Argumente für die Pseudonymität in Sozialen Netzwerken?

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1 Antwort

Ein Argument für die Anonymität ist die Gefahr bei politischen Äußerungen in sozialen Netzwerken zur Zielscheibe von Rechtsextremen zu werden, die dann gezielt ihre Opfer anhand ihrer Adresse ausfindig machen können um diese Leute zu terrorisieren. Rechtsextreme könnten so ihre eigene Propaganda ungehindert verbreiten, während Vertreter der Gegenpositionen offen oder per Mail evtl. sogar mit Telefonanrufen bedroht werden.

Hin und wieder kommt es sogar vor, dass Arbeitgeber und/oder Kollegen der betreffenden Person ausfindig gemacht wird und ebenfalls mit hineingezogen wird.

Ein besonders trauriges Beispiel kam von den sich sehr engagiert gebenden Netzfrauen gegen einen Blogger, der eine Gegendarstellung zu einem ihrer reißenden Artikel verfasst hat, in dem er eine andere Haltung vertrat:

"Phase 3, 07.04.2015: Frau Schreier ruft mich an. An der Stelle muss ich zunächst einmal das mit dem Anruf beim Arbeitgeber klären: Ja, sie hat bei mir auf Arbeit angerufen. Daran war ich aber selbst schuld, weil ich meine dienstliche Nummer hier im Impressum angegeben hatte. Das hatte den Hintergrund, dass ich einmal die Empfehlung gelesen hatte, man solle im Impressum eine Telefonnummer angeben, unter der man tagsüber schnell erreichbar ist. Ansonsten könnte ein Anwalt später sagen, er hätte bei der Klärung eines Problems den Bloginhaber nie erreicht. Keine Ahnung, ob das stimmt, jedenfalls war das der Anlass. Da ich viele Jahre Handyverweigerer war und auch heute mein Smartphone auf der Arbeit nicht ständig mit herumtrage, hielt ich das für die beste Lösung. An die Möglichkeit, dass ich gerade im Urlaub sein könnte, wenn doch erstmalig so etwas passiert, hatte ich nie gedacht.

Aber zumindest hätte Frau Schreier meinem Kollegen nicht diesen endlosen, erbitterten und vor allem völlig sinnlosen Vortrag halten müssen (der später übrigens nicht die von ihr beschriebenen schlimmen Konsequenzen, sondern nur ein mitleidiges Lächeln für mich zur Folge hatte).

Abends ruft sie mich jedenfalls wieder an, diesmal auf dem Handy, da ich inzwischen den Hinweis bekommen und mein Impressum geändert habe. Fast 24 Minuten redet „Doro“ Schreier auf mich ein. Wichtigste Info für mich: Der Anwalt ist eingeschaltet, die Klageschrift wegen Rufschädigung (oder so ähnlich) schon aufgesetzt. Ich lerne nach mehrfacher Wiederholung, dass die Netzfrauen Mütter sind … „wir sind Mütter, Mütter!“ … und dass man mit Müttern so auf keinen Fall umgehen kann. Da ich gerade im Urlaub bin und keine Lust habe, ihn mir mit Gedanken über Gerichtsverhandlungen zu verderben, stelle ich den Artikel erst einmal offline. Sehr zufrieden bin ich damit nicht, denn eigentlich fand ich den Artikel gar nicht so verkehrt, aber ich sage mir: Was soll’s, da habe ich so etwas auch mal erlebt, vergiss es einfach. Es gibt wichtigeres.

http://www.frankshalbwissen.de/2015/04/27/die-netzfrauen-und-der-streisand-effekt/

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