Asperger Autismus: Symptome über Nacht plötzlich sehr verstärkt, was kann getan werden?

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5 Antworten

Dass ein plötzlicher "Symptomeinbruch" eintritt, habe ich schon mal erlebt. Meistens potenzieren sich Ereignisse, die dann als massive Verhaltensänderung innerhalb eines kurzen Zeitraumes eintreten und (eine Weile) anhalten können. Man kann es nicht immer an etwas Bestimmten festmachen.

Überlege mal, was sich geändert haben könnte. Ein plötzlich verstärktes Strukturbedürfnis, Ängstlichkeit und Empfindlichkeit kann durch Änderungen basaler Grundlagen eintreten. (Ist jemand aus seinem Leben gegangen, hat er die Schule gewechselt/ist in die Schule gekommen, habt ihr seinen Lebensraum umgestaltet etc. ? Das kann auch Eine Weile zurückliegen und jetzt wirken.) Ziehe auch Kleinigkeiten in Betracht und frage ihn. Frage ihn auch mal, ob er eine Idee hat, was ihm persönlich weiterhelfen könnte. 

Was mir zur Diagnose ADHS und Autismus einfällt ist, dass dies zwar zusammen auftreten kann, Autisten aber oft auch fehldiagnostiziert werden und statt Autismus eben die Diagnose A(D)HS erhalten. Manche Symptome ähneln sich. Deswegen kann es sein, dass du dies möglicherweise symptomatisch fehldifferenziert hast.   

Warst du mit ihm schon mal beim Arzt? Auch wenn die aufgetretenen Symptome im autistischen Spektrum liegen, kann die Ursache etwas sein, was man bei einem normalen Hausarzt findet. Ein Beispiel: Einer meiner Klienten ist wesentlich dünnhäutiger, wenn er auf etwas allergisch (Pollen/Nahrung) reagiert oder sich ein Infekt anbahnt. Dann wird er autoaggressiv und neigt zu Wutausbrüchen. Lass ihn doch mal durchchecken... ich würde bei so etwas mit einem großen Blutbild inklusive Nährstoffe etc. anfangen. Nimmt er Medikamente, die auf die Psyche/Verhalten einwirken? Wenn ja, ist oft eine Bestimmung des Medikamentenblutspiegels hilfreich. Ziehe auch Nahrungsmittelallergien in Betracht.   

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Kommentar von Mutter2706
11.08.2016, 08:08

Herzlichen Dank für die umfangreiche Erklärung. Wir haben ihn zweimal diagnostizieren lassen, das erste Mal bei einem niedergelassenen Kinderpsyhiater und -therapeuten, dann nochmal zur Absicherung in der Autismusambulanz der uni Köln, die auf die Differenzierung von ADHS und Autismus spezialisiert sind.

Er hat eine Laktoseintoleranz, wir achten auf entsprechende Milchprodukte . Medikamente nimmer er nur Flutide zum Inhalieren und das schon seit 3 Jahren.

Neue Allergien werden wir testen lassen, falls es nicht bald weggeht.

Wir haben schon alles gedanklich auf den Kopf gestellt und in den letzten Wochen ist nichts außergewöhnliches passiert. Wohl aber davor. Es gab sehr viele Umstrukturierungen in seiner schule im letzten Halbjahr, die er erstaunlich gut verkraftet hat. Gegen Ende des Schuljahres war er aber durch mit der Schule, hat sich zunehmend über seine Schulbegleiterin beschwert und wollte nicht mehr hin. Aber in den anschliessenden 2,5 Wochen Ferien schien er sehr zufrieden und ausgeglichen. Erst dann kam es zu den Symptomverschlimmerungen.

Dann hatten wir in den letzten Jahren 3 Todesfälle im engeren Familienkreis, der letzte vor 3/4 Jahren war für ihn am traurigsten. Dadurch und durch 3 Ohnmachtsanfälle ohne gefundene Ursache (Neurolog. und Kardiolog. Abklärung durch SchlafenttugsEEG, LangzeitEKG, Herzultraschall) hat er eine große Angst vor seinem Tod (seit dem ersten Todesfall vor ca. 4 Jahren) und vor dem Einschlafen/Bewusstseinsverlust im Schlaf (seit dem letzten Todesfall) entwickelt. Diese Angst ist eine schlimme Belastung für ihn und tritt in stärkeren und selten und kurzzeitig auch schwächeren Phasen auf. 

Vielleicht ist in diesen Zusammenhängen ja eine Ursache zu finden, da Du schreibst, die Ereignisse könnten auch länger zurück liegen. Ich bin sehr dankbar für Deinen Hinweis, dass Du soetwas schon erlebt hast und dass es auch nur temporär sein kann!!!

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Eventuell stresst ihr etwas, von dem du nichts mit bekommst, gerade extrem. Das kann z.B. Angst vor etwas sein, das in der Schule für "irgendwann demnächst" angekündigt wurde. Oder Mobbing in der Klasse. Oder ein wiederkehrender Albtraum. Oder ein Vorfall im Straßenverkehr.

Malt oder schreibt er gerne? Gib ihm einfach genug Papier und Farbe, vielleicht kann er das Problem dann alleine verarbeiten. Aber nötige ihn bloß nicht, sich zurechtfertigen oder anderweitig zu erklären! Sonst kommt zu dem eigentlichen Problem noch Angst vor dir dazu ...

Eine Depression kann natürlich auch dahinter stecken. Da er sich immer anstrengt "normal" auszusehen, hat sie sich bisher nicht deutlich gezeigt. Deshalb könnte es sinnvoll sein, ihn einem Arzt vorzustellen, wenn seine Ängste nicht bald besser werden.

Jetzt schließe ich noch ein Bisschen von mir auf andere. Wann habe ich solche Phasen ...

... wenn ein einmaliger Overload (Party, Besuch, ...) mich so umhaut, dass ich eine Nacht nicht schlafen kann. Dann bin ich am nächsten Tag überempfindlich und hab Wahrnehmungsprobleme. Bis sich das wieder einpendelt, kann es ein paar Tage dauern.

... wenn ich was Falsches gegessen habe, kann das meine AS-Symptome spürbar verstärken. Vielleicht hat dein Sohn eine Unverträglichkeit entwickelt? Bei Autisten sollen sich Autoimmungeschichten statistisch häufen.

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ASS Symptome verändern sich meines Wissens nach nie plötzlich. Bei mir ist das seit über 30 Jahren konstant. Sicher gibt es mal Phasen wo ich auch empfindlicher reagiere, das ist aber zumeist dann wenn es mir ohnehin schon nicht gut geht oder übermüdet bin oder eben einfach mal nicht so gut gelaunt bin. Ich weiß auch nicht wie das bei deinem Sohn ausgeprägt ist, aber völlig ausgeglichen bei ASS?? Für mich klingt das mehr danach, dass eventuell Depressionen mitschwingen vorallem wenn er sagt "dass seit dem Morgen vor vier Tagen das Leben nicht mehr so schön sei, weil alles zu viel ist. Und dass er mehr Angst habe." Ich kann natürlich nur von mir selbst reden (mit Asperger und ADS) wenn ich depressiv bin, bin ich aggressiv. Nicht jeder mit Depressionen sitzt weinend in der Ecke. Du schreibst, dass du Stimmungsschwankungen ausschließt, da frage ich mich nach welchen Kriterien du das ausschließt wenn Asperger ohnehin Gefühle oftmals nicht richtig wahrnehmen geschweigedenn ausdrücken können.

Ich würde an deiner Stelle einen Kinder- und Jugendpsychiater aufsuchen der auf Autismusspektrumstörungen spezialisiert ist und das anschauen lassen, desweiteren wäre es nicht verkehrt, wenn er vielleicht zusätzlich eine Betreuung hätte.

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Woher kannst du ausschließen, dass nicht vielleicht doch etwas passiert ist saß er dir nicht erzählt?

Vielleicht ist es ratsam ihm die Möglichkeit zu bieten sich einer 'neutralen' Person anzuvertrauen.

Ihm geht es so bestimmt auch nicht unbedingt gut.

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Vielen Dank für die Rückmeldungen. Also normale Stimmungsschwankungen waren bisher bei ihm weder so lang noch haben sie sich auf die Autismussymptome ausgewirkt. Seine Autismustherapeutin habe ich natürlich schon gesprochen und sie sagte, es könnte bei Entwicklungsschüben oder in der Pubertät vorkommen, dass sich die Symptome auch dauerhaft verändern. Aber ich habe das noch nie vorher gehört oder gelesen und wollte einfach mal hier nachhören, ob das noch jemand kennt, was da die vermutliche Ursache war und ob irgendwas geholfen hat. Eine Depression hoffe ich sehr hat er nicht. Damit kenne ich mich als Betroffene etwas aus und die kommen ja eher nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigen sich schon lange vorher an. Aber sicherlich kann ich nicht in ihn hereinschauen, allerdings kann er trotz seines Asbergers und seiner erst 7 Jahre sehr genau seine eigenen Bedürfnisse und Gefühlslagen äussern (wennn es nicht gerade um Kälte-,Wärme-, oder Hungerempfinden geht).

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Kommentar von DeliriumTremens
09.08.2016, 21:03

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