Aristokratie statt Demokratie?

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7 Antworten

Woran du denkst, ist ein Ideal, dass schon die Philosophen des antiken Griechenlands anstrebten. Ihrer Meinung nach sollte ein Kreis aus ihnen herrschen, da sie die Gebildetsten seien. Doch bei einem solchen System gibt es einige Probleme:

1. Wie wird entschieden, wer zu diesem Regierungskreis gehören soll? Würde es dieser Zirkel selbst bestimmen, wäre er nicht zu kontrollieren. Würde sich ein eigens dafür geschaffenes Gremium darum kümmern, stelle sich die gleiche Frage für eben jenes Gremium.

2. Wer sollte den Gelehrtenkreis kontrollieren? Das ganze Volk? Dann hätte man ja wieder eine Art der Demokratie, nur, dass die Regierung nur vom Volk kontrolliert würde und nicht auch gewählt. Ein anderes Gremium würde auch wieder genau die gleiche Frage aufwerfen.

3. Schon Platon (könnte auch ein anderer gr.Philosoph gewesen sein) war der Meinung, dass sowohl die Demokratie als auch die Aristokratie früher oder später in eine Monarchie verwandeln würden. Beispiele aus der Geschichte belegen genau das. Rom, Napoleon, Hitler und zZ Polen, Türkei und Syrien - ohne nachzudenken fallen mir sechs Beispiele ein, bei denen das System teils sehr lange (Rom) und teils auch nur wenige Jahre (Napoleon, Hitler) gehalten hat.

4. Auch moralisch betrachtet ist die Aristokratie in meinen Augen kritisch zu betrachten. Sollte eine kleine Gruppe wirklich über ein ganzes Volk bestimmen dürfen? In meinen Augen nicht. Ein Mittelweg wäre ofc, dass das Volk einen gewissen Grad an Mitbestimmung (zB die Wahl des Gelehrtenrates) bekäme. Doch dann hätte man wieder ein sehr demokratisches Prinzip.

Die ideale Verfassung - es gibt sie einfach nicht. Die Demokratie kann durch viele "Dumme" leicht ins Üble kippen (im konkreten könnte man hier über die AfD sprechen), besonders die Aristokratie kann leicht in die Monarchie kippen (früher oder später wird ein besonders mächtiger aus einem Gelehrten-/Adligenkreis alle Macht an sich reißen können) und eben jene kann leicht zur gewaltsamen Tyrannei werden.

Wie auch bei so ziemlich allen anderen ethischen Fragen ist ein Mittelweg wohl das beste. Hier in DE haben wir im Prinzip auch eine Mischung aus Demokratie (mit Abstand das Hauptelement) und einem Touch Aristokratie: Das Volk wählt hier das Parlament, welches man als solchen "Gelehrten-" kreis bezeichnen könnte. Klar, eine "reine" (direkte) Demokratie wird man kaum finden (da sie mMn nach auch nicht sinnvoll wär), aber genau genommen leben die meisten Staaten in einer Mischform.

Die US-amerikanische Verfassung hat da mal ein "Experte" im Fernsehen als Musterbeispiel bezeichnet: Sie vereint die Demokratie (Wahlen, Hauptelement) mit der Aristokratie (Parlament) und der Monarchie (viel Macht in der Hand des Präsidenten). Zu viel von Aristokratie oder Monarchie kann aber auch besonders leicht ins Üble kippen. Wer sie die Weimarer Verfassung genauer anschaut, wird merken, was ich meine. Sie hatte etwas zu viel von der Monarchie, was Hitler voll in die Arme gespielt hat.

*Thumbs up* an alle, die bis hier mit dem Lesen durchgehalten haben. ;)

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Kommentar von painofpunisher
14.04.2016, 19:58

Danke für deine aufschlussreiche Antwort. Ich habe mir im Bezug zu deiner Aussage der vereinten Staatsformen schon öfters Gedanken gemacht. 

Aber durch deine Aussage kam mir der Gedanke einer Monarchie als oberste judikative(+/legislative?)Staatsgewalt, gefolgt von den unabhängig des Monarchen, ein Kreis des Aristokraten der primären legislativen Gewalt und die Exekutive, welche durch eine Hierarchie geführt wird. 

Man müsse aber so viel variieren damit "das perfekte" entsteht.

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Wäre eine ausgefeilte Aristokratie nicht viel besser als eine von der Propaganda beeinflussten Demokratie?


"Ausgefeilte"  -  das hört sich gefährlich schmerzhaft an.  :-))  Wer wollte oder sollte denn an einer solchen "Aristokratie" herumfeilen? Im Grunde ist doch unsere repräsentative Demokratie genau das, was nach dem Vorschlag des Fragestellers herauskommen würde: es werden durch innerparteiliche und Wahlen des Volkes Personen aus der Masse der Menschen "herausgeschält", die für geeignet gehalten werden, politisch im Sinne des Gemeinwohls tätig zu sein.

Was nun eine angeblich "von der Propaganda beeinflusste Demokratie" angeht: solche pauschalen Aussagen selbst sind reinste Propaganda! Menschen, auch eine sog. "Aristokratie", sind immer irgendwie beeinflussbar. Ich z. B. habe mich von der Lektüre unserer Verfassung, des Grundgesetzes, und des Grundrechtekatalogs so sehr "propagandistisch beeinflussen" lassen, dass bin von der Richtigkeit der Ideen unveräußerlicher Menschenrechte, einer repräsentativen, sozialen, rechtsstaatlichen Demokratie sehr überzeugt bin!   :-)

In meinen Augen ist ein Großteil der Bevölkerung nicht Wahlberechtigt. Das beziehe ich vor allem auf die Intelligenz einiger Personen.


"Wahlberechtigt" in Deutschland ist jeder mündige Bürger und z. T. unmündige Kinder ab 16 Jahren. Das zentrale Problem beim Wahlrecht und von Demokratie ist weniger "die Intelligenz" von Menschen, weil diese ohnehin nur schwer bestimmbar oder messbar ist, sondern die präzise Definition von "Mündigkeit" und der Zeitpunkt bzw. die Möglichkeit ihrer Erreichbarkeit im Einzelfalle!

MfG

Arnold






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Kommentar von painofpunisher
14.04.2016, 18:34

wow. So eine Antwort hätte ich nicht erwartet (im positiven Sinne).
Mit der Propaganda: Ja beim Verfassen ist mir es auch selbst aufgefallen, dass dies ja auch darunter fällt. 

Aber zu deiner Aussage im Bezug zur Mündigkeit kann ich nur unterstreichen. Vielleicht wäre es besser die Stimme beim Wahlrecht, bis zu einem Lebensjahr wo man der Masse die Mündigkeit zutrauen kann, nicht vollwertig zu zählen.

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Die Herdschaftsform von der du sprichst, also die Herrschaft der fähigsten, würde ich eher als Technokratie bezeichnen. Aristokratie basiert auf dem Erbrecht und ist als Herrschaftsform vollkommen überholt.

Theoretisch halte ich eine Technokratie für durchaus wünschenswert, einiger Unfug bliebe uns so erspart. Aber praktisch ist sie fürchte ich nicht umsetzbar. Auch Technokraten wären nicht vor Korruption gefeilt und wer würde sie kontrollieren wenn das Volk aus Regulativ entfällt? Andere Technokraten? Für diese gilt dasselbe. Auch intelligente Menschen können gierig, durchtrieben und boshaft sein...

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Kommentar von Diimiitrii
23.03.2017, 14:44

Aristokratie ist per Definition die Herrschaft der Besten und Befähigsten. 

Zu der Zeit als es noch Adel gab, dachte man, dass das der Adel ist und der war es auch, weil der Adel diejenigen waren die die beste Bildung erlangen konnten.

Heutzutage würde eine Aristokratie nicht durch den Adel sondern durch Wissenschaftler gelenkt werden.

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In meinen Augen ist ein Großteil der Bevölkerung nicht Wahlberechtigt.

Deine Meinung ist in diesem Fall irrelevant.

Nein, kein Mensch benötigt heute noch eine Aristokratie. Besser können die es ganz sicher auch nicht machen.

http://www.mopo.de/adel-verpflichtet--die-peinlichsten-skandale-der-adelshaeuser-18757780

http://www.planet-wissen.de/geschichte/adel/das_britische_koenigshaus/index.html

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Kommentar von painofpunisher
14.04.2016, 17:40

Ich meinte das eher im Sinne der Herrschaft der Klügsten und Gebildetsten.... Und das ohne jemandem das in die Wiege zu legen wird das nach einer Amtszeit neu bestimmt - somit hat Blut kein Einfluss. 

Wie Aristoteles schon verglich ist der Monarch der Vater und die Bevölkerung seine Söhne. Bei einer Aristokratie ist man halt mehrfach abgesichert.

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Eine reaktionäre Ansicht, die du da hast. So-so, du willst also dem Adel verbriefte Sonderrechte einräumen, das Volk unter dessen Knute bringen - Gute Nacht, kann ich da nur sagen.

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Kommentar von painofpunisher
17.04.2016, 19:32

Wieso denn dem Adel? Nein. Gemeint sind die klügsten und fähigsten ein Land ordnungsgemäß anzuführen. Ich glaube nicht, dass sich immer jeder an allem bereichern will. 

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Kaiser Nero fällt mir spontan ein. Gute Idee.

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ach, das kommt einfach drauf an, würde ich sagen. Man kann Pech haben und deinem König steht die Krone nicht. Was macht man dann, frage ich, was macht man dann nur. 

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Kommentar von painofpunisher
14.04.2016, 17:47

Man sorgt mittels geeignetem Auswahlverfahren und Mindestanforderungen dafür, dass nur die Richtigen die Möglichkeit bekommen ein Staates Aristokrat zu werden. Da es mehrere "Regierende" wären, welche in einer unabhängigen Beziehung stünden, gäbe es in der Tat genügend Sicherheiten.

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