Arbeitgeber will minustunden auf urlaub oder lohn verechnen

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7 Antworten

Habt Ihr keinen Betriebsrat in dieser großen Firma? Sind diese 50 Minusstunden vertraglich, tariflich oder durch eine Betriebsvereinbarung in einem Zeitkonto geregelt?

Minusstunden dürfen nicht mit Urlaubstagen verrechnet werden. Urlaub ist vom Gesetzgeber zur Erholung und nicht als Ausgleich gedacht. Urlaub berechnet sich auch nicht in Stunden oder in Tagen.

Wenn es der Firma momentan nicht so gut geht, sollte über Kurzarbeit nachgedacht werden. Andernfalls, ohne geltende Zeitkontenregelung, befindet sich der AG in Annahmeverzut. Wenn Ihr Eure Arbeitskraft anbietet, der AG sie aber nicht annimmt, muss er nach § 615 BGB die Stunden so bezahlen, als hättet Ihr gearbeitet. Nacharbeit ist nicht vorgesehen. Das Betriebsrisiko trägt der AG und nicht der AN

Hexle2 23.02.2013, 08:43
berechnet sich auch nicht in Stunden oder in Tagen.

Soll heissen "sondern" in Tagen

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Den Antworten von stelari und Hexle2 ist nicht mehr hinzuzufügen.

Darin ist alles Notwendige und Richtige gesagt, woraus Du mit Deinen Kollegen/Kolleginnen Deine Ansprüche gegen euren Arbeitgeber ableiten kannst.

Und: Kaum zu glauben und fast schon unfassbar, dass es in einem Betrieb eurer Größe keinen Betriebsrat und keine präsente Gewerkschaft gibt - eine kompetente Hilfe und Unterstützung hättet ihr jetzt, wenn es anders wäre!!!

Also Hätte ich nach dem was ich hier lese gar kein Minus haben dürfen?? Bin so an die -100 std zur Zeit. Andere abteilungen haben teilweise schon an die 180 Minusstunden wie ich gehört hab. Das ist der Wahnsinn. Am Freitag kam sogar schon die Aussage das wenn es wieder besser läuft jeder der Minus hat Samstags zu erscheinen hat.Ich werd noch blöde mit der Firma. Naja mal Montag abwarten,da kommt der Firmenleiter aus dem Urlaub und die wollen da etwas ausdiskutieren. Wenn das ergebnis mir nicht gefällt werd ich den Text mal vorlegen von stelari. Hab halt ein bißchen bammel,weil wenn das alles so stimmt dann ist das ein rießen knall für die Firma und ich weiß nicht ob ich dem gewachsen bin.

Der Arbeitgeber ist nicht berechtigt im Falle des Annahmeverzugs nach § 615 BGB, das Stundenkonto zu belasten oder gar den Urlaub anzutasten - auch die Vergütung ist absolut tabu für ihn mit Ausnahme von Zuschlägen und Sonderzahlungen.

Wenn der Arbeitnehmer kein Guthaben mehr hat, dann hat der Arbeitgeber schlicht Pech gehabt, denn der Arbeitnehmer ist nicht zur Nachleistung der Stunden verpflichtet.

§ 615 Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko (BGB)

Kommt der Dienstberechtigte mit der Annahme der Dienste in Verzug, so kann der Verpflichtete für die infolge des Verzugs nicht geleisteten Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu sein. Er muss sich jedoch den Wert desjenigen anrechnen lassen, was er infolge des Unterbleibens der Dienstleistung erspart oder durch anderweitige Verwendung seiner Dienste erwirbt oder zu erwerben böswillig unterlässt. Die Sätze 1 und 2 gelten entsprechend in den Fällen, in denen der Arbeitgeber das Risiko des Arbeitsausfalls trägt.

daraus ergibt sich, dass ein Minus in das Stundenkonto gar nicht möglich ist - zulässig jedoch ist, Plusstunden damit zu verrechnen, wenn dies in der Vereinbarung zum Arbeitszeitkonto so bestimmt ist. Minusstunden sind aber grundsätzlich tabu, das ist das Risiko des Arbeitgebers.

Weder das BUrlG noch das EntgFG lassen eine Verrechnung mit der Vergütung oder dem Urlaub zu - Urlaub ist ausdrücklich Zweckgebunden und die Lohnfortzahlung unabdingbar. Bei Annahmeverzug ist man also so zu behandeln, als wäre man ganz normal arbeiten gewesen. Um noch tiefer zu gehen, müsste man die Vereinbarung zum Arbeitszeitkonto kennen - falls dieses überhaupt wirksam vereinbart wurde...

Familiengerd 23.02.2013, 13:30

Sehr gute und richtige Anwort!!!

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Gerwekschaft oder sowas gibt es bei uns nicht.Geregelt war auch nix als wir zu hause bleiben mußten. wir wissen nur das ab 100 std auf std konto ausgezahlt wird und das es bis minus 50 std geht,aber was dann?? wußte keiner,nicht einmal unser produktionsleiter. im arbeitsvertrag steht auch nur das ab 100 ausgezahlt wird und bis minus 50 geht.

Hexle2 23.02.2013, 08:59

Dann solltet Ihr mal dringend über die Gründung eines Betriebsrats nachdenken.

Wenn die 50 Minusstunden erreicht sind, darf der AG aber keinen Urlaub mit weiteren Minusstunden verrechnen. Entweder der AG bezahlt dann die weiteren Stunden die Ihr nicht arbeiten dürft, nach § 615 BGB oder er meldet Kurzarbeit an. Da sollte man sofort mal die Auftragslage prüfen und sich über die Bedingungen für Kurzarbeit erkundigen.

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Hexle2 23.02.2013, 08:59

Dann solltet Ihr mal dringend über die Gründung eines Betriebsrats nachdenken.

Wenn die 50 Minusstunden erreicht sind, darf der AG aber keinen Urlaub mit weiteren Minusstunden verrechnen. Entweder der AG bezahlt dann die weiteren Stunden die Ihr nicht arbeiten dürft, nach § 615 BGB oder er meldet Kurzarbeit an. Da sollte man sofort mal die Auftragslage prüfen und sich über die Bedingungen für Kurzarbeit erkundigen.

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Naja, auf jeden fall hätten sie das mit Euch besprechen müssen udn dürfen nicht einfach was vom Lohn abziehen.

Was war denn vorher besprochen, als Ihr zu hause wart, wie das geregelt werden soll?

Ich würde auch zum Betriebsrat gehen und mich ansonsten fachlich beraten lassen. Geh mal zur Gewerkschaft Deiner Branche, die haben oft kostenlose Rechtsberatung.

Hexle2 23.02.2013, 08:40
die haben oft kostenlose Rechtsberatung.

Aber nur für Gewerkschaftsmitglieder

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klär das am besten mit eurem betriebsrat ab, die kennen sich da besser aus.

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