Arbeiten nach Abitur bis zum Studium - Hartz IV

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3 Antworten

Hallo LinDaVinci,

ich möchte gar nicht auf Deine eigentliche Frage anworten. Aber es ist mir ein Bedürfnis, hierzu meine Meinung zu sagen. Nimm´es bitte nicht persönlich. Ich möchte den Anlass nutzen, eine generelle Einstellung der Menschen in der heutigen Zeit wiederzuspiegeln.

Nehmen wir einmal an, es gäbe keinen Sozialstaat. Dann würden die Familien dahingehend zusammenhalten, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten zum Familieneinkommen beiträgt. Die arbeitslosen Eltern können nicht so viel Einkommen nach Hause tragen. Deshalb müssten sie von dem Einkommen ihrer Familienangehörigen leben. Sind dies ältere oder erwachsene Kinder, dann tragen diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu bei. Vielleicht sind es auch die Eltern, die etwas Geld übrig haben. Aber wir leben in einem Sozilastaat; und das ist gut so. Dann tritt er ein, wenn Not am Mann ist und zahlt einen Ausgleich als Ersatz.

In diesem Fall ist es die arbeitslose Mutter, die Sozialleistungen erhält. Diese kommen aus dem Topf der Gemeinschaft der Steuerzahler, die widerum dieses Geld durch Arbeit erwirtschaftet haben. Die eigenen Kinder können nichts zum Familieneinkommen beitragen, wenn diese noch zur Schule gehen. Auch das ist ein Plus undsers Staates. In armen Ländern müssen die Kinder zu Hause bleiben und arbeiten und haben nicht des Luxus der Bildung. Nun hat ein Kind die Möglichkeit, zumindest zeitweise etwas zum Familieneinkommen beizusteuern. Und zwar einerseits zur Entlastung der Allgemeinheit und zum anderen, um das Gefühl zu bekommen, selber etwas zu Lebensunterhalt beitragen zu können. Doch die Einstellung ist leider die, dass hier zunächst überlegt wird, ob sich die Arbeit denn überhaupt lohnt. Das Kind fragt sich:"Lohnt es sich überhaupt, dass ich meinen Beitrag zum Familieneinkommen leiste? Lohnt es sich, dass ich die Gemeinschaft der Steuerzahler entlaste, die für viele viele Arbeitslose aufkommen müssen?" Lohnt sich das alles? Wenn ich "für andere" arbeiten muss, dann lohnt es sich nicht. Dann bleibe ich lieber zu Hause und mache nichts!" DAS ist heute Realität des Denkens. Dabei wird verglichen, wie es den Freundinnen geht, deren Eltern keine Sozialleistungen beziehen. Die jeden Verdienst immer für sich behalten können. Ja, DAS ist ungerecht! Und damit bin ich Deiner Meinung. Es ist ungerecht, dass manche Menschen einen Arbeitsplatz haben und gutes Geld verdienen während andere von Sozialleistungen leben müssen, die ohnehin zu gering bemessen sind. Zumindest im Vergleich zu den Gutverdiendern unseres Landes. Aber viel im Vergleich zu den Lebensbedingungen armer Länder. Ja, es ist ungerecht. Und ich kann Dich verstehen, dass Du möglichst viel vom Kuchen abhaben willst. Wer will das nicht?

Ich möchte damit nur sagen, es lohnt sich immer, arbeiten zu gehen. Und wenn es nur für 20 Euro ist. Es lohnt sich immer, für seinen Lebensunterhalt wenigstens teilweise oder zeitweise zu sorgen und auch Familienmitglieder zu unterstützen. Es zählen auch nicht nur die finanziellen Seiten, sondern auch die Lebenserfahrung, die man macht. Auch erste berufliche Schritte sind wichtig. Die Tatsache, selber etwas zu schaffen. Das sind alles Werte, die nicht mit Geld zu zahlen sind.

Abschließend möchte ich Dir noch sagen, dass Du dennoch beruhigt arbeiten gehen kannst. Es wird nicht alles angerechnet. Aber das werden Dir die Experten zu diesem Thema noch ausführlich beantworten.

Ich wünsche Dir alles Gute!

Mir war es nur wichtig, hier einmal eine andere Sichtweise darzustellen.

VirtualSelf 15.06.2011, 18:14

Ich möchte damit nur sagen, es lohnt sich immer, arbeiten zu gehen. Und wenn es nur für 20 Euro ist. Es lohnt sich immer, für seinen Lebensunterhalt wenigstens teilweise oder zeitweise zu sorgen und auch Familienmitglieder zu unterstützen. Es zählen auch nicht nur die finanziellen Seiten, sondern auch die Lebenserfahrung, die man macht.

Sorry, aber Präferenzen und Nutzenüberlegungen sind nun mal individuell unterschiedlich. Es gibt keinen objektiven Maßstab für "Lohnend" und "Nicht-lohnend".

Spinnt man den Gedanken auf gesellschaftlicher Ebene weiter, dann kann man ohne Weiteres zum Schluss, dass es schädlich, wenn nicht sogar asozial ist, sich zum Vasallen eines auf Lohndumping und 400EUR-Jobs basierenden Systems zu machen.

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LinDaVinci 15.06.2011, 18:18

Deine Einstellung finde ich absolut gerechtfertigt - kein Zweifel. Mir ist auch bewusst, dass es in der Natur der Menschen liegt selbstgefällig zu handeln, klar. Das Privileg der staatlichen Hilfe ist auch gut und im Gegensatz zu anderen Ländern unbestreitbar. Allerdings leben wir fernab von diesen Menschen und sind andere Dinge gewöhnt. Wir werden in unserem Land nach Äußerlichkeiten und sozialen Status bewertet und darum geht es mir. Man wünscht sich doch mehr!

Ich würde trotzdem behaupten, dass es bei mir und vielen anderen Abiturienten ungerecht zu geht, da wir erstens einen meist guten Abschluss besitzen und uns extra 2 Jahre hingesetzt haben, um etwas aus dem Leben zu machen. Andere hingegen verweigern die Arbeit, Bildung und sind kriminell bzw. Drogenabhängig (ich meine überwiegend Zigaretten und Alkohol).

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VirtualSelf 15.06.2011, 18:45
@LinDaVinci

Wir werden in unserem Land nach Äußerlichkeiten und sozialen Status bewertet und darum geht es mir. Man wünscht sich doch mehr!

Das mag zutreffen, alledings bedeutet es nicht, dass man das Mehr nur durch Arbeit oder durch jede Arbeit erreichen kann.

Zudem sind Lebenserfahrung und Weisheit keine Funktion von Schulbildung, des Einhaltens von Gesetzen oder von Abstinenz.

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IchWissen 15.06.2011, 20:09
@VirtualSelf

@VirtualSelf! Ich stimme Dir zu! Mein Beitrag ist absolut subjektiv. Und zwar mit Absicht!

@LinaDaVinci! Ein Vergleich mit den Arbeitsverweigerern und Co. wird Dir auf Deinem Weg nicht weiterhelfen.

Ja, es ist ungerecht! Was Dir bleibt, sind die gesetzlichen Möglichkeiten ideal auszunutzen. Also auf jeden Fall für den Freibetrag arbeiten gehen und diesen Verdienst mitnehmen. Und vielleicht zusätzlich ein freiwilliges unbezahltes Praktikum machen, um für Dein eigenes Berufsleben bessere Chancen zu haben und um Deine Persönlichkeit zu prägen. Nutze auch die Zeit, um Dich über diverse Stipendien zu informieren.

Noch was: Wichtig finde ich, wie man sich selbst bewertet...!

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Claud18 19.06.2011, 16:48
@IchWissen

@LinDaVinci

und uns extra 2 Jahre hingesetzt haben, um aus unserem Leben etwas zu machen

Also ich empfinde Bildung als Privileg und als Vergnügen und nicht als Extraarbeit! Freu dich doch, dass du die Möglichkeit hattest, Abitur zu machen und evtl studieren kannst (auch auf Kosten der Steuerzahler). Das ist ein derartiges Privileg, dass ich nicht neidisch oder missgünstig auf Leute schauen würde, die ihr Leben vergammeln. Sie wissen nämlich nicht, was ihnen entgeht.

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IchWissen 19.06.2011, 17:38
@Claud18

nicht neidisch oder missgünstig auf Leute schauen würde, die ihr Leben vergammeln.

Diese Aussage gefällt mir so gut, dass ich sie noch einmal zitiert habe.

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wenn du unter 25 bist bildest du mit deiner mutter eine bedarfsgemeinschaft. dir steht der "normale" freibetrag von 100 euro grundfreibetrag plus 300-400 euro 20% zu. bei 400 euro bleiben also 160 euro anrechenfrei, 240 werden auf deinen bedarf angerechnet. dein einkommen darf mit ausnahme des kindergeldes nicht auf deine mutter übertragen werden. sollte du mit deinem anrechenfähigen einkommen deinen bedarf decken können fällst du aus der bg. je nach bedarf und einkommen können also auch mehr als 160 euro anrechenfrei bleiben.

LinDaVinci 15.06.2011, 17:58

Heißt das nun, dass ich bei einer 400 € Basis nur 100 € haben darf oder 100 € Freibetrag + 160 (20%) = 260 € ?Ob sich das lohnt mit dem Arbeiten gehen ist fraglich - denn immerhin investiert man die volle Zeit und kriegt nur die Hälfte :-(

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VirtualSelf 15.06.2011, 18:02
@LinDaVinci

100 + 20% von 300 = 160 hast du frei; 240 werden auf deinen Bedarf angerechnet (§ 11 b SGB II)

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LinDaVinci 15.06.2011, 18:06
@VirtualSelf

Ich verstehe. Danke für die Antworten. Es lohnt sich gar nicht Arbeiten zu gehen >.

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VirtualSelf 15.06.2011, 18:18
@LinDaVinci

Kommt darauf an, was du unter lohnend verstehst. Zudem sollte man Überlegungen zum runtergerechneten Stundenlohn anstellen. Wenn du für 160 EUR Freibetrag 10 oder 20 Stunden pro Monat arbeitest, dann ist das etwas anderes, als für 160 EUR 40, 60 oder mehr Stunden zu arbeiten.

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um klarheit zu haben, geh zum arbeitsamt

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