Arbeitszeugnis wird wegen Firmenwechsel nicht ausgestellt. Was nun?

4 Antworten

Auch der Anspruch eines Arbeitszeugnisses unterliegt Ausschlussfristen(steht eine im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag?). An sowas denkt man doch, wenn man eine Firma verlässt... Wenn unüblicher Weise keine Ausschlussfrist schriftlich festgehalten wurde: Gibt genug Urteile im Netz, in dem entschieden wurde, dass der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis verwirkt ist, wenn man es nicht zeitnah nach der Beendigung verlangt. Was zeitnah heisst, haben Gerichte unterschiedlich beurteilt, von einem halben Jahr bis 2 Jahre habe ich in diversen unterschiedlichen Urteilen gelesen. Muss dann wohl ein Anwalt die Klagechancen einschätzen.

Da kommst wohl ein klein wenig zu spät. Wer soll sich denn jetzt noch erinnern, was du vor mehr als 2 Jahren geleistet hast?

"Nach § 195 BGB verjährt der Zeugnisanspruch nach 3 Jahren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nach § 199 Abs. 1 BGB die Verjährungsfrist mit dem Schluss des Jahres zu laufen beginnt, in dem der Anspruch entstanden ist und der Anspruchsberechtigte von den den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste. Der Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses verjährt danach mit Ablauf des dritten vollen Kalenderjahres nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses, wenn sich nicht ausnahmsweise mangels Kenntnis der anspruchsbegründenden Umstände oder mangels Kenntnis des Arbeitgebers der Eintritt der Verjährung verzögert.

Der Zeugnisanspruch erlischt unabhängig von der Verjährung, wenn es dem zur Zeugnisausstellung Verpflichteten nicht mehr möglich ist, das Zeugnis auszustellen. Im Hinblick auf den Grundsatz der Zeugniswahrheit ist dies bereits der Fall, wenn der Arbeitgeber nicht mehr in der Lage ist, ein wahrheitsgemäßes Zeugnis auszustellen."

https://www.haufe.de/personal/personal-office-premium/arbeitszeugnis-anspruch-und-ausstellungszeitpunkt-21-verjaehrung_idesk_PI10413_HI1326639.html

Hallo Hideaway, dazu kann ich so einiges angeben, vllt. dient das dem Sachverhalt. Ich habe dort einen Verwandten, der der Betriebsleiter ist. Ich habe im Jahre 2007 da für 4 Monate gearbeitet. Dann im Jahre 2010 für einige Monate. und Von Dezember 2012 - Juli 2014. Ausscheidungsgrund war die saloppe Formulierung der Geschäftsführerin, als ich 200 Gäste in einem abgetreten Bereich des Restaurant alleine in der WM-Zeit mit Getränken bedienen musste, inkl. selber vorbereiten und zu Gästen bringen. Als mir das Bier alle ging, ging ich in die Kühlanlage und holte mir immer Nahschub. Die Geschäftsführerin erwischte mich jedes Mal, wie ich die Anlage für 15 Sekunden auf ließ und meckerte immer rum. Die Krönung war, als sie sagte "Wenn du da oben Stress hast, was soll ich sagen? Ich muss Würste verkaufen und ich habe auch Stress. Musst du damit klar kommen". Hauptsache: 23 Kellner bedienten 900 Gäste und ich alleine musste mich um 200 kümmern, mit Eigenlieferung der Getränke. Nach dem Feierabend sagte ich der Schichtleitung, dass ich nicht mehr kommen und kündigen werde. Danach wurde ich mehrmals darauf angesprochen. Ebenfalls von der Betriebsleitung (Verwandtschaft), dass ich wieder hingehen sollte. Eine schriftliche Kündigung liegt denen nicht vor, beidseitig nicht! Ich besuche die Gastronomie weiterhin und bin immer noch mit allen gut befreundet. Auch im privaten! Also ist die Zeugniswahrheit an dieser Stelle gegeben, da ich Vorgesetzten als Schichtleiter und Betriebsleiter hatte und zu Uhrzeiten arbeitete, wenn die GF nicht da war. Allein, dass die mir keine Kündigung geschickt haben, bestätigt die Abmeldung meiner Personalien nicht. 

Vorhin hatte ich ein nettes Gespräch mit der Dame am Apparat, die Geschäftsführerin, die sagte "Es ist Geschäftsübergabe. Ich kann mich nicht um ein Zeugnis kümmern. Es ist schon 2 Jahre her. M. W. hast du Anspruch innerhalb 1. Jahres. Tut mir leid. Kann dir da nicht weiterhelfen. Ich kann dir nur eine Arbeitsbescheinigung schreiben." 

Ich denke mir: Wer in der Lage ist, eine Arbeitsbescheinigung zu schreiben, sollte in der Lage sein, auch ein Zeugnis anzufertigen, vor allem, weil das eh durch die Schichtleitung, Betriebsleitung, Thekenleitung etc. erfahrbar ist, da sie Referenzen braucht. 

Ich werde der guten alten Dame jetzt ein Schreiben aufsetzen, mal sehen was es dann bringt. 

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Du könntest immer noch nach einem Arbeitsbestätigung fragen.

Dann hast du zwar kein Zeugnis aber ein Beweis das du dort gearbeitet hast.

Sas wurde mir auch angeboten, nur, hat man da nicht Anspruch auf ein vollwertiges Arbeitszeugnis?

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@Speedysly309

Anspruch auf ein vollwertiges Arbeitszeugnis

Den hast du nach so langer Zeit nur, wenn tatsächlich jemand in der Lage wäre, es jetzt noch detailliert und wahrheitsgemäß auszustellen. Gerade bei der bekannt starken Fluktuation im Gastronomiegewerbe sehe ich da aber schwarz.

Oder anders ausgedrückt: "Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss das nehmen, was nicht mehr da ist."

Du solltest dich nicht so sehr auf die vermeintlichen Verpflichtungen eines lange verflossenen Arbeitgebers einschießen, sondern auf dein ureigenes Versäumnis. 

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@Speedysly309

Zeugnisse unterliegen der Holschuld, das bedeutet, dass du das zeitnah nach Beendigung hättest anfordern müssen. Darauf hattest du einen Anspruch. Nach mehr als zwei Jahren ist es schwierig, ein detailliertes und in der Beurteilung wahrhaftiges Zeugnis auszustellen...und wenn der Ex -AG auch noch die Firmierung geändert hat, erst recht.ich sehe da keine reelle Chance,  bei dir müsste das ein Anwalt klären, ob da nun eine reelle Chance besteht...denn die Gerichte entscheiden darüber unterschiedlich.

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