seine Themen.

Ebenfalls zeigte er einen stark ausgeprägten Gerechtigskeitssinn und verstand es nicht dies so zu vermitteln, dass er nicht selbst zur "Angriffsscheibe" wurde. Soziale Interaktionen konnte er nicht verstehen, da sie aus seiner Sicht oft unlogisch sind und muss diese erlernen.

Gestik und Mimik, wie auch der Blickkontakt in der Kommunikation bereiten ihm heute noch zum Teil Schwierigkeiten. Er führte keine Dialoge, sondern einen Monolog und bemerkte auch nicht, wenn sich sein Gegenüber aus dem Gespräch herausgezogen hat, oder ihn das Thema nicht interessiert.

Bei meinem Sohn kommt noch hinzu, dass er in der Grob und Feinmotorik , der Orientierung, der visuellen wie auch auditiven Wahrnehmung, sowie der ´Strukturierung im Tagesablauf Probleme hat. Das heißt:Er litt unter dem Wechsel bei Stundenplanänderungen- Änderungen im Tagesablauf- unter wechselnden Lichtverhältnissen- unter Geräuschen und Gerüchen- unvorhersehbaren Veränderungen- Teilweise /zeitweise auch Autoaggression- Gleichgewichtsproblemen- Orientierungslosigkeitund einigen anderen noch

Da dein Kind frühzeitig diagnostiziert wird und ihr bestimmt alle Hilfen in Anspruch nehmen werdet, besteht eine gute Chance, dass sich das Kind gut entwickeln kann.Vieles der Schwierigkeiten die mein Sohn aufgewiesen hat, konnten durch gezielte Therapie und besonders geschulte Therapeuten behandelt werden. Das ist ein langer Weg, aber es ist nichts unmöglich. Jeder Mensch mit einer autistischen Störung hat andere Ausprägungen und man kaum kaum Vergleiche anstellen. Einiges ähnelt sich, anderes ist nicht vorhanden oder stärker ausgeprägt. Sehr viel an Arbeit bedeutet es für die Eltern, denn man lernt sein Kind vollkommen neu kennen, wenn man sich darauf einlassen kann, das Kind nicht umerziehen/verbiegen zu wollen, sondern verstehen lernen möchte. Das heißt; Es darf Autist sein!Meine Erfahrung mit den behandelnden TherapeutInnen war zu Anfang sehr frustrierend, da diese guten, auf Autismus spezialisierten Therapeuten und Berater, nicht einfach zu finden sind. Nach 6 Jahren langer Suche sind wir angekommen und seit dieser Zeit hat mein Sohn erheblich Fortschritte in seiner Entwicklung gemacht. Eine sehr harte und auch anstrengende Zeit, die sich aber sehr gelohnt hat.

Was möchtest Du wissen?