Arbeitet ein Pflichtverteidiger wirklich engagiert?

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9 Antworten

Grundsätzlich kann ein Anwalt einen Fall IMMER ablehnen. Dazu muß man wissen, was überhaupt Pflichtverteidigung bedeutet:

Ein notwendiger Fall der Pflichtverteidigung wäre in Deinem Fall gegeben. Das ist nämlich z.B. bei Verbrechen der Fall. Dies führt dazu, daß der Richter in einer ganz langen Liste mit Anwälten nachsieht, wer an der Reihe ist. Dann schreibt er dem Angeklagten, wer als Pflichtverteidiger bestellt werden soll, wenn der Angeklagte innerhalb von 14 Tagen selbst keinen Verteidiger benennt. Weil sich nämlich auch immer ein Wahlverteidiger als Pflichtverteidiger beiordnen lassen kann, was in den allermeisten Fällen auch geschieht.

Wenn der vermeintliche Pflichtverteidiger den Fall dann bekommt, hat er jederzeit das Recht, sein Mandat niederzulegen, weil er den Fall nicht (mehr) übernehmen will. Wenn er den Fall übernimmt, bekommt er als Hornorar 9/10tel einer normalen Strafverteidigung (bin nicht ganz sicher, meine ich aber). Das ist also nicht so wirklich viel weniger als sonst.

WENN ein Pflichtverteidiger tätig wird, dann wird er normalerweise immer versuchen, seinen Job so gut wie möglich zu machen. Weil es nämlich nichts wichtigeres gibt, als den Ruf eines Anwalts. Wenn sich rumspricht - und das TUT es unter solchen Menschen - daß ein Anwalt schlecht ist, dann wird er sehr, sehr schnell keine Mandate mehr bekommen und darf Pommes verkaufen gehen. Andersherum: Ein Anwalt, der sich als Pflichtverteidiger profiliert, wird auch innerhalb kurzer Zeit eine Menge Wahlmandate bekommen und "gut im Geschäft" sein.

Diese Frage kann Dir eigentlich nur ein Anwalt beantworten, der mit dieser Situation konfrontiert wird.

Selbstverständlich steht es jedem Anwalt frei, ein Mandat abzulehnen. Selbstverständlich sollte auch ein Pflichtanwalt das Beste für seinen Mandanten herausholen.

Aber ob das in der Praxis tatsächlich so ist...???

Du weißt doch: Theorie und Praxis - zwei Welten prallen aufeinander

Das kommt wie immer drauf an. Es gibt Anwälte, die sich auf Strafrecht spezialisiert haben und auch solche Mandate übernehmen. Auch Verbrecher, die besonders verwerfliche Verbrechen begangen haben, haben das Recht auf ein rechtsstaatliches Verfahren und das Recht auf einen engagierten Anwalt.

Natürlich kann es aber immer vorkommen, dass der Anwalt von seinem Mandant und/oder der Tat so angewidert ist, dass er sich nicht so ins Zeug legt, wie er könnte oder sollte. Und häufig ist der gewählte Verteidiger sicherlich engagierter als der Pflichtverteiger. Aber eine generelle Aussage lässt sich darüber nicht treffen.

Vorbemerkung, ich bin kein Jurist und nachstehendes ist meine persönliche Meinung. Diese Frage allein schon birgt Gefahren in sich. Da ist schon die Beweislage ausschlaggebend. Sollte diese unwiderlegbar klar sein, ist der Rest nur noch eine Frage der rechtsstaatlich ordnungsgemäss geführten Gerichtsbarkeit. In einem also klaren Fall hätte ich sogar als Freier REA kein Problem, das weil persönliches ausgeblendet wäre. In einem Tweifelsfall würde ich nach Anhörung des Beschuldigten entscheiden.

Kurz noch §48 BRAO, es genüg nicht nur einen Paragraphen zu zitieren. Wenn man dies tut, sollte man auch die dazu gehörenden Ausführungsbestimmungen und Kommentare haranziehen. Nur ein, von einigen, Grund könnte Befangenheit sein, um eine Bestellung von Amtswegen abzulehnen.

"Der Rechtsanwalt muss eine Verteidigung oder Beistandsleistung übernehmen, wenn er nach den Vorschriften der Strafprozessordnung ... (usw) ... zum Verteidiger oder Beistand bestellt ist."

Das ist §48 BRAO (Bundesrechtsanwaltsordnung)

Ich glaube nicht, dass er absichtlich "schlecht" arbeiten würde - wem würde das nutzen. Er würde aber nicht für etwas plädieren, für das er keine Argumente hätte.

Ja, denn es ist durchaus nicht leicht an wirklich, so zynisch es klingt, spektakuläre Fälle zu kommen und ist daher durchaus auch eine Art von bezahlter Werbung ! Ein Pflichtverteidiger ist kein (!) Anwalt zweiter Wahl aber natürlich kann man auch einen durch und durch inkompetenten Anwalt erwischen, was aber auch dann der Fall sein kann, wenn der Beschuldigte selbst einen beauftragt !

Es ist sein Job, Dir zu helfen. Wenn er gut ist, spricht sich das rum und er hat vielleicht mal die Chance, eine eigene Kanzlei zu haben.

bei Pflichtverteidiger weiss ich es nicht aber jeder bezahlte Rechtsanwalt kann jeder Zeit die Mandantschaft niederlegen

Pflichtverteidiger auch. Zwar nicht grundlos, aber wenn einfach kein Vertrauensverhältnis aufkommt und der Verteidiger dann nicht seine Arbeit machen kann...

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die meisten strafrechtsanwälte machen auch pflichtverteidigungen..mein cousin hatte auch mal einen pflichtverteidiger, der hat ihn ganz ordentlich verteidigt..guck einfach mal auf seine homepage, der macht auch ne kostenlose erstberatung: http://www.matthias-losert.de/

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