Arbeitszeugnis - Top oder Flop?

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3 Antworten

Man kann Zeugnisse nur dann wirklich beurteilen, wenn man sie vollständig liest, also von der Überschrift bis zum Ausstellungsdatum. Denn überall können Informationen enthalten sein, die für die Einschätzung des Zeugnisses wichtig sind. Das gilt auch für scheinbar unwichtige Details wie Rechtschreibfehler oder Ausstellungsdatum.

Wenn ich mir das Zeugnis so durchlese, habe ich den Eindruck, dass der Verfasser nicht den blassesten Hauch einer Ahnung von Arbeitszeugnissen hat. Folgende Anmerkungen:

wohnhaft in XX, XX

Die Anschrift gehört nicht ins Zeugnis.

und mit den dort anfallenden Arbeiten betraut

Die sollte man hier stichpunktartig aufzählen, sortiert nach Relevanz.

Frau XX erledigte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.

Echt jetzt? In dieser "Leistungsbeurteilung" fehlt so gut wie alles. Fachkenntnisse, Qualität der Arbeit, Belastbarkeit. Nichts ist vorhanden außer der Zusammenfassung der Leistung. "Stets zu unserer vollen Zufriedenheit" entspricht zwar einem "gut", aber das wird deutlich abgewertet, da praktisch alles fehlt.

Sie war ehrlich

Hast du die Kunden abkassiert? Dann ist dieser Vermerk wichtig.

Ihr Verhalten war stets vorbildlich. Von Vorgesetzten und Kollegen wurde sie sehr geschätzt und war bei Kunden aufgrund ihrer freundlichen und hilfsbereiten Art sehr beliebt.

Dein Sozialverhalten ist "sehr gut".

Frau XX scheidet am heutigen Tag auf eigenen Wunsch aus unserem Unternehmen aus.

OK

Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute. 

Hier fehlt das Bedauern, dass du das Unternehmen verlässt und auch die Erfolgswünsche. Ich bezweifle, dass das so gemeint ist, aber mit anderen Worten heißt das: "Endlich sind wir sie los geworden. Aus Höflichkeit bedanken wir uns noch für die Zusammenarbeit. Erfolg hatte sie keinen bei uns und wird ihn garantiert im nächsten Job auch nicht haben."

Stimmt denn das Ausstellungsdatum mit dem letzten Tag des Arbeitsverhältnisses überein? Wenn nicht, wäre das Stoff für unangenehme Rückfragen im Vorstellungsgespräch.

Du hast also genügend Punkte, um das Zeugnis zu beanstanden. Schicke das Original zurück und liste die beanstandeten Punkte so detailliert wie möglich auf.

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Es liest sich wie eine gut gemeinte 3 - 2.

Wie lange warst du in dem Unternehmen tätig? Die relativ knappe Beschreibung deiner Tätigkeiten und deiner Beteiligung an dem Erfolg des Unternehmens lassen mich auf eine verhältnismäßig kurze Tätigkeit von 1 - 2 Jahren schließen.

Das ist nicht mein Metier, ich unterstelle mal, dass im Berufsbild der Einzelhandelsverkäuferin nicht allzu viel auszuschmücken gibt. Deswegen wohl die Kürze.

Was ich noch steigern würde: So ein gewisses Bedauern, dass du das Unternehmen verlässt, sowie die Feststellung, dass du sicherlich auch weiterhin so erfolgreich sein wirst (statt "alles Gute").

Insgesamt habe ich aber nichts an dem Zeugnis auszusetzen. Keine Fallstricke, keine Andeutungen.

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Kommentar von Hyouka132
03.08.2017, 19:41

Vielen Danke! 

Ich war nur 9 Monate in dem Unternehmen tätig, um so schonmal für ein Studium zu sparen.

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Kommentar von Nightstick
03.08.2017, 22:04

... wenn die Weglasungen nicht wären, die das Zeugnis in den Abgrund ziehen :((

Ich würde es auf jeden Fall reklamieren!

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Kommentar von DarthMario72
09.08.2017, 14:52

Insgesamt habe ich aber nichts an dem Zeugnis auszusetzen.

Ich dafür um so mehr. Hier fehlen wichtige "Details" im Zeugnis, die aus einem - eventuell gemeinten - "gut" ein miserables und widersprüchliches Zeugnis machen.

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Also an sich ist es doch rund weg positiv.

Wenn da jetzt stehen würde: " Frau XX hat sich stets bemüht" Das hieße so viel wie...FLOP!

Aber das steht da nicht, also ruhig bei die Bewerbung mit dabei :)

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Kommentar von DarthMario72
09.08.2017, 14:54

Also an sich ist es doch rund weg positiv.

Was daran? Ach ja, das Sozialverhalten und der Beendigungsgrund sind positiv. Alles andere ist miserabel und widersprüchlich.

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