Aschermittwoch und Fasten, das "unter schwerer Sünde verpflichtet"?

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4 Antworten

Naja, der Pfarrer hielt es offensichtlich nicht für übertrieben, unangebracht, pastoral unklug, unreflektiert und geistlich engstirnig (wie auch immer man persönlich darüber urteilen mag), bei der Erinnerung an das Abstinenz- und Fastengebot mit dem Begriff der "schweren Sünde" einen gewissen Nachdruck zu verleihen.

Man kann jetzt natürlich über die dahinterstehenden Gründe oder Denkweisen mutmaßen. Mal abgesehen von der Person des Pfarrers, die hier nicht zur Debatte steht (das wäre unfair), vermute ich eine gewisse Hilflosigkeit hinter solchen Äußerungen.

Ob die Aussage ihrem Inhalt nach übertrieben oder unangebracht ist, ist mir relativ egal. Darüber steht mir als Mensch nämlich kein sicheres Urteil zu. Ich halte sie aber - wie oben erwähnt - für pastoral unklug, unreflektiert und geistlich engstirnig.

Ja, es gibt diese kirchlichen Gebote. Das Fastengebot gehört auch dazu. Im Prinzip beschränkt es sich aber nicht bloß auf das Fasten. Vielmehr verpflichtet sich die Kirche selbst, wegen der Schwäche ihrer menschlichen Verfassung Buße zu tun. Deshalb sind ihre Glieder in die Pflicht genommen, sich immer wieder gemäß der Heiligkeit ihrer sakramentalen Mittel, ihres Ursprungs und ihres Hauptes (Christus selbst) auf Gott hin auszurichten. Dass an Aschermittwoch und Karfreitag Abstinenz gehalten und gefastet werden soll, ist ebenso wie die Festlegung, dass alle Tage der österlichen Vorbereitungszeit und alle Freitage im Jahr Bußtage der ganzen Kirche sind, eine praktische Manifestation dieser kirchlichen Bußpflicht.

Damit wird schon völlig klar, dass diese Gebote, die die Kirche nicht aus sich selbst heraus, sondern aus dem ius divinum ableitet, im luftleeren Raum stehen, wenn sie vom Wesen der Kirche selbst getrennt betrachtet werden. Dann ist verständlich, dass sie von außen betrachtet bloße Selbstgeißelungsübungen darstellen. Die (kirchenrechtlich gebotene und bewährte) Tradition, an bestimmten Tagen zu fasten oder Abstinenz zu halten beruht auf dem Verhältnis der Kirche zu den Österlichen Heilsmysterien (Leiden, Tod, Auferstehung Christi) - ebenso wie das Gebot, den Sonntag als frohen Feiertag zu halten. Wenn dieses Verhältnis die ganze Kirche betrifft, dann betrifft es auch jeden ihrer Glieder, also alle Gläubigen ganz persönlich.

Jetzt kommt der Pfarrer ins Spiel. Zum Glück ist ein Priester erstmal - durch seine Weihe bevollmächtigt - ausführendes Organ, Werkzeug des sakramentalen Lebens der Kirche in Stellvertretung Christi, egal was er an geistlichen Hochgenüssen manchmal rauszuhauen vermag. Aber, gerade die Pfarrer sind auch explizit zum Hirtendienst bestellt und das heißt - über ihre Funktion als Sakramentenspender hinaus: Seelsorge und Katechese. Das beinhaltet aber die hohe Kunst, sich mit den übrigen Gläubigen auf den Weg zu machen, um immer tiefer in den eigenen Glauben einzudringen. Dazu gehört auch Reflexion. Der Pfarrer scheint es in diesem Fall nicht zu schaffen, deutlich zu machen, was für einen Sinn diese Gebote haben, was sie bedeuten, in welchem Zusammenhang sie betrachtet werden müssen und vor allem, was sie im persönlichen geistlichen Leben der Gläubigen für eine Rolle spielen können. Das meinte ich mit Hilflosigkeit, denn ihm ist hier etwas offenbar sehr wichtig, was ein Ausdruck des Glaubens selbst ist, aber er schafft es nicht, die ihm anvertrauten Gläubigen dort abzuholen, wo sie persönlich stehen und mit der ganzen Kirche auf den Weg mitzunehmen. Also bleibt ihm nur, sein Anliegen zu betonen, indem er Pfeffer gibt. Das ist m.E. pastoral unklug.

Warum die Aussage unreflektiert ist, zeigt ein Gedanke der Fragestellung sehr deutlich. Der Pfarrer hat mit seiner Aussage nicht mit Hölle gedroht. Das steht nämlich keinem Menschen zu und sollte sich ein Glied der Kirche - egal ob Laie oder Kleriker - dazu hinreißen lassen, wäre das Privatmeinung und gefährlich vermessen. Vielmehr ist es so: Wir hören den Begriff "schwere Sünde" und verbinden damit den Begriff "Hölle". Ich finde das fürchterlich. Beide Begriffe sind stets theologisch reflexionspflichtig - was nicht bedeutet, ihre Wirklichkeit zu leugnen. In jedem Fall dringen durch solche Aussagen wie die des Pfarrers schwarz-weiß-malerische kategorial-kasuistische Denkweisen in das Leben der Kirche ein, die sie eigentlich überwunden hat. 

Geistlich engstirnig ist die Aussage wegen ihrer Fokussierung auf Sünde und Schuld. Ich persönlich halte die Fastenregelungen für gut und sinnvoll, weil ich meine, sie in ihrem Zusammenhang betrachten zu können und geistlichen Nutzen aus ihnen zu ziehen. Sie verbürgen auch für ein Minimum an gottesdienstlicher Praxis, die dem Leben der Kirche entspricht. Außerdem steht Fasten niemals für sich selbst. Ohne Gottesdienst und Nächstenliebe hängt es im luftleeren Raum und wird zur Diät. Verzicht soll aber gemeinsam mit Gebet und Nächstenliebe eine Neuausrichtung auf Gott und den Mitmenschen hin ermöglichen, also den eigenen, schädlichen Egosimus überwinden. Das ist das Wesen christlicher Buße. Möchte ich also andere Gläubigen daran erinnern, dann muss ich ihnen etwas bieten, an dem sie "wachsen" können. Sünde aber lässt "schrumpfen". Ich denke beim Fasten nicht primär an Sünde, Schuld und Hölle, sondern an Liebe, Erlösung und Christus - und das hilft mir, meine eigenen Fehler und Sünden Gott überhaupt erstmal hinzuhalten, der mir dann (hoffentlich) hilft, sie zu überwinden. Hätte der Pfarrer seine Gemeinde da abgeholt, wäre der heutige Aschermittwoch vielleicht für einige ein umso schönerer Tag. :)    

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Ich glaube, dass würde Jesus auch so sehen. Heilte er nicht am Sabbat, obwohl es verboten war? Aß er nicht von den Früchten des Feldes, weil ihn hungerte, obwohl es Sabbat und verboten war? Wichtig ist die Liebe zu Gott und den Menschen und den anderen Lebewesen.

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Vermutlich wollte der Pfarrer sagen, beim Fasten am Aschermittwoch handelt sich um ein ernstes Gebot, und es steht nicht im Belieben jedes Katholiken, ob er sich daran halten will.

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du kommst desshalb nicht in die Hölle. das sagt auch nicht die Kirche.

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