Aristoteles Unterscheidung zwischen habituellem und aktuellem Wissen?

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2 Antworten

Ein genauerer Zusammenhang oder Bezug auf en Werk ist für eine Klärung günstig.

Habituell ist auf das griechische Wort ἕξις (hexis) bezogen, das „Halten“, Besitz“, „Haltung“, „Beschaffenheit“, „Zustand“; Verhalten“, „Lebensweise“; Fähigkeit“, „Geschicklichkeit“ bedeutet. Habitus („äußerer Erscheinung“, „Haltung“, „Stellung“, „Zustand“) ist eine lateinische Wiedergabe für ἕξις, wobei das Wort im philosophischen Zusammenhang eine erworbene Eigentümlichkeit/individuelle persönliche Eigenschaft bezeichnet.

Aktuell bedeutet etwas, das aktualisiert wird, das heißt aktiv/tätig ist (lateinisch *actus“ ist die Übersetzung von griechisch ἐνέργεια: Ins-Werk-Setzen, Wirksamkeit, Tätigkeit, Wirklichkeitsvollendung [einer Möglichkeit]).

Mit habituellem Wissen kann ein Wissen gemeint sein, das gefestigt ist. Aristoteles hält Wissen/Wissenschaft/Wissenschaftlichkeit für eine auf Beweise gestützte Grundhaltung/ein mit Beweisen vorgehendes Verhalten (ἡ μὲν ἄρα ἐπιστήμη ἐστὶν ἕξις ἀποδεικτική Aristoteles, Nikomachische Ethik 6, 3, 1139 b).

Aktuelles Wissen kann eine Anwendung des habituellen Wissens auf eine gegenwärtig untersuchte Frage sein. Gefestigtes Wissen kann die Grundlage sein, um bei einer Untersuchung zu Erkenntnissen zu kommen. Wenn jemand nur die Antwort kennt. Aber nicht versteht, warum dies so ist, ähnelt das Wissen eher einer richtigen Meinung.

Habitus/ἕξις spielt vor allem in der praktischen Philosophie eine Rolle. Die Charaktertugenden versteht Aristoteles als bestimmte feste innere Haltungen/Einstellungen. Die richtige Ausrichtung wird durch Gewöhnung gefördert. Gerecht wird, wer gerecht handelt (vgl. insgesamt Aristoteles, Nikomachische Ethik 2, 3, 1103 a – b).

Praktische Klugheit (φρόνησις) ist dabei wichtig, weil sie hilft, den richtigen Weg zu finden. Sie verbindet ein Wissen um Allgemeines und Erfahrung/Geschicklichkeit/Sachkunde im Einzelfall (Aristoteles, Nikomachische Ethik 6, 5, 1141 b – 6, 13, 1145a).

Das allgemeine Wissen kann im Handeln nicht aktualisiert werden, wenn im konkreten Einzelfall Kenntnis/richtige Beurteilung/Einschätzung fehlt, unter welches Allgemein etwas fällt. Der von Aristoteles dargestellte praktische Syllogismus besteht aus 2 Prämissen, einem allgemeinen Obersatz und einem partikularen Untersatz. Sowie einer Konklusion (Folgerung). Wenn beim partikulare Untersatz kein richtiges Urteil vorliegt, kann die richte Anwendung von Wissen dabei nicht erfolgen (Aristoteles, Nikomachische Ethik 6, 5, 1146 b – 1147 b). Wissen über allgemeines günstiges Ernährungsverhalten kann nicht richtig umgesetzt werden, wenn in einem Fall eine Speise nicht richtig zugeordnet werden kann.

Friedemann Buddensiek, hexis. In: Wörterbuch der antiken Philosophie. Herausgegeben von Christoph Horn und Christof Rapp. Original-Ausgabe. München : Beck, 2002 (Beck'sche Reihe ; 1483), S. 189 – 190 gibt an:

hexis ist bei Aristoteles ferner jene Disposition (-> diathesis), der gemäß der Disponierte für sich oder bezogen auf andere gut oder schlecht disponiert ist (Metaphysik 5 [Δ] 20). In diesem Sinn ist hexis in der Ethik das, demgemäß wir uns in Bezug auf die Affekte (-> pathos) gut oder schlecht verhalten. Gut werden wir nur, wenn wir das richtige Maß (die Mitte; -> mesotes) treffen, im andern Fall schlecht (Nikomachische Ethik ii; 4, 1105 b 25 – 28). Hexis ist Bestandteil der Definition der ethischen -> arete (II 4, 1106 a 10 – 13. II 6, 1106 b 30). Sie wird durch wiederholten gleichartigen Umgang mit Affekten erworben. Dadurch unterscheidet sie sich vom Vermögen (dynameis), die auch ohne solches Tun vorhanden sein können (II 1. II 2, 1104 a 11 – b3. II 4, 1106 a 9f.)

Hmm, wo ist Ihnen denn diese Unterscheidung begegnet? (Kenne sie einfach noch nicht).

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