Archäologe/gin werden?

6 Antworten

Der Tagesablauf eines Archäologen ist davon abhängig, in welchem Tätigkeitsbereich er nach seinem Studium unterkommt. Dazu erlaube ich mir, mich selbst zu zitieren.

"Wie der Alltag eines (im Fach tätigen ;) ) Archäologen aussieht, ist stark davon abhängig, wo er arbeitet und in welcher Funktion. Das kann man hier natürlich nur stark verallgemeinert und verkürzt wiedergeben.

---

Jemand mit einer klassischen universitären Laufbahn verbringt seine Zeit mit der Vorbereitung von Seminaren und Vorlesungen, einem Schwung Bürokratie und zu einem kleineren Teil mit der Vorbereitung undDurchführung von Projekten, sei es nun in praktischer oder theoretischerForschung. Es kann natürlich anders aussehen, wenn man eine spezielle Position an der Uni bekleidet, beispielsweise als Grabungstechniker oder als Betreuer für ein spezielles Projekt.

---

Ein Archäologe in einer Behörde (Stadt- oder Kreisarchäologie, Landesamt für Denkmalpflege) kümmert sich um Anträge (Grabungserlaubnis), stellt Bescheide aus, sorgt für die ordnungsgemäße Durchführung von Grabungen, kontrolliert Grabungsberichte. Dazu kommthäufig auch Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Pressearbeit,...). In einigen Gebieten schaffen es diese Archäologen, auch selbst Grabungendurchzuführen, das wird jedoch immer mehr zur Ausnahme, weil die Verwaltung der immer zahlreicheren Grabungen immer mehr Zeit beansprucht.

---

In einer Grabungsfirma ist die Tätigkeit stark von der Position innerhalb der Firma abhängig.

Als einfacher Mitarbeiter gräbt man, wäscht Funde, arbeitet je nach Qualifikation an der Dokumentation mit, vermisst, zeichnet, photographiert. In größeren Grabungsfirmen gibt es häufig Spezialisten für einzelne Teilgebiete.

Der Grabungsleiter kümmert sich um die Abläufe auf der Grabung, sowohl organisatorisch als auch wissenschaftlich. Er ist meist die Schnittstelle zwischen Auftraggeber, Behörden und Grabungsteam. Ob er dazu kommt, selbst mitzugraben, ist von der Organisation der Firma und der Grabung abhängig. Er kümmert sich um die Dokumentation und verfasst im Anschluss den Grabungsbericht. Er ist derjenige, der nach der Grabung am Schreibtisch sitzt und unter Umständen recherchiert. Zwischen Leitung und Mitarbeiter gibt es diverse Hierarchiemodelle.

Der Inhaber einer Grabungsfirma kann selbst eine Grabung betreuen oder sich schwerpunktmäßig darum kümmern, die Firma am Laufen zu halten.

---

Archäologen in Museen kümmern sich um die Präsentation von Funden und Befunden, sie verwalten die Sammlung des Museums, konzipieren Ausstellungen, leisten Öffentlichkeitsarbeit. Auch hier gibt es Spezialisierungen.

---

Ich für meinen Teil bin Freiberuflerin und als solche wissenschaftliche Dienstleisterin.

Ich habe keine Firma, sondern arbeite allein. Ich führe Prospektionen und kleinere Grabungen durch, betreue Bauprojekte im Bereich von Bodendenkmälern. Alle Funktionen einer Grabungsfirma liegen bei mir, mit Ausnahme der Betreuung von Mitarbeitern, weil ich keine habe (oder zumindest nur für bestimmte Projekte). Nach der Grabung geht es an die Berichterstellung. Außerdem mache ich anthropologische Auswertungen für Grabungen, die andere Firmen durchgeführt haben. Ich erarbeite Ausstellungen, biete gelegentlich Kurse an der Volkshochschule an, halte Vorträge. Ehrenamtlich kümmere ich mich um den lokalen Archäologieverein. Dazu kommen diverse Publikationsprojekte (die in der Regel im Fach nicht bezahlt werden) und noch diverses andere.

Was man als Freiberufler macht, ist aber stark von der eigenen Qualifikation abhängig (an vielen Unis lernt man wenig, was man hinterher in der Praxis brauchen kann), aber auch von der Auftragslage. Ich sitze beispielsweise seit einigen Jahren mehr am Schreibtisch als auf Grabungen, weil ich einige größere Aufträge an Land gezogen habe. Draußen bin ich derzeit nur für Stammkunden oder Projekte, die mich reizen.

---

Die meisten Stellen gibt es sicherlich bei Grabungsfirmen, das sind aber auch die Stellen, die jämmerlich bezahlt sind. Man kann nicht selbst über seine Projekte entscheiden, ist im Zweifelsfall bei Wind und Wetter draußen, die körperliche Arbeit ist nicht ohne. In den übrigen Bereichen ist die Zahl der pro Jahr freiwerdenden Stellen sehr überschaubar, wobei auf jede freie Stelle Heerscharen von Bewerbern kommen."

----------

Das sollte dann auch die Frage nach der Kleidung erledigen.

Persönlich habe ich die Kolleginnen, die in brütender Hitze ohne Schatten in kurzen Hosen und Spaghetti-Träger-Shirts graben, nie verstanden. Nach ein paar Jahren sehen die ausnahmslos aus wie gegerbtes Sattelleder. Die Haut leidet darunter enorm. Ich habe mich auch nie gern mit bloßen Knien hingekniet.

Wer tatsächlich gräbt, strapaziert langfristig seinen Körper meist mindestens so sehr wie ein Fließenleger, eher intensiver, schon allein weil man bei Hitze wie Kälte draußen ist. Du schleppst häufiger schweres Gewicht, seien es nun die Eimer mit Abraum oder volle Fundkisten oder du schiebst schwere Schubkarren durch die Gegend. Während des Grabens kniest du viel, stützt du dich ab, geht das auf die Handgelenke. Der Rücken wird sowieso strapaziert, ebenso Schultern und Nacken. Ich kenne mehrere Kollegen, die nach einigen Jahren Graberei (meist sollte das nur eine Zwischenstation sein, denn nach der Uni sehnen sich min. 80% der Absolventen nach Stellen in Museen oder an der Uni) aus gesundheitlichen Gründen aufgehört haben. Ich schaue aus gutem Grund, dass ich viele Aufträge am Schreibtisch habe.

Eine Freundin von mir hat auch Archäologie studiert und dann nie in dem Beruf gearbeitet!

Überlege Dir das gut, es werden wirklich nicht so viel Archäologen gebraucht.

Wenn es aber etwas in der Richtung sein soll, wie wäre es mit Geschichte auf Lehramt und mit Geographie und noch einem weiteren Fach?

Mich hätte Archäologie auch sehr interessiert. Meine Eltern meinten aber damals, dass ein Mädel nicht zu studieren hat, sondern so schnell wie möglich heiraten und Kinder in die Welt setzten sollte.

Ja, es ist ein Knochenjob. Sogar schlimmer als Fliesenleger, weil die meistens drinnen arbeiten dürfen, während du bei jedem Wetter draußen stehst.

Könnte ich z.B. eine kurze Hose und Tshirt anziehen? 

Ist DAS echt dein größtes Problem? ;)

Dazu kann ich dir sagen, dass du in den wirklich heißen Gegenden liebend gerne lange Kleidung trägst, weil dir die Sonne sonst im Laufe des Tages die Haut wegbrennen würde. Mal ganz abgesehen davon, dass du als Frau in arabisch geprägten Ländern gut daran tust, lange Sachen anzuziehen. Ob es Pflicht ist, hängt von deinem Arbeitgeber und den geltenden Bestimmungen ab.

Die meisten Archäologen haben nach mehreren Berufsjahren den Rücken kaputt, auch Blasenprobleme sind als Berufskrankheit sehr beliebt.
In Deutschland gräbst du eher selten noch selbst, meistens beaufsichtigst du andere, die das tun. Dein Job ist dann der ganze Papierkram und das Überwachen des Ablaufs auf der Baustelle.

In Deutschland gräbst du eher selten noch selbst, meistens beaufsichtigst du andere, die das tun.

In den Bundesländern mit Grabungsfirmenstruktur graben schon extrem viele studierte Archäologen. Da ist nur wenig Fußvolk fachfremd, trotz der lausigen Bezahlung für reine Ausgräber ist es halt meist doch die einzige Möglichkeit, im eigenen Fach zu arbeiten.

3

Das stimmt.
Ich war am Schluss ja nur noch im Öffentlichen Dienst, da kommst du vom Schreibtisch kaum weg. Im Ausland war das ganz anders.

4
@Kristall08

Meine rechte Hand und meine rechte Schulter sind ja froh um den Schreibtisch. Aber gerade jetzt im Frühjahr merk ich, dass ich gerne mal wieder ein paar Tage draußen wäre.

2

Was möchtest Du wissen?