Arbeitszeugnis/Bewertung. Was sagt mein Arbeitszeugnis aus?

5 Antworten

Musterstraße 13, 76754 Musterhausen

Die Anschrift des AN gehört nicht in ein Zeugnis.

Seine Tätigkeit bestand vorwiegend in der Bearbeitung von Maschinenteilen an unseren Bearbeitungszentren Maschine X und Maschine Y. Die notwendigen Programme zur Bearbeitung der Maschinenteile erstellte Herr XY zum Teil selbstständig und eigenverantwortlich. 

Normalerweise schreibt man die Aufgaben nicht als Prosatext, sondern in Stichpunkten, die wichtigsten Aufgaben dabei zuerst. Durch das "vorwiegend" bleibt leider viel Raum für Spekulationen.

Herr XY verrichtete die ihm übertragenen Aufgaben jederzeit selbstständig, sorgfältig, zügig und genau. Er war belastbar, zuverlässig und zeichnete sich durch sein Engagement aus. Er war jederzeit bereit, bei Bedarf Mehrarbeit zu leisten.

Hier steht nichts zu Fachkenntnissen oder Arbeitserfolg.

Seine Aufgaben erfüllte er zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Dieser Satz deutet zwar auf ein "gut" hin, aber das passt nicht so wirklich zu der kurzen Leistungsbeurteilung. Das ist widersprüchlich.

Aufgrund seines angenehmen Wesens fügte sich Herr XY sehr gut in die Arbeitsgemeinschaft ein und wurde von Kollegen und Vorgesetzten sehr geschätzt. 

Echt jetzt? Du warst geschätzt, aber wie war dein Verhalten? Die Reihenfolge lässt auch Probleme mit Vorgesetzten vermuten. Wäre alles prima, müsste die Reihenfolge Vorgesetzte - Kollegen - Außenstehende lauten.

Herr XY verlässt unser Unternehmen aus eigenem Wunsch.

Daran habe ich mal nichts zu meckern.

Wir wünschen ihm für seine berufliche Zukunft und auch privat viel Erfolg und alles Gute.

Autsch! Da wird - bewusst oder unbewusst - ganz übel nachgetreten. Kein Dank für deine Arbeit, kein Bedauern darüber, dass du das Unternehmen verlässt, außerdem wird dir kein Erfolg bescheinigt. Mit anderen Worten: "Wir sind froh, dass er endlich gekündigt hat und bedauern nur, dass wir ihn nicht früher loswerden konnten. Bei uns hatte er keinen besonderen Erfolg, vielleicht hat er den ja im nächsten Job." Das ist weit weg von einer guten Beurteilung und widerspricht ebenfalls dem "zu unserer vollsten Zufriedenheit."

Fazit: Dieses Zeugnis ist widersprüchlich und daher absoluter Müll.

Stimmt denn wenigstens das Ausstellungsdatum mit dem letzten Tag des Arbeitsverhältnisses überein?

23

ich schließe mich deiner Darstellung an.

Seltsam das 'angenehme Wesen'. Das kann viel bedeuten.

Inkonsequent? Witzig? Mitgetratscht? Mitgesoffen? Seidenweich?

Sehr seltsam.

Schriftsteller ist der Schreiber nicht, jedoch ein Ersteller von Rätseln.

0

Wenn du hilfreiche Antworten bekommen möchtest, so stelle dein Zeugnis bitte komplett, also von Überschrift bis Austellungsdatum, natürlich anonymisiert ein.

Denn man kann ein Arbeitszeugnis nur im Zusammenhang bewerten, da die Botschaften zum Beispiel schon in der Auflistung der Aufgaben enthalten sein können. Auch muss man wissen, wielange und als was der AN beschäftigt war, um besser urteilen zu können. 

Allerdings fällt bei diesem Auszug aus dem AZ schon auf, dass zeitliche Verstärker wie stets und immer, sowie Superlative weggelassen wurden, welche Indizien für (sehr) gute Zeugnisse sind.

Auch die Umkehrung der Reihenfolge von Vorgesetzten und Kollegen deutet auf Probleme im Sozialverhalten hin.

Die freiwillige Schlussformulierung lässt auch nicht auf ein gutes Zeugnis schließen, da hier der Dank für die geleistete Arbeit, das Bedauern über dein Ausscheiden fehlt...und Erfolg nur für die Zukunft gewünscht wird.

1

Vielleicht ein Zeugnis aus der Schweiz (mit anderen Gepflogenheiten)?

Aber vollständig muss es zur Beurteilung ohnehin sein!

2
41
@verreisterNutzer

Vielleicht ein Zeugnis aus der Schweiz (mit anderen Gepflogenheiten)?

Nein, laut Fragesteller aus Deutschland.

2

Insgesamt ist das Zeugnis für eine fast vierjährige Beschäftigung recht knapp gehalten. Es gibt offenbar nicht allzu viel Erwähnenswertes über dich zu berichten, was jeden kundigen Leser gleich mal stutzig macht. Und die (wohl bewussten) Weglassungen sprechen für sich (und gegen dich).

  • Es fehlt jeder Hinweis auf deine Fachkenntnisse und deren Umsetzung
  • Du warst zwar fleißig, aber nicht unbedingt erfolgreich in deinem Wirken
  • Mit den Vorgesetzten gab es Probleme
  • Du bist möglicherweise nicht ganz freiwillig augeschieden
  • Der Abschlusssatz ist, mit Verlaub, ein glatter Tritt in den Allerwertesten. Man ist froh, dich endlich los zu sein und geleistet hast du auch nicht wirklich etwas. Dieser Satz zieht das ganze Zeugnis sehr weit nach unten. Das ist keine Empfehlung, dich irgendwo einzustellen.
  • Gesamtnote: Wenn überhaupt, nicht besser als ausreichend (4).

Stimmt denn das Datum mit dem Tag deines Ausscheidens überein? Fällt dieser Tag auf ein Monatsende oder ist es etwa ein "krummes" Datum?

17

Ergänzung:

Seine Tätigkeit bestand vorwiegend in der Bearbeitung von Maschinenteilen an unseren Bearbeitungszentren

Merkwürdigerweise wird nicht erwähnt, was du sonst noch so getan hast (oder hättest tun sollen). Das lässt Raum für mancherlei Spekulation (zu deinen Ungunsten)

2
41

Fällt dieser Tag auf ein Monatsende oder ist es etwa ein "krummes" Datum?

Der 15. des Monats wäre ja auch noch ok.

Ansonsten eine absolut zutreffende Einschätzung.

2

Was möchtest Du wissen?