Arztrechnung in immenser Höhe im nachhinein gestelllt, Zahlungsplicht ja/nein?

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5 Antworten

Ich arbeite bei einer privaten KV. Rechnungen über 10.000 EUR für einen so langen Zeitraum sind sicher gerechtfertigt. Anhand der Rechnung könnt ihr überprüfen, ob alle abgerechneten Positionen auch tatsächlich erfolgt sind. Wenn ihr euch da unsicher seid, ob die Berechnung richtig ist, bitte Akte vom Arzt anfordern und der Ärztekammer vorlegen. Ist dein Vater nicht krankenversichert? Natürlich kann er, wenn er gesetzlich versichert ist, auch einen Arzt wählen, welcher keine Kassenzulassung hat. Dann kann der Arzt gem. GOÄ mit deinem Vater abrechnen, er ist jedoch auch verpflichtet, die Kosten dann zu tragen, auch wenn kein Kostenvoranschlag ausgestellt wurde. Meist wird in diesen Fällen jedoch ein Behandlungsvertrag geschlossen, dass auch der Arzt sicher sein kann, sein Geld zu bekommen.

alexdacowboy 04.02.2015, 22:27

Danke deine Antwort hat uns wirklich geholfen auch wenn sie meinen Vater nicht wirklich erfreut hat da er meint ganz am Anfang vor der ersten Behandlung irgendwas unterschrieben zu haben.

Also wenn so ein Vertrag abgeschlossen wurde (in dem eigentlich was genau festgehalten sein muss??) dann müssen keine Kostenvoranschläge gestellt werden ?

Ist das nicht irgendwie komisch, ich meine man kann doch nicht 1 Jahr im Vorraus sagen wie lange die Behandlung dauern wird

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Sneeziee 05.08.2015, 16:26
@alexdacowboy

Sorry für die späte Antwort, ist der Fall noch akut?

Es handelt sich dabei um einen Behandlungsvertrag. Darin wird festgehalten, dass es sich bei dem Arzt um einen "Privatarzt" handelt und er deinen Vater darauf hinweist, dass eine Erstattung durch die Krankenkasse möglicherweise nicht stattfindet. Mit der Unterschrift erklärt sich dein Vater einverstanden diese Kosten dann trotzdem zu übernehmen.

Wie du richtig sagst, kann man keinen KVA (Kostenvoranschlag) für einen ganzes Jahr erstellen, wenn es keine gesicherte Diagnose gibt. Da weiß weder der Arzt noch der Patient, wohin die Reise geht. KVA werden nur für Kieferorthopädie gestellt (die Behandlung dauert hier auch lange, mehrere Jahre, aber man kann abschätzen, wie die Behandlung verläuft) oder bei Krebspatienten gibt es einen Behandlungsplan.

Ich hoffe, ihr konntet euch in der Zwischenzeit gütlich einigen.

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Ob die Forderungen berechtigt sind kann niemand beurteilen der die Rechnungen nicht sieht. In Deutschland (oder von wo aus fragst Du überhaupt?) gibt es die Gebührenordnung für Ärzte:

http://www.e-bis.de/goae/defaultFrame.htm

Wenn alle Rechnungen diejenigen Ziffern der GoÄ enthalten nach denen abgerechnet wurde, kann man doch ohne weiteres nachvollziehen, ob die Rechnungen zutreffend erstellt wurden.

Das mit den "Kostenvoranschlägen" ist bei einer Behandlung die nicht im voraus konkret in ihrem Umfang abschätzbar ist, ohnehin nicht machbar.

Ich selber bin privat versichert und habe durchaus Erfahrung mit entsprechenden Arztrechnungen. Bei einer Behandlung die über 1 Jahr andauert und mit regelmäßigen Arztbesuchen verbunden ist, erscheint mir die Summe von 10.000 Euro keineswegs ungewöhnlich.

Was ich an diesem Fall aber absolut nicht nachvollziehen kann ist, wieso Dein Vater keine Krankenversicherung hat die für die Kosten aufkommt. In Deutschland gibt es doch Krankenversicherungspflicht. Wer bei einer gesetzlichen Krankenkasse ist, braucht sich über Kosten ohnehin keine Gedanken zu machen und wer Privatpatient ist, reicht die Rechnungen bei seiner KV ein. Woran lag es also, dass Dein Vater in diese Situation gekommen ist?

alexdacowboy 04.02.2015, 22:22

Ja das Problem ist die Krankenkasse übernimmt die Rechnungen nicht weil die Ärztin von einer privaten Praxis aus behandelt die keine Kassenzulassung hat.

Die Ärztin habe zwar eine aber nicht mit dieser Praxis, so habe man es ihm erklärt. Danke für deinen Rat :)

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dein Vater hätte in der Gebürenordnung nachlesen können wie viel seine Behandlung kosten könnte und er hätte sich auch bei der Krankenkasse informieren können was er dafür etwa bezahlen muss. Einfach so hinzugehen ohne etwas zu wissen finde ich blauäugig und nicht nach vollziehbar. Ebenso erscheint mir eine Rechnung über € 10.000.- für 1 Jahr Privatbehandlung nicht zu viel. Ich bin ebenfalls Privatpatient und kenne die Tarife. Wenn ihr euch unsicher seid bleibt euch nur ein Gespräch mit der Ärztin und einem evtl. freiwilligen Entgegenkommen oder der Weg zum Anwalt. Und als Tipp fürs nächste Mal, man kauft keine Katze im Sack....

Ein Anwalt wird da sicher helfen können.

Grundlegende Frage ist erst einmal, ob Dein Vater überhaupt einen Behandlungsvertrag unterschrieben hat.

Wenn nein: dann hat die Ärztin extrem schlechte Karten. Wenn ja: dann muss geprüft werden, was genau in dem Vertrag stand.

beamer05 04.02.2015, 23:16
ob Dein Vater überhaupt einen Behandlungsvertrag unterschrieben hat.

Man kann gültige Verträge - auch Behandlungsverträge durchaus konkludent und mündlich schließen.

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Goofy62 05.02.2015, 20:02
@beamer05

Ja, ja. Hätte, könnte, sollte, täterätete. Das Problem wird bei mündlich geschlossenen Verträgen aber immer die Nachweisbarkeit des tatsächlichen Vertragsinhalts sein. Selbst wenn Arzthelferin Jasmin mit treuherzigem Augenaufschlag als Zeugin auftritt: das zersägt der Gegenanwalt in Minuten. Als erstes wird sie gefragt, wie sie sich so sicher sein könne, bei 30 Patienten täglich sich an jede Einzelheit jedes Patientengesprächs vor Monaten bzw. Jahren erinnern zu können.

Nee, dat wird nix.

Die Justiziare sämtlicher Ärzteverbände schreiben in ihren Veröffentlichungen an die Kollegen immer wieder: "Wenn Sie keinen schriftlichen Verhandlungsvertrag vorweisen können: vergessen Sie Ihren Anspruch. Sie haben so gut wie keine Chance."

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Dein Gang zu Anwalt ist der erster richtige und dringend notwendige Schritt.

Es ist offensichtlich nicht alles richtig gelaufen.

wurzlsepp668 04.02.2015, 10:16

der Anwalt kostet Geld. und mit ziemlicher Sicherheit wird der feststellen, dass die Rechnungen der Ärztin korrekt sind.

und dann?

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