Arbeitsrecht, Firma zahlt nicht nach Tarifvertrag?

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Meine Frage daher, ist meine Firma im Recht

Nein!

oder müssten Sie nach dem hier gültigen Tarifvertrag zahlen

Ja - es gelten die tarifvertraglichen Bestimmungen für das Gebiet, in dem Du (nicht nur vorübergehend) arbeitest!

Wenn Dein Arbeitsverhältnis einem Tarifvertrag unterliegt, dann gilt räumlich der Tarifvertrag für den Betrieb, in dem Du arbeitest.

Wenn Du also im Betrieb in Hessen arbeitest, der Hauptsitz des Unternehmens aber in Rheinlandpfalz ist, dann ist auf Dich der Tarifvertrag Hessen anzuwenden - vorausgesetzt, die Tarifverträge enthalten entsprechende Bestimmungen zum "räumlichen Geltungsbereich".

Dein in einem Kommentar formulierter Einwand ("Es gibt da ja unterschiedliche Bezahlung da die Lebenskosten unterschiedlich hoch sind. Jede größere Firma kann ja dann seinen Sitz irgendwo im Osten deklarieren und dann den "Mindestlohn" aus dem Tarifvertrag zb. aus Sachsen gelten machen.") ist absolut zutreffend

Sicherheitshalber solltest Du also im Tarifvertrag (Entgelttarifvertrag und Manteltarifvertrag) aber nachsehen, was dazu unter "Räumlicher Geltungsbereich" gesagt wird.

Genauere Informationen dazu findest Du z.B. unter https://www.haufe.de/personal/haufe-personal-office-platin/tarifvertrag-geltungsbereich-3-raeumlicher-geltungsbereich-des-tarifvertrags_idesk_PI42323_HI1463651.html .

Meine Firma hat mich nach der Ausbildung übernommen, jedoch bezahlen Sie das Gehalt nach dem Tarif aus Rheinland-Pfalz

Wenn dort der Firmensitz ist, ist das auch exakt richtig so.

Meine Frage daher, ist meine Firma im Recht

Ja.

oder müssten Sie nach dem hier gültigen Tarifvertrag zahlen

Sofern die Firma überhaupt einem TV unterliegt, dann üblicherweise dem am Hauptsitz; allerdings ist zu fragen, wo der Erfüllungsort ist.

(bin kein aktives Mitglied in der Gewerkschaft, wir haben auch keinen Betriebsrat hier)

Das würde daran nun auch nichts ändern. Solche Details regelt man eben im Arbeitsvertrag - und zwar vor Unterschrift. Da steht es schließlich schwarz auf weiß drin. Wenn der Erfüllungsort dort in RP festgelegt wrde, gilt das auch.

Sofern die Firma überhaupt einem TV unterliegt, dann üblicherweise dem am Hauptsitz

Das ist falsch - sofern der anzuwendende Tarifvertrag eine räumliche Zuordnung formuliert. In dem Fall ist dann nicht der Tarifvertrag für den Hauptsitz in Rheinland-Pfalz, sondern für den nicht nur vorübergehenden Einsatz im Betrieb in Hessen (siehe meine eigene Antwort).

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@Familiengerd

Völlig richtig, daher ja auch mein Verweis auf seinen AV und die Frage nach dem Erfüllungsort.

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@FordPrefect

Du schreibst aber: "Wenn der Erfüllungsort dort in RP festgelegt wrde, gilt das auch."

Nur spielt das keine Rolle, wenn der Arbeitseinsatz nicht nur vorübergehend im Betrieb in Hessen ist und es einen entsprechend anzuwendenden Tarifvertrag mit dem räumlichen Geltungsbereich Hessen gibt.

Durch die Vereinbarung eines Erfüllungsortes "Rheinland-Pfalz" kann ja nicht der räumliche Geltungsbereich "Hessen" ausgehebelt werden!

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@Familiengerd

Ach so, jetzt verstehe ich, worauf du abzielst. Ja, das stimmt natürlich. Es wäre allerdings auch hilfreich, würde uns der OP verraten, was er denn nun wo genau macht :-)

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@FordPrefect

Ich arbeite als Kaufmann im Groß und Außenhandelskaufmann in Frankfurt

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Da ich meine Miete etc, bezahlen muss konnte ich den Arbeitsvertrag nicht ablehnen da auch eine vorübergehende Arbeitslosigkeit nicht in Frage kam. Daher versuche ich ja rückwirkend zu klären was mein Recht ist und was nicht :)

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Sofern das Arbeitsverhaeltnis ueberhaupt einem Tarifvertrag unterliegt, muss die Firma sich an den Tarifvertrag halten, dem das Arbeitsverhaeltnis unterliegt. Das ist normalerweise der am Firmensitz geltende.

Dann verstehe ich denn Sinn von Bundesland abhängigen Tarifverträgen nicht.

Es gibt da ja unterschiedliche Bezahlung da die Lebenskosten unterschiedlich hoch sind. Jede größere Firma kann ja dann seinen Sitz irgendwo im Osten deklarieren und dann den "Mindestlohn" aus dem Tarifvertrag zb. aus Sachsen gelten machen. Nur das dort die gleiche Wohnung vielleicht nur 1/10 kostet.

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Das ist falsch, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind - siehe dazu meine eigene Antwort.

Im Übrigen ist der Einwand im Kommentar des Fragestellers absolut zutreffend.

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