Arbeiten in Südafrika (mit Familie)

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2 Antworten

Hallo Nicorros,

Wart ihr schon mal in Südafrika? Insbesondere deine Frau? Eventuell lassen sich die Bedenken ja zersteuen, wenn sie das Land kennen lernt. Ich persönlich wäre Feuer und Flamme diese Möglichkeit zu haben.

Die Qualität der Schulbildung hängt in Südafrika nicht zuletzt vom Geld ab. Aber da du über eine östereichische Firma dort drüben bist und kein lokales Gehalt bekommen wirst, sollte dieser Punkt kein Problem sein. Privatschulen in Südafrika haben europäischen Standard und es gibt verschiedene internationale und auch deutsche Schulen. Abgesehen davon sind deine Kinder ja noch sehr jung. Die Schule wird ja nur für das ältere Kind überhaupt von großer Bedeutung sein.

Was die Kriminalität anbelangt... Ich habe mich in SA noch nie wirklich bedroht gefühlt. Ich warne immer davor sich da in etwas rein zu steigern. Das Bedrohungsszenario in welches sich viele Touristen und weiße Südafrikaner rein steigern entspricht nicht der realen Gefahr. Risikowahrnehmung ist ein sehr interessantes Thema in SA.

Ich bin in Soweto zur Schule gegangen und lebe auch immer wieder sehr gerne bei meiner Familie dort. Ja die Kriminalität ist höher, genauso wie in anderen Ländern mit großen Einkommensunterschieden. Aber wenn man mit einem gewissen Maß an Umsicht aigiert, gibt es keinen Grund in SA paranoid zu werden.

Lernt das Land doch einfach mal kennen, vielleicht löst das die Bedenken oder aber ihr kommt beide mit der Einsicht wieder, dass es überhaupt nichts für euch ist. ;) Es scheint immer nur zwei Möglichkeiten zu geben, wenn Menschen nach Afrika fahren. Entweder sie kommen danach immer wieder oder aber es ist gar nicht ihre Welt.

Das liegt dann aber meist nicht an der Sicherheitslage sondern, daran, dass man ein generelles Problem mit Nähe und dem dortigen Lebensstil hat. Es bedarf einfach einer gewissen Offenheit sich auf viele kulturelle Unterschiede einzustellen und man sollte gerade am Anfang nicht den Fehler machen alles mit Deutschland/ Österreich zu vergleichen und zu werten.

Wenn du vor Ort arbeitest, wirst du z.B. die Erfahrung machen, dass der Arbeitsethos ein anderer ist. In SA ticken die Uhren etwas anders. Meine Freunde und ich haben z.B. den running joke, dass ich bei Verabredungen immer frage ob wir "African" oder "European time" verwenden. Wenn wir uns auf African time einigen, dann komme ich "irgendwann". Auch gerne 2 Studen später. Wenn etwas erledigt werden soll, dann gibt es einen Unterschied zwischen "now" und "now now". Now now bedeutet, dass es tatsächlich jetzt geschehen soll. Now heißt eigentlich nur, dass es zur Kenntnis genommen wurde und vermutlich irgendwann geschieht. Es gibt ettliche solcher Kleinigekeiten die anders sind, die einem teilweise sogar ziemlich auf die Nerven gehen können. Da kommt es eben darauf an ob man sich integrieren kann oder nicht. Ich gewöhne mich immer sehr schnell an den Lebensrhytmus in SA und habe gelernt vieles davon sehr zu schätzen.

Aus meiner Sicht hast du eine tolle Chance. Bzw. deine ganze Familie. Nicht jeder hat den Luxus Auslandserfahrung und dann noch in einem solch schönen Land sammeln zu können, ohne auf die soziale Absicherung in seiner Heimat verzichten zu müssen. Ich finde es einfach spannend für eine gewisse Zeit in anderen Ländern zu leben und die Menschen und die Kutltur so intensiv kennen zu lernen. Als Tourist kratz man ja doch immer nur an der Oberfläche. Mein Rat ist daher die Chance zu ergreifen.

Wenn du Fragen zu SA hast, immer gern!

Beste Grüße,

Susan

Susan, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich war schon zweimal beruflich in SA und kann es mir auch jederzeit vorstellen dort für eine gewisse Zeit zu leben und zu arbeiten. Meine Familie noch nicht. Ich werde meiner Frau das Land natürlich in naher Zukunft vorstellen, erst dann kann sie sich glaube ich endgültig entscheiden, ob sie das Abenteuer wagt oder nicht. Was die Kinder betrifft: die folgen meiner Frau :-)

Sehr spannend zu lesen, dass du in Soweto zur Schule gegangen bist. Wie lange ist das her?

Ich komme gerne auf dein Angebot zurück sollte ich Fragen zu SA haben und die werde ich mit Sicherheit haben.

Danke nochmal !

lg Mario

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@Nicorros

Hi Mario,

Meine Schulzeit ist schon eine Weile her. Das war 2003. Seit dem ist Soweto nicht mehr wieder zu erkennnen. Da hat sich wahnsinnig viel getan. Im positiven Sinne! Da ich nach meinem Abschluss in Deutschland Afrikawissenschaften studiert hab und jetzt in dem Bereich promoviere ergeben sich natürlich "rein zufällig" alle 1-2 Jahre Gründe wieder zurück zu kommen.

Wenn ihr euch SA zusammen anschaut, dann besucht Soweto unbedingt. Ich weiß, ich rate das jedem SA-Touristen ;) Aber ich hab die Erahrung gemacht, dass leider sehr viele nach SA fahren und sich dann kaum aus dem Hotel traun. Geschweige denn in ein Township. Dabei fühle ich mich in Soweto tausend mal wohler als in Johannesburg. Im Township ist es weit weniger anaonym als in einer Stadt. Wobei sich selbst Jozi im Zuge der WM stark gebessert hat.

In Soweto gibt es einen netten Backpacker, die Besitzer sind sehr aktiv im Bereich des fairen Reisens (Lebo's Soweto Backpacker). Wenn man die Stadt vor Ort und die Menschen aus nächster Nähe kennen lernt, baut das einige Ängste ab. Schau dir einfach mal die Seite an, die Radtouren sind sehr zu empfehlen!

Lg Susan

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Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen!

Ich würde die Chance auch sofort wahr nehmen. Aber gut, ich gehöre genau zu jenen, die vom Afrika-Virus infiziert wurden und seither hier leben. Natürlich müssen sich deine Frau und Kinder auch wohl bei der Entscheidung fühlen. Ein vorheriger Kurz-Aufenthalt in Südafrika sollte da eine klare Antwort liefern. Wo in Südafrika soll es denn hingehen?

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@suedafrika2010

Das ist hier die Frage. Wenn es nach meiner Firma geht, würde es Johannesburg sein. Wir haben dort eine Produktionsstätte. Es gebe aber auch Zweigstellen in Durban, Kapstadt und Port Elisabeth. Während meiner letzten Dienstreise war ich u.a. in einem Hotel in Kloof (Durban) einquartiert. Nette Gegend dort und ich denke auch sehr lebenswert. Habe noch keine Info bezüglich ordentlichen Schulen u. Kindergärten, aber soweit sind wir noch nicht, muss erst meine Familie überzeugen.

Was wären eurer Meinung nach die vernüftigsten Wohngegenden in SA?

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@Nicorros

Geeignete Schulen und Kindergärten wirst du überall finden. Südafrika hat Privatschulen wie Sand am Meer. Jeder, der es sich leisten kann schickt seine Kinder dort hin und zumindest für Kapstadt, Duraban und Johannesburg weiß ich, dass es deutsche Schulen gibt, falls euch das wichtig sein sollte.

Wenn ich die freie Wahl zwischen den Städten hätte, wäre es definitiv Kapstadt. Eine Lage am Meer bringt immer auch ein besseres Lebensgefühl mit sich. Kapstadt ist eine sehr offene Stadt, weit weniger Rassismus als in Johannesburg, kulturell sehr vielfältig. Architektonisch schön, tolles Umland für Tagesausflüge.... Johannesburg hat kulturell auch sehr viel zu bieten, aber wenn ich mich in die Lage deiner Frau versetze, dann vermute ich, dass sie sich hier im Vergleich eventuell etwas schwerer tut sich einzuleben.

Darf ich fragen ob sie ebenfalls arbeiten wird oder in erster Linie Mutter in ihrer Zeit in SA ist? Ich denke solange man eine Aufgabe hat (nicht falsch Verstehen, auch Mutter sein ist eine vollwärtige Aufgabe) kann man sich in Jozi ganz gut arrangieren. Ich denke hier insbesondere daran Kontakte zu knüpfen, sich zu intergieren... In Kapstadt spielst sich das Leben etwas offener draußen ab. Wenn sie also in erster Linie bei den Kids ist, dann wird sie in Kapstadt vermutlich besser Anschluss finden und schneller mehr alleine unternehmen.

Durban finde ich eigentlich etwas überbewertet. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Irgendwie muss man Städte ja manchmal einfach mögen. Für mich stehen die meist mit Touristen völlig überfüllten Strände mit ihren rausgeputzen Hotels, Wohnanlagen für die Besserverdienenden und Downtown Durban (etwas schmudelig und stiefmütterlich behandelt) in einem Gegensatz. Aber man kann dort sicherlich auch gut leben. Das will ich garnicht abstreiten.

P.E wäre auf meiner Liste recht weit abgeschlagen. In Südafrika beschweren sich immer alle, dass Touristen der Stadt unrecht tun weil sie höchstens 1-2 Nächte da bleiben. Da ist durchaus was dran, aber P.E. ist und bleibt eben eine Hafenstadt (im eher negativen Sinn), die mit den anderen Stätden nicht mithalten kann.

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@susicute

Danke für deinen Kommentar!!

Also aus heutiger Sicht würde sie bei den Kinder bleiben und nicht arbeiten. Außerdem würde sie sehr lange brauchen, einem "Fremden" unsere Kinder anzuvertrauen! Oder gar nicht.

Habe schon von mehreren Seiten gehört, dass Kapstadt "the place to be" sein soll. Jetzt muss ich schon zwei Personen überzeugen. Erstens meinen Chef, der Johannesburg ins Auge fasst und meine Frau. Aber sollte ich der richtige für diesen Job sein, denke ich wird ihm zu sprechen sein.

Ich finde es toll, dass sich Leute da draußen finden, die mir auch Mut zusprechen. Ihr versteht sicher, dass so eine Entscheidung nicht einfach ist. Ich lasse meine relativ große Familie zurück, meinen Freundeskreis, mein geregeltes Österreich-Leben :-)

Aber wenn möglich, möchte ich diese Möglichkeit einfach ergreifen. Das Land gefällt mir, ich denke ich kann auch erfolgreich sein dort. Nix is g'wiss wie wir Österreicher sagen, aber einen Versuch ist es Wert.

Was die Schulen betrifft würden wir natürlich eine gute private "Volksschule" vorziehen. Sobald klar ist ob wir gehen oder nicht, werden ich gleich mal dieses Thema angehen.

Erlaubt mir einen Empfehlung für alle Südafrika-Reisenden abzugeben: ein Steak (egal welches) im Werner's genießen. Ist in der Nähe von Johannesburg, vom einem Österreicher geführt und schmeckt einfach herrlich.

Danke nochmal für eure Hilfe - hilft mir wirklich weiter !

lg Mario

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@Nicorros

Hi Mario,

noch ein kurzer Linktipp, der vielleicht auch für deine Frau interessant sein könnte: http://www.joburgexpat.com/. Da berichtet eine Deutsch-Amerikanerin über ihre Expat-Zeit in Johannesburg.

Ich persönlich würde auch Kapstadt bevorzugen. Das Meer, die Berge, die Landschaft und der Lifestyle sind einfach unvergleichlich. Quasi die perfekte Kulisse für solch ein Abenteuer. Zumal der Kulturschock aufgrund des doch recht europäischen Einflusses nicht ganz so heftig ausfallen dürfte wie in anderen südafrikanischen Städten.

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Hallo Mario. Habe gerade den Ratschlag und die Meinung von “Susicute” gelesen. Einen besseren Rat kann man Dir nicht geben als sie es getan hat. Zusätzlich kann ich Dir nur noch raten: mach sicher, dass Du Deinen Job nach Deiner Rückkehr aus SA wieder bekommst. Ich bin vor “hundert” Jahren nach Johannesburg ausgewandert. Meine Kinder sind dort geboren. Als sie schulpflichtig wurden, haben sie einige Jahre die Deutsche Schule besucht, bis ich mit Familie nach Deutschland zurück ging. Während dieser Zeit haben wir viele Eltern der Mitschüler kennen gelernt und so unseren englisch sprechenden Freundeskreis um deutsche Freunde erweitert. Ich denke, dass Ihr schnell neue Freundschaften schließen werdet. Sicher, die Situation in den Großstädten, wie Johannesburg und Durban sind anders als damals. Aber man kann sich arrangieren. Da wir jetzt seit vielen Jahren abwechselnd in Deutschland und Südafrika (in der Nähe von Kapstadt) leben, bin ich in der Lage, mich laufend „vor Ort“ über die Situation zu informieren. Ich glaube, wer einige Zeit in irgend einem Ausland gelebt hat, hat seinen Horizont erweitert und hat bessere Aussichten im Beruf weiter zu kommen. Ich lese gerade, dass Du eventuell Deinen Arbeitsort wählen kannst. Meine Priorität wäre Kapstadt. Die Kapprovinz wird von der DA (Democratic Alliance) regiert und nicht vom ANC, wie in den anderen Provinzen. Übrigens hat Kapstadt auch eine Deutsche Schule. Viel Glück wünscht Oskar.

Hallo Oskar!

Danke für deinen post. Erst gestern hatte ich mit meiner Frau eine längere Unterhaltung zu diesem Thema. Ich habe ihr auch alle eure Kommentare lesen lassen, was sicher nicht von Nachteil war. Nächster Schritt - Verhandlung mit meinem Chef bezüglich Standort.

Vielen Dank nochmal an alle für eure Unterstützung!

lg Mario

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@Nicorros

Hallo Mario, ich habe noch einmal wegen des Arbeitsortes nachgedacht. Wenn Deine Firma den Produktionsbetrieb in Johannesburg hat und Du irgendetwas mit der Produktion zu tun hast, dann wäre Jo'burg natürlich der bessere Platz. Wenn Frau und Kinder absolut nicht mitkommen wollen, würde ich nach Johannesburg gehen (es ist schon das Wirtschaftszentrum Südafrikas), wenn Frau und Kinder mitkommen, dann denke ich, Kapstadt bietet mehr Lebensqualität. Übrigens heißt die "Deutsche Schule" nur so, sie wurde früher auch von Österereichern und Schweizern besucht, inzwischen auch von Einheimischen. Die Kinder fangen dort in der ersten Klasse an und haben 12 Jahre bis zum Abi. Gruß von Oskar.

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@Oskar5

Alles klar Oskar. Danke für die Info.

Ich selbst bin Verkäufer (Stahlindustrie). Unsere Schwesterfirma hat einige Produktionsstandorte und Vertriebsbüros in Südafrika. D.h. theoretisch würde ich sowieso herumfliegen müssen. Soweit ich weiß dauert ein Flug von Kapstadt nach Johannesburg ca. 2 Stunden, was ja nicht so schlimm wäre.

Ohne Familie würde ich nicht nach Südafrika gehen, ich glaube da wäre ich bald wieder zuhause :-) also bietet sich hier eher Kapstadt an.

Wenn du entscheiden könntest wo du in Kapstadt wohnst, wo würde das sein? (in welchem Stadteil, in welchem suburb)

Goie Dankie!

Mario

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@Nicorros

Hallo Mario, ich habe nie direkt in Kapstadt gewohnt. Es gibt also weitaus kompetentere Leute als mich in der Beziehung. Aber ich persönlich würde wahrscheinlich etwas in Tambeurskloof suchen (relativ zentral, am Hang, Blick auf Cape Town, Tafelberg, Deutsche Schule um die Ecke). Relativ teuer ist die Gegend am Antlantik von Seapoint, Clifton, Camps Bay bis Llandudnow. Weitere gute Gegenden sind Rondebosch, Newlands, Claremont, Bishopscourt, Constantia - generell die "Southern Suburbs". Ich denke, Deine zukünftigen Arbeitskollegen in Cape Town werden Euch gute Tips geben. Alles van die Beste wünscht Oskar.

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