Arbeitgeber sagt NEIN zum Urlaub - vorher genehmigt?

3 Antworten

Bei bestimmten Notfällen darf ein Arbeitgeben den vorher genehmigten Urlaub zurücknehmen, muss dann aber die für den Mitarbeiter anfallenden Kosten (Stornierungskosten einer Reisebuchung usw) übernehmen. Ausserdem ist bei Auswahl von mehreren Mitarbeitern die soziale Verantwortung einzubeziehen (zB Familienurlaub eines Vaters). Auch muss der Betriebsrat zustimmen.

Ein simpler Personalausfall ist kein Grund für den Widerruf eines genehmigten Urlaubs. Allerdings darf man nicht einfach dennoch den Urlaub antreten, sonst könnte der Arbeitgeber mit dem Vorwurf des unentschuldigten Fehlens kommen.

Dazu zwei Zitate:

"Lediglich in Ausnahmefällen kann der Urlaub ohne
ausdrückliche Vereinbarung der Arbeitsvertragsparteien einseitig
verlegt werden. Auf Arbeitgeberseite ist hierbei vor allem an
Katastrophenfälle oder an den plötzlichen Ausfall einer größeren Zahl
von Arbeitnehmern zu denken, durch den der Fortgang der Produktion
gefährdet wäre."

https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/kann-der-arbeitgeber-den-urlaub-widerrufen_76_185654.html

"Kann der Ar­beit­ge­ber be­reits gewähr­ten Ur­laub wi­der­ru­fen?

Nein. Der Ar­beit­ge­ber darf ei­nen ein­mal gewähr­ten Ur­laub im all­ge­mei­nen nicht wi­der­ru­fen. Ein sol­cher Wi­der­ruf ist nur in ganz ex­tre­men Ausnahmefällen möglich. Sol­che Aus­nah­mefälle sind aber rein theo­re­tisch, d.h. es gibt sie in der Pra­xis kaum."

http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Urlaub.html#tocitem12

Aber vielleicht ist er der "passenste"? Vielleicht sind die anderen an die Ferien gebunden? WEil sie Kinder haben?

Wie dem auch sei: es ist ärgerlich, aber wenn betriebliche Gründe dafür sprechen und er noch jemanden braucht, darf er auch den Urlaub streichen

allerdings muss er für die Kosten aufkommen, die eurem Freund entstehen. Allerdings nur für diese, das ihr dann mehr zahlen müsst ist irrelevant.

Also, die Restzahlung (die noch aussteht) müsste das Unternehmen dann übernehmen? :-)

Das wäre ja wenigstens schon mal positiver.

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@Tillo98

Die von euerem verhinderten Freund, ja. Und nicht nur die Restzahlung sonder alle kosten die er schon hatte

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@Tillo98

@ Tillo98:

Es gibt für Deinen Freund (wenn er denn auf seinem Urlaub -zu recht! - bestehen will) nur die Möglichkeit der Ersetzung der Genehmigung des Arbeitgebers durch eine gerichtliche Entscheidung.

Der Urlaubsanspruch kann über eine Leistungsklage auf Gewährung des Urlaubs beim Arbeitsgericht durchgesetzt werden oder - wenn die Zeit dafür zu knapp ist - über den Antrag beim Arbeitsgericht auf einer einstweiligen Verfügung, die den Arbeitgeber zur Urlaubsgewährung zwingt. Der Arbeitgeber muss dann beweisen, dass der Betrieb "den Bach runter geht", wenn der Arbeitnehmer tatsächlich Urlaub nehmen darf.

Dafür ist in dieser Instanz kein Anwalt nötig (falls Dein Freund sich das selbst zutrauen sollte, denn den müsste er auf jeden Fall selbst bezahlen). Die Rechtsantragstelle des Gerichts nimmt die Klage bzw. den Antrag entgegen, nimmt beides auch zur Niederschrift auf und hilft dabei (kostenlos) bei der Formulierung.

Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob Dein Freund bereit und in der Lage zu einer solchen Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber ist, und wie sich das Arbeitsverhältnis anschließend darstellen wird.

Ansonsten:

Fügt sich Dein Freund in das "Schicksal", akzeptiert also den Widerruf der Urlaubsgenehmigung, dann muss der Arbeitgeber ihm alle aufgrund dieses Widerrufs entstanden Kosten ersetzen!

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Deine Argumentation ist nicht stichhaltig (siehe dazu richtig die Antwort von PeterSchu)!

Vielleicht sind die anderen an die Ferien gebunden? WEil sie Kinder haben?

Das muss der Arbeitgeber bei der Urlaubsbewilligung bedenken und darf ihm nicht erst nachträglich "einfallen"!

Wie dem auch sei: es ist ärgerlich, aber wenn betriebliche Gründe dafür sprechen und er noch jemanden braucht, darf er auch den Urlaub streichen

Das ist für den Widerruf einer einmal erteilten Urlaubsgenehmigung absolut und bei weitem nicht ausreichend!!

In den bisherigen Gerichtsverfahren zu diesem Thema hat noch kein Arbeitgeber nachvollziehbare Gründe anführen können, die ein so gravierendes Vorgehen wie die Streichung eines genehmigten Urlaubs hätten rechtfertigen können. Die Gerichte halten annehmbare Gründe lediglich für mehr oder weniger "theoretisch" denkbar: wenn der Urlaub eines Arbeitnehmers dazu führen würde, dass der Betrieb dadurch in seiner wirtschaftlichen Existenz konkret bedroht wäre!

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@Familiengerd

Sicher muss ihm das vorher einfallen, das er Leute mit Kindern bei der urlaubsvergabe "bevorzugt", aber hier liegt der Fall durch die Schwangerschaft etwas anderes, da ihm ja unvorhergeseehen eine mitarbeiterin fehlt.

Und klar gibt es Betriebliche Gründe, je kleiner der Betrieb ist um so unverzichtbarer ist jeder einezelne Mitarbeiter.

Ein Freund hat selber einen kleinen Betrieb, fehlen da 2 oder 3 von den 6 Mitarbeitern kann er zumachen, weil dann die Produktion nicht aufrecht erhalten werden kann

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@Nordseefan

Auch diese Beispiel sind überhaupt nicht stichhaltig, weil sie an der Sache vorbei gehen!

Erstens ist die Schwangerschaft einer Arbeitnehmerin absolut kein Grund zum Widerruf des bereits genehmigten Urlaubs eines anderen Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber würde einen Arbeitnehmer, der im Krankenhaus liegt, deswegen wohl auch nicht aus seinem Krankenbett holen!

Zweitens ist das Beispiel Deines Freundes mit seinem kleinen Betrieb völlig ungeeignet! Wenn er nur 6 Mitarbeiter hat und die Produktion es nicht zulässt, darf er nicht gleichzeitig 2 oder 3 Leuten Urlaub genehmigen - das ist auch völlig in Ordnung nach nachvollziehbar. Es geht hier aber nicht darum, dass Urlaub nicht genehmigt wurde, sondern darum, dass genehmigter Urlaub rechtswidrig widerrufen wird!

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@Familiengerd

1. Krankenaus ist nicht Urlaub.

2. es geht hier nicht ums gleichzeitig urlaub gewähren sondern darum das einem Urlaub gewährt wird, der dann wegen Krankheitet eines weitern Mitarbeiters wiederrufen werden muss weil sonst die Existenz auf dem Spiel steht.

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@Nordseefan

Krankenhaus ist nicht Urlaub

Das ist klar - aber für den Fall völlig irrelevant!

Der Arbeitgeber steht doch so oder so vor dem gleichen Problem: So wenig er wegen "dringender betrieblicher Gründe" einen Kranken zur Arbeit beordern kann, so wenig darf er einen genehmigten Urlaub widerrufen, wenn nicht betrieblich existenzielle Gründe vorliegen (und die hat es in praxi vor Gericht auch noch nicht gegeben).

das einem Urlaub gewährt wird, der dann wegen Krankheitet eines weitern Mitarbeiters wiederrufen werden muss

Was macht denn Dein Freund mit seinem Betrieb, wenn neben dem erkrankten Arbeitnehmer ein zweiter oder sogar ein dritter erkrankt? Deren Erkrankung kann er auch nicht "widerrufen"!

Also auch diese Deine Erwiderung geht wieder am diskutierten Problem vorbei! 

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