Arbeitszeignis interpretieren?

7 Antworten

Man kann ein Zeugnis nur dann halbwegs seriös beurteilen, wenn man es im Zusammenhang liest, also vollständig von der Überschrift bis zum Ausstellungsdatum. Denn überall dort können Informationen enthalten sein, die für die Einschätzung des Zeugnisses wichtig sind. Folgende Anmerkungen zu dem Auszug aus deinem Zeugnis:

Hiermit bestätige ich,...

Das ist ein äußerst ungewöhnlicher Einstieg in ein Zeugnis. Der Verfasser scheint nicht sehr häufig Zeugnisse zu schreiben.

Hier ein Absatz über mein Tätigkeitsspektrum, für die Interpretation nicht relevant 

Hier irrst du dich. Auch das ist relevant.

Besonders hervorheben möchten wir die schnelle Auffassungsgabe sowie die engagierte Mitarbeit. 
Herr x war stets motiviert Neues zu lernen und konnte dies in der praxis selbstständig umsetzen, ausserdem verfügt er über eine ausgeprägte Teamfähigkeit. 
Wir haben Herr x als einen interessierten und sehr zuverlässigen Mitarbeiter kennengelernt. 
Seine Arbeiten und Aufgaben führte er vorbildlich aus. 

Ich behaupte mal, dass man dir ein gutes bis sehr gutes Zeugnis ausstellen wollte. Das ist aber kläglich an den Fähigkeiten des Verfassers gescheitert. Der hat offenbar keinen blassen Dunst, wie ein Arbeitszeugnis auszusehen hat.

Durch sein zuvorkommendes, freundliches Verhalten hat er sich problemlos in unser Team eingefügt und seinen Umgang mit Patienten und Mitarbeitern war tadellos. 

Auch da bestätigt sich das oben gesagte. Wenn alles in Ordnung ist, muss die korrekte Reihenfolge immer Vorgesetzte - Kollegen - Außenstehende lauten. So wie es hier steht, bedeutet das, dass du einige Probleme mit Mitarbeitern und massive Probleme mit Vorgesetzten hattest.

Außerdem unterstelle ich mal, dass du keine Führungsaufgaben hattest. In dem Fall ist der Begriff "Mitarbeiter" nämlich sachlich falsch, es muss "Kollegen" heißen.

Wir danken Herrn x für seine wertvolle Mitarbeit und wünschen ihm für die berufliche und private Zukunft alles Gute.

Das ist schön aus einem Zeugnisgenerator abgetippt - leider ohne Sinn und Verstand. Es fehlt das Bedauern über dein Ausscheiden und die Erfolgswünsche. Zwar hat man grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Schlussformel wie hier, wenn sie aber vorhanden ist, muss sie zum Zeugnis "passen", und das sehe ich hier beim besten Willen nicht. Übersetzt heißt das "War ganz nett, dass er hier war, aber wir bedauern nicht, ihn zu verlieren. Bei uns hatte er keinen beruflichen Erfolg und wird ihn garantiert im nächsten Job auch nicht haben." Ich unterstelle mal, dass das nicht so gemeint ist.

Wenn du mit dem Zeugnis irgendwas reißen willst, schick es auf schnellstem Weg zurück und beanstande es. Was alles in ein Arbeitszeugnis gehört, findest du hier: http://www.arbeitszeugnisgenerator.de/

Falls du auf die Idee kommen solltest, selbst einen Entwurf zu schreiben, achte darauf, dass dieses 08/15-Geplapper unbedingt noch individuell angepasst werden muss.

By the Way: Stimmt das Ausstellungsdatum mit dem letzten Tag des Vertrags überein? Wenn nicht, gib das Anlass zu unangenehmen Rückfragen.

Danke dir ;)

Hier der Teil der fehlt:

Herr x wurde bei uns für Eintrittsuntersuchungen und für die Betreuung von Patienten auf den Bettenstationen eingesetzt. Ebenso arbeitete er während des Praktikums in unserer Notfallstation und im Ambulatorium, wo er die Erstuntersuchungen sowie kleinere chirurgische Eingriffe durchführen musste. Im weiteren erfolgte sein Einsatz als Assistent bei traumatologischen, viszeralen, orthopädischen sowie gefäß- und handchirurgischen Operationen. Im Übrigen musste er turnusgemäß an unserem Notfalldienst teilnehmen und wurde für den Bereitschaftsdienst sowohl an Wochentagen wie auch an Wochenende eingesetzt. Während seines Praktikums hat Herr x auch regelmäßig an unseren Fallbesprechungen teilgenommen.

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@bladen88

Oje, hier sieht es genauso verheerend aus.

Herr x wurde bei uns...

Natürlich "bei uns", wo sonst? Diese beiden Worte sollte man streichen.
wo er ... durchführen musste.

So eine Formulierung geht gar nicht, das klingt nach Zwang. "wo er durchführte" oder irgendwie sinngemäß muss es heißen.

Im Übrigen musste er ... teilnehmen 

Nein! "nahm er teil"

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@DarthMario72

... und überhaupt:

(Zitat): "...einen Teil des praktischen Jahres bei uns verbracht hat." (Zitat Ende) - und dann, u.a.:

(Zitat): "... kleinere chirurgische Eingriffe durchführen musste..." (Zitat Ende). 

==> Hier frage ich mich allen Ernstes, was das wohl für´n Laden ist...!?

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@Nightstick

Hatte den Thread leider nicht ganz zuende gelesen - es war ja wohl im Rahmen eines Medizinstudiums.

Das hätte auch in der Einleitung stehen müssen!

Fazit: Das ganze Zeugnis "taugt nicht in die Wurst", und müsste von einem Fachkundigen völlig neu formuliert werden!

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@Nightstick

Mehr ist dazu nicht zu sagen. @DarthMario72 und @Nightstick haben das hervorragend analysiert.

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@ManuKlr

Danke für Deine positive Bewertung :) 

Wir geben unsere Erfahrung auf diesem speziellen Gebiet weiter und lernen auch jedes Mal wieder dazu...

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Besonders hervorheben möchten wir die schnelle Auffassungsgabe sowie die engagierte Mitarbeit.
Herr x war stets motiviert Neues zu lernen und konnte dies in der praxis
selbstständig umsetzen, ausserdem verfügt er über eine ausgeprägte
Teamfähigkeit.
Wir haben Herr x als einen interessierten und sehr zuverlässigen Mitarbeiter kennengelernt.
Seine Arbeiten und Aufgaben führte er vorbildlich aus.
Durch sein zuvorkommendes, freundliches Verhalten hat er sich problemlos in unser Team eingefügt und seinen Umgang mit Patienten und Mitarbeitern
war tadellos.
Wir danken Herrn x für seine wertvolle Mitarbeit und wünschen ihm für die berufliche und private Zukunft alles Gute.

Die Rechtschreibfehler sind da so drin? Dann würde ich um Korrektur bitten.

Ansonsten größtenteils gut.

danke schonmal ;) nein, habe das grad schnell abgetippt und dabei den fehler eingebaut

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@bladen88

Dann ist gut :-)  Ich hatte wirklich mal eins m,it vielen Fehlern, da hab ich mich gegen verwahrt (sie brauchten 3 Anläufe um das hinzubiegen, schon peinlich. Für die. Nicht mich)

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Durch sein zuvorkommendes, freundliches Verhalten hat er sich problemlos in unser Team eingefügt und seinen Umgang mit Patienten und Mitarbeitern war tadellos. 

Und damit hättest du noch einen Fehler selbst eingebaut.

Ansonsten größtenteils gut.

Möglicherweise gut gemeint, gut geschrieben aber definitiv nicht.

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Hallo miteinander,

folgendes Arbeitszeignis habe ich erhalten. Wer kann mir bei der Interpretation der "Floskeln" helfen und kennt sich da ein wenig aus?

Hiermit bestätige ich, dass Herr x, geboren am xx.xx.xx vom x. - y. einen Teil des praktischen Jahres bei uns verbracht hat.

- Hier ein Absatz über mein Tätigkeitsspektrum, für die Interpretation nicht relevant -

Besonders hervorheben möchten wir die schnelle Auffassungsgabe sowie die engagierte Mitarbeit.
Herr x war stets motiviert Neues zu lernen und konnte dies in der praxis selbstständig umsetzen, ausserdem verfügt er über eine ausgeprägte Teamfähigkeit.
Wir haben Herr x als einen interessierten und sehr zuverlässigen Mitarbeiter kennengelernt.
Seine Arbeiten und Aufgaben führte er vorbildlich aus.
Durch sein zuvorkommendes, freundliches Verhalten hat er sich problemlos in unser Team eingefügt und seinen Umgang mit Patienten und Mitarbeitern war tadellos.
Wir danken Herrn x für seine wertvolle Mitarbeit und wünschen ihm für die berufliche und private Zukunft alles Gute.

Ist ganz ok... Nur die Floskel  stets motiviert stört mich etwas aber sonst alles super!

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@TheApfeluhr

Das kommt wohl auch drauf an.. nachddem ich viele Zivis erlebt habe,w eiss ich, glaub ich, worum es hier geht und dass es positiv gemeint ist. Gab nämlich auch immer mal wieder sehr unmotivierte.

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Es geht nicht um Zivildienst, sondernum das Praktikum im letzten Jahr des Medizinstudiums. Habe überhaupt keine Erfahrung mit solchen Bewertungen, daher binich über jede Interpretation dankbar ;)

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